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Das Blaue Buch: Geheimes Kriegstagebuch 1941 - 1945

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Nachdem Erich Kästner 1933 von den Nazis als Autor verboten worden war, entschloss er sich, ein geheimes Tagebuch zu führen. Dazu griff er auf ein blau eingebundenes, unbeschriftetes Buch zurück, das er zwischen den anderen viertausend Bänden seiner Bibliothek versteckte. Aus Sicherheitsgründen fertigte Kästner seine Aufzeichnungen außerdem stenografisch an.
Von 1941 bis zum Kriegsende schrieb Erich Kästner auf, was sich an der Front und in Berlin ereignete, notierte Heeresberichte und Massenexekutionen ebenso wie die Kneipenwitze über Goebbels und Hitler, die schon bald nur noch hinter vorgehaltener Hand gemacht wurden. Er dokumentiert seinen zunehmend von Stromsperren und Bombenangriffen geprägten Alltag bis zur bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 und berichtet, was sich in den Monaten danach abspielte.
Die jetzt vorliegende, von Sven Hanuschek zusammen mit Silke Becker und Ulrich von Bülow herausgegebene und umfangreich kommentierte Ausgabe umfasst neben Kästners Kriegstagebuch auch seine gesammelten Notizen für einen Roman über das »Dritte Reich«, ein umfangreiches Vorwort sowie zahlreiche Zeitungsartikel, die Erich Kästner im Blauen Buch aufbewahrte. (Amazon.de)

404 pages, Paperback

First published February 9, 2018

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About the author

Erich Kästner

309 books626 followers
Erich Kästner (1899–1974) was a German author, poet, screenwriter and satirist, known for his humorous, socially astute poetry and children's literature.
A stout pacifist and democrat, he was expelled from the national writers' guild during the Nazi era, with many of his books being burned in public. Today, he is widely regarded as one of Germany's most prolific and beloved children's book authors.

AKA:
Έριχ Καίστνερ (Greek)

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Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Matt.
752 reviews638 followers
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August 15, 2018
Schade. Ich hatte mir mehr erhofft, obwohl ich eigentlich gar nicht genau sagen kann, was ich von diesem Buch erwartet hätte.

Zunächst mal haben wir es, wenn man spitzfindig sein will, mit ein wenig Etikettenschwindel zu tun, denn das im Untertitel bezeichnete “geheime Kriegstagebuch 1941-1945” enthält lediglich Einträge zu den Jahren 1941, 1943 und 1945. In den beiden anderen Jahren hat Kästner offensichtlich kein Tagebuch geführt. Das Tagebuch macht darüber hinaus auch nur einen Teil des vorliegenden Buches aus. Zusätzlich finden sich hier Notizen, sogenannte Beilagen und gleich zwei Konvolute. Alles zu einem Roman, den Kästner über das Dritte Reich schreiben wollte, es aber leider nie tat. Zusammen mit einer 40-seitigen Einführung und 20 Seiten zur Textgeschichte und Edition sowie einem Literaturverzeichnis und einem ausführlichen Personenglossar und -register kommen wir hier auf 400 Seiten. Eine Menge Holz für, seien wir mal ehrlich, recht wenig.

Bei dem Tagebuch hat sich Kästner im Wesentlichen aufs Beobachten beschränkt. Er nimmt größtenteils eine recht neutrale Rolle ein. Er schreibt auf, was er liest, sieht und hört; notiert (und markiert als solche) Gerüchte; gibt sogenannte Flüsterwitze zum Besten. Außerdem sammelt er Zeitungsausschnitte, die als Kopie auch im Buch enthalten sind, aber teilweise ob der optischen Qualität nur schwer für mich zu lesen waren. In meinen Augen am besten gelungen (wenn sich so etwas von einem Tagebuch überhaupt sagen lässt) sind die Einträge von 1945. Sie reichen bis zum 29.7., also über das Kriegsende hinaus, welches Kästner in Mayrhofen, Tirol zubrachte. Dafür würde sich der Kauf des Buches schon fast lohnen, wenn nicht genau dieser Abschnitt auch bereits in Kästners Notabene 45 enthalten sein würde (dort allerdings für Leser leicht angepasst).

Die Notizen zu dem Roman habe ich ab einem Zeitpunkt nur noch quergelesen. Sie wären eigentlich nur interessant, wenn der besagte Roman auch tatsächlich erschienen wäre. Dann hätte man einen schönen Blick in die Werkstatt des Autors werfen können; Vergleich ziehen, die Entwicklung nachverfolgen usw.. So sind die Notizen, zumindest was mich angeht, ziemlich wertlos.

Ich möchte das Buch keinem schlechtmachen, und vor allen Dingen nicht an dieser Stelle Erich Kästner kritisieren. Was er in sein blaues Buch geschrieben hat, war ursprünglich ja auch nie zur Veröffentlichung gedacht. Wer sich überlegt, dieses Buch zu kaufen, und Notabene 45 noch nicht gelesen hat, sollte sich vielleicht überlegen, ob Letzteres nicht doch eine bessere Wahl wäre. Für mich, der ich nun einmal Kästners Prosa liebe, aber kein Kästner-Forscher bin, war es schon eine kleine Enttäuschung, die ich aber leicht verschmerzen werde; spätestens nach meiner nächsten Lektüre: Die Schule der Diktatoren.
Auf eine Sterne-Bewertung diese Buches verzichte ich.

PS - Eine etwas positivere Sicht auf das Blaue Buch liefert dieser Ausschnitt (8 Min.) der ZDF-Sendung Aspekte:
https://www.zdf.de/kultur/aspekte/non...


Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported License.
Profile Image for Susu.
1,950 reviews21 followers
February 27, 2018
Kästner notiert Details aus Kriegsalltag, Sorgen um die Eltern - seinen Blick auf die Kriegsberichterstattung - im Blauen Buch sammelt er auch Notizen für Romane über die Nazizeit, die er dann nie schreibt. Zusammen mit Biographie und seinen sonstigen Schriften ein Blick hinter das Gesicht Kästners.
Profile Image for Kaya Kobold.
297 reviews4 followers
July 22, 2021
Ähm ja.

Kästner ist ein großer Bewunderer seiner Mama. Die ihm die Wäsche macht und nach Berlin bringt, weil die Post von Dresden nach Berlin nicht ausliefert.
Seine beiden Partnerinnen werden am Rande erwähnt. Der Krieg ist ebenfalls dabei, aber um wirklich einen Eindruck zu bekommen empfiehlt sich Victor Klemperers Tagebücher und LTI.
Das blaue Buch ist einfach nur ein großes Personenverzeichnis, hauptsächlich Männer und deren Anhängsel. Wer kennt wen. Wer ist wo.
Und erschreckend, wie wichtig Mama für Kästner ist.
Hab ich schon seine Mama erwähnt?
Profile Image for gardienne_du_feu.
1,474 reviews12 followers
August 17, 2021
​Erich Kästner war kein großer Tagebuchschreiber, hat aber während des Krieges zumindest zeitweise Aufzeichnungen in einem blau eingebundenen Büchlein gemacht, die vor ein paar Jahren in dieser schönen gebundenen Ausgabe aufgelegt wurden.

Hauptsächlich macht er Notizen zum Verlauf der Kampfhandlungen und politischen Vorgänge, die er im Laufe der Zeit auch immer mehr (und immer kritischer) kommentiert. Das Leben mit der ständigen Bedrohung durch Luftangriffe wird thematisiert, hier und da auch ein paar Kleinigkeiten aus dem persönlichen Leben, doch da hält er sich eher bedeckt - was ich schade fand, weil ich gerade über seine persönlichen Erlebnisse in der Zeit gerne mehr gelesen hätte und die politischen Kommentare manchmal für mich über 70 Jahre später nur schwer nachvollziehbar waren und ein wenig trocken wirkten.

Fast noch interessanter als die Kriegsjahre fand ich die Schilderungen der unmittelbaren Nachkriegszeit, auch diese häufig mit der kästner-typischen leicht bissigen Ironie.

Eigennamen und anderes, was sich vor allem heutigen Leser:innen nicht mehr so leicht aus dem Kontext erschließt, werden leserfreundlich direkt in den Randspalten erläutert, zudem gibt es am Ende des Buches noch ein umfangreiches Personenregister mit zusätzlichen Informationen.

Das "Blaue Buch" hat Kästner von beiden Seiten her beschrieben: einmal als Tagebuch, von der anderen Seite her hat er es als Ideensammlung für einen Roman über die NS-Zeit genutzt (der letztendlich nie geschrieben wurde). Auch dieser Part ist Bestandteil dieser Ausgabe und ist an sich nicht uninteressant, enthält aber auch recht viele Dopplungen, so dass ich die letzten Seiten davon nur überflogen habe.

Die Klammer um die Originalaufzeichnungen bilden Texte der Herausgeber:innen Sven Hanuschek, Ulrich von Bülow und Silke Becker, die das Tagebuch und Kästners Gedanken und Beweggründe kommentieren und einordnen.

Für Kästner-Liebhaber ein hübsch aufgemachtes Sammlerstück, von dem man allerdings nicht tiefere Einblicke in das persönliche Leben Kästners in der Kriegszeit erwarten darf.
Profile Image for Frank.
641 reviews129 followers
February 20, 2026
Sehr authentischer Einblick in den Alltag und das Kriegsgeschehen aus der Perspektive eines im Reich lebenden "inneren Emigranten". Ich hatte erwartet, mehr über Kästners Gefühle und Aufzeichnungen zur Künstlerproblematik zu lesen, aber der Tagebuchschreiber bleibt dem neusachlichen Anspruch treu und bewährt sich als Zeitzeuge und Chronist. Seine Ablehnung des Regimes und seiner Träger wird deutlich, aber ansonsten hält sich der Autor mit Wertungen zurück. Er verkehrt im Schauspiel- und Filmmilieu und beschreibt Haltungen seiner Kolleg/innen zur Naziideologie, zum Staat und dessen Funktionären, ohne den Stab zu brechen. Interessant, wie ihm, dem unsere Nachkriegsperspektive fehlt, die Folgen des Krieges unklar bleiben. Man merkt es daran, dass er trotz des Wissens um die Verbrechen der Nazis die schnellere Niederlage deutscher Truppen nicht herbeiwünscht. Als der Zusammenbruch passiert, notiert er die Verbrechen der SS sowie die Verbohrtheit der Parteibonzen und spricht sie schuldig an allem Elend. Allein schuldig. Anders als die Exilanten oder Kämpfer gegen den Faschismus, die mit Deutschland gebrochen hatten, bleibt Kästner in jeder Hinsicht "Deutscher" und verteidigte das Volk gegen die - aus seiner Sicht - Zumutungen der Schuldzuweisung "von außen". Ja, er versteigt sich an einer Stelle zu der Behauptung, es sei das deutsche Volk gewesen, das am längsten unter den Nazis gelitten hätte. Auch eine Perspektive. Insofern tritt er den Nachkriegsmaßnahmen der alliierten Verwaltung kritisch gegenüber und macht die Besetzung Deutschlands dafür verantwortlich, dass es keine wirkliche "deutsche Revolution" und - wenn man so will - keine "Selbstreinigung" gegeben habe. Diese, so seine in der Rückschau falsche Vorhersage, würde erfolgen, sobald die Deutschen ihre Geschicke wieder selbst in die Hand nehmen könnten. Das mag man aus heutiger Perspektive verurteilen oder für naiv halten - ich war dankbar dafür, ohne den verstellten Blick der Heutigen mit zeitgenössischem Denken vertraut zu werden. Sowieso war es für mich interessant, ein wenig Einblick in die Geschehnisse rund um die Wiederaufnahme des Theaterbetriebs und bald auch der Filmproduktion zu bekommen. Das existierte für mich vorher nur in Form des erstaunlichen Fakts, dass nur wenige Monate nach der Kapitulation Kinos und Theater öffneten. Aber wer waren die Männer und Frauen dahinter und wie lief das eigentlich mit den "belasteten" Schauspielern, Regisseuren usw. Bei Kästner gibt es wenigstens ein paar Einblicke in die damaligen Vorgänge in Bayern.

Fazit: Das Tagebuch ist interessant als Zeitdokument; nicht mehr und nicht weniger. Es zeigt Kästner als politisch wachen Menschen, der dennoch, was seine Haltung und Handlungen anbelangt, unpolitisch sein wollte und sich dahinter versteckt hat. Das mag man ihm als moralische Schwäche auslegen, er hätte sicher emigrieren können, es zeigt aber auch eine Form von Unangepasstheit und innerer Widerständigkeit, die manch anderen Zeitgenossen ebenso ausgezeichnet haben mag, ohne dass diese Menschen die Kraft und den Mut zum aktiven Widerstand gefunden hätten. Helden waren sie mitnichten. Aber Helden sind eben Helden, weil sie nicht wie jedermann sind. Für die Jedermanns hingegen war es schon viel, sich wenigstens nicht angebiedert zu haben, nur insoweit mitgemacht zu haben, als es ihnen unumgänglich schien. In diesem Sinne hat Kästner seine moralische Integrität - nach den Aussagen in diesem Tagebuch - halbwegs gewahrt, obwohl man schon fragen kann, ob er sich dem Propaganda-Medium Film unter den Nazis hätte zur Verfügung stellen müssen. Doch hier geht es nicht um die Person des Autors, sondern um sein Tagebuch als Zeitdokument. Und das hat mich gefesselt, auch der vielen beigefügten Materialien wegen.
Profile Image for Gitti.
1,216 reviews
July 3, 2020
rich Kästner ist uns allen ein Begriff. Besonders seine Kinderbücher wie Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton, Das doppelte Lottchen und mehr haben uns wohl alle in der einen oder anderen Art begleitet. Doch Kästner hat auch anderes geschrieben und wollte nach dem Krieg eigentlich einen großen Roman über Deutschland während des Nationalsozialismus herausbringen. Dafür führte er ab 1941 auch ein geheimes Tagebuch, das er in einem sogenannten Blindband schrieb. Ebenso sammelte er dort Ideen für weitere Romane. Das Tagebuch überlebte den Krieg tatsächlich und schildert das Leben Kästners in der Zeit von 1941 bis kurz nach Kriegsende 1945. Man muss dem Ganzen zugestehen, dass es mit dem Hintergrund geschrieben wurde, später einmal einen Roman daraus zu machen. So drehen sich die Einträge meist um das politischer Geschehen und nur wenig um das Alltagsleben Kästners direkt. Seine eigenen Gefühle lässt er meist außen vor.

Das Buch zerfällt in zwei Hälften: Einmal die Tagebucheinträge und dann die Romannotizen. Ersteres fand ich sehr interessant, besonders auch die Kommentierungen am Rande des Textes. Sicher unterbrachen diese den Lesefluss, ordneten aber die Einträge noch einmal zusätzlich ein. Auch die einführende Einleitung dazu war für mich recht aufschlussreich. Hier wird auch erklärt warum es vermutlich nach dem Kriege eben nicht mehr zu dem „großen“ Roman gekommen ist. Die Notizen zu den Romanen fand ich jetzt nicht so interessant, dafür sind sie einfach zu stichpunktartig und wiederholten sich auch immer wieder. Für Kästner waren diese Notizen sicher hilfreich, für einen Leser sind sie wohl eher nur dann interessant, wenn man sich intensiv mit dem Autor beschäftigt.
Zusätzlich sind dem Buch zwischendrin Zeitungsausschnitte und handschriftliche Notizen beigefügt, die Kästner als aufhebenswert betrachtete.

Für mich war dieses Buch sehr interessant, hat es doch wieder einige Mosaiksteinchen zu meinem Bild von Erich Kästner hinzugefügt. Die Ausstattung des Buches mit einem Leineneinband tat sein übriges um auch das haptische Vergnügen zu bereichern.
Profile Image for Lysergius.
3,176 reviews
January 11, 2026
This really a hodgepodge, a collection of bits and pieces, part diary, news items from the war years, part outlines for novels etc. Apparently written in a using a stenography method in pencil, the Blue Buch survived the war and this edition attempts to make it as readable as possible. It is heavy going but each nugget reveals an active imagination at work cataloguing and sorting experience for later use.
Displaying 1 - 9 of 9 reviews