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Der andere Mann: Die große Liebe der Simone de Beauvoir

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Simone de Beauvoir war eine große Analytikerin der Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Liebe. Aber sie war auch eine große Liebende. In ihrem biografischen Roman ›Der andere Mann‹ beleuchtet Katja Kulin die vielleicht widersprüchlichsten Jahre im Leben der französischen Ausnahmeautorin. Ihr berühmtestes Werk ›Das andere Geschlecht‹ entsteht Ende der 1940er-Jahre, während sie gleichzeitig erstmals eine Beziehung mit beinahe klassischer Rollenverteilung lebt.
Es ist ihre Liebesgeschichte mit dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren, dem anderen Mann im Leben der Simone de Beauvoir, neben Jean-Paul Sartre. Auch für Algren sind dies wichtige Jahre. Er schreibt den Roman ›Der Mann mit dem goldenen Arm‹ und erntet damit den erhofften Erfolg. Doch ein Zusammenleben ist für die Liebenden unmöglich. Simones Pakt mit Sartre verweist Nelson für immer auf den zweiten Rang. Für ihn wird die Beziehung auf Distanz schließlich unerträglich. Doch für beide bleibt es die leidenschaftlichste Liebe ihres Lebens. Simone de Beauvoir wird den Ring, den Algren ihr schenkte, bis zu ihrem Tod nicht mehr ablegen.

320 pages, Hardcover

Published March 12, 2021

31 people want to read

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Katja Kulin

14 books2 followers

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Uralte  Morla.
368 reviews120 followers
August 10, 2021
Die französische Philosophin und Autorin Simone de Beauvoir und der amerikanische Schriftsteller Nelson Algren lernen sich 1947 in Chicago kennen. Simone reist beruflich durch die USA und braucht jemanden, der ihr Chicago zeigt. Nelson ist zunächst skeptisch, doch schnell ist klar: hier haben sich zwei gefunden. Nur wenige Tage reichen aus, um die Basis einer vierjährigen, intensiven Beziehung zu schaffen - sowohl intellektuell als auch sexuell.
"Der andere Mann" erzählt von diesen Jahren. Von den Reisen, die Simone und Nelson unternehmen, von den Themen, die beide beschäftigen, von ihrer Arbeit, von der Schwierigkeit, eine Beziehung gleichberechtigt und über eine große Distanz aufrecht zu erhalten. Um Feminismus geht es dabei, um Rassismus, um gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Umbrüche. Und immer wieder um die Liebe, ihre Höhen und Tiefen, ihre emotionalen Ausbrüche und schließlich um ihr Ende.
Katja Kulin schreibt das alles sehr leicht zugänglich auf, gibt die Liebesgeschichte einfühlsam, aber vollkommen unkitschig wieder und arbeitet sehr schön die zwei Seiten von Simone de Beauvoir heraus. In ihren Schriften ist sie eine flammende Feministin, welche die Ehe ablehnt und für die Gleichberechtigung der Geschlechter kämpft. Doch im Privaten wird auch sie immer wieder von Gefühlen übermannt, Sehnsucht nach Stabilität ist da und beißt sich mit ihrer Sehnsucht nach Freiheit. Das alles liest sich spannend, regt an vielen Stellen zum Nachdenken an und macht vor allem Lust, noch mehr über Simone de Beauvoir (und auch Nelson Algren) zu erfahren.
Ein Roman, der sich sowohl als schöne Liebesgeschchte, aber auch als interessante Biografie liest. Sprachlich bin ich über ein paar etwas unglückliche Vergleiche und Bilder gestolpert, aber die haben mich nur wenig gestört, weil der Rest sehr stimmig war.
Profile Image for Miss.Sophie425.
88 reviews9 followers
January 12, 2022
Katja Kulin beleuchtet in diesem außergewöhnlichen biografischen Roman die leidenschaftliche Liebe zwischen Simone de Beauvoir und Nelson Algren, die 4 Jahre andauerte, bis sich ihre Wege wieder trennten. Vergessen konnte sie ihn nie - ließ sie doch den Ring, den ihr Algren schenkte, bis zu ihrem Tod an ihrem Finger.
Katja Kulin setzt ihren Schwerpunkt auf die wenigen, dafür aber intensiven Treffen zwischen den beiden Liebenden und nutzt als Quelle die zahlreichen Briefe, die die beiden sich schrieben, ebenso wie Interviews und auch die Romane der beiden Schriftsteller.
Sie setzt sich u.a. mit der Frage auseinander, was wichtiger ist - Liebe oder Beruf, die in diesem Falle zumindest Simone de Beauvoir ganz entschieden mit "Beruf" beantwortet. Fühlt sie sich doch ihrer gesellschaftlichen Arbeit in Paris ebenso verpflichtet wie ihrem Pakt mit ihrem langjährigen Partner Sartre. Nelson Algren empfindet diesen Pakt zunehmend als Belastung, sieht Sartre als Taktgeber in seiner Beziehung zu Simone und somit hat diese leidenschaftliche Liebe ihr Verfallsdatum erreicht.
Simone de Beauvoir sagt selbst, dass sie sich zu spät begegnet sind, was diese Geschichte umso tragischer macht.
Ich mochte dieses Buch ausgesprochen gerne und die Autorin hat es wunderbar verstanden, die realen Ereignisse mit fiktionalen Dialogen auszuschmücken und den damaligen Zeitgeist einzufangen.
Profile Image for Sandra von Siebenthal.
99 reviews26 followers
March 19, 2021
Anlässlich einer Reise nach Amerika lernt Simone de Beauvoir den Schriftsteller Nelson Algren kennen, der sie ein wenig durch die Stadt führen soll. Die gegenseitige Anziehung lässt die Stadtbesichtigung in Algrens Wohnung enden, nach einer leidenschaftlichen Nacht heisst es jedoch schon wieder Abschied nehmen.

„Aber nächtliches Zusammensein ohne lendemain, das schien ihre erst heute wie die deutlichste Widerspiegelung der Absurdität und des Selbstbetrugs, der in der Tätigkeit des Reisens lag, bei der so vieles unverbindlich und ohne Folgen blieb.“

Es sollte nicht bei der einen Nacht bleiben, schon am nächsten Tag steht Simone wieder vor Nelsons Tür, die beiden stehlen sich die Zeiten zwischen ihren Terminen, bis sie schliesslich wieder nach Paris und zu Sartre zurück kehrt. Sartre, an dessen Seite sie schon seit Jahren lebte und arbeitete, eine Beziehung geistiger Natur, neben welcher Affären möglich und abgemacht waren. Doch es sollte keine Affäre bleiben.

„Wenn du zu unserem kleinen Zuhause zurückkommst, werde ich schon dort sein, unter dem Bett versteckt und allgegenwärtig. Ih werde ab jetzt immer bei dir sein, mein Geliebter, wie es eine liebende Frau bei ihrem geliebten Mann ist. Wir werden kein Erwachen erleben, denn dies war kein Traum, sondern eine wunderbare und wahre Geschichte, die gerade erst beginnt.“

In den Phasen des Getrenntseins fliegen Briefe zwischen Chicago und Paris hin und her, ein Band zwischen den beiden Liebenden, die sich selber als Ehemann und -frau bezeichnen, wird immer intensiver gewebt. Die jeweiligen Wiedersehen in Chicago, einmal auch in Paris, über die nächsten Jahre sind innig. Und doch ist eine gemeinsame Zukunft an einem Ort undenkbar.

„Aber ich könnte nicht nur für die LIebe leben oder für das Glück. Das wäre zu wenig. ich will wie du mit meinem Schreiben etwas verändern, das gäbe meinem Leben Bedeutung. Das ist viel schwerer zu erreichen als die Liebe, aber es ist eine Arbeit, die doch getan werden muss. Und ich glaube, wirklich ein en Sinn hat das nur dort, wo man verwurzelt ist.“

Die Liebe, so gross sie auch ist, reicht schlussendlich nicht, die Beziehung zu tragen. Nelsons Wunsch nach einem dauernden Zusammensein, die Unmöglichkeit von beiden, für den anderen die eigene Heimat aufzugeben, lässt die Beziehung schliesslich enden.

Katrin Kulin ist es gelungen, das Leben, Lieben und Schreiben einer grossartigen Frau und Denkerin in einer Geschichte zu vereinen, die den Leser von der ersten Seite in den Bann zieht. Die Liebesgeschichte wird abwechselnd aus Nelsons und Simones Blickwinkel erzählt und auch reflektiert, was tiefe Blicke hinter die Kulissen gewährleistet. Es gelingt Katja Kulin, das Denken und die Anliegen von Simone de Beauvoir in die Geschichte einfliessen zu lassen, meist unauffällig und doch informativ, ganz selten etwas zu ausführlich und den Erzählfluss störend. Gezeichnet wird dabei das Bild einer Frau (und immer auch Sartres Einfluss auf dieselbe), welche mit der tiefen Überzeugung durchs Leben geht, sich für die wichtigen Themen einsetzen zu müssen, weil darin ihre wahre Berufung liegt. Mit vollem Engagement setzt sie sich vor allem für die Rolle der Frau in einer von Männern bestimmten Welt ein.

„Die Welt war von Männern geformt worden und das, was man unter ‚Menschheit‘ verstand, war männlich. Die Frau wurde nicht als autonomes Wesen betrachtet, sondern als ein dem Mann entgegengesetztes, ihm untergeordnetes. Es gab sie nur in Relation zum Mann, sie war das Unwesentliche neben dem Wesentlichen, das Objekt neben dem Subjekt, das andere neben dem einen.“

Wie schnell man selber in die Rolle der sich unterordnenden Frau geraten kann, merkt Simone an sich, als sie sich durch die Liebe beflügelt zumindest zeitweise in die Rolle der umsorgenden Ehefrau wiederfindet. Dass auch ihr Verhältnis mit Sartre über weite Strecken (zumindest von aussen gesehen, aber auch selber gelebt) ein sich Unterordnen Simones mit sich bringt, zeigt ihr deutlich, wie viel noch zu tun ist, um diese Muster in der Gesellschaft zu durchbrechen.

„Das biologische Geschlecht musste von der sozialen Rolle der Frau als Konstrukt unterschieden werden. Man kam nicht als Frau zur Welt, man wurde es.“

Der Roman zeigt deutlich die intensive Auseinandersetzung Katja Kulins mit dem Menschen Simone de Beauvoir sowie mit ihren Ideen. Es gelingt ihr dadurch, aus einem reichen Wissensfundus zu schöpfen und dieses Wissen mehrheitlich unauffällig und doch kompetent einfliessen zu lassen. Entstanden ist ein mitreissendes und zutiefst menschliches Porträt einer spannenden Frau. Unterm Strich bleibt das Buch immer aber auch eine Liebesgeschichte, und da, wo diese dominiert gleitet der Erzählung ab und zu ins Pathetische und Kitschige, wird die Sprache gar blumig und auch die Metaphern wirken wie aus einem alten Barbara-Cartland-Roman. Zum Glück überwiegt der gute Erzählton bei Weitem, so dass man über diese Aussetzer grosszügig hinweglesen kann.

Fazit:
Die durch eine geschickt gewählte Erzählperspektive tiefgründende Lebens- und Liebesgeschichte einer grossartigen Frau und Denkerin. Sehr empfehlenswert!
1,289 reviews3 followers
July 20, 2021
Dieser biografische Roman handelt von der zweiten Lebenshälfte Simone de Beauvoirs. In der ersten Lebenshälfte war Simone neben Sartre eher unstet, hatte viele Liebesbeziehungen, viele auch nebeneinander, hat das Leben in wilden Zügen genossen.Im Buch lernen wir nochmal eine ganz andere Seite der großen Frau kennen, an der Seite des amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren kann sie sich in ein "traditionelleres" Rollenbild von Mann und Frau fallen lassen. Da Simone Paris liebt und diese Stadt nicht verlassen möchte, schlägt sie einen Heiratsantrag aus.Trotzdem bleibt der Schriftsteller ein wichtiger Teil in ihrem Leben.

Das Buch wird anhand von alten Briefen und Tagebüchern geschrieben, die Geschichte der beiden ist sehr lebendig und faszinierend erzählt, nie tritt das Gefühl von Langeweile auf, die Seiten fliegen beim lesen nur so dahin! Ich finde Simone eine sehr faszinierende Persönlichkeit, sie ist so vielschichtig und besonders in ihrer Denkweise, damals sowieso, aber auch heute noch! So stark, emanzipiert und macht immer ihr eigenes Ding, was sie für richtig hält. Aber auch Nelson Algren, der mir zuvor nicht bekannt war, hat etwas sehr spannendes an sich. Über ihn konnte ich einiges lernen, aber auch neue Dinge über Simone und Sartre habe ich mir wieder aneignen dürfen. Das Buch ist so viel mehr als eine einfache Liebesgeschichte, durch die besonderen Personen darin. Das Nachwort am Ende des Buches ist lesenswert und rundet das ganze Buch sehr schön ab!

Fazit: Ein tolles, gut geschriebenes Buch über eine interessante, spannende Frau und ihre Lieben. Ich kann es nur weiter empfehlen, besonders geeignet für Leser, denen eine richtige Biografie zu trocken ist, die aber dennoch mehr über die Person Simone de Beauvoir wissen wollen.
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