Um das Jahr 1900. Das Dorf Altaich in Oberbayern bekommt eine Anbindung an das Eisenbahnnetz. Mit dieser kommen nun Sommertouristen in den Ort und stoßen mit den Einwohnern zusammen. Originalerscheinungsjahr: 1918
Kurzer Auszug a.d. längeren Rezension m. Links u. Hintergründen i. m. Blog:
Die Geschichte kommt langsam in Fahrt, die Dörfler unter sich praktizieren zu viel (so Thoma) "ländliche Wohlhäbigkeit". Doch sobald die ersten auswärtigen Sommerfrischler im hinterwäldlerischen Altaich aufschlagen, beginnt der interkulturelle Spaß. Da treffen großspurige Kleinbürger und ölige Galane auf verschnarchte Postwirte und gschaftlhuberige Dorfkrämer. Boy meets girl. Die Bayern werden wegen ihres Akzents nicht verstanden, die Berliner wegen ihres Sprechtempos. Thoma schildert das mit süffiger Ironie.
Nachdem das verschlafene Altaich im Vilstal ans Eisenbahnnetz angeschlossen ist, wittert der Dorfkramer die Chance, den Ort für den Fremdenverkehr zu erschließen. Dank Reklame kommen zum ersten Mal eine Reihe von Sommerfrischlern in das Dorf. Es entspinnt sich ein mehr oder weniger turbulenter Reigen von Ereignissen, wenn zwei Münchener Junggesellen, ein galanter k.u.k. Offizier, ein nassforscher Berliner Rentier mit Weib und Tochter und Zofe, ein halbverkrachter Schweizer Dichter sowie ein Göttinger Literaturprofessor samt Familie das altbairische Bauerndorf heimsuchen.
Thoma schildert launig das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaftsschichten. Wie stets versteht er es meisterhaft, die unterschiedlichen Sprachstile wiederzugeben. Insgesamt bleibt 'Altaich' aber ein theaterhafter Ablauf von Begegnungen einer Reihe von eher holzschnittartigen Charakteren.