Gekauft habe ich das Buch, weil ich das Cover sehr ansprechend fand, reicht also offensichtlich schon, um mich von der Erweiterung meines ÄUSSERST SCHMALEN SuB's zu überzeugen. Tja, wenn nur alles im Leben so einfach wäre.
Erfreulicherweise war dann tatsächlich auch der Inhalt des Buches genauso spannend, wie das Cover selbst.
Zuerst dachte ich, es handle sich hierbei um eine fiktive Erzählung über die Gräueltaten der Nazis in den letzten verbleibenden Tagen des zweiten Weltkrieges - ohne zu googlen dämmerte mir dann bald, dass es sich hierbei wohl eher nicht um eine fiktive Erzählung in einer fiktiven Stadt mit fiktiven Menschen handelt, sondern sehr reale Ereignisse aus der Sicht mehrerer Personen erzählt werden. (Praktischerweise findet sich am Ende des Buches dann noch eine genauere, historische Erklärung zu den Ereignissen in der Kleinstadt. Pluspunkte dafür)
Wie schon erwähnt handelt die Geschichte von den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs. Die bayerische Kleinstadt Penzberg schöpft durch Radioübertragungen Hoffnung, in denen davon gesprochen wird, dass die Amerikaner vor München aufmarschieren, Deutschland den Krieg verloren habe und das deutsche Volk sein Bestes tun solle, den Soldaten der Alliierten keine Steine in den Weg zu legen und sich möglichst kooperativ zu zeigen.
Durch diesen kleinen Hoffnungsschimmer, dass die Amerikaner schon so nahe sind, entscheiden sich einige dafür sich für den Einmarsch eben jener bestmöglich vorzubereiten indem sie direkte Befehle, speziell den Nerobefehl, missachten, den von den Nazis installierten Bürgermeister absetzen, weiße Bettlaken als adäquaten Ersatz für weiße Flaggen bereitstellen und sich somit fataler Konsequenzen auszusetzen, sollten die falschen Personen davon Wind bekommen. Schließlich hat die Wehrmacht durch einen erlassenen Befehl klare Regelungen, was "Widerständler" angeht.
Es kommt wie es kommen muss, eine Truppe nach Österreich durchmarschierender, deutscher Soldaten findet sich in der Kleinstadt ein und somit beginnt eine Kettenreaktion, die schlussendlich in einem grausamen Endphaseverbrechen endet.
Man erlebt die Geschichte aus der Sicht von mehreren Personen, die Hauptakteure sind dabei die Jugendlichen Schorsch, Marie und Gustl - ergänzend dazu wären da noch einige erwachsene Bürger der Stadt und sogar, recht ungewöhnlich wie ich finde, ein Nazihauptmann. Während Schorsch und Marie mit den Nazis nichts anfangen können, ist Gustl, der ebenfalls in Penzberg aufgewachsen ist, ein begeistertes Mitglied der Nazi-Sondereinheit "Wehrwolf".
Durch die vielen Perspektivenwechsel bleibt die Kurzgeschichte eigentlich immer spannend, da zwischen Hoffnung, Unglaube, Nervosität und Euphorie so ziemlich alle Emotionen durchspielt werden, die man in solch einer Situation wohl erleben würde.
Die Sicht der deutschen Soldaten ist insofern sehr interessant, da bei Kriegsgeschichten sehr oft nur die Seite der Widerständler genauer erzählt wird, nicht aber die der Nazis. So bekommt man in dieser Geschichte einen sehr gut beschriebenen, realistischen Einblick in die Gedankenwelt eines Hauptmanns, der weiß, dass der Krieg sogut wie vorbei ist und der nun sein Bestes tut, den Kopf möglichst unbeschadet aus der Schlinge zu ziehen, die sich um den Hals der Nazis legt, denn jede Aktion hat Konsequenzen. Eine Befehlsverweigerung könnte ihm sein Leben kosten, genauso wie er für sämtliche Gräueltaten belangt werden könnte, sollte er in Gefangenschaft der Alliierten geraten. Ein Tanz auf dem Vulkan, der eine oft gehörte Kernaussage hervorhebt: "Ich habe nur meine Befehle befolgt, ich bin nicht Schuld."
Fazit:
Jedes Mal wenn ich Geschichten über den zweiten Weltkrieg lese, wird mir garantiert flau im Magen. Auch bei diesem Buch war das der Fall, die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um eine fiktive Geschichte handelt sondern um einen "Tatsachenbericht", macht das Ganze um einiges schlimmer. Ich habs an einem Tag durchgelesen, weil es so packend, emotional und gut geschrieben war.