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Kronsnest

Ein holsteinisches Dorf in den 20er Jahren:

Das Dorf und der kleine elterliche Hof in der Elbmarsch sind seine ganze Welt: Der empfindsame ­Hannes ­leidet unter seinem gewalttätigen, unberechenbaren Vater und den Schikanen in der Schule. Zuflucht findet er allein in der Natur und in seinen Büchern. Doch Hannes beginnt, sich zu wehren, und unversehens ­gerät er dabei in die politischen Spannungen der Dorfgemeinschaft. Dabei will er doch eigentlich nur eines – die geheimnisvolle Mara für sich gewinnen, die so ganz anders ist als all die Mädchen im Dorf. Ein anderes Leben, denkt Hannes, ein anderes Leben muss doch möglich sein.

448 pages, ebook

Published February 24, 2021

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About the author

Florian Knöppler

4 books1 follower

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Community Reviews

5 stars
12 (30%)
4 stars
16 (41%)
3 stars
4 (10%)
2 stars
5 (12%)
1 star
2 (5%)
Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Wandaviolett.
510 reviews74 followers
March 9, 2021
Erst der zweite Band wird zeigen, ob eine (durchaus notwendige) Steigerung gelungen ist.

Titel: Zwischen Sterotypen und Ideenreichtum.
Kurzmeinung: Eigentlich ein Jugendroman?

"Kronsnest" spielt im Norddeutschen in den ausgehenden 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Erste Weltkrieg ist vorüber, zehn Jahre sind vergangen, man hat sich wieder aufgerappelt, trägt aber noch schwer an den Folgen. Wirtschaftlich. Sozial. Psychisch.

Vielleicht hat deshalb der knapp 15jährige Hannes, der mit Vater und Mutter auf einem kleinen Hof lebt, so sehr unter den cholerischen Anwandlungen des Vaters zu leiden. Ganz genau ergründet man es nicht, warum der Vater den Sohn geradezu zu hassen scheint und ihn mehr als einmal regelrecht misshandelt. Die Mutter zwischendrin. Stille Mediatorin. Das ist kein unbekanntes Setting. Ziemlich stereotyp. Manchmal Pucki: Pferdchen, Hündchen, gezähmte Dohle.
*Pucki: Magda Trott, 12 Bände, alle gelesen.

Was an dem Roman fesselt, sind die Beschreibungen der Landschaft und der Natur. Diese Beschreibungen sind ein wenig zu lose und unverknüpft in den Raum gestellt, aber lyrisch und schön zu lesen. Dabei nicht ausufernd.

Was an dem Roman ebenfalls besonders zu schätzen ist, ist seine Nähe zur norddeutschen kargen Lebensweise. Das Leben als Kleinbauer ist ein fortwährender Kampf. Hier sind „Kronsnest“ Stärken angesiedelt. Die fortwährenden Rückschläge, die man erleidet, dann wieder Erfolge und Hoffnungen, unerwartete Krankheiten der Tiere, die Geld verschlingen. Die Beschreibungen landwirtschaftlichen Handelns. Hier hat mich der Roman gepackt. Dazu die politischen Unwägbarkeiten. Der Roman versucht hier etwas, er versucht, die politischen Zusammenhänge ins Boot zu holen, aber es ist zu schwach, um zu überzeugen, zu kindlich, zu naiv wird hier erzählt.

Bedauerlicherweise bildet der bäuerliche Überlebenskampf auch nicht das Zentrum der Geschichte, sondern Hannes Gedankenwelt und die Beziehungen zu Mara, sie ist die Tochter des gebildeten Grundbesitzers in der Nachbarschaft. Kann man machen. Der Fokus aufs pubertäre Zwischenmenschliche interessiert aber die ältere Leserschaft nicht in der dargestellten Ausführlichkeit und für die jüngere ist „der Beziehungskram“ nicht modern genug. In den Dialogen und im Zwischenmenschlichen zeichnen sich dann auch die größten Schwächen von „Kronsnest“ ab. Wo der Autor sich in den Landschaftsbeschreibungen durchaus mit Sprachgewalt auszeichnet, bleibt er in den Dialogen sprachlich und inhaltlich leider alles schuldig. Die Figurenzeichnung/en ist/sind einfach zu mager. Auf jeden Fall ausbaufähig.

Die Handlung des Romans selbst ist denn auch unspektakulär und bleibt im Oberflächlichen, beinahe im Belanglosen stecken, obwohl es durchaus dramatische Szenen gibt, aus denen der Autor durch das Verwirklichen des ehernen schriftstellerischen Gesetzes „Show, don’t tell“ mehr hätte herausholen können. Dramatik darf man nicht verschenken!

Fazit: Und dennoch: Der Roman hat etwas. Etwas Vielversprechendes. Etwas Erdiges. Ich bin gespannt darauf, ob im zweiten Band die "Kinderkrankheiten" des ersten Bandes überwunden werden können.

Kategorie: Heimatroman. Belletristik.
Verlag: Pendragon, 2021
Profile Image for Andrea Karminrot.
331 reviews6 followers
March 24, 2021
Kronsnest. Auf einem kleinen Bauerngut direkt am Deich, an den Elbmarschen, lebt der 15 Jährige Hannes. Nie kann er es seinem Vater recht machen, der immer wieder Gewaltausbrüche hat und wenn der Junge mal etwas gut gemacht hat, schweigt. Die Mutter schaut weg und schweigt ebenfalls, verzieht sich lieber in ihre Welt der Bücher.
Hannes ist ein Träumer. Er schaut den Wolken nach und denkt sich Geschichten aus. Er träumt sich an den Abendbrottisch seines besten Freundes Thies und nimmt an dessen regen Familienleben teil. Hannes schafft es auch in seinen Träumen die leidigen und nervenden Klassenkameraden zu bekämpfen. Doch in der Wirklichkeit ist es dann doch anders und er muss Schlamm fressen oder Prügel einstecken.

Es sind die Jahre zwischen den Weltkriegen. Der Vater war Soldat in Flandern. Was er da wohl erlebt hat? Und dann taucht auch noch ein neuer Lehrer auf. Aus der Nähe von Königsberg, mit dem selben leeren Blick wie der Vater. Doch der ist anders als erwartet. Gibt dem Jungen Bücher.
Und dann ist da noch Mara. Die Tochter von dem ehemaligen Kaufmann Heesen, der sich mit dem Hof seines Bruders herumschlägt. Immer wieder muss Hannes an das Mädchen denken.
Hannes Mutter versucht immer wieder die Wogen zwischen ihren Männern zu schlichten. Aber wie es eben mit Jungen in der Pubertät schon seit Jahrhunderten so ist, sie sind merkwürdig. Einerseits möchten sie noch in die Arme der Mutter flüchten und gleichzeitig ihren Mann stehen!

Der Autor erzählt eine ziemlich unaufgeregte Geschichte. Ohne Schnörkel und unkompliziert begleitet man Hannes in seinen Flegeljahren durch eine Zeit, die damals bestimmt nicht so lustig war. Immerhin kam kaum ein Vater ohne Schaden, sichtbar oder unsichtbar, aus dem ersten Weltkrieg zurück. Auch beginnen gerade die Nazis sich immer mehr auszubreiten, denn auch den Bauern so hoch im Norden, ging es nicht so gut. Die großen Höfe in Ostpreußen bekamen Zuschüsse, während die Kleinen im alten Land knapsen mussten.
Der Roman liest sich so schnell und angenehm, dass es eine wahre Wonne ist. Obwohl die Geschichte an sich eine schwere Zeit beleuchtet. Er stellt keine großen Herausforderungen aber es liest sich einfach sehr angenehm und unterhaltend. Dabei ist Hannes selber ein absolut wortkarger Typ!
Profile Image for Lari  Heldenlama.
230 reviews2 followers
March 5, 2021
Der 15 jährige Hannes ist Sohn eines Landwirts in den 1920ern. Sein komplettes Leben dreht sich um den Vater, der durch seinen unberechenbaren Jähzorn die Familie auf eine harte Probe stellt.
Hannes versucht immer seinem Vater zu gefallen – arbeitet viel und aufmerksam, doch dem Vater scheint nichts recht. Die Mutter kann sich nicht entscheiden auf wessen Seite sie stehen soll und ergreift selten wirklich Partei für Hannes.

Das Leben unter diesen Bedingungen ist hart und Hannes ein total verschlossener Junge der anfangs auch von den Nachbarsjungen gemobbt und geschlagen wird. Sein einziger Freund ist Thies. Thies ist groß und stark und wenn Thies in seiner Nähe ist, wird er in Ruhe gelassen. Die beiden Jungs treffen sich regelmäßig zum angeln oder helfen sich gegenseitig auf den elterlichen Höfen.

Dann gibt es noch Mara, die junge Frau scheint Hannes wie ein Sonnenschein, sie ist mutig und frech und nähert sich ihm an. Sie gewinnt sein Herz im Nu und verändert damit alles in Hannes. Was er nicht weiß, auch sie hat ihr Päckchen zu tragen und nichts ist so wie es scheint.

Ich hatte sehr lange Probleme in die Story zu finden. Der Schreibstil ist eher nüchtern und unaufgeregt. Es wird das Dorfleben beschrieben, die Arbeiten die Hannes verrichtet und wie die Familie so lebt. Hannes ist sehr verschlossen – und so ist auch die Erzählung. Ich konnte keinen Zugang zu ihm bekommen. Er hat sich lange niemandem geöffnet, weil er niemandem vertraut hat und so stand ich lange am Rand der Story und habe aus der Ferne zugesehen.

Durch einen Schicksalschlag im Verlauf der Geschichte wird Hannes plötzlich ganz schnell erwachsen und beginnt den Mitmenschen mehr zu vertrauen. Das tat der Story unglaublich gut! Vorher hatte ich schon so meine Tiefpunkte und habe überlegt ob ich es abbrechen soll, weil nicht wirklich etwas passiert ist und ein Tag wie der andere aussah. Ab dem Moment war ich dann als Leser auch direkt an ihm dran – habe mich in ihn hereinversetzen können und mitgefühlt. Ich lese viele Liebesromane und irgendwie brauche ich das Gefühl, dass ich mich in die Protagonisten hineinversetzen kann.

Die Story – vorallem wie es mit Thies und Mara weitergeht hatte mich dann komplett für sich eingenommen und ich bin froh, dass ich NICHT abgebrochen habe. Der Anfang war etwas schwergängig, aber das Ende hat mich dann wieder überzeugt. Wer eine spannungsgeladene Geschichte sucht, wo extrem viel passiert ist hier falsch, wer mehr über den sensiblen Hannes erfahren möchte – wer quasi mit ihm erwachsen werden will – der ist hier richtig. Eine ruhige Geschichte die auch zwischen den Zeilen zeigt, dass das Leben selten so spielt wie man es haben möchte, die aber auch Mut macht, dass durchhalten sich lohnt.
Profile Image for Kingofmusic.
297 reviews56 followers
March 11, 2021
Ein Leben auf dem Lande

Hach ja – leben auf dem Lande. Welcher Stadtmensch hat nicht schon einmal (heimlich) davon geträumt? *g*

Nun, nach dem Roman „Kronsnest“ von Florian Knöppler kommt der ein oder die andere vielleicht ins Grübeln. Natürlich kann man die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen mit der heutigen nicht (direkt) vergleichen, aber damals aufkommende Themen wie immer schlechtere Entlohnung der Bauern für ihre (tierischen) Produkte sowie der am dunklen Horizont sich ankündigende Nationalismus bewegen die Menschen in Stadt und Land auch heute noch bzw. wieder.

Florian Knöppler erzählt uns die Geschichte von Hannes – einem verschlossenen, aber durchaus aufmerksamen Teenager, der mit seinen Eltern auf einem Hof im titelgebenden Dorf Kronsnest lebt, welches tatsächlich existiert. Hannes leidet unter seinem gewalttätigen Vater, der Mensch und Tier quält.

Das Leben in Norddeutschland Ende der 1920er Jahre ist karg wie die Landschaft. An dieser Kargheit lässt uns Florian Knöppler mit poetisch anmutenden Naturbeschreibungen teilhaben. Überhaupt hat der Autor ein Gespür für Sprache, obwohl vieles ungesagt bleibt. So karg das Land, so schleppend nämlich (auch) die Handlung. Knöppler deutet an, lässt viel Raum für Interpretation.
Für die Einen mag das eine Schwäche darstellen, für Andere ist es eine zusätzliche „Herausforderung“ während und nach der Lektüre.

Manchmal will man die Protagonisten schütteln, sie aus ihrer Lethargie reißen und rufen „Tu was!“ Aber letztlich lässt man sie ziehen, lässt sich auf die Story ein – und kommt nicht umhin, sich auf die Fortsetzung zu freuen.

Ich glaube, es steckt noch viel Potenzial (in „Kronsnest“ schon an vielen Stellen sichtbar!) in Florian Knöppler, der sich selbstkritisch in die Leserunde eingebracht hat; dafür gebührt ihm mein Respekt!

3,5* die ich auf 4 aufrunde!

©kingofmusic
Profile Image for Buchbesprechung.
237 reviews26 followers
March 27, 2021
REZENSION – Eigentlich geschieht nicht sonderlich viel in „Kronsnest“, dem atmosphärisch und stilistisch eindrucksvollen Romandebüt von Florian Knöppler (55), das der Pendragon Verlag im Februar veröffentlichte. Doch selbst das Wenige weiß der gelernte Journalist in eindringlicher Erzählweise spannend wirken zu lassen. Die weltweite Agrarkrise der Jahre 1927/1928 mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen und die sich andeutende Radikalisierung der Weimarer Politik sind die dunklen Wolken über diesem gleichnamigen holsteinischen Dörfchen nahe Elmshorn an der Krückau, einem Zufluss der Elbe. Wirtschaftlicher Niedergang bestimmt den bedrückenden und arbeitsreichen Alltag der dort lebenden Kleinbauern und Handwerker. Wir erleben den Jahresverlauf aus Sicht einiger Jugendlicher im Wandel von Schülern zu Erwachsenen – allen voran Hannes, Sohn und Erbe eines gewalttätigen, vom Weltkriegseinsatz gezeichneten Kleinbauern.
In der Dorfschule wird der 15-Jährige oft von Mitschülern gemobbt, nachmittags schuftet er auf dem ärmlichen Hof, den er einmal vom Vater übernehmen soll. Doch wie wohl alle Alterskameraden träumen er und sein Freund Thies vom Auswandern nach Amerika – irgendwann, wenn sie erwachsen sind. Doch im Grunde weiß Hannes genau, dass sein Schicksal in Kronsnest vorbestimmt ist. Von seinem Vater, dem er es nie recht machen kann, hat er das bäuerliche Handwerk inzwischen gut gelernt und beginnt, eigenständig auf dem Hof zu arbeiten. Doch charakterlich gleicht er seiner Mutter, ist ein sensibler und intelligenter Junge, gutmütig und hilfsbereit. Einen Ausgleich zur Landwirtschaft, eine Zuflucht in eine bessere Welt findet er in Büchern und bei Mara, der Tochter des Großbauern von Heesen.
Nach seinem Hauptschulabschluss muss Hannes – der Vater ist gestorben – den Hof allein führen. Von der Politik hält er sich fern, obwohl dadurch die Freundschaft mit Thies zerbricht, der sich den Nazis anschließt, die sich in Holstein stark ausbreiten. Ein anderer Kumpel, Hobe, der als Knecht arbeitet, ist bei den Kommunisten, die sich mit den Braunhemden, obwohl einstige Schulkameraden, jetzt Straßenschlachten liefern.
Die wachsende Konfrontation zwischen Braun und Rot, die letztlich zum Untergang der Weimarer Republik führen wird, deutet Knöppler in seinem Roman nur an. Wichtiger sind ihm die psychischen Auswirkungen der sich verändernden Welt auf seine Protagonisten. Da ist der Großbauer von Heesen, der als gelernter Kaufmann nichts von Landwirtschaft versteht und jetzt bankrott geht. Er gibt nicht nur den Hof, sondern sich selbst auf, zumal er Opfer von Nazi-Angriffen wird. Seine Tochter Mara, eigentlich lebenslustig und voller Phantasie, verfällt immer öfter in Depression. Hannes zieht sich immer mehr in die innere Emigration zurück und muss nach dem Tod des Vaters jetzt um seine Mutter fürchten, die an Selbstmord denkt. Freundschaften und Liebschaften unter den jungen Leuten zerbrechen, weil sie dem Druck von außen nicht standhalten können.
In seiner atmosphärischen Dichte – tief dringen wir in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptfiguren ein – gleicht „Kronsnest“ einem Psycho-Roman: Wir leben, lieben und leiden mit Hannes, Mara und anderen. Die klare, schnörkellose und unaufgeregte Erzählweise des Autors, der selbst in einem solchen holsteinischen Dorf lebt, macht alles realistischer und dadurch noch wirkungsvoller. Trotz vieler Detailbeschreibungen des von der Weltpolitik gebeutelten kleinbäuerlichen Lebens im Krisenjahr 1928 bleibt es an anderen Stellen im Roman bei Andeutungen, die uns Lesern Raum bieten, gedanklich in das Gelesene tiefer einzudringen. „Kronsnest“ ist ein beeindruckendes, berührendes, nachwirkendes Debüt und weit mehr als ein historischer Heimatroman.
Profile Image for Engelchen.
40 reviews
May 5, 2025
Der 15 jährige Hannes ist Sohn eines Landwirts in den 1920ern. Sein komplettes Leben dreht sich um den Vater, der durch seinen unberechenbaren Jähzorn die Familie auf eine harte Probe stellt.
Hannes versucht immer seinem Vater zu gefallen – arbeitet viel und aufmerksam, doch dem Vater scheint nichts recht. Die Mutter kann sich nicht entscheiden auf wessen Seite sie stehen soll und ergreift selten wirklich Partei für Hannes.

Das Leben unter diesen Bedingungen ist hart und Hannes ein total verschlossener Junge der anfangs auch von den Nachbarsjungen gemobbt und geschlagen wird. Sein einziger Freund ist Thies. Thies ist groß und stark und wenn Thies in seiner Nähe ist, wird er in Ruhe gelassen. Die beiden Jungs treffen sich regelmäßig zum angeln oder helfen sich gegenseitig auf den elterlichen Höfen.

Dann gibt es noch Mara, die junge Frau scheint Hannes wie ein Sonnenschein, sie ist mutig und frech und nähert sich ihm an. Sie gewinnt sein Herz im Nu und verändert damit alles in Hannes. Was er nicht weiß, auch sie hat ihr Päckchen zu tragen und nichts ist so wie es scheint.

Ich hatte sehr lange Probleme in die Story zu finden. Der Schreibstil ist eher nüchtern und unaufgeregt. Es wird das Dorfleben beschrieben, die Arbeiten die Hannes verrichtet und wie die Familie so lebt. Hannes ist sehr verschlossen – und so ist auch die Erzählung. Ich konnte keinen Zugang zu ihm bekommen. Er hat sich lange niemandem geöffnet, weil er niemandem vertraut hat und so stand ich lange am Rand der Story und habe aus der Ferne zugesehen.

Durch einen Schicksalschlag im Verlauf der Geschichte wird Hannes plötzlich ganz schnell erwachsen und beginnt den Mitmenschen mehr zu vertrauen. Das tat der Story unglaublich gut! Vorher hatte ich schon so meine Tiefpunkte und habe überlegt ob ich es abbrechen soll, weil nicht wirklich etwas passiert ist und ein Tag wie der andere aussah. Ab dem Moment war ich dann als Leser auch direkt an ihm dran – habe mich in ihn hereinversetzen können und mitgefühlt. Ich lese viele Liebesromane und irgendwie brauche ich das Gefühl, dass ich mich in die Protagonisten hineinversetzen kann.

Die Story – vorallem wie es mit Thies und Mara weitergeht hatte mich dann komplett für sich eingenommen und ich bin froh, dass ich NICHT abgebrochen habe. Der Anfang war etwas schwergängig, aber das Ende hat mich dann wieder überzeugt. Wer eine spannungsgeladene Geschichte sucht, wo extrem viel passiert ist hier falsch, wer mehr über den sensiblen Hannes erfahren möchte – wer quasi mit ihm erwachsen werden will – der ist hier richtig. Eine ruhige Geschichte die auch zwischen den Zeilen zeigt, dass das Leben selten so spielt wie man es haben möchte, die aber auch Mut macht, dass durchhalten sich lohnt.
Profile Image for Detlef.
378 reviews4 followers
May 11, 2021
Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern geht es schlecht, weil die Politik kaum Anstalten machte, ihre Lage zu verbessern. Da agieren unterschiedliche Gruppen, um gegen die praktizierten Regeln vorzugehen. Unter anderem auch die aufkommenden braunen SA-Truppen. Als schützende Hand geben sie vor, sich für die Bauern einzusetzen.

Doch Hannes, der Protagonist in »Kronsnest«, mag in dieser Situation nicht einfach nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden. Er ist der Meinung, dass man sich nicht bedingungslos jeder neuen Strömung anschließen sollte.

»Kronsnest« ist ein Entwicklungsroman, weil wir Hannes dabei zusehen, wie er groß, stark und erwachsen wird. Er braucht viel Kraft, um sich gegen seinen Vater durchzusetzen, der den Freund von Hannes bevorzugt. Die Mutter möchte ihren Sohn zwar unterstützen, jedoch ist sie zu schwach gegenüber ihrem Mann. Der Mann bricht nicht nur dem Hund die Knochen, auch Hannes muss sehr unter ihm leiden .

Florian Knöppler hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur damaligen Zeit zwar düster ist, aber immer wieder helle Momente hat. Und weil zum Erwachsenwerden auch die aufkeimende Liebe zum anderen Geschlecht gehört, gibt es auch einige romantische Szenen in diesem Roman.

Die Dorfgemeinschaft in der Elbmarsch wird mikroskopisch auseinandergenommen. Die Figuren mit ihren Eigenschaften bilden den Mittelpunkt. Dabei bleibt es nicht nur bei Hannes und seiner Familie. Die Leser lernen sehr viele andere Leute kennen. Detailreich werden deren Einstellungen und Handlungsweisen begründet, so dass man die scheußlichsten Handlungen zwar nicht gutheißen, aber doch verstehen kann.

Der empfehlenswerte Roman »Kronsnest« von Florian Knöppler zeigt einen Spiegel der heutigen Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor fast einhundert Jahren spielt. Ein Roman, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021
841 reviews2 followers
December 10, 2021
Hannes lebt auf auf dem elterlichen Hof in der Elbmarsch. Er wird in der Schule schikaniert und leidet unter den gewalttätigen Wutausbrüchen seines Vaters. Als sich die politische Stimmung im Dorf ändert, bleibt auch er nicht verschont. Dabei will er doch nur Mara, in die er verliebt ist.
In dieser emotionalen Lebensgeschichte aus den 1920er Jahren geht es um Hannes, einem 15jährigen Bauernsohn. Er erlebt die Anfänge vom Nationalsozialismus, welches sein Dorf spaltet.
Dieser Roman ist ohne große Höhen und Tiefen. Mit einem ruhigen und flüssigen Schreibstil wird der Leser in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts versetzt. Sehr gut sind die politischen Umbrüche und das harte Leben beschrieben. Die Schicksalsschläge von Hannes und seiner Familie sowie die in seinem Umfeld sind beeindruckend dargestellt.
Mein Fazit:
Ein überaus bewegender, realistischer und tiefgreifender Roman, der ohne übermäßige Spannungseffekte auskommt. Schon jetzt bin ich auf die Fortsetzung sehr gespannt. 4 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.
Profile Image for Magnolia .
706 reviews3 followers
February 5, 2025
Das nicht immer einfache Leben auf dem Land in den 1920er Jahren

„Kronsnest“, ein holsteinisches Dorf, gibt es wirklich. Florian Knöppler erzählt davon, von den Dörflern und deren Gemeinschaft in den 1920er Jahren, von deren Sorgen, von deren Ängsten und Nöten.

Hannes lebt hier auf dem elterlichen Hof, seine kleine Welt besteht neben der Schule und den viel stärkeren Jungs aus der Mitarbeit auf dem Bauernhof, er kennt es nicht anders. Von jeher hat er sich viel zu viel gefallen lassen, er steckt lieber ein als dass er sich verteidigt, was seinem Vater so gar nicht gefällt. Der schwächliche Sohn kassiert nicht nur von den Gleichaltrigen Prügel, auch der Vater langt ordentlich hin. Hannes einziger Freund ist Thies, mit ihm will er zum Boxunterricht, was dem Vater zunächst nicht gefällt. Erst nachdem Hannes sich gegen die Brüder Albert und Eggert das gefühlt erste Mal zur Wehr gesetzt hat, darf er dann doch zum Boxen, Hannes verliert aber bald die Lust daran.

Es ist die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Florian Knöppler erzählt in seinem Erstlingswerk einfühlsam, aber doch sehr kraftvoll vom Leben auf dem Land. Er beobachtet genau, er wertet nicht, er zeichnet das Miteinander ohne erhobenen Zeigefinger nach, auch fließt der beginnende Nationalsozialismus mit hinein.

Er braucht dazu keine Gewaltszenen, er lässt Bilder entstehen, erzählt seine Geschichte wie nebenbei und doch sehr präzise und man spürt dabei eine Intensität, die aus jedem Wort, aus jeder Zeile spricht. Er beschreibt die Natur, nimmt seine Leser mit zur Feldarbeit, berichtet von so mancher Missernte, nicht immer trägt die Witterung die Hauptschuld. Und wenn wieder einmal ein Tier verletzt ist, spürt man auch da, was los war. „Böltje geht’s besser. Die Beine heilen schon, Vater hat sie wohl gut geschient.“ Der Hund hat einiges abgekriegt. Im Nachhinein wird eher angedeutet denn dies angesprochen, jeder weiß auch so, wer Böltje so zugerichtet hat.

Es ist der tägliche Kampf ums Dasein und damit das Leben mit den Tieren auf dem Bauernhof, das lebendig und scharfsinnig nachgezeichnet wird. Hannes, Vater, Mutter – es geht um die Familie. Hannes wird erwachsen und natürlich spielen Freundschaften, die ersten zarten Bande und die aufkeimende Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen mit hinein. Es ist die NSDAP, die immer mehr Anhänger gewinnt, die die Dorfgemeinschaft mit ihren Reden und ihren Taten vergiftet. Es ist Knöpplers erzählerisches Können, das diesen scharfsinnigen Roman so lebendig, so lesenswert macht.

Es ist ein starkes Debüt, es ist kein Buch, das man nach dem Lesen schnell wieder vergisst. Nein, es bleibt und es erweckt den Wunsch, mehr von Florian Knöppel zu lesen. „Habichtland“ wird mein nächstes Buch von ihm sein, es erzählt Hannes Geschichte weiter.
27 reviews
April 17, 2025
Das Buch hat mich nicht nur durch die äußerst angenehme Schreibart begeistert, sondern auch durch den tiefgründigen Stil.
Das Buch kann sehr emotional sein und berühren, es wirft viele Gedanken auf und zieht die Leser mit sich.
Mich persönlich hat das Buch und der Autor beeindruckt und ich kann es definitiv nur weiterempfehlen, ich selbst werde es auch demnächst erneut lesen.
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