Wenn die Suche nach der Heimat zur Suche nach dir selbst wird
Schon immer hat Ellen sich wie eine Besucherin in ihrem eigenen Leben gefühlt. Außer einmal, als Kind, als sie mit ihrer Mutter kurz auf den Halligen lebte. Abreisen wollte sie damals nicht, doch sie hatte keine Wahl. Nun kehrt sie zurück auf dieses merkwürdig vertraute Fleckchen Marschland. Und zu Liske, die damals wie eine Schwester für sie war. Ihre Annäherung wühlt alte Konflikte wieder auf, doch Ellen lässt sich nicht entmutigen. Denn sie weiß: Dies ist ihre Seelenheimat.
„Wenn die Deiche brechen, die gegen Liebe gebaut wurden, reißt kein kaltes Nichts den Menschen mit.“ (S. 381) Ich liebe die Nordsee und fühle mich, wenn ich dort bin immer ein Stück wie zu Hause. Daher hat mich Cover und Klappentext dieses Buches sofort angesprochen. In dieser Geschichte geht es um Emma, die als erwachsene Frau zurück kommt auf ihre Hallig, ihre Herzensheimat und dort versucht Fuß zu fassen. Die Einwohner machen es ihr aber nicht leicht. Auf der zweiten Erzählebene dreht sich alles um die Halligflut von 1825. Auch hier wurden die historischen Figuren für mich sehr lebendig. Die Geschichte ist sehr naturverbunden und liebevoll nordisch erzählt. Rau aber herzlich, wie das Land, so die Leute. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, auf der Hallig zu stehen mit dem Wind im Gesicht; die Liebe der Autorin zu diesem Stück Land wurde spürbar. Insgesamt eine lockere Sprache, einfach zu lesen, gespickt mit vielen typisch nordfriesischen Sprüchen auf Platt. Wer Lust auf eine spannende historische Geschichte hat mit tollen Naturbeschreibungen, dabei aber keine zu anspruchsvolle Literatur erwartet, der liegt mit diesem Buch richtig.
20 Jahre ist es her, dass die nunmehr 36-jährige Ellen auf der Hallig gewohnt hat. Zwar hat sie zuletzt etliche Jahre in Wien gelebt, doch eine echte Heimat hat sie in ihrem Leben nie gefunden. Das soll sich ändern. Deshalb hat sie eine Stelle als Lehrerin auf der Hallig angenommen. Das Wiedersehen mit der Halligbäuerin Liske, bei der sie Unterschlupf erhält, ist jedoch eisig. Diese trägt ihr den Abschied vor zwei Jahrzehnten noch immer nach, als Ellen mit ihrer Mutter den kleinen Marschinseln in der Nordsee plötzlich den Rücken kehrte und damit auch Liske, die sich damals wie eine Stiefschwester anfühlte, alleine ließ. Kann der Neuanfang klappen?
„Die Farbe des Nordwinds“ ist ein Roman von Klara Jahn.
Meine Meinung: Der Roman besteht aus zwei Erzählebenen. Es gibt 15 Kapitel, die in der Gegenwart (und zunächst noch jüngeren Vergangenheit) spielen. Sie wechseln sich ab mit dem „Damals“-Strang, eine in der Ich-Perspektive erzählte Chronik, die die Brüder Hendrik und Arjen Martenson über mehrere Jahre im frühen 19. Jahrhundert begleitet. Beide Stränge werden auf gelungene Art miteinander verwoben und weisen Parallelen auf. Der Einstieg ist aufgrund mehrerer Zeitsprünge und fehlender Zeitangaben etwas verwirrend. Der Aufbau ist aber insgesamt gut durchdacht.
Der anschauliche, detaillierte und bildstarke Schreibstil ist einer der Pluspunkte des Romans. Die oftmals poetische Sprache mit ihren gelungenen Beschreibungen löst Fernweh aus. Etwas störend ist lediglich, dass viele Fachtermini und Namen auftauchen, die teils verzögert, teils gar nicht erläutert werden. Sie erschweren das Verständnis ein wenig.
Das wohl größte Manko sind für mich die Charaktere im gegenwärtigen Erzählstrang. Protagonistin Ellen ist auf eine unangenehme Art seltsam und unnahbar. Sie war mir bis zum Schluss unsympathisch. Die übrigen Hauptcharaktere sind entweder ebenfalls merkwürdig oder egoistisch. Auch die Nebenfiguren können mich nicht alle überzeugen, da einige Personen sehr klischeehaft ausgestaltet sind. Die Protagonisten im Vergangenheitsstrang sind größtenteils authentischer.
Inhaltlich ist die Geschichte zwar ein wenig düster, aber auch vielschichtig. Wer eine seichte Wohlfühllektüre erwartet, wird enttäuscht. Wer dagegen anspruchsvollere Inhalte bevorzugt, ist eher an der richtigen Adresse. Das ungewöhnliche Setting gefällt mir ausgesprochen gut. Zudem ist der Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich. Ich habe gerne mehr über die Halligen und das damalige und aktuelle Leben dort erfahren. Über die Landschaft und die Natur lernt man beim Lesen des Romans einiges. Das verschafft der Geschichte zusätzliche Tiefe. Die fundierte und umfassende Recherche der Autorin ist dem Buch immer wieder anzumerken. Leider fehlt ein Nachwort, das erläutert, welche Aspekte auf Fakten und welche auf Fiktion beruhen.
Auf den meisten der etwa 400 Seiten ist das Erzähltempo recht gemächlich, was aber nur für wenige Längen sorgt. Im letzten Viertel zieht die Handlung an. Dieser Abschnitt hat mir am besten gefallen. Ganz zum Schluss fällt der Roman allerdings mit einem Plottwist wieder ab, der für mich überhaupt nicht stimmig ist.
Das stimmungsvolle und hübsche Cover ist sehr ansprechend geworden. Zum Titel ist meine Meinung zwiegespalten: Einerseits ist die Formulierung klangvoll und poetisch anmutend, andererseits sagt der Roman eben auch aus, dass der Wind keine Farbe habe, sodass der Titel im Widerspruch zum Inhalt steht.
Mein Fazit: Mit „Die Farbe des Nordwinds“ ist Klara Jahn meinen hohen Erwartungen leider nicht gerecht geworden. Mit der Geschichte wurde ich nicht warm. Trotz mehrerer Schwächen ist der Roman aber nicht gänzlich misslungen, denn ich konnte Wissenswertes aus der Lektüre ziehen.
"Wenn die Suche nach der Heimat zur Suche nach dir selbst wird"
Ellen kehrt als Erwachsene zurück auf die Hallig, wo sie als Kind kurze Zeit zu Hause war. Dieser Ort soll ihre Heimat werden, hier möchte sie bleiben. Diese Rückkehr ist nicht einfach und mit einigen alten Wunden verbunden. Doch Ellen gibt nicht auf.
Es ist eine ruhige Geschichte, die getragen wird von den Bildern, die die Autorin in den Köpfen der Leser erzeugt. Die Sehnsucht der Protagonistin nach einem ruhigen Ort, nach einem Zuhause ist auf jeder Seite spürbar und nachvollziehbar.
Die Beschreibungen der Natur und Vögel ist nahezu fotografisch und man hat beim Lesen das Gefühl, selber durch die Landschaft zu streifen.
Das Buch ist auf zwei verschiedenen Zeitebenen aufgebaut, die sich allmählich aufeinander zu bewegen und am Ende zu einer runden Geschichte werden.
Mir hat dieses Buch sehr gefallen, es war eine Auszeit aus dem Alltag mit einem intensiven Einblick in Natur - und Umweltschutz. Wer es leise und trotzdem intensiv mag ist hier genau richtig.
Für diesen Roman hat sich Klara Jahn, auch unter bürgerlichen Namen als Julia Kröhn bekannt, in ein umfassendes Thema eingearbeitet und präsentiert es in einem literarischen Roman. Es geht um Umweltschutz, Küstenschutz, Vogelschutz, sowie das Leben auf den Halligen. Und es geht vor allem um Menschen und ihre Freundschaften.
Nach zwanzig Jahren kehrt Ellen, die hier kurze Zeit im Alter von 16 Jahren mit ihrer Mutter gelebt hat, auf die Halligen zurück. Damals hatte sie sich in diese vom Meer umspülten Flecken Erde verliebt. Sie hatte in all den Jahren ein mal mehr, mal weniger turbulentes Leben und hofft, hier als Halliglehrerin nun auch in ihrem Leben anzukommen. Doch nicht jeder auf der Hallig ist begeistert von ihrer Rückkehr. Besonders ihre damalige Stiefschwester Liske ist spröde und abweisend.
Ellen will sich nicht einschüchtern lassen und zieht Kraft aus der von ihr geliebten Landschaft.
Begleitet wird die Geschichte in der Gegenwart von den historischen Ereignissen der Jahrhundertflut um 1825. Eine Chronik von damals bildet die Grundlage eines kleinen Theaterstücks, welches Ellen mit den Schülerinnen und Schülern anlässlich des bevorstehenden Halligfestes einstudiert.
Dieser Teil ist, wie ich finde, hervorragend integriert. Jedes Kapitel aus der Gegenwart beinhaltet einen Abschnitt „Damals“, der sich mit den historischen Ereignissen befasst. Dennoch ist auch dieser Teil fiktiv aufgearbeitet, um ihn spannend zu gestalten. So erhält der Leser eine zweite Geschichte innerhalb des Romans. Wer möchte, kann auch alle „Damals“-Kapitel am Stück lesen. Die Querverbindungen zur Gegenwart können trotzdem gezogen werden, um den Zusammenhang zu verstehen. Die Parallelen sind dafür ohnehin erkennbar.
Klara Jahn, die viele Bestseller unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat, hat eine sehr gute Arbeit geleistet, um den Leser an die problematischen Situationen, die mit dem Leben auf einer Hallig einhergehen, heranzuführen.
Das Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart ist optisch gut aufbereitet, der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Bei allen Konflikten der Halliglüd (Halligleute – Menschen, die auf einer Hallig leben), ist der Roman zudem unterhaltsam und spannend. Stets möchte man wissen, wie es mit einer Beziehung oder mit einem Projekt weitergeht. Sowohl in der Geschichte der Jahrhundertflut als auch in der der neuen Halliglehrerin Ellen.
Ich glaube, Julia Kröhn hat ihre selbstgesteckte Aufgabe, den Klimawandel und seine Auswirkungen in der heutigen Zeit auf den Halligen zu beschreiben, mit Bravour geleistet. Es ist ein sehr lesenswerter Roman!
Klappentext: „Schon immer hat Ellen sich wie eine Besucherin in ihrem eigenen Leben gefühlt. Außer einmal, als Kind, als sie mit ihrer Mutter kurz auf den Halligen lebte. Abreisen wollte sie damals nicht, doch sie hatte keine Wahl. Nun kehrt sie zurück auf dieses merkwürdig vertraute Fleckchen Marschland. Und zu Liske, die damals wie eine Schwester für sie war. Ihre Annäherung wühlt alte Konflikte wieder auf, doch Ellen lässt sich nicht entmutigen. Denn sie weiß: Dies ist ihre Seelenheimat.“
Kalt, grau, Tot, Vergangenheit, Altes, Neues, Wind, Wellen, Gezeiten, Angst, Verlust, Umschwung, Aufschwung, Zeit..... Autorin Klara Jahn hat mich mit diesem Buch komplett eingenommen und beeindruckt. Hinter „Klara Jahn“ steckt eigentlich Autorin Julia Kröhn und es war diesmal ein ganz neuer Ausflug in ein anderes Genre. „Jahn“ hat es bravourös gemeistert, ich kann das recht gut beurteilen, da ich direkt an der Nordseeküste lebe, die Inseln, Halligen kenne und auch das Leben hier....Nun zur Geschichte: die Geschichte teilt sich auf in „Damals“ und „Heute“ auf. Nach jedem Kapitel wird gewechselt und wir springen extrem gekonnt und scharfsinnig zwischen 300 Jahren hin und her. Ich will gar nicht zu viel vom Inhalt erzählen, denn es war eine Wonne die Zeiten sich zu erlesen, die Menschen zu erlesen, zu erfahren wie es den Menschen geht, was sie denken, fühlen, wovor sie Angst haben... . „Damals“ ist als Chronik bzw. wie eine Art Tagebuch, nur ohne genau Daten, niedergeschrieben und „Heute“ erleben wir frisch und modern durch Ellen und Liske. Die Teile damals und heute fügen sich immer weiter aneinander und gehören doch irgendwie zusammen, Vergleiche und (zweideutige) Parallelen werden immer mehr sichtbar, doch eines verbindet sie alle: das Wasser mit dem Wind und deren Gefahren. Das „erforschen“ der Protagonisten selbst war wirklich extrem gut und tiefsinnig gestaltet. Jahn nimmt immer die passenden Worte in den Mund und wir Leser können auf einer Seite noch lachen und auf der nächsten Seite schon wieder die ein oder andere Träne vergießen. Jahn schreibt authentisch, sie zeigt die Nordsee mit alle ihren Gefahren und mit ihrer unberechenbaren Schönheit. Die Menschen passen sich ihrer an, und werden immer wieder vom Wasser und vom Wind eines besseren belehrt - damals wie heute. Wie gesagt, Jahn geht unheimlich philosophisch vor und versteckt viele Parts, die man aber schnell erlesen hat und die einem einen Weg geben alles zu verstehen. Ein anderer Part in der kompletten Geschichte ist Umwelt- und Naturschutz. Es war damals wichtig und ist es heute noch viel mehr... Wie man so einen tiefgründigen, runden und sprachgewaltigen Roman nur so schreiben konnte....wow...ich bin restlos begeistert. Hier geht es nicht um Liebeleien, um Neid und Missgunst, hier geht es um die Natur, um den Zusammenhalt für das große Ganze, es geht um Vertrauen. Vertrauen zu sich selbst, sich dieser Natur entgegen zu stellen, mit ihr zu leben, sie zu schätzen und zu ehren auch mit den Menschen, mit denen man zusammen lebt... Lesen Sie dieses Buch! Wer eine anspruchsvolle, tiefgründige, nachhallende und besondere Leseerfahrung machen will, muss dieses Buch lesen und danach ganz intensiv nochmal darüber nachdenken....es lohnt sich! 5 von 5 Sterne...ich hätte gerne mehr vergeben!
Leise Geschichte über die Kraft der Natur Nach 20 Jahren kehrt Ellen auf die Hallig zurück. Hier hat sie einige Zeit mit ihrer Mutter Sunny bei Bauer Thijman und seiner Tochter Liske verbracht. Aber wie so oft, wenn der Alltag die Romantik einholt ist Sunny mit Ellen wieder abgereist. Zurück blieb Liske die sich immer ein Leben fern von den Halligen gewünscht hat. Jetzt hat Ellen eine Stelle als Lehrerin auf der Hallig angenommen. Sie möchte gerne ihr Beziehung zu Liske auffrischen. Doch Liske ist verbittert. Sie nimmt es Ellen immer noch übel, dass sie auf der Hallig bleiben musste. „Die Farbe des Nordwinds“ von Klara Jahn ist ein Roman der leise daherkommt. Eine Geschichte die dem Leser die Gewalt der Natur vor Augen führt. Die Halligen sind keine Inseln, sondern aus untergegangenem Marschland entstanden. Sie liegen nur knapp über dem Meeresspiegel. Die Ansiedlungen heißen Warften und stehen auf aufgeschütteten Hügeln da es immer wieder „Landunter“ gibt. Und dieses „Landunter“ erlebt der Leser fast hautnah mit. Die Geschichte hat 2 Zeitebenen. In der Gegenwart begleitet der Leser Ellen bei ihrem Neuanfang auf der Hallig. Hier hat sie sich in der kurzen Zeit, als sie mit ihrer Mutter bei Bauer Thijman und seiner Tochter Liske lebte zu Hause gefühlt. Ellen möchte an die vergangene Zeit anknüpfen. Doch Liske will von der Freundschaft nichts mehr wissen. Zu oft ist sie enttäuscht worden. Erst sind Ellen und ihre Mutter verschwunden, dann der Vater von ihrem Sohn. Liske die immer geträumt hat die Welt zu sehen sitzt immer noch auf der Hallig. Hier erfährt der Leser viel vom heutigen Leben auf den Halligen. Es ist ein mühevolles Leben und ein Leben mit der Natur. Man liest auch viel über Flora und Fauna, erfährt viel über den Vogelschutz. In der Vergangenheit trifft der Leser auf 2 Brüder (die Namen möchte ich noch nicht verraten). Auch hier verlässt der eine die Hallig um später wieder zurückzukehren. Auch hier ist der andere Bruder enttäuscht, dass er zurückbleiben musste. Auch hier erfährt der Leser viel vom damaligen Leben auf der Hallig was noch um einiges beschwerlicher war. Die Geschichte der Vergangenheit fand ich spannender und interessanter als die der Gegenwart. Es war aber deutlich zu spüren, dass die Menschen aus den Geschehnissen der Vergangenheit gelernt hatten. Auch wenn sich die Natur nicht bezwingen lässt. Das Buch ist gefühlvoll und zum Teil recht emotional geschrieben. Die Geschichte leicht verständlich und interessant. Mir hat die Geschichte einmal mehr vor Augen geführt, wie der Mensch auf die Natur angewiesen ist. Sollten wir nicht alle versuchen etwas mehr im Einklang mit der Natur zu Leben.
Ich bin zufällig über das Buch gestolpert - Cover und Klappentext haben mir sehr gefallen und eine Leseprobe hat mich total gefesselt. Da konnte ich zum Buch nicht nein sagen - und habe es auch nicht bereut!
Es gibt zwei Zeitebenen, die zunächst parallel verlaufen, dann aber nach und nach zusammenlaufen und gemeinsam einen Sinn ergeben. Die eine spielt Ende des 18. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Arjen Martenson, der auf der Hallig aufwächst, sie dann aber verlässt, um zu studieren, der dann aber Jahre später wieder zurückkehrt und Zeuge der großen Flut wird. Dieser Teil ist in Ich-Perspektive aus Arjens Sicht geschireben, und ich fühlte mich ihm so sehr nahe. In dem anderen Erzählstrang steht Ellen in der Gegenwart im Mittelpunkt, die als Jugendliche kurz auf der Hallig gelebt hat, sich dort auch heimisch fühlte, sie dann aber mit ihrer Mutter auch wieder verlassen musste. Jahre später kehrt sie zurück, um als Lehrerin zu arbeiten. In diesem Erzählstrang gibt es einen allwissenden Erzähler, was aber der Atmosphäre und der Möglichkeit sich einzufühlen keinen Abbruch tut.
Von der ersten Seite an war ich gefesselt – von der Geschichte und auch von dem Schreibstil, der warm und wohlig ist, voller schöner Bilder und der vor allem eins schafft – die Stimmung und Atmosphäre einzufangen, von der Hallig und auch den unterschiedlichen Zeiten, in denen die Handlungsstränge spielen. Mich hat er umarmt und ich habe mich geborgen gefühlt – und konnte so richtig in die Geschichte eintauchen.
Ich mochte beide Erzählstränge sehr gerne, weil man so unglaublich viel lernt, über die Lebensbedingungen auf der Hallig damals und heute und auch über die Menschen, die eigen und anders sind, dafür aber nicht minder liebenswert.
Ellen habe ich sehr gemocht – mit all ihren Zweifeln, die sie mit sich rumträgt und die ihr das Leben schwermachen. Sie ist ein wundervoller Mensch mit einem großen Herz, das merkt man vor allem dann, wenn sie auf Kinder trifft. Und da passt es natürlich gut, dass sie als Lehrerin zurückkehrt. So gefühlvoll sie aber ist, reflektiert sie auch ihr Verhalten und kann so vermitteln, Kluften überwinden und Menschen zusammenbringen. Es war sehr schön, sie dabei zu begleiten.
Aber auch Arjen aus dem Erzählstrang der Vergangenheit mochte ich sehr gerne. Ein sehr verletzlicher und auch verletzter Charakter, der Großes bewegen will, aber gebremst wird – von den Menschen, aber auch den Gepflogenheiten, die die Zeit mit sich brachten. Trotzdem gibt er nie auf und muss schließlich auch einen großen Preis bezahlen.
Die Geschichte ist eine ruhige, und dennoch bin ich in einen Sog geraten und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist eine subtile, untergründige Spannung, die mich gefesselt hat und die sich am Ende in einem großen Finale entlädt. Das letzte Kapitel aus der Vergangenheit hat mich dann sehr berührt und mich das Buch mit einem warmen Gefühl zuschlagen lassen.
Eine wundervolle Geschichte, das ich gerne empfehle – 5 von 5 Sternen.
Ich liebe die Nordsee in all ihren Erscheinungsformen, egal ob in den Niederlanden, Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Dänemark. (An der britischen, schwedischen oder norwegischen Nordseeküste war ich leider noch nicht.) Ich mag sie in allen Jahreszeiten, auf dem Festland, auf den Inseln oder auf den Halligen. Sie ist einfach mein Lieblingsmeer. Mit "Die Farbe des Nordwinds" habe ich mich meinem Seelenmeer sehr nahe gefühlt. Ich bin abgetaucht in diese Geschichte von Wasser, Wind und Land, von Brüdern und Schwestern, Stürmen und Wattwanderungen, von Heimat in der Fremde und dem Fremdsein in der Heimat. Es gibt zwei Erzählebenen, die Gegenwart wird von Britta Steffenhagen gelesen, die Vergangenheit von Torben Kessler und beide machen das großartig!