Peter Schneider kann ja erstmal nichts dafür, dass er ein alter weißer Mann ist. In der ersten Hälfte des Buchs kann er das gut und amüsant ausspielen, aus seiner eigenen Vergangenheit erzählen und mir, der ich inzwischen selbst in Charlottenburg wohne, ein gutes Gefühl für das Westberlin der 70er und 80er Jahre vermitteln. Später jedoch versucht er sich auch daran, sowohl historische als auch aktuelle Entwicklungen aufzublättern und dabei steht ihm seine alt-68er Onkeligkeit ziemlich im Weg. Bei einem Besuch im Berghain als 70-Jähriger ist sie vielleicht noch ganz charmant, aber spätestens wenn es um "Political Correctness" (Multikulti-Fantasien darf man in Deutschland angeblich nicht kritisieren) oder Geschlechteridentität geht, überwiegt doch etwas zu sehr ein Welterklärergestus, meistens offen aus Privatempirie hergeleitet, der unzeitgemäß und unnötig wirkt Übrigens auch wenn Schneider sich bemüßigt fühlt, der Welt jetzt mal seine persönliche Enthüllungen über den Streit zwischen Ulrich Mühe, mit dem er Tennis gespielt hat, und Jenny Gröllmann präsentieren zu müssen. Dazu kommt ein peinlicher Lektoratsfehler: Der Amadeu Antonio Stiftung wird ein ganzes Kapitel gewidmet, in dem sie konsequent Antonio Amadeu Stiftung genannt wird.