Viel braucht Georg nicht, um glücklich zu sein. Aber ein bisschen was doch. Manchmal fragt er sich, wie aus ihm dieser eigenbrötlerische Vermieter eines in die Jahre gekommenen Berliner Wohnhauses geworden ist. Und warum er allein ist. Eines aber weiß Georg sicher: Was immer in seinem Leben geschehen mag, an seinem Geburtstag wartete der von Frau Lemke gedeckte Tisch auf ihn, auf Frau Lemke ist Verlass. Schon ihr ganzes Leben wohnt sie in dem Haus, das Georg geerbt hat. Doch jetzt soll alles anders werden: Wolfgang, der Sohn von Frau Lemke, will, dass sie zu ihm nach New York zieht. Nur solange ihre Katze Ruthchen noch lebt, darf sie bleiben. Georg ist überzeugt, dass Wolfgang nur an das Geld seiner Mutter will. Als Ruthchen eines Morgens nicht mehr aufwacht, ist es Zeit für Plan B. Was, wenn Ruthchen einfach weiterhin auf dem Sofa schläft, für immer vielleicht? Tierpräparatorin Caro setzt die wahnwitzige Idee in die Tat um – und stellt auch Georgs Leben völlig auf den Kopf. Kerstin Campbell hat einen Roman über Nachbar- und Freundschaft geschrieben, über Familiengeheimnisse und Verantwortung, über das Leben, den Tod und die Liebe.
"Ruthchen schläft" von Kerstin Campbell ist eine warmherzige Geschichte, die von den Charakteren lebt. Es ist keine ausgefeilte Literatur. Sprache und Konstruktion sind einfach. Die Geschichte würde auch als Fernsehfilm ohne Verluste funktionieren. Immerhin gibt es aber einige ungewöhnliche Elemente.
Es geht um den Mittvierziger Georg. Er ist ein Sonderling. Nach der Kündigung seines Radiojobs, kümmert er sich um das Mietshaus, das ihm sein Großvater vererbt hat. Sehr schnell wird klar, dass die vierundachtzigjährige Mieterin Frau Lemke so etwas wie ein Mutterersatz für Georg ist. "Was auch immer in seinem Leben geschah, so dachte er, an seinem Geburtstag wartete der von Frau Lemke gedeckte Tisch auf ihn." Der raffgierige Sohn von Frau Lemke beginnt die Harmonie zu stören. Die Katze Ruthchen stirbt. Das führt dazu, dass Georg die Tierpräparatorin Caro kennenlernt.
Frau Lemke und Georg sind einem sehr schnell sehr nahe. Das macht auch den Charme dieses kleinen Romans aus. Das Thema Älterwerden und der Umgang mit alten Menschen ist ganz gut beschrieben. Die Auflösung des Konfliktes mit dem Sohn Wolfgang ist aber wenig überraschend. Ein einfaches Buch, das ich zum größten Teil während einer Zugfahrt gerne gelesen habe. Ein zweites Mal werde ich ihn nicht zur Hand nehmen. Dafür fehlt die literarische Klasse.
Georg Neumann ist Anfang 46 und lebt in Berlin. Nachdem er vor kurzem seinen Job gekündigt hat und vor einanhalb Jahren von seiner Partnerin verlassen wurde (er ist sich sicher, sie kommt wieder), ist Frau Lemke alles, was ihm noch geblieben ist. Die 84-jährige Frau Lemke wohnt zwei Wohnungen unter Georg und die beiden kennen sich seit Georg denken kann. Als Georg an seinem Geburtstag erfährt, dass Frau Lemkes entfremdeter Sohn beschließt, sie nach dem Tod ihrer Katzendame Ruthchen zu sich nach New York zu holen, befürchtet Georg, bald ganz alleine zu sein. Es passiert was passieren musste – noch in derselben Nacht stirbt Ruthchen. Stillschweigend sind sich Georg und Frau Lemke einig: Was wenn Ruthchen gar nicht tot ist, sondern einfach friedlich weiterschläft? Die Lösung liegt nahe: Ein*e Tierpräparator*in muss her. Nichtsdestotrotz nimmt das Leben seinen Lauf ...
Ein wunderbar leichtes Buch über all die Formen und Facetten von Verlust und Verlustängsten auf der einen sowie Bewältigungsmechanismen und Verdrängung auf der anderen Seite. Gleichzeitig eine Geschichte über die vielfältigen, meist komplizierten Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern und der Erkenntnis, das die Familie, in die man hineingeboren wurde, sich weniger als Familie anfühlen kann und darf als die, die man sich im Laufe eines Lebens selbst aufbaut oder aussucht – egal ob Freund, Partner*in oder Nachbar*innen. Ruthchen schläft ist eine unterhaltsame Lektüre über das Loslassen und Neuanfänge, das Akzeptieren von und Einlassen auf Veränderungen.
Eine schöne Geschichte über einen jungen Menschen in Berlin der nach für nach lernt Verantwortung zu übernehmen, für sich, für seine Entscheidungen und für seine Mitmenschen. Hat mir viel Spaß gemacht! Danke @charlotti und @marion
Habe das Buch spontan im Buchladen gekauft, weil es eine Empfehlung der Buchhändlerin hatte und weil das Cover so süß ist. Die ersten 8/10 haben mir gut gefallen. Wie die Beziehung von Georg und Frau Lemke beschrieben wird, auch wie Georg ganz langsam aus seiner Erstarrung herausfindet, während Rutchen sozusagen erstarrt. Das Ende fand ich enttäuschend, weil alles plötzlich zu glatt lief und völlig unrealistisch plötzlich für jedes Problem eine Lösung da war. Auch die Beziehung von Georg und Caro wurde viel zu wenig verhandelt. Bei manchen Sätzen musste ich fast mit den Augen rollen, so abgedroschen und unnatürlich wirkten sie. Schade.
Ruthchen schläft ist ein Roman, der von seinen Figuren lebt. Und ich würde so so gern mehr Sterne vergeben, den die zugrundeliegende Idee ist wirklich schön.
Wir steigen in die Geschichte ein, als das Leben der Protagonisten förmlich auseinander fällt, nachdem es über Monate still gestanden hatte. Stück für Stück setzen sich die verschiedenen Leben wieder zusammen, man borgt sich Teile von anderen usw.
Es ist eine Geschichte, mit einem sehr positiven Grundton. Das zentrale Element sind eindeutig die Figuren und ihre Reise. Und genau da liefert das Buch nicht. Die Figuren bauen keine Verbindung zueinander auf. Mir fehlen die Emotionen, die transportiert werden sollen. Zwar wandeln sich die Figuren, aber so marginal, dass es kaum wahrnehmbar ist.
Trotz der Kritik hatte ich ein gutes Leseerlebnis und ich bin mir sicher, dass dieses Buch Menschen findet, die es sehr viel lieber mögen als ich es getan habe.
Was für ein wunderbares Buch. Frau Lemke aus dem Erdgeschoss soll zu ihrem Sohn nach New York ziehen. Das will sie nicht und sagt, sie wolle das ihrer Katze Ruthchen nicht zumuten. Ganz entgegen ihrer Abmachung stirbt Ruthchen dann aber einfach so. Georg, Hausbesitzer, Bewohner des vierten Stocks und seit seinen Kindertagen Frau Lemke so nah, als wäre er ihr Sohn, lässt Ruthchen ausstopfen und lernt dabei die Tierpräparatorin Caro kennen...
Wunderbare Charaktere, eine herzerwärmende Geschichte, einige Abenteuer und Klippen, die es zu umschiffen gilt. Einfach ein Buch, das gut tut. Es erinnert mich ein bisschen an die Bücher von Ewald Arenz oder auch an Mariana Lekys "Was man von hier aus sehen kann".
Georg, Besitzer eines Mehrfamilienhauses, das er von seinem Opa geerbt hat, pflegt eine herzliche Freundschaft mit seiner ältesten Mieterin Frau Lemke. Er kennt sie schon seit seiner Kindheit und sie hatte immer eine Tasse Kakao und ein paar aufmunternde Worte für ihn parat wenn seine Eltern mal wieder stritten und er weinend im Hausflur saß. Auch heute noch besucht er sie regelmäßig auf eine Tasse Kaffe und geht für sie einkaufen. Doch jetzt möchte ihr Sohn, dass sie zu ihm nach New York zieht. Wenn Ruthchen, ihre alte Katze, nicht mehr ist, soll es soweit sein. Und ausgerechnet kurz darauf segnet Ruthchen das Zeitliche. In einem verzweifelten Versuch die Zeit anzuhalten lässt Georg sie ausstopfen und lernt dabei Tierpräparatorin Caro kennen, die mit ihrer Leidenschaft für die Kunst an Toten Tieren eigentlich so gar nicht sein Fall wäre. Doch er bewundert sie für ihre Art und sie hilft ihm dabei Dinge loszulassen, an denen er schon viel zu lange festgehalten hat. Aber nicht Frau Lemke. Sie hilft ihm und Frau Lemke sogar bei dem Versuch sich gegen ihren Sohn durchzusetzen, denn eigentlich möchte sie ja nicht fort und ihr Sohn hat offenbar auch ganz andere Gründe sie zu sich nehmen zu wollen als bloße Fürsorge. Georgs sonst so unaufgeregtes, karges Leben verändert sich durch den Einsatz für die Menschen, die ihm am Herzen liegen, innerhalb weniger Wochen und schlägt eine völlig neue, erfülltere Richtung ein.📖
Ein Buch, das ich fast in einem Rutsch durchhatte, weil es sich so angenehm einfach und flüssig lesen ließ. Frau Lemke hatte man gleich ins Herz geschlossen. Die ältere rüstige Dame, die Georg wie einen Ziehsohn in ihr Leben aufgenommen und in schwierigen Situationen immer unterstützt hatte. Für Georg war sie wie eine zweite Mutter. Umso mehr verwunderte es ihn und mich als Leserin, dass sie es so einfach hinnahm, als sie die Botschaft bekam in ihrem hohen Alter weit weg an einen ihr völlig unbekannten Ort umziehen zu müssen, obwohl sie ihr Zuhause doch so sehr liebte. Erst nach und nach erfuhr man, was hinter Frau Lemkes leichter Einwilligung und barschen Verhalten des Sohnes ihr gegenüber steckte. Georg entwickelte sich im Laufe der Geschichte vom Typen, der immer noch an seiner Exfreundin festhielt und Konflikten lieber aus dem Weg ging zum selbstbewussteren Kämpfer für das, was ihm am Herzen lag und jemanden der bereit war, neue Wege einzuschlagen auch wenn er dabei so einiges bewältigen musste. Es war eine herzliche Geschichte über Einsehen und Überwindung vergangener Fehler, die man nicht mehr gutmachen kann, über Nachbar- und Freundschaft, über Mut Neues zuzulassen und über Gemeinschaft, die einen glücklich macht und das eigene Leben ergänzt. Ich kann dieses zu Herzen gehende Büchlein jedenfalls sehr weiterempfehlen.(4.5/5)⭐️🙂
Es ist eine wundervolle, berührende und zugleich humorvolle Geschichte. Auf knapp 220 Seiten entfaltet die Autorin fein skizzierte Charaktere, die durch ihre Tiefe und Vielseitigkeit schnell ans Herz wachsen. Besonders beeindruckend ist, wie es Campbell gelingt, so große Themen wie das Loslassen, das Älterwerden, Freundschaft, Familie und Liebe auf eine so zugängliche und einfühlsame Weise zu vermitteln.
Die Idee, Ruthchen als ausgestopftes Wesen in die Handlung einzubinden, wirkt liebevoll und respektvoll umgesetzt. Dieser ungewöhnliche Ansatz bringt dabei auch charmante und witzige Momente in die Geschichte ein, die das Lesen zusätzlich auflockern. Trotz der teils ernsten Themen liest sich der Roman erstaunlich leicht und flüssig, was es schwer macht, das Buch zur Seite zu legen – ich hätte es durchaus in einem Rutsch durchlesen können.
Das Ende ist stimmig und lässt einen positiv gestimmt zurück. Ein weiterer Pluspunkt ist das ansprechende Cover, das sofort meine Aufmerksamkeit geweckt hat – und meine Erwartungen letztlich absolut erfüllt hat. Insgesamt ein wundervolles Buch, das Herz und Seele gleichermaßen anspricht.
Uff. Ich lese ja gerne Science Fiction und Fantasy und das meiste davon ist glaubwürdiger als dieser Roman aus der realen Welt. Das Buch wurde mir als zu Herzen gehendes Meisterwerk angedient, leider hat er mir nicht besonders gut gefallen. Vor einigen Jahren habe ich „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gelesen: Ähnliches Thema und - zumindest in meiner Erinnerung - schöner erzählt.
Georg besitzt ein Mietshaus, Frau Lemke wohnt schon ewig dort und ist wie eine Mutter für George. Langsam wird sie alt und ihr Sohn Wolfgang, der in den Staaten wohnt, will sie zu sich holen. Aber solange die Katze Ruthchen noch lebt, geht das nicht. Als Ruthchen stirbt, lässt Georg sie kurzerhand ausstopfen. Sehr schön und super zu lesen. Eine glatte 2
This is entertaining like a german sunday-night-movie on TV, lovely people with some difficult traits do strange things that turn out to be not as severe as we could think. Not much impact in my eyes, but entertaining and that´s what we want right.
Ich wünschte, Ruthchen hätte noch ein wenig länger gelebt, die Sache mit der Haussanierung war irgendwie noch offen und das letzte Kapitel war ein wenig zu sehr "happy end", sonst sehr süß
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S.149: „Was war der Sinn einer Familie, wenn alle Erwartungen in nichts anderes münden konnten als in ein nicht zu entwirrendes Knäuel, in dem man sich bei dem Versuch zu entkommen verhedderte, dachte er. Die Fäden ein Leben lang an einem zerrten, einen immer wieder an den Ausgangspunkt zurückzogen.“
S.200: „Die Vergangenheit sitzt in uns, sie lässt sich nicht abschütteln. Aber die Gegenwart ist auch in uns, wir können sie formen…“