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Eine gewöhnliche Geschichte

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Der große Bruder des „Oblomows“ nach Jahrzehnten endlich neu übersetzt von Vera Bischitzky – Iwan Gontscharows erster Roman

Alexander Fjodorytsch Adujew ist noch jung, und nun soll er in der Hauptstadt Karriere machen. Was für ein verheerender Tag für seine Mutter Anna Pawlowna! Denn gehört ein junger Mann nicht beschützt? Ist er den Herausforderungen im Beruf, in der Liebe, in der Gesellschaft gewachsen?
„Eine gewöhnliche Geschichte“, 1847 erschienen, ist der große Bruder des weltberühmten „Oblomow“ – ein Roman, der enormes Aufsehen erregte: In seinem jugendlichen Schwärmer erkannten die Zeitgenossen sofort die zögernde, zwischen alt und neu zerrissene Generation in der auf ihr Ende zugehenden feudalen Gesellschaft. Wer Russland verstehen will, muss Gontscharow lesen.

512 pages, Hardcover

First published January 1, 1847

99 people want to read

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For more information, see Ivan Goncharov.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Peter.
599 reviews26 followers
April 2, 2022
Gontscharows erster Roman (1847 erschienen) danach folgte der seinen Weltruhm begründende "Oblomow".
Der junge, von seiner Mutter verwöhnte Alexander kommt vom Land in die Großstadt (Petersburg). Dort trifft der überaus schwärmerisch veranlagte, ins Schreiben und Verlieben verliebte junge Mann auf seinen überaus materiell-pragmatisch veranlagten Onkel. In vielen Gesprächen zwischen diesen beiden unvereinbaren, sich völlig gegensätzlich verhaltenden Charakteren wird eine feine kluge Geschichte des im Aufbruch befindlichen Russlands erzählt. Der Onkel belehrt den jungen Alexander mit Erkenntnissen wie dieser: „Was eine Frau dir auch immer antut, ob sie dich betrügt, ob sie erkaltet, heimtückisch ist, wie es in Gedichten heißt – beschuldige die Natur, gib dich aus diesem Anlass meinetwegen philosophischen Betrachtungen hin, tadele die Welt, das Leben, was immer du willst, aber taste nie die Persönlichkeit einer Frau an, weder mit Worten noch mit Taten. Die Waffe gegenüber der Frau ist Nachsicht, die grausamste schließlich das Vergessen! Dies allein ist einem anständigen Mann gestattet.“
Nach einigem hin und her antwortet Alexander: „Ich erwarte von ihr, dass ich in ihrem Herzen den ersten Platz einnehmen Die geliebte Frau sollte keinen anderen Mann bemerken oder treffen als mich; sie sollten ihr alle unerträglich erscheinen. Ich allein stehe höher, bin herrlicher, besser, edler als alle.“
Diese beiden kurzen Abschnitte zeigen schon, dass es ein sehr vergnüglicher Text ist und zum Schluss dreht Gontscharow die Vorzeichen – der junge Alexander wird pragmatisch und der Onkel trifft eine Entscheidung zu Gunsten der Liebe zu seiner Frau.
Jetzt hoffe ich, dass der Hanser Verlag auch noch den Roman „Die Schlucht“ veröffentlicht. Dann wäre die Trilogie mit „Oblomow" und „Eine gewöhnliche Geschichte“ vollständig.
Ö1 hat in Exlibirs am 8.August 21 eine wundervolle Buchvorstellung gesendet und fast vergessen hätte ich dass die gut lesbare deutsche Übersetzung von Vera Bischitzky stammt.
Profile Image for Jona.
33 reviews1 follower
January 27, 2023
Gontscharows gewöhnliche Geschichte ist genau das, ein unprätentiöses Werk. Gerade die Dialoge zwischen Alexander und seinem Onkel haben hohen Unterhaltungswert und die Art und Weise, wie hier zwei so konträre Welten aufeinanderprallen, aber in fast schon anti-dialektischer Manier sich anzunähern nicht imstande sind, ist faszinierend zu beobachten. Dass es am Ende fast zu einer Art Umkehr kommt, aber eigentlich doch alles den erwarteten Ausgang nimmt, trägt dazu nur bei.
In der zweiten Hälfte war ich zuweilen ein bisschen genervt von Alexander, aber das lag vielleicht gerade daran, dass die Wandlung seiner Natur fast schmerzhaft zu verfolgen ist. Der alltägliche Charakter des Romans sorgt dafür, dass er konzeptionell wohl auch heute fast genauso geschrieben werden könnte und so ist er aktuell wie eh.
Profile Image for Droemmelig.
66 reviews1 follower
January 19, 2022
Ähnlich wie bei Oblomow passiert in dieser Geschichte nicht wirklich viel besonderes. Eher wird eine fast schon alltägliche und universelle Lebenslaufbahn präsentiert. Eine junge Person zieht von der Provinz in die große Stadt, erlebt etwas, wird enttäuscht von den eigenen zu hoch gesteckten Erwartungen, zieht sich wieder zurück aufs Land um gestärkt wieder in die Stadt zu ziehen. Es könnte sich sogar heute noch so in der Art zutragen und hat im Grunde nichts an Aktualität eingebüßt. Besonders hat mir die Übersetzung von Vera Bischitzky gefallen: sie liest sich präzise, gut verständlich mit einer guten Portion Sprachwitz und Gefühl für die benutzte Sprache. Dabei ist der benutzte Sprachstil immer auch grob angelehnt an die Pastiche der Literatur des 19. Jahrhunderts, was zum Lesegenuss doch stärker beiträgt als ich es vorher erwartet hätte.
Profile Image for Dario.
52 reviews4 followers
April 5, 2024
Tatsächlich habe ich ja nie verstehen können, wie man Tschechow oder Tolstoi als "typisch russische" Schriftsteller bezeichnen kann. Beide operieren eigentlich in ur-westlichen Traditionen des Erzählens.

Gontscharow hingegen bewegt sich eindeutig auf Puschkins Bahnen und erzählt mit einer für letzteren urtümlichen Kombination aus realistischen und parodistischen Elementen.

Zugegeben....das Konzept ist in seinem "Oblomow" zur Vollendung gebracht, aber schon hier, in seinem Debutroman wird man Zeuge von Gontscharows literarischer Vision. Highlight sind dabei selbstverständlich die wunderbar plastisch erzählten Dialoge zwischen Alexander und seinem Onkel und die große "Abweisungs-Szene" am Ende des I. Teiles.
Ganz diese Höhe wird dann jedoch nicht mehr beibehalten. Zu viele Beziehungsdramen und ein seltsam gesetzter Fokus auf Alexanders Tante (und damit ihre Beziehung zu seinem Onkel) im II. Teil, trüben den Gesammteindruck des Romans ein wenig.

Ach ja, und das Ende gerät auch ein bisschen zu sentimental für meinen Geschmack.

Summa summarum also ein handwerklich solide gearbeiteter Roman.
Ein Meisterwerk? Sicherlich nicht.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Displaying 1 - 5 of 5 reviews

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