Kolonialismus – verstanden als Herrschafts- und Ausbeutungs- verhältnis – ist ein Tausende Jahre altes Phänomen. Wird der Begriff heute benutzt, ist weithin die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus gemeint, die im Zeitalter der „Entdeckungen“ im 15. Jahrhundert beginnt. Im Rahmen der „europäischen Expan- sion“ erreichte er im 19. und 20. Jahrhundert seinen Höhepunkt als weite Teile der Welt unter direkter oder indirekter europäi- scher Herrschaft standen. Gerechtfertigt wurde das europäische Ausgreifen häufig damit, den Rest der Welt durch und für euro- päische Werte zu „zivilisieren“. In den Kolonien materialisierte sich ein ambivalentes Bild: Neben Widerstand gegen die europäische Fremdherrschaft gab es lokale Statthalter der Kolonisierenden; während Teile der an- sässigen Eliten Europa zum Vorbild für die Moderne nahmen, bewahrten sich andere ihre eigenen Ideen von Fortschritt. Wäh- rend viele der einstigen Kolonialgebiete – etwa Brasilien oder Indien – mit ihrer Unabhängigkeit den Pfad einer weitgehend selbstbestimmten Entwicklung einschlugen, stockt der Staaten- bildungsprozess anderer – etwa des Kongo – bis heute. Öko- nomisch profitieren die Kolonialstaaten bis heute von dieser Epoche: Als Ressourcen- und Absatzmärkte halfen die Länder des Globalen Südens den Reichtum Europas zu mehren. Im Vorwort zum viel zitierten Werk Frantz Fanons „Die Ver- dammten dieser Erde“ (1961) bezeichnete Jean-Paul Sartre die europäische, in diesem Fall die französische, Kolonialherrschaft als „Striptease unseres Humanismus“ und zog eine vernich- tende „Bilanz“ dieser „Zivilisierungsmission“: Der Humanis- mus „war nur eine verlogene Ideologie, die ausgeklügelte Recht- fertigung der Plünderung. (...) Dieses Geschwätz von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Liebe, Ehre, Vaterland, was weiß ich. Das hinderte uns nicht daran, gleichzeitig rassistische Re- den zu halten: dreckiger Neger, dreckiger Jude, dreckiger Ara- ber. (...) Unsere teuren Werte verlieren ihre Flügel, von nahem betrachtet wird man nicht einen einzigen finden, der nicht mit Blut befleckt ist.“ Die Historisierung des Kolonialismus sowie die politische, juristische und psychologische Aufarbeitung sei- ner Verbrechen stehen auch heute in vielerlei Hinsicht noch am Anfang. Kolonialismus – verstanden als Herrschafts- und Ausbeutungs- verhältnis – ist ein Tausende Jahre altes Phänomen. Wird der Begriff heute benutzt, ist weithin die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus gemeint, die im Zeitalter der „Entdeckungen“ im 15. Jahrhundert beginnt. Im Rahmen der „europäischen Expan- sion“ erreichte er im 19. und 20. Jahrhundert seinen Höhepunkt als weite Teile der Welt unter direkter oder indirekter europäi- scher Herrschaft standen. Gerechtfertigt wurde das europäische Ausgreifen häufig damit, den Rest der Welt durch und für euro- päische Werte zu „zivilisieren“. In den Kolonien materialisierte sich ein ambivalentes Bild: Neben Widerstand gegen die europäische Fremdherrschaft gab es lokale Statthalter der Kolonisierenden; während Teile der an- sässigen Eliten Europa zum Vorbild für die Moderne nahmen, bewahrten sich andere ihre eigenen Ideen von Fortschritt. Wäh- rend viele der einstigen Kolonialgebiete – etwa Brasilien oder Indien – mit ihrer Unabhängigkeit den Pfad einer weitgehend selbstbestimmten Entwicklung einschlugen, stockt der Staaten- bildungsprozess anderer – etwa des Kongo – bis heute. Öko- nomisch profitieren die Kolonialstaaten bis heute von dieser Epoche: Als Ressourcen- und Absatzmärkte halfen die Länder des Globalen Südens den Reichtum Europas zu mehren. Im Vorwort zum viel zitierten Werk Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“ (1961) bezeichnete Jean-Paul Sartre die europäische, in diesem Fall die französische, Kolonialherrschaft als „Striptease unseres Humanismus“ und zog eine vernich- tende „Bilanz“ dieser „Zivilisierungsmission“: Der Humanis- mus „war nur eine verlogene Ideologie, die ausgeklügelte Recht- fertigung der Plünderung. (...) Dieses Geschwätz von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Liebe, Ehre, Vaterland, was weiß ich. Das hinderte uns nicht daran, gleichzeitig rassistische Re- den zu halten: dreckiger Neger, dreckiger Jude, dreckiger Ara- ber. (...) Unsere teuren Werte verlieren ihre Flügel, von nahem betrachtet wird man nicht einen einzigen finden, der nicht mit Blut befleckt ist.“ Die Historisierung des Kolonialismus sowie die politische, juristische und psychologische Aufarbeitung sei- ner Verbrechen stehen auch heute in vielerlei Hinsicht noch am Anfang.