Florian Werner zeigt, dass Raststätten mehr sind als Orte der Pause und des Auftankens. „Raststätten sind Orte der Magie – und dies ist ein magisches Buch.“ Saša Stanišić
Die deutschen Raststätten haben mehr Besucher als der Kölner Dom, das Brandenburger Tor und das Oktoberfest zusammen. Gerade in einer Autofahrernation wie der unseren sind sie die wichtigsten Bauwerke überhaupt. Florian Werner nimmt diese ungeliebten Orte unter die Lupe. Er spricht mit Lastwagenfahrern, Flaschensammlern und Autobahnpolizisten. Er trifft einen Raststättenbetreiber, der den Lärm der Autobahn liebt, er lernt von einem Botaniker, wie man sich von den Pflanzen am Parkplatzrand ernährt, und er entwickelt eine kleine Philosophie der Sanifair-Toilette. Das Ergebnis ist eine liebevolle, komische und sehr persönliche Hommage an einen Ort, der weitaus faszinierender und vielschichtiger ist als sein Ruf.
Sehr kurzweilig und wirklich unterhaltsam. Wenig überraschend hätte es für mich poetischer sein können. Dennoch hat es mich durch das humoristische Spiel mit Form und Themenschwerpunkten auch stilistisch überzeugen können (beispielhaft dafür sind das Sonette, die Analyse der Gästebuch-Einträge und die langgezogene Liste aller Pflanzen auf der Raststätte). Gut fand ich, dass exemplarisch mit der Raststätte Garbsen Nord gearbeitet wurde. Das Kapitel zur Philosophie im Zusammenhang mit Raststätten hätte gut sein eigenes Buch kriegen können. Die Fotografien von Christian Werner sind einmal mehr fabulös.
“wir kommen doch alle immer wieder” gelesen für das Projekt Raststättenromantik. ich glaub ja nicht, dass ich diesen Schreibstil bei einem anderen Thema ausgehalten hätte. Zu viele Bilder, die zu wenig zur Szenerie hinzufügen, unnötig verschachteln und verwirren. Die Sprache ist ein wenig verboomert. Trotzdem ist das Selbstexperiment von Florian geglückt, der Nicht-Ort wird erkundet und erfahren, aus allen Ecken beleuchtet. Wie gut wir schon recherchiert haben zeigt sich dadurch, dass ich tatsächlich kaum Neues erfahren hab. Ich bin eher durchgerast ohne so richtig zu rasten, ganz nach dem Autobahnmotto. Wiederkommen werde ich trotzdem.
Dies ist ein überraschend interessantes Buch zu einem ungewöhnlichen, meist übersehenen Thema. Was weiß man schon über Raststätten? Wer macht sich schon darüber Gedanken? Nichts muss man über Raststätten wissen, deshalb ist es so entspannend, etwas über sie zu lesen.