1923 wird der Musiker und Maler Louis Soutter von seiner Familie aufgrund seines exzentrischen Lebensstils in ein Heim im Schweizer Jura eingewiesen. Nur noch sein berühmter Cousin Le Corbusier interessiert sich für ihn. Soutters Bilder verstören, die Kunstwelt seiner Zeit beachtet ihn nicht. So befremdet wie fasziniert lässt sich Le Corbusier auf diese archaische Kunst ein und auf die verschlungenen Lebenswege, die Soutter an diesen Ort geführt haben.
Charles Linsmayer sagt es gekonnt: "Ein Virtuose des historischen Romans". Erneut ein liebgewonnenes Buch von Lukas Hartmann. Er beschreibt meisterhaft und feinfühlig den künstlerischen Lebensweg von Louis Soutter. Die Mutter wollte partout, dass aus ihm ein weltberühmter Violinist werde. Er war ambivalent, auch das Zeichnen und Malen faszinierte ihn. Für mich ist gerade diese Ambivalenz ein Hauptmerkmal seines Psychogramms. Vielleicht mit einer grundlegenden Störung des Wollens. Lukas Hartmann hat unter Anderem Psychologie studiert, er ziseliert sozusagen das Leben von Louis Soutter wunderbar. Dabei ist es nicht einfach trockene psychologische Abhandlung. Zum Beispiel die späte Begegnung mit seinem früheren, berühmten Musiklehrer wird mit sanftem Humor erzählt. Man könnte sie durchaus für authentisch halten. Besonders Interessant sind auch die Begegnungen mit seinem Cousin Le Corbusier, der ihn mehrmals besuchte, seine Zeichnungen und Bilder bewunderte, ihn mit Käufen unterstützte und Ausstellungen zu organisieren versuchte. Dabei kommt es fast zum Streit, wegen der absolut kontroversen Meinungen über Faschismus und Hitlerkult. Nicht nur für Kunstfreunde ist dieser Roman ein Lesegenuss.
Wunderbares Buch über den Musiker und Maler Louis Soutter. Lakonisch, melancholisch im Ton und so, so gut geschrieben - es wird mich noch lange beschäftigen!
Ein weiterer berührend-bedrückender Roman des Schweizer Autors über einen fast vergessenen Künstler, mitreißend geschrieben, mit viel historischem Kolorit, zum Verzweifeln traurig, zugleich aber auch unterhaltsam. Ich empfehle, sich im Internet während der Lektüre Bilder von Louis Soutter anzusehen.
Sehr schwer und bedrückend. Wenn man das aushält, entfaltet sich einem eine bewegende und tiefgründige Lebensgeschichte erzählt aus verschiedensten Perspektiven.
Der Schweizer Maler Louis Soutter, dessen Bilder immer noch verstören und irritieren, gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der „Art Brut“ – es sind vor allem seine späten Werke, die sich ins Auge des Betrachters einbrennen und lange nachhallen. In seinem Roman „Schattentanz“ versucht Lukas Hartmann das Leben des Exzentrikers mit all seinen Facetten einzufangen… Aus verschiedenen Perspektiven zeichnet der Autor das Leben des Malers und Musikers, der ein grosses Werk hinterliess – wie viel davon Fiktion oder Wahrheit ist, bleibt dem Leser überlassen, Hartmann schafft es jedoch vom ersten Kapital an, den Leser in dieses anstrengende Leben hineinzuziehen. Bereits bei seinem Roman „Der Sänger“, über den letzten Lebensabschnitt des grossen Tenors Joseph Schmidt, ist ihm dies virtuos gelungen, so auch hier. Louis Sutters Kunst und Leben machte ihn zu seiner Zeit zum Outsider, zu einem Menschen, der sich nicht in die gewünschten Normen pressen lies. Sprachlich dicht und in vielen Farben erzählt der Autor davon, über die Umstände, die Herkunft – nach und nach erschliesst sich so dem Leser, wie Soutter zu diesem Menschen werden konnte, ja werden musste, wie sehr ihn seine Familie, seine Mutter geprägt hat – nach und nach versteht man diese ausweglose Flucht aus einem Leben, in das er sich nicht einfügen konnte, nicht wollte. Doch es gab auch Zeit seines Lebens Förderer, Menschen die an ihn und seine Kunst glaubten, sei es sein Cousin Le Corbusier oder sein ehemaliger Mentor und Lehrer, der grosse Geiger und Dirigent Eugène Isaÿe bei dem er Musik studierte und mit dem er im Alter noch eine sehr berührende Begegnung hat. Hartmanns Episodenroman schafft es, dieses vielschichtige, auf seine Art und Weise schillernde, Leben Soutters nachzuzeichnen – die politischen Verhältnisse, das Erstarken des Faschismus, wie auch etwa die Verehrung Mussolinis und Hitler von Le Corbusier sind latent vorhanden, prägen den Maler ebenso, wie die ihn zeitlebens umgebenden starken Frauenfiguren – etwa seine Mutter oder seine Frau Madge Fursman, mit der er kurze Zeit verheiratet war und in den USA lebte. Hartmanns Roman macht grosse Lust, sich intensiver mit dieser Biographie und vor allem dem spannenden Werk Louis Soutters zu beschäftigen. Empfehlenswert ist unbedingt ein Besuch in der „Collection de l’Art Brut“ in Lausanne. Am 4. Juni 2021 ist Soutters 150. Geburtstag – sein Werk ist heute immer noch spannend und faszinierend.
interessante biografie, toll geschrieben (jedes kapitel welchselt erzählperspektive). man ist nah an einer person, die einen teilweise abstosst und gleichzeitig anzieht, was es besonders macht