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Ypsilons Rache

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Freundschaftlich geschieden, zwei erwachsene Töchter, Erfolg im Beruf und bei Frauen – keine schlechte Bilanz, wäre da nicht das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. „Transtendenzen“ nennt Kris seine Transsexualität, die er nur sporadisch und im Verborgenen auslebt. Mit Mitte Fünfzig beginnt der Pathologie-Professor ein Sabbatjahr, um endlich seine Identität zu finden und sich zu entscheiden, wie weit er Innen und Außen zum Einklang bringen will. Doch seine männliche Biologie bremst ihn brutal aus, als ihn bei einer Routineuntersuchung eine niederschmetternde Diagnose überrascht: Prostatakrebs. Zwischen Coming-Out und Therapiewahl hin-und hergerissen, bricht Kris zu einer Reise auf, um Klarheit in sein Seelenchaos bringen. Der Road-Trip beschert ihm überraschende und gegensätzliche Erfahrungen; den perplexen Bruder, einen überraschend feinseligen Studienfreund, Unterstützung seiner Transidentität durch ein Escort-Girl, das zur Freundin wird. Vor allem die Begegnung mit Chloé, die früher Leopold hieß, wirbelt seinen Kosmos durcheinander. Sie schenkt ihm als Mentorin, in die er sich obsessiv verliebt, eine Perspektive der Hoffnung, bis ein einschneidendes Ereignis erneut alles ändert. Ypsilons Rache ist ein Plädoyer für Diversität und macht in der turbulenten Innenschau eines transidenten Menschen deutlich, dass das Selbst nicht primär von den Chromosomen bestimmt wird.

289 pages, Hardcover

Published February 28, 2021

10 people want to read

About the author

Lou Bihl

6 books

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Community Reviews

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Reading Daydreamer.
70 reviews4 followers
March 5, 2025
Der Selbstfindungs-Roadtrip, den ich nach Cover und Klappentext erwartet habe, war es jetzt nicht. (Muss ich wohl selber mal schreiben?)

Erstmal musste ich mich an die nüchtern-gestelzte Sprache gewöhnen. Dann hat mich die Geschichte aber doch gefesselt; es hat sich angefühlt, wie eine Art Reisebericht zu lesen (nur eben ohne die große Reise) oder ein kaum emotionales, aber doch persönliches, intimes Tagebuch.
Solche Einblicke in den Alltag, die Lebensgeschichte(n) anderer Menschen und dann noch den Umgang mit Schicksalsschlägen - in dem Fall die Diagnose Prostatakrebs mit Mitte 50 - finde ich grundsätzlich spannend, hier ebenso, und es gab auch keine Längen. Nur zur Gefühlswelt der Hauptfigur hätte ich gerne noch einen besseren Zugang gehabt.
Ihre - vermutliche - Transidentität ist mir gerade gegen Ende der Geschichte zu sehr in den Hintergrund gerückt, kam mir aber davor auch schon eher blass vor. Dabei hätte ich gerne mehr darüber erfahren, wie es sich anfühlt, den Gedanken an ein mögliches Outing und eine Transition über 50 Jahre lang mit sich herumzutragen, durch ein Leben mit (geschiedener) Ehe, Kindern, Enkelkindern. Und dann eben im Sabbatical nach der Diagnose Prostatakrebs die eigenen "Transtendenzen", wie sie im Buch genannt werden, zu reflektieren. Nur, dass das irgendwie nicht so wirklich passiert ist.

Wenn wir schon bei Formulierungen sind: den Klappentext finde ich nicht so ganz gelungen, war aber trotzdem neugierig auf die Geschichte, und manchmal haben Autor*innen ja auch nicht so viel Einfluss darauf, weswegen ich dem Buch eine Chance geben wollte (und weil es bei deutschsprachigen Bücher mit trans Hauptfiguren halt immer noch nicht die riesen Auswahl gibt imo; erst recht bei trans weiblicher Repräsentation, und dann hat mich ja auch die Sache mit der anderen Generation interessiert, auch wenn das im Endeffekt ja doch nicht so sehr herausgearbeitet war).

Worin sich der Altersunterschied aber schon bemerkbar gemacht hat, waren alle möglichen Formulierungen und Selbst- und Fremdbezeichnungen der Figuren, die sich für mich nicht zeitgemäß anfühlen würden, vielleicht sogar unpassend, verletzend, falsch. Teilweise biologistisch, wenn auch nicht abwertend gemeint. Innerhalb des Buches bzw. sozialen Schicht (irgendwie haben fast alle Medizin oder Psychologie studiert? lol) und eben der Generation, die mindestens die meiner Eltern sein soll, wirkte diese Sprache durchaus authentisch. Halt irgendwie ein bisschen boomermäßig, was ich widerum in dem Fall nicht abwertend meine.
Was nichts daran ändert, dass ich mich nicht selbst so ausdrücken würde und mir für die Zukunft oft andere Formulierungen wünsche - es würde sich aber auch irgendwie falsch anfühlen, sie den Menschen, die damit aufgewachsen sind und untereinander fine damit sind, jetzt abzusprechen.
Vorausgesetzt, das in der Danksagung erwähnte Sensitivity Reading hat seinen Job erfüllt, und nicht nur ich nehme die Sprache als authentisch war.

Na ja, und dann könnte ich noch inhaltlich weitermachen mit meinen Gedanken zum Ende. Die sind aber sowieso ziemlich chaotisch, würden spoilern, und wer liest sich das hier eigentlich alles durch?? 🌚

Fazit: anders, als gedacht. Sowohl auf negative als auch positive Weise. Hab's gerne und zügig lesen können; lässt mich mit einigen Gedanken und offenen Fragen (nicht nur auf die Transidentität bezogen) zurück.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
March 11, 2021
„Ein Wesen, das mein Reisemotto „Werde, der du bist“ für sich selbst wörtlich genommen hatte und die Frau geworden war, die ich in meinen Träumen gerne wäre, nur dass mir der Mut zur Entscheidung fehlte und die Leidensbereitschaft, sie umzusetzen.“ (Zitat Seite 203, 204)

Inhalt
Professor Dr. Kristian Starck, ein erfolgreicher Pathologe, geschieden, zwei Töchter, eine Enkelin, ist fünfundfünfzig Jahre alt, als er beschließt, ein Jahr Auszeit zu nehmen. Er arbeitet an einem Buch, doch vor allem plant er sein Coming-out, er will endlich sich selbst finden und entscheiden, ob er die weiteren Lebensjahre als Kris oder Kristina verbringen will. Doch die Routineuntersuchung vor seinem Aufbruch ändert alles, denn die Diagnose Prostatakrebs erfordert ein rasches Handeln. Er braucht Zeit zum Nachdenken, verschiebt die endgültige Entscheidung, welche Therapieform er wählt, um drei Monate und geht nun mit drei Themen auf seine Reise durch Deutschland, sein Buch, der Krebs und sein Coming-Out. In Stuttgart nimmt er an einem Klassentreffen teil und trifft seinen Bruder, in Heidelberg einen langjährigen Freund, in Hamburg besucht er auch diesmal nicht nur seine Mutter, sondern auch Conchita, die Männer mag und Frauen liebt, und mit der er regelmäßig als Kristina durch die Lokale zieht. Durch Conchita lernt er Chloé kennen, erfolgreiche Inhaberin einer Consulting-Agentur und Trans*frau. Nun hat er ein viertes Thema, die Liebe.

Thema und Genre
Themen dieses Romans sind Transidentität und Diversität in allen Facetten, und mögliche Antworten auf die Frage, wer man ist und wer man sein möchte. Es geht auch darum, wie wir mit der Diagnose Krebs umgehen, um alle Schattierungen der menschlichen Psyche, um Verlust, um Freundschaft und die Liebe.

Charaktere
Es sind sympathische, liebenswerte Charaktere, die wir in dieser Geschichte kennenlernen. Kristian, manchmal Kristina, der versucht, seinen Weg durch diesen Wirbel an Fragen, Problemen, Gefühlen zu finden, meistens mit Humor und etwas Selbstironie, manchmal auch Selbstmitleid, aber immer authentisch. Alex, Conchita, Chloé sind selbstbewusste, empathische Frauen und jede ist auf ihre Art eine Bereicherung für Kris, gerade in diesen turbulenten, gefühlsintensiven Wochen.

Handlung und Schreibstil
Die Geschichte spielt in der aktuellen Zeit und in einem begrenzten Zeitrahmen. Erzählt wird sie von Kris selbst als Ich-Erzähler. Überraschende Wendungen werden zu prägenden Ereignissen, Rückblicke durch Erinnerungen und Gespräche ergänzen und verdichten. Die Ausgangsposition ist die ungewöhnliche, aber durchaus realistische Fragestellung, wie ein Mann mit der Diagnose Prostatakrebs umgeht, wenn er gleichzeitig gerade auf der Suche nach seinem persönlichen Platz im weiten Spektrum der Gender-Palette ist. Denn besagte Prostata befindet sich möglicherweise im falschen Körper, den sich Kris und Kristina bisher teilen. Die Sprache erzählt einfühlsam und nachdrücklich, lebensnah und mit leisem Humor.

Fazit
Ein komplexes, interessantes Thema und eine packende, vielschichtige Geschichte mit starken psychologischen Momenten und Fragestellungen, die uns Lesende auf eine turbulente, intensive Reise mitnimmt.
Profile Image for Aki .
799 reviews14 followers
November 24, 2021
Das Thema des Buches hat mich sofort angesprochen, auch wenn ich gestehen muss, dass ich es wahrscheinlich nicht gekauft hätte, wenn ich es rein vom Cover her in der Buchhandlung gesehen hätte.
Und doch steckt hinter diesem unschenbaren Cover soviel mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Der Pathologe Kristian Stark plant in seinem Sabbatjahr nicht nur ein Buch schreiben, sondern auch einen Neustart für sich selbst. Sein Coming Out als Transfrau steht kurz bevor und das Thema beschäftigt ihn schon länger.
Obwohl er bereits verheiratet war und auch zwei wunderbare, erwachsene Kinder hat, fühlt er sich nicht als das, was er zu sein hat: Ein Mann. Doch dann erhält er niederschmetternde Diagnose Prostatakrebs und all seine Pläne geraten in Gefahr. Er wird mit Gefühlen, Emotionen und Gedanken konfrontriert, von denen er selbst nicht wusste, dass er sie überhaupt in sich hat.

Kristian Stark sehnt sich danach, als Kristina zu leben und vor allem danach, dieses Gefühl auch ausleben zu können. Er sehnt sich nach der Person, die schon so lange in seinem Inneren schlummert.
Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst, die zu mehr Selbstfindung führen soll. Wenngleich er damit auch Freunde und Familie schockt.
Unverstanden von ihnen führt ihn eine seiner ersten Reise nach Hamburg. Er verliebt sich in Chloe, die früher mal Leopold hieß und ein Gefühl der Hoffnung in ihm weckt, an dem er sich festhalten kann.
Bis das Leben sich erneut einmischt und ein Diagnose alles zerreisst, was er sich bislang aufgebaut oder erträumt hat.

Der Inhalt des Buches konnte mich wirklich überraschen. Ich habe nichts erwartet und doch etwas bekommen, was viel Mut, Emotionalität und Selbstfindung enthält.
Etwas, dass dsa Leben eines Mannes in Frage stellt. Seine bisherigen Gefühle und Gedanken durcheinander bringt und in ein anderes Licht stellt, als er es gewillt ist, an die Öffentlichkeit zu lassen.
Ich werde nie in diese Situation kommen, die der Autor beschreibt, aber ich konnte ihm trotzdem genug Empathie entgegen bringen, um ihn verstehen zu können.
Jeder von uns ist doch irgendwann in seinem Leben an einem Punkt, an dem er auf der Suche nach sich selbst ist, oder nicht?
Kris ist es auf ganz besondere Art und Weise und all das, was er erlebt und erzählt, macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.
Überraschende Wendungen, viele Emotionen und Gefühle einer unglaublich starken Persönlichkeit haben das Buch zu einer von den Geschichten gemacht, die man nicht so schnell vergisst.
Von mir gibt es für diese Geschichte, die so ganz anders ist, als man es auf den ersten Blick erwartet, eine klare Leseempfehlung.
47 reviews
September 26, 2021
Wir lernen hier den 55jährigen Kristian Starck kennen. Ein Pathologe im Sabbatical, der schon seit seiner Kindheit lieber ein Mädchen bzw eine Frau gewesen wäre. Doch so richtig zu dieser weiblichen Identität stehen kann er nicht. Er versteckt Kristina und vertraut sich nur seiner engsten Freundin Alex an. Auch seine Familie weiß nichts von Kristina. Doch dann bekommt Kristian eine Krebsdiagnose und plötzlich ist die Zeit, seine wahre Identität zu leben, begrenzt. Er beginnt einen Roadtrip, der ihn zu einer Entscheidung führen soll...
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist locker und sehr frei, auch was die Darstellung sexueller Inhalte betrifft. Kristian ist ein sympathischer Protagonist, der mir schnell ans Herz gewachsen ist und dessen offene, ehrliche, manchmal sarkastische Art sehr authentisch rüber kommt. Glaubhaft sind auch seine inneren Konflikte, Zweifel, Enttäuschungen und die Trauer über eine wenig ausgelebte Seite. An einigen Stellen hätte die Darstellung seiner Gedanken und Gefühle für mich gerne noch ausführlicher sein können. 100 Seiten mehr hätte das Buch gut vertragen. Aber auch so ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Transidentität, sowohl in der Bedeutung für den Einzelnen, als auch in seiner Stellung in der Gesellschaft bis hin zu offenen Anfeindungen, sehr gelungen.
Leider gibt es am Ende einen Plottwist, der mir gar nicht gefallen hat und der mir zu überzogen war. Das hätte das Buch meiner Ansicht nach überhaupt nicht gebraucht. Für mich verliert es dadurch leider im Rückblick an Wirkung. Schade!
Profile Image for Gabis Laberladen.
1,242 reviews
March 29, 2021
Darum geht's:

Der Pathologe Kristian Starck hat schon lange ein Sabbatjahr geplant. Er will reisen, ein Fachbuch schreiben und sich darüber klar werden, wie es mit seiner Zukunft als Kris oder als Kristina weiter gehen soll. Bisher hat er nur gewagt, als Frau in Erscheinung zu treten, wenn er weit weg von zuhause war. Soll er sich outen und die Transition zur Frau im Alltag vollziehen oder für den Rest seines Lebens wie bisher nur ab und zu heimlich als Kristina in Erscheinung treten? Er beginnt sein freies Jahr mit einem Gesundheitscheck - und der bringt die Schockdiagnose Prostatakrebs.

Meine Meinung dazu gibt’s hier
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