Ende September erschien ein neuer Roman des italienischen Autors Francesco Carofiglio "L'estate dell'incanto" (Piemme). Er hat insgesamt etwa 10 Romane veröffentlicht, die in keine bestimmte Schublade passen. Teilweise lassen sie sich wohl als Entwicklungsromane, im weitesten Sinn, lesen; allesamt bestechen sie durch eine sehr einfühlsame Figurenzeichnung und dichte Atmosphäre.
Dieser neue Roman hat mich gefangen genommen und fasziniert und in seiner Dichte und Poesie, aber auch durch die nur angedeutete "Unwetterstimmung", die über diesem hier erzählten Sommer schwebt, an eins der Bücher erinnert, die ich mit auf die berühmte "einsame Insel" nehmen würde, nämlich Truman Capotes "Other voices, other rooms".
Hier eine kurze Info zum Buch:
Die Geschichte, erzählt aus der Erinnerung der inzwischen neunzigjährigen Protagonistin, spielt im Sommer 1939: Die zehnjährige Miranda fährt mit ihrer Mutter von Florenz aufs Land bei Pistoia, in die "Villa Ada", wo ihr Großvater Marchese Ugo Soderini zurückgezogen und in strenger Selbstdisziplin, in der Obhut seiner ebenfalls gestrengen Haushälterin, sein Leben als kauziger Künstler verbringt. Für Miranda ist das eine neue Erfahrung der Sommerferien, sie unternimmt mit ihrer Mutter Ausflüge in die Umgebung, schließt Freundschaft mit dem gleichaltrigen Lapo, dem Enkel des Pächters, lässt sich verzaubern von den Eindrücken der suggestiven Landschaft, den Tieren, die dort leben, von den Sommerfesten, kurzum der Magie des Sommers auf dem Land, ... Und es gelingt ihr, Zugang zum Heiligtum ihres Großvaters zu finden, zu seinem Atelier, das außer ihm niemand betreten darf - und damit schließlich sogar Zugang zu diesem verschlossenen, rigiden Mann, den sie bislang kaum kannte. Für Miranda ist es ein Sommer voller Farben, Düfte, voller Zauber, nahezu berauschend und manchmal fast unheimlich, aber alles in allem glücklich, würde sie nicht ihren Vater, der auf einer endlosen "Geschäftsreise" ist, so schmerzlich vermissen - und ihre jüdische Schulfreundin, die sie sonst jeden Sommer am Meer traf und die dieses Jahr nicht dort sein wird. Was Miranda nicht ahnt ist, dass diese Sommerfrische auf dem Land eigentlich ein Rückzug ist, eine Flucht, denn die Welt steht am Abgrund und nach diesem Sommer wird nichts mehr sein wie es war, die Welt wird sich für immer verändern sowie auch das Leben ihrer Familie und somit ihr eigenes. Der letzte Sommer in kindlicher Unschuld bleibt auch aus der Perspektive der Neunzigjährigen (die trotz aller folgenden, zum Teil überaus leidvollen Erfahrungen und nach einem bewegten Lebensowie zu Ruhe und Einklang mit sich selbst gefunden hat) als der schönste ihres Lebens erinnert.