Als die Sozialwohnung verkauft wird, in der er mit seiner Mutter lebt, weiß Olli Leber, was das zu bedeuten hat: Menschen wie er haben kein Recht mehr auf ein Leben im Zentrum Berlins. Doch der junge Bauarbeiter will sich nicht stillschweigend entsorgen lassen und bläst zum Gegenangriff.
In Amelie Warlimont findet Olli eine unverhoffte Mitstreiterin, denn die bekannte Journalistin hat alte Rechnungen zu begleichen und ihre eigenen Gründe, sich von der Stadt verraten zu fühlen. Gemeinsam ziehen die beiden in einen Kampf um Gerechtigkeit. Ein Kampf, der immer mehr außer Kontrolle gerät.
Unzählige Male musste Olli Leber mit seiner Familie schon innerhalb Berlins umziehen. Die neuen Wohnungen: immer ein Stückchen weniger zentral, beengter, weniger komfortabel. Als nun auch die aktuelle Siedlung verkauft werden soll, in der er mit seiner Mutter in einer Sozialwohnung lebt, ahnt Olli was das bedeutet: Er und seine Mutter, mittellos und vom kürzlichen Tod des Vaters gezeichnet, fliegen endgültig raus aus der Stadt. Olli fasst einen Entschluss: er verspricht seiner Mutter, dass sie nie wieder umziehen muss. In seinem Feldzug gegen die neuen Eigentümer wächst er über sich hinaus. Der Kampf „David gegen Goliath“ beginnt. Unterstützt wird er dabei durch Amelie Warlimont, einer bekannten Journalistin, die durch den entfachten Kampf mit der Wohnungsgesellschaft die Chance ergreift, auf ganz andere Weise mit der Stadt im Großen wie im Kleinen abzurechnen. Zusammen schmieden sie einen wahnsinnigen Plan, der Gerechtigkeit bringen soll. Doch im Leben hat alles seinen Preis.. . Eva Ladipo ist mit „Räuber“ ein großartiger Geniestreich gelungen. Das Fundament und ihres Romans bildet die Gentrifizierung, die herrschende soziale Ungleichheit auf den Wohnungsmärkten, die sie am Beispiel Berlins erklärt. Ein hochaktuelles, brisantes und immens politisches Thema, das sie mit einer fiktiven Geschichte verwebt. Und diese Geschichte hat es in sich! Auf eine scheinbar so lockere Art schüttelt Eva Lapido einen bissig-humorvollen Gesellschaftsroman aus dem Ärmel, der sich wie ein spannender Krimi liest und obendrein eine dramatische Beziehungsgeschichte beinhaltet. Weder trivial noch oberflächlich verflechtet sie alles zu einer Wahnsinns-Romanbombe, die eingeschlagen hat. Sprachlich gewitzt und humorvoll lässt sie ihre Charaktere zu Persönlichkeiten heranwachsen, die man beim Lesen sofort in allen Details vor Augen hat. Getrieben von einer über 500 Seiten anhaltender Spannung, war ich dem Roman verfallen, las Seite um Seite, wie vernarrt. Ein so kluger, großartiger Roman, der mich daran erinnert, warum ich so gerne lese: Eine richtig gute Geschichte bleibt, man vergisst sie so schnell nicht wieder!
Mietenwucher in Berlin, Gentrifizierung, Clash of Bubbles. Eine heiße Affäre, Niedergang des Printjournalismus, ein scheinbar vergeblicher Kampf, ein halsbrecherischer Plan. Korrupter Ex-Finanzsenator, ehrlicher Ex-Ganove. Showdown auf der Upper-Class-Hochzeit. Will sagen: Alle Zutaten für einen guten Sozio-Thriller sind vorhanden. Dass „Räuber“ dennoch keiner ist, liegt an der zu einer einzigen Redundanz ausgewalzten Länge und diesem piefigen Sound, den sonst nur die Drehbuchautor/innen vom Mainzer Lärchenberg so meisterhaft beherrschen. Positiv: Die gute Recherche. Der Mehrwert des Romans besteht in der Auseinandersetzung mit einem Thema, das in den kommenden Jahren für immensen sozialen Sprengstoff sorgen wird.
„Räuber“ hat mich wirklich positiv überrascht. Die Autorin kannte ich vorher garnicht. Aber gleich die ersten Seiten haben mich in einen richtigen Lesesog gezogen, ich mag den Berlin-Flair, die glaubwürdigen Figuren, die Prise Humor. Mit der Gentrifizierung und dem Steigen der Mietpreise wird ein Thema aufgegriffen, das mir auch nicht fremd ist, ich lebe selbst in einer großen Stadt. Es entwickelt sich ein starker Plot, politische Themen fließen sehr gut in die Handlung ein, so dass Tiefgang entsteht, der aber nie langweilig wird. Im Gegenteil, alles wird gut erklärt und ich war mittendrin. Abwechslungsreiche und authentische Lektüre- eine klare Frühlings-Leseempfehlung von mir!
Olli Leber wohnt mit seiner arbeitslosen Mutter in einer Sozialwohnung am Rand von Berlin. Die Familie hat eine Reihe von Schicksalsschlägen hinter sich. Sie wurden ein ums andere Mal aus ihren Wohnungen verdrängt, der Vater hatte einen schweren Arbeitsunfall, an dessen Folgen er gestorben ist und Olli musste seine Ausbildung abbrechen, um für sich und seine Mutter sorgen zu können. Nun soll auch noch ihre Wohnsiedlung an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft werden, doch Olli will nicht wieder vertrieben werden. Als er erfährt, dass es ein Vorkaufsrecht für Mieter gibt, beginnt er, sich zu wehren.
Man könnte der Autorin vorwerfen, dass manche Wendungen und Zufälle in der Handlung und manche Verknüpfungen unter den Charakteren zu konstruiert wirken und sehr zielführend sind. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass diese Konstruiertheit die Aussagen des Romans in den Hintergrund rückt. Ganz im Gegenteil ist es Ladipo mit diesem Roman gelungen, eines der wichtigsten und drängendsten gesellschaftspolitischen Probleme unserer Zeit in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen: die Gentrifizierung. Durch drei Handlungsstränge treten Stimmen und Personen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten in die Handlung ein: Da ist Olli, der Bauarbeiter, der sich und seine Mutter gerade so über Wasser hält und dessen Leben von Chancenlosigkeit geprägt ist. Dann ist da Amelie, eine Journalistin und junge Mutter, die sich Vorwürfe macht, weil sie das Problem der Verdrängung als Journalistin ernster hätte nehmen müssen. Und schließlich Falk Hagen, der Ex-Finanzsenator von Berlin, der systematisch Sozialwohnungen an Fonds und Banken verkauft hat.
Neben der Gentrifizierung kommen auch andere Aspekte zur Sprache, wie z.B. die Ohnmacht derjenigen, die sich nicht zu wehren wissen gegen ein System, hinter dem Anwälte, Politik und Kapital stehen. Oder die soziale Unterdrückung und Hierarchisierung, die durch Sprache hergestellt werden und schließlich die körperlich schwere und gefährliche Arbeit der Bauarbeiter, die Wohnungen bauen und sanieren, die sie sich selbst niemals werden leisten können und die ihre eigene Verdrängung bedeuten.
Mit ihrer Zeitkritik sichert sich Eva Ladipo einen Platz unter einer Gruppe von zeitgenössischen deutschen Autorinnen, zu der z.B. auch Anke Stelling, Silke Scheuermann und Iris Hanika gehören, in deren Werken der Leser mit gesellschaftlichen Missständen konfrontiert wird.
Räuber ist ein lesenswerter Roman, der denjenigen eine literarische Stimme verleiht, für die Wohnen mit Unsicherheit verbunden ist.
Als ich die letzte Seite gelesen habe und mir innerlich schon ein sehr gutes Urteil über den Roman zurechtfrikelte, da kam auch Verwunderung hoch. Denn, der Roman ist im März erschienen und hat noch keine Lawine ausgelöst! Warum nicht? Eva Ladipo hat mit „Räuber“ einen so aktuellen und packenden Roman geschrieben, dass sucht momentan in der deutschen Literatur seinesgleichen aus meiner Sicht! Wer über das russische Steuersystem promovieren kann, ist scheinbar hochqualifiziert ein so komplexes Thema wie das Recht auf Wohnen in einen unterhaltsamen, spannenden, gar lustigen Roman zu packen. Die Geschichte spielt mitten in Berlin und zeigt die Misere auf, die viele umtreibt: der vernachlässigte Sozialbau und die Gentrifizierung, durch die viele weniger Gutverdienende aus ihren eigenen Stadtvierteln vertrieben werden. In „Räuber“ treffen wir auf Olli Leber von Beruf Bauarbeiter und nun auch noch bald verstoßen aus den eigenen 4 Wänden. Dieser tut sich mit der Journalistin Amelie Warlimont zusammen, die diesen Ausverkauf der Menschlichkeit schon länger als Thema umtreibt und auch als Mutter zweier Kinder hier einen anderen Blickwinkel hat. Außerdem mischt Falk Hagen mit, der alternde Finanzsenator Berlins. Diese drei Wege kreuzen sich wegen des Verkaufs von sozialem Wohnraum an einen europäischen Immobilienkonzern und entwickelt sich zu einem richtigen Krimi! Die Charaktere sind rund ausgestaltet und besonders überzeugt hat mich, dass es keine Schwarz-Weiß-Figuren gibt. Nicht die Immobilienbranche auf der einen und die armen Mittellosen auf der anderen Seite. Die Protagonisten sind gut gewählt und geben dem Stoff eine fiktive, aber sehr lebendige Bühne um das Thema der Wohnungsnot plastisch zu machen. Wer mit dem etwas dickeren Werk hadert, keine Sorge! Die über 500 Seiten lesen sich schnell weg und als Lesende:r sollte man froh sein, dass Eva Ladipo nicht weniger kluge und unterhaltsame Seiten zu Papier gebracht hat! Natürlich ist Berlin hier ein zentrales Thema, deshalb spricht das Buch sicher die Berliner und die, die es werden wollen besonders an, aber auch allen anderen Großstädtern sei dieses Buch ans Herz gelegt. Denn Berlin steht hier exemplarisch für alle großen Städte in Deutschland, das Problem ist ein bundesweites. Eva Ladipo ist eine Autorin, der ich einen riesigen Erfolg mit diesem Werk wünsche und die ich im Auge behalte. Mögen noch viele tolle Bücher aus ihrer Feder folgen.
Drei Perspektiven (und vereinzelt kleine Einblicke einiger Nebenfiguren) von drei verschiedenen Personen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Sie kommen aus verschiedenen Ecken Berlins, haben nicht nur einen anderen Hintergrund was Status und Job angeht, sondern auch in Ambitionen und Attitüde sind sie weit auseinander. Und doch treffen sie früher oder später aufeinander.
Olli ist Bauarbeiter ohne akademischen Hintergrund und kurz davor aus der Sozialwohnung getrieben zu werden, die er sich mit seiner Mutter teilt. Amelie ist Mutter und Journalistin, die sich Vorwürfe macht, in ihrem Beruf nicht genug für die Gesellschaft zu getan zu haben. Frank Hagen, Ex-Finanzsenator, lebt auf großem Fuß, indem er mit Immobilien handelt und damit die Schere zwischen Arm und Reich weitet.
Räuber ist ein wirklich gelungener Roman über die Gentrifizierung und die Verzweiflung und Hilflosigkeit des Prekariat. Verachtend angesehen und ohne große Chancen, erschlagen von unverständlicher Bürokratie und die fehlende Ernsthaftigkeit, mit denen die Probleme der Menschen entgegengenommen werden, wird sich hier gesellschaftskritisch auseinandergesetzt. Wie es dazu kommen konnte und wie es weiter aussehen mag, wenn die Immobilienwelt die Mietpreise weiter ansteigen lässt, und welche Auswirkungen die Verdrängung von finanziell ärmeren Menschen aus der Stadt für die Gesellschaft bedeutet, greift die Autorin hervorragend durch klug gewählte Sprache der verschiedenen Charaktere auf. Wir erfahren von Realitäten von denen weggesehen wird, von kapitalistischen Entscheidungen der Politik und damit resultierende weitere Nachteile für das Prekariat. Hierarchien und Ansehen werden weiterhin unterstützt, während die sozial Benachteiligten weiter leiden und sich nicht mehr zu helfen wissen. Systematisch werden Menschen verdrängt, die gerade am nötigsten eine Stütze brauchen.
Die Autorin begeistert mit angemessenem Humor und Biss, einer spitzen Zunge und ist demnach literarisch eine Empfehlung meinerseits ist. Es werden politische Themen durch ausgearbeitete Charakterentwicklungen näher gebracht und kritisch beleuchtet, ohne dass es langweilig wird. Authentische Stimmen werden hier eine Bühne geboten, wo Unsicherheiten und Ängste wahrgenommen werden. Gerne mehr davon für die zeitgenössische Deutsche Literaturwelt!
Ich habe dieses Buch in null Komma nichts verschlungen. Obwohl man es von einem Roman mit solch relevanter gesellschaftlicher Thematik nicht vermuten würde, fühlt er sich wie ein Krimi an. Die Geschichte ist extrem klever - man weiß bis zum letzten Wort nicht, wie es ausgehen wird. Bringt auf überraschende Weise eine Gruppe überzeugender Charaktere zusammen, in deren verschiedene Welten man eintaucht und bei deren Schicksalen man wirklich mitfiebert. Packend, klug, voller Humor - ein extrem intelligenter Lesespaß!