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Femme/Butch - Dynamiken von Gender und Begehren

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Dieser Sammelband zeigt, was Butches und Femmes und ihre Dynamik ausmacht: Erotik, Ritual, Sexualität, Ästhetik und Politik, Widerstand gegen die Zwangsordnungen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterozentrismus. Kurzum: eine Kultur der Wertschätzung von queerem Gender und Begehren – auch im Hinblick auf die produktiven Aus­einandersetzungen von Femme/Butch mit den vielfältigen Ausprägungen von Feminismus, historisch sowie aktuell.
Die 30 Beiträge beschäftigen sich mit der Erotik von Gender-Inszenierungen in lesbisch-queer-trans*-Kontexten – mal literarisch, mal wissenschaftlich, mal essayistisch, mal dokumentarisch-autobiografisch. Dabei geht es um die kulturelle Repräsentation und die politische Anerkennung einer weitgehend marginalisierten erotischen Kultur.

400 pages, Paperback

Published November 26, 2020

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About the author

Sabine Fuchs

2 books5 followers
Sabine Fuchs wurde 1970 in Wiesbaden geboren und lebt in Hamburg.
Die Kultur- und Literaturwissenschaftler*in ist Autor*in und Übersetzer*in zahlreicher akademischer und populärer Beiträge an den Schnittstellen von Feminismus und queerer, transgender/nichtbinärer Kultur, Sexualität und Theorie. Sie (she/they) ist Herausgeber*in des Sammelbandes „Femme! radikal – queer – feminin“, dem Standardwerk der deutschsprachigen Fem(me)ininitätsforschung. 2020 erschien der von ihr herausgegebene Sammelband „Femme/Butch. Dynamiken von Gender und Begehren“.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Elisabetta.
52 reviews20 followers
June 26, 2024
⭐️⭐️bis ⭐️⭐️⭐️
Ich versuche zurzeit, mich mehr in lesbische Geschichte einzulesen - ich erlebe das Gefühl von Kontinuität, vom Wissen um Uns-gab-es-schon-immer (Uns = frauenbegehrende Frauen) als sehr heilsam und schön.
Mit Femme/Butch-Dynamiken kenne ich mich nicht so aus und hatte Lust auf diese Anthologie! Um es vorwegzunehmen: vieles fand ich wirklich schrecklich und konnte nichts damit anfangen. Einiges Gutes nehme ich aber mit: z.B die Verhandlung von lesbischem Begehren Ü40, die Wichtigkeit und Vielfalt lesbischer Archivpraxis und… ich weiß jetzt ein bisschen mehr über die Lesbian Sex Wars (Sidenote: hat jemand Lust auf Lesekreis zu dem Thema??? I‘m obsessed!!)

Das Buch enthält literarische und akademische Zugänge zum Thema - per se eine coole Mischung.
Die Theorietexte sind stark von 3. Welle/dekonstruktivistischen/postmodernen Zugängen zu Geschlecht geprägt. Gender ist hier das zentrale Thema - und gleichzeitig bleibt der Eindruck, irgendwie ist Gender auch alles und nichts, definitionslos und beliebig. Bei der Erklärung von Butch-Femme-Identitäten stützen sich die meisten Autor:innen auf Gender als Performance im Butlerschen Sinne.
Ich persönlich begreife Gender hingegen eher als sozial auferlegte Rollenvorstellungen, die auf Basis des biologischen Geschlechts auf Menschen projiziert werden, nicht primär als Performance. (Auch wenn ich natürlich den performativen Charakter von Femininität und Maskulinität irgendwie checke. Aber das ist für mich ein kleiner Teil von sozialem Geschlecht und nicht der springende Punkt beim gewaltvollen Geschlechterverhältnis, in dem wir uns in dieser Welt begegnen.)

Wegen diesem - vermutlich großen - Unterschieden darin, wie Autor:innen und ich diese Geschlechterverhältnise philisophisch-begrifflich greifen, konnte ich mit vielem aus dem Buch nichts anfangen. Leanne Dawsons Text über „Passing, Performance, Queering von Zeit und Raum“ etwa habe ich nicht zu Ende gelesen, weil ich das Konzept Femmefeindlichkeit analytisch absolut unbrauchbar finde.
Spannend finde ich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen transmaskulinen und Butch-Identitäten. Viele Autoren in diesem Buch (zB Pier Paolo) sind selbst trans Männer und schneiden diesen Zusammenhang der Communities immer wieder an, aber so richtig im Detail ausgeführt werden Gemeinsamkeit und Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen nicht. Das fand ich sehr schade und unbefriedigend.

Mit den unterschiedlichen Konzeptionen von Geschlecht kann ich noch umgehen, denke ich. Aber wirklich starken Dissens und Wut habe ich beim Lesen des (prosaischen) Textes „Elin_a“ gespürt, wo es um die Erfahrungen einer transidenten Person in der Sexindustrie geht. Sehr romantisierend meiner Meinung nach, als die Erzähler:in (oder Autor:in??) beschreibt, in dieser Industrie gehe es um „Konsens in Reinform.“ ????????
Ja, Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen mit Prostitution, nicht jede:r geht da schwertraumatisiert heraus. Aber so eine Formulierung ist ein Schlag ins Gesicht für den Großteil der Frauen (und Männer) in der Prostitution, die sich in beklemmenden Macht- und Gewaltverhältnissen IN REINFORM befinden und mit Überleben beschäftigt sind, statt sich Anthologien über Gender durchlesen zu können.
Es hat mich traurig und wütend gemacht, wie normalisiert etwas so Gewaltvolles und Unethisches wie die Sexindustrie in queer-lesbischen Kreisen zu sein scheint.

Nichtdestotrotz habe ich manche Texte interessant gefunden, besonders, wenn diese persönlicher und näher an der Autorin waren. Auch da gab es teilweise große inhaltliche Differenzen, aber die fand ich aushaltbarer als die schrecklichen Romantisierungen von Prostitution im Elin_a-Text. Weiter nachdenken werde ich sicherlich über:

+ textübergreifend: das Archiv als zentraler Bezugspunkt - Sabine Fuchs hat damit zusammenhängend auch Nostalgie als ein Gefühl beschrieben, was man nicht pauschal als reaktionär empfinden darf. Spannender Gedanke!
+ Joan Nestles Texte! (Nestle wird ja seit der Übersetzung von Begehren und Widerstand ins Deutsche Anfang des Jahres groooooß gehypet in der Lesbischen/Queeren Literaturszene.) Sie hat in mehreren Texten vor allem das Erotische verhandelt, z.B auch Femme-Begehren Ü40
+ den Text von Lorenz Weinberg über die Lesbian Sex Wars (!!!) und wie da Butch/Femme verhandelt wurde. Again: ich will einen Lesekreis zu dem Thema!
Auch Weinberg ist deutlich queerfeministischer eingestellt als ich, was seinen Blick auf dieses Thema sicherlich prägt.
Aber er liefert einen sauber recherchierten Überblick über die Debatten und macht einen wichtigen Punkt auf: „Welche verbindenden Elemente zwischen Radikalfeministinnen und Sex Radicals gab es, und waren diese vielleicht ebenso bedeutend wie die trennenden?“ Ja!! In der Beschäftigung mit den LSW kriege ich immerzu Kopfweh; in der Debatte „Prostitution und Pornographie ist ermächtigend“ vs „Sex mit Dildos ist patriarchal“ kann sich keine Seite auf mich verlassen. Die Frage nach Gemeinsamkeiten habe ich mir noch nie gestellt… aber ist für mich ein spannender Ausgangspunkt.

Fazit: das heilsame-schöne Gefühl von Kontinuität habe ich diesmal nicht spüren können; eher habe ich die starken Trennlinien zwischen mir und anderen lesbisch-queeren Communities aufgezeigt bekommen. Aber so schlimm finde ich das gar nicht, weil inmitten dieser teilweise schrecklichen Trennlinien gab es doch immer kleine spannende Momente von, das ähnelt jetzt doch meiner Erfahrung, oder aber: das ähnelt mir gar nicht, finde ich aber dennoch spannend. ❤️‍🔥
Profile Image for Nadin.
Author 1 book29 followers
January 3, 2023
Große Bandbreite an queer-lesbisch-trans* Stimmen und Themen, fiction und non-fiction. Gar nicht (nur) so akademisch, wie der Untertitel vermuten lässt. Highlights waren für mich u. a. der Dialog der ganz verschiedenen Femmes Sookee und Denice Bourbon oder auch die Texte über Femme-Sexarbeiter*innen, "falsche" Heteroprivilegien, die "Sex Wars" und natürlich die von Joan Nestle und Ivan E. Coyote.
31 reviews1 follower
November 7, 2024
Ich fand das Buch ganz toll! Ich hab sehr viel Neues gelernt und mir wurden neue Blickwinkel auf Queerness und Transsein geboten - eine wertvolle Erweiterung meines Horizonts. Manche Texte habe ich besser verstanden, einen fast gar nicht, einige Texte fand ich schön, andere hab ich richtig doll gefühlt und geliebt.
Große Empfehlung!
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