Es ist ein Tag wie jeder andere. Eine junge Familie fährt in das neue kleine Wochenendhaus auf dem Land. Doch wer ist dieser böse, abweisende Junge an der einsamen Tankstelle? Was geschieht der Mutter, Lisa, als sie plötzlich den schweren schwarzen Schatten im Rücken spürt, allein im Haus? Was wird aus ihrem Mann Jakob und den beiden Töchtern, als die helle, freundliche Welt auf einmal ins Schreckliche kippt? Der schlimmste Angriff des Schicksals steht ihnen noch bevor. Mit sparsamsten Mitteln und größter Intensität erzählt Rathgeb von der tiefen Unsicherheit, die in jedem Leben ist und auf die Angst nicht die einzige Antwort sein muss. Wenn Lisa weiterleben will, muss sie eine andere finden.
Rathgebs sprachlich elegant und spannend erzählte Geschichte erinnert, oder besser, gemahnt daran, dass sich das Menschenleben dem Messbaren und Berechenbaren gänzlich entzieht, dass Planbarkeit, Ordnung und sogar gestaltender Wille letztlich geborgte Gehhilfen sind, die nur so weit tragen, bis endlich das Schicksal zur Tat schreitet. Ist die Geschichte “unheimlich“, wie es ein auf den Umschlag gedruckter Satz aus Patricia Brooks Buchbesprechung suggeriert? Ich würde sagen, ja, denn sie zeigt, wie wenig „heimelig“ diese Welt letztendlich ist, dass der Mensch nicht Herr der Natur, der äußeren ebensowenig wie der inneren, ist, die ihm gegenüber gleichgültig bleibt. Über eigenem Unheil kann ein Sonnentag strahlen, oder es „fährt der Windstoß der Unerbittlichkeit in das Buch vom eigenen Leben und blättert es an einer unbekannten Stelle auf, und eine Geschichte kommt zum Vorschein, die auf einer dieser zahlreichen, achtlos überschlagenen oder übergangenen Seiten steht, vergessen und verdrängt, und deren späte Folgen nicht mehr zu übersehen sind (…).“ Cooper, dem gerade einmal 20 der 139 Buchseiten gewidmet sind, vermag es mit dieser Natur umzugehen. Er ist frei von Angst vor dem Unbekannten wie vor dem Tode, weil er letztlich überzeugt ist, dass selbst der Tod kein endgültiges Aus darstellt, „sondern nur eine Station in jenem Kreislauf, in dem Wandlung und Wiedekehr zusammenfallen und auf diese Weise erfüllen, was kein Mensch jemals verstehen wird“.