REZENSION – Seit 2008 ist der österreichische Schriftsteller Günter Neuwirth (54) für seine in Wien und Graz angesiedelten Kriminalromane und -kurzgeschichten bekannt. Mit seinem im März im Gmeiner Verlag veröffentlichten Krimi „Dampfer ab Triest“, dem ersten Band einer Reihe um Inspector Bruno Zabini in Triest, überschreitet der Autor nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Grenzen: Neuwirth taucht ab in die „gute alte Zeit“ der Donaumonarchie und begibt sich mit seinen Protagonisten in der 1907 noch zum habsburgischen Kaiserreich gehörenden Vielvölker-Hafenstadt Triest an Bord der „Thalia“, der ersten österreichischen „Yacht für Vergnügungsfahrten“. Mit seinem Inspector Zabini hat Neuwirth eine interessante Figur geschaffen, die durchaus noch für weitere Krimis gut ist: Der über 30-jährige, mehrsprachig aufgewachsene Sohn eines italienischen Vaters wohnt noch immer in Triest im Elternhaus mit seiner österreichischen Mutter zusammen. Er genießt sein Leben als Junggeselle und seine gleichzeitigen Liebschaften mit zwei verheirateten Damen. Deshalb fügt er sich nur unwillig in sein Schicksal, als er zum Personenschutz des Grafen Max von Urbanau und dessen Tochter an Bord des Luxusdampfers abkommandiert wird. Nach Geheimdienstberichten ist das Leben des Grafen bedroht. Vorsorglich nimmt der für die moderne Kriminalistik aufgeschlossene Zabini, von seinen fachlich rückständigen Kollegen noch belächelt, seinen „Tatortkoffer“ mit auf die Adria-Kreuzfahrt an Bord der „Thalia“, ein erst kürzlich vom Grazer Kriminologen Hans Gross (1847-1915) entwickeltes Gepäckstück mit Hilfsmitteln zur Spurensicherung und Abnahme von Fingerabdrücken. Auftragsgemäß mischt sich Zabini nun inkognito unter die illustren Kreuzfahrtgäste. Aber schon bald gibt es beim ersten Landgang im sizilianischen Ragusa mit Schiffskommissär Glustich den ersten Toten. Zabinis wahre Profession lässt sich vor den Gästen nun nicht mehr verheimlichen, zumal bald auch ein erstes Attentat auf den Grafen folgt, dessen sich der altgediente Frontoffizier allerdings noch erwehren kann. Plätschert der Krimi anfangs noch seicht dahin und ähnelt eher einem Liebesroman von Eugenie Marlitt, nimmt die Handlung bei stürmischer Fahrt des Vergnügungsdampfers in der Adria dann doch noch Fahrt auf. In häppchenweise eingestreuten Abschnitten lesen wir, dass der auf den Grafen angesetzte Profi-Killer unter falscher Identität ebenfalls an Bord ist. Da ihm Zabini nun als Polizist in die Quere kommen könnte, schwebt nun auch dieser in Todesgefahr. Wir erfahren im Roman viel über Triest sowie die welt- und handelspolitische Bedeutung der Habsburg-Monarchie bis hin zur Teilnahme Österreichs am Boxer-Aufstand in China, zugleich einiges über den gesellschaftlichen Wandel im letzten Jahrzehnt der Adelsherrschaft, die beginnende Emanzipation der Frauen sowie den industriellen Fortschritt jener Zeit. So verbindet der Roman „Dampfer ab Triest“ recht geschickt und ohne stilistische Brüche unterhaltende mit historisch interessanten Aspekten. Auch das vergnügliche Treiben an Bord des Dampfers ist anschaulich und dialogreich geschildert. Nur leider fehlt es dem Buch anfangs an Spannung, die erst ab der Mitte endlich anzieht. Der Schluss mit Auflösung des letzten Mordfalles ist dann aber wiederum enttäuschend und nähert sich erneut dem Marlitt-Niveau an. Alles in allem kann man den historischen Roman aber als nette Unterhaltungslektüre noch empfehlen.
Der Inspektor Bruno Zabini muss an einer Vergnügungsfahrt auf der Thalia teilnehmen, da der Graf Urbanau in tödlicher Gefahr schwebt. Wie man sich denken kann, erleben die Passagiere auf der Fahrt nicht nur Positives.
Der historische Roman ist gut geschrieben. In die Erzählung werden viele historische Hintergrundinformationen eingewoben, sodass man so richtig das Gefühl hat, in die Zeit einzutauchen. Der Leser erfährt einiges über die einzelnen Passagiere und deren Erlebnisse auf der Schifffahrt. Zwischendurch wird immer wieder durch kriminalistische Elemente Spannung aufgebaut. Einen zentralen Abschnitt, auf dem die Handlung hingearbeitet hat, fand ich persönlich etwas zu einfach und fade gelöst, der Rest des Buches war jedoch große Klasse.
Auf jeden Fall für alle Fans von historischen Krimis zu empfehlen, die gerne viel über die damalige Zeit erfahren und an Bord der Thalia gehen möchten.
1907 verlässt der Vergnügungsdampfer „Thalia“ Triest. Ausgestattet mit jedem erdenklichen Luxus fehlt es den Passagieren an Bord an Nichts, vor allem aber auch nicht an zwischenmenschlichen Begegnungen, die voll von Liebe, Neugier oder auch Mordlust sind… Günter Neuwirth nimmt uns auf eine Reise durch die Adria und schafft es, diesen Kriminalroman so tief und menschlich zu schreiben, dass man sich leicht darin verliert. Eine Geschichte die zeigt, wie sehr die Leben der Menschen ineinander verwoben, aber doch auch getrennt sind. Wie die Gefahr, der sich eine Person aussetzt auch alle anderen betrifft und verändert. Ergreifend verfolgt der Leser die Schicksale der tiefgehenden Charaktere, von denen keiner oberflächlich ist. Spannend zieht sich der immer dichter werdende Plot durch die literarisch gelungenen Seiten und endet in einem explosiven Finale. Oft kritisieren wir an Büchern, dass der Eine oder die Andere unrealistisch handelt. Hier zeigt uns der österreichische Autor, wie man es richtig macht – Aber auch wie sehr einem das unter die Haut fahren kann. Die Ermittlungen auf dem Kreuzer haben mich den Sommer herbeisehnen lassen und mich gedanklich ans Mittelmeer versetzt. Auf jeden Fall eine (oder auch mehrere) Empfehlung(en) wert!