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Wie die Deutschen weiß wurden: Kleine (Heimat)Geschichte des Rassismus

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Bei dieser „Kleinen (Heimat)Geschichte des Rassismus“ handelt es sich um das erste Buch überhaupt, das die Entwicklung des Rassismus gezielt aus deutscher Perspektive beleuchtet. Der Herausbildung des an Hautfarben orientierten Rassismus wird dabei ebenso nachgegangen, wie dem Antisemitismus, Antiislamismus, Antislawismus, Antiziganismus und eugenischem Denken.

Erst im Verlauf des europäischen Kolonialismus entstanden Formen der Herabminderung, die mit bestimmten Hautfarben verknüpft waren. Sie mündeten schließlich in die von der Aufklärung entwickelte Rassentheorie, wobei deutsche Denker eine bedeutende Rolle spielten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Rassedenken durch antikoloniale Bewegungen, Bürgerrechtskämpfe und schließlich durch Vernetzungen im Rahmen der Globalisierung zwar diskreditiert, die Entwicklung des Antisemitismus, der als Fremdenfeindlichkeit bezeichnete Rassismus gegen Migranten und schließlich der Antiislamismus zeigen jedoch, dass damit der Rassismus nicht am Ende ist, sondern sich wieder verstärkt jener kulturellen Elemente der Diskriminierung bedient, die er schon in seinen Anfängen benutzt hatte.

220 pages, Paperback

Published January 1, 2018

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Wulf D. Hund

21 books

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Community Reviews

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for ➸ Gwen de Sade.
1,229 reviews112 followers
February 21, 2022
Das war ein sehr guter Einblick in deutsche bzw. europäische Geschichte, allerdings recht akademisch und nicht für alle gleichermaßen zugänglich. Ich habe eine Zeit lang Mittelhochdeutsch gelernt, mich haben die Ausfürhungen auf Mittelhochdeutsch nicht gestört. Sie werden zwar übersetzt - allerdings oft erst ein Stück weiter im Text, was ein bisschen den Lesefluss stört.

Inhaltlich aber wirklich gut und interessant und wichtig. Es wird nicht alle Fragen über Rassismus die man hat beantworten, aber es ist ein gutes Werk für einige Hintergrundinformationen, die ich bis dato in dieser Form noch nirgends sonst gefunden habe.
Profile Image for Zapatoo.
151 reviews3 followers
April 23, 2019
Selbst einem historisch halbwegs versierten Leser, bringt das kurze, unterhaltsame und differenzierte Werk über seine text- wie bildorientierte kultur- und begriffsgeschichtliche Herangehensweise mit zahlreichen Beispielen die prozesshafte Genese einer deutschen 'Normalität' nahe. In sich kohärent und schlüssig, werden die unterschiedlichen Rassismen in ihren Gemeinsamkeiten und Differenzen, in ihrer historischen Genese und den Widersprüchlichkeiten ihrer Entstehung und der Umstrittenheit von Zugehörigkeiten und Anderssein dargestellt. Obgleich das trocken klingt, wird einem in dem knappen Raum dank treffend ausgewählter Beispiele und Zitate doch in einem höheren Maße bewusst, was Antisemitismus, Antiziganismus, antischwarzer und antimuslimischer Rassismus miteinander im deutschen Kontext zu tun haben und worin sie sich unterscheiden. Die zehn chronologisch gegliederten Kapitel verschaffen einem die Möglichkeit das schrittweise Nachzuverfolgen, mit der Geschichte des deutschsprachgien Raumes als rotem Faden, und laden dazu dank eines guten Literaturverzeichnisses dazu ein, sich mit den einzelnen Aspekten (und Forschungsdiskussionen) vertieft zu beschäftigen
Profile Image for Julia (wortknistern).
325 reviews179 followers
August 29, 2021
Inhalt super wichtig und interessant, leider sind die ersten 100 Seiten stark akademisch mit sehr langen Zitaten aus alten Büchern, diese sind zum Teil sogar auf Mittel oder Althochdeutsch. Die letzten 50 Seiten waren sprachlich besser, leider war für mich im Kapitel zum Nationalsozialismus wenig neues dabei, das hatte ich auch in der Schule. Das letzte Kapitel spannt dann den Bogen von der Zeit nach dem Nationalsozialismus, inhatlich sehr interessant aber war mir etwas zu knapp, hätte ich mir ausführlicher gewünscht.
Profile Image for Melanie.
70 reviews33 followers
November 9, 2017
Insgesamt wirkt das Buch sachlich und unaufgeregt, was bei einem solchen Thema nicht verkehrt ist. Der Klappentext verspricht Aufklärung über den Irrtum bezüglich der "Farben der Rassen".
Inhaltlich wartet das Buch mit 10 übergeordneten Kapiteln auf, denen je drei Unterkapitel folgen. Jedes Kapitel beginnt mit einer farbigen Abbildung. Das Literatur- und Nachweisverzeichnis ist sehr umfassend, was auf eine gute Recherche schließen lässt.

Zu Beginn erfahren die Lesenden, welchen Stellenwert "Mohren" für Kunst und Mode hatten und wie sehr dies das Bild vom Menschen prägte.
Der Begriff "Rassismus" und dessen Entstehung werden auf interessante Weise erklärt. Der Autor führt bislang verborgene rassistische Äußerungen und Handlungen bekannter Persönlichkeiten auf und belegt dies durch Zitate. Durch solche und andere Methoden, erwirkt er bei den Lesenden eine emotionale Reaktion und auch Wulf Hund selbst zeigt mehrfach seine Einstellung zu gewissen Sachverhalten. Das Versprechen des Klappentextes wird eingehalten indem ausführlich geschildert wird, was es mit der Stigmatisierung durch Hautfarben auf sich hat.

Das Lesen dieses Buches, macht den Lesenden bewusst, wie vielfältig der Begriff des Rassismus eigentlich ist und wie sehr man geneigt ist, einiges davon nicht wahrzunehmen. Bis heute sind in Werbung, Wirtschaft und Sprachgebrauch rassistische Elemente präsent.

Der Einstieg ins Thema gestaltet sich sehr fachlich und wirkt dadurch schwer zugänglich. Das löst sich im Verlauf der Folgekapitel auf. Fremdsprachige Begriffe/Phrasen werden nicht übersetzt. Die Abbildungen sind sinnbringend in das jeweilige Kapitel eingebunden und werden ausführlich erklärt. Der Autor überrascht durch plötzlich anmutende Stilmittel, wie z. B. der Wechsel in die Ich-Erzählperspektive. Wulf D. Hund steigt direkt ins Thema ein, verzichtet auf eine langsame Heranführung und beeindruckt mit einem starken Ende.
Profile Image for A YOGAM.
2,530 reviews10 followers
October 29, 2025
Wulf D. Hunds Buch „Wie die Deutschen weiß wurden“ stellt die vermeintliche Selbstverständlichkeit der „weißen Rasse“ fundamental infrage und entfaltet eine kritische (Heimat-)Geschichte des Rassismus in Deutschland. Hund zeigt, dass „Weißsein“ kein naturgegebener Zustand, sondern ein ideologisches Konstrukt ist – hervorgebracht im Zuge europäischer Expansion, kolonialer Gewalt und der intellektuellen Selbstvergewisserung der Aufklärung. Seine zentrale These lautet: Die Deutschen mussten diesen Zustand des Weißseins erst mühsam erzeugen, da sie ihn weder von jeher besaßen noch ihre rassistische Abgrenzung primär auf Hautfarben gründeten. Von Anfang an war das deutsche Weißsein, so Hund, ein „durchaus prekärer Zustand“, der ältere Formen der Ausgrenzung – insbesondere Antisemitismus und Antislawismus – in sich aufnahm. Hunds historische Untersuchung beleuchtet somit nicht nur die Mechanismen der rassistischen Konstruktion, sondern auch die innere Zerrissenheit des weißen Selbstbildes in Deutschland.

Entwicklung von Rassismus und „Weißsein“ als soziale Konstrukte
Die Studie zeigt, dass Rassismus in Deutschland kein homogenes Phänomen war. Ursprünglich beruhte Diskriminierung auf kulturellen und religiösen Mustern; Farben dienten als moralische Metaphern (Schwarz für Sünde, Rot für Laster), nicht als biologische Marker. Erst die Aufklärung verwandelte Vorurteil in „Wissenschaft“ und entwickelte eine vielfarbige Rassennomenklatur. Deutsche Denker spielten dabei eine zentrale Rolle, indem sie die „Race der Weißen“ zur einzigen erklärten Trägerin der „Vollkommenheit“ erhoben.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde das Weißsein popularisiert – es wurde zu einem sozialen Kapital, das auch den unteren Schichten symbolische Aufwertung bot. Hund knüpft hier an Du Bois’ Idee des „Lohns des Weißseins“ und an Webers Begriff der „sozialen Ehre“ an: Rassismus funktionierte als Ersatzbefriedigung für soziale Deklassierung. Im Nationalsozialismus fand diese Logik ihre staatlich organisierte, mörderische Zuspitzung. Bemerkenswert ist Hunds Hinweis, dass sich der NS-Rassismus „praktisch überwiegend auf Angehörige der sogenannten weißen Rasse“ bezog, während zugleich koloniale Muster – der „Blutschutz“ vor „farbigem Blut“ – integriert wurden. Die Nachkriegszeit brachte dann eine moralische Reinwaschung mit sich: den sprichwörtlichen „Persilschein“ und die Fortdauer kolonialer Bildwelten, vom „Sarotti-Mohr“ bis zum „Weißen Riesen“.

Historische Kontexte der Hautfarben-Hierarchisierung
Hund verfolgt die semantische und symbolische Aufladung von Hautfarben über mehrere Jahrhunderte. Erst in der Ära der transatlantischen Sklaverei wurde „Schwarz“ direkt mit Knechtschaft assoziiert – die Behauptung, Afrikaner seien „von Natur aus“ zur Arbeit bestimmt, lieferte die pseudowissenschaftliche Legitimation. Locke, Kant und andere Philosophen kodifizierten Weißsein als Zeichen kultureller Reife, während sie Nicht-Weiße als „ewige Kinder“ oder „unfähig zur Kultur“ etikettierten. Zugleich blieb die Kategorisierung selbst instabil: Chinesen etwa galten teils noch als „Weiße“, was zeigt, dass Weißsein weniger biologische Realität als politische Position war.
In Krisenzeiten verdichtete sich diese Symbolik: Die „Gelbe Gefahr“ und die „Schwarze Schmach“ bedrohten das fragile weiße Selbstverständnis. Eugenische Diskurse verschärften die inneren Hierarchien, indem sie vor der „Entartung“ des weißen Körpers warnten und „weiße Zigeuner“ oder „Mischlinge“ zu „Resten primitiver Stämme“ erklärten.

Einfluss von Kolonialismus und Krieg auf Darstellung und Stigmatisierung
Kolonialismus und Krieg fungierten als Katalysatoren der Entmenschlichung. Die koloniale Gewalt war nicht Folge, sondern Bedingung der rassistischen Ideologie. Die Überlegenheit des Weißseins manifestierte sich zunächst ästhetisch – im höfischen Bildkontrast zwischen hellhäutigen Fürstinnen und dunkelhäutigen Pagen – und später massenkulturell in Völkerschauen, Kolonialwaren und Werbung. Diese Inszenierungen erzeugten, wie Hund schreibt, „eine ideologische Beigabe des Gefühls eigener Überlegenheit“.
Während des Ersten Weltkriegs kehrten sich die Zuschreibungen teilweise um: US-amerikanische Propaganda zeigte deutsche Soldaten als „mad brutes“, als monströse, gorillaartige Wesen – ein Moment, in dem die Deutschen selbst „rassifiziert“ wurden. Nach 1918 verschärfte die Kampagne der „Schwarzen Schmach“ am Rhein diese Dynamik: Schwarze Kolonialsoldaten galten als Bedrohung des „weißen Volkskörpers“. Im NS-Regime schließlich verband sich die Stigmatisierung innerer Feinde – Juden, Slawen, Roma – mit dem kolonialen Konzept des Blutschutzes; der „Judenstern“ fungierte als künstliches Stigma, wo phänotypische Eindeutigkeit fehlte.

Schluss
Hunds Buch ist eine glänzend recherchierte, tiefgreifende Genealogie des deutschen Weißseins – eine Geschichte, die zeigt, dass Rassismus weniger mit Hautfarbe als mit sozialer Imagination zu tun hat. Er macht sichtbar, wie Identität durch Abgrenzung entsteht und wie brüchig die Grenzen des vermeintlich „Eigenen“ stets waren.
Sein Werk erinnert daran, dass Xenophobie nie nur Angst vor dem Fremden ist – sondern die Angst davor, im Fremden das Eigene zu erkennen.
Profile Image for carrotcore.
76 reviews3 followers
December 15, 2020
Das Buch ist gut und der Inhalt wichtig. Leider benutzt der Autor sehr akademische Sprache wodurch er die Zugaenglichkeit zu dem Thema Rassismus in Deutschland durch sein Buch erschwert bzw vielen verwehrt. Mit Universitaetsabschluss fand ich es zum Teil sehr fordernd, die Inhalte zu verstehen.
Abgesehen davon war mir der Anfang des Buches nicht differenziert genug, was sich jedoch in der zweiten Haelfte geaendert hat. Zum Ende hin wurde die Willkuerlichkeit des Systems und verschiedener Rassismen klar verdeutlicht und meiner Meinung nach sehr gut veranschaulicht und mit vielen Beispielen dargelegt.
Im Endeffekt ist der Inhalt des Buches, die Geschichte und Entstehung des Rassismus in Deutschland, super wichtig und deshalb wuerde ich es Interessierten als Zusatzlektuere empfehlen, neben mehr eingaenglichen Buechern wie die von Alice Hasters und Tupoka Ogette.
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