Exodus ist einer der zentralen Begriffe der politischen Theorie Paolo Virnos. Vor dem Hintergrund der Tradition des Postoperaismus entwickelte der italienische Philosoph in den letzten dreißig Jahren vielfache Bedeutungslinien aus und um diesen Begriff: zunächst die massenhafte Flucht aus der Fabrik in den 1970er Jahren, dann das massenhafte Abfallen vom Staat als Ausgangspunkt einer neuen Form von Demokratie, und schließlich die sprachphilosophische Wendung zu einer Figur der Verlagerung, Verschiebung, Abweichung. Der Exodus eröffnet einen neuen Weg, der noch nicht auf den politischen Karten verzeichnet ist, um genau jene Grammatik zu verändern, die die Auswahl aller denkbaren Wahlmöglichkeiten bestimmt.
Paolo Virno (1952–2025) was an Italian philosopher, semiologist and a figurehead for the Italian Marxist movement. Implicated in belonging to illegal social movements during the 1960s and 1970s, Virno was arrested and jailed in 1979, accused of belonging to the Red Brigades. He spent several years in prison before finally being acquitted, after which he organized the publication Luogo Comune (Italian for "commonplace") in order to vocalize the political ideas he developed during his imprisonment. At the time of his death, Virno was teaching philosophy at the University of Rome.