Ein soghafter Roman über das Gelingen und Scheitern von Beziehungen, über Macht und Machtmissbrauch, über Männer und Frauen und alles, was sie einander antun.
Maximilian Wenger und seine Tochter Zoey haben nicht viel gemeinsam. Er liebt den Ruhm, den er einst als gefeierter Schriftsteller genossen hat. Sie möchte auf keinen Fall in der Öffentlichkeit stehen. Als Wenger Briefe einer unbekannten Frau erhält, die eigentlich an seinen Vormieter gerichtet sind, beginnen er und Zoey unabhängig voneinander zu lesen. Es sind Briefe voller Brutalität und Zärtlichkeit, voller Liebe und Hass – und Wenger ahnt nicht, dass Zoey etwas erlebt hat, das sich in diesen Worten spiegelt. Vater und Tochter werden an einen Scheideweg geführt, an dem etwas Altes endet und etwas Neues beginnt ...
Ich verstehe nicht, wie Mareike Fallwickl das macht, aber ich hänge an ihren Worten. Keins zu viel, keins zu wenig. Die Geschichte hat weder einen Plottwist, noch ein Knallerende, aber die 3 Protagonisten sind so fein gezeichnet, so glaubwürdig, so interessant - um nichts auf der Welt will ich darauf verzichten, dieses Buch gelesen zu haben.
Bücher bieten eine bessere Zuflucht als jeder Mensch, ihre Geduld ist nicht endlich.
Was ein Wunderwerk. Ich bin immer noch ganz verzaubert von Mareikes Worten. Ein Buch über Privilegien, Literatur, Rape Culture, Liebe, Vertrauen und offene Wunden.
Dieser Roman hat mir sehr viel besser gefallen, als " Dunkelgrün fast schwarz" . Ich mochte Zoey und Spin so sehr. Diese Verbundenheit...... Wenger , Patrizia und Reto waren sau nervig aber mega gut gezeichnet. Die Thematik des Buches , eingewoben in eine wunderbar, flüssige, emotionale Geschichte, umhüllt von einer großartigen Sprachgewandheit. Ich bin so froh, dass ich der Autorin mit diesem Roman noch eine Chance gegeben habe. Hier war für mich ihr Schreibtalent viel sichtbarer. Wahrscheinlich weil mich auch die Thematik mehr berührt hat. Ein absolutes Lesehighlight ❤♥️💜
Eher politische Kampfschrift als ein Roman. So filigran wie eine Massenkarambolage auf der A8, von Männern verursacht, weil deren erigierte Penisse das Lenkrad blockieren. (schwule Männer sind natürlich ausgenommen) Wenn unser Autor Wenger, Hauptfigur des Romans, in jeder erfolgreichen Schreibsitzung auch einen Harten kriegt, sein Text also im gleichen Feuer wie die Erektion geschmiedet wird, ist das schon unfreiwillig komisch und dennoch böswillig. Nach jedem geschriebenen Kapitel muss Wenger eine Frau vernaschen. Da reicht es mir.
Fallwickl will den sexuellen Machtmissbrauch durch Männer gegenüber Frauen nachweisen. Dafür nutzt sie ein ganzes Arsenal an Beispielen, Personen und Umständen. Überzeugt hat mich die schiere Masse aber nicht. Warum? Eine Spurensuche:
Wenger hat vor 20 Jahren als Mittdreißiger mit der gerade 18jährigen Tochter eines Literaten geschlafen und wurde vom Vater angezeigt. Darin zeigt sich für Fallwickl offenbar der Machtmissbrauch. Allerdings verhaut sie diese Szene in meinen Augen. Erstens wird deutlich, dass die junge Frau den Sex selbst wollte, weil Wenger sie als berühmter Autor faszinierte. Als Tochter eines ebenso berühmten Autors fällt auch die wirtschaftliche Ebene des Machtmissbrauch weg. Damit kommt sie den Strukturen einer solchen Affäre letztlich nicht nahe. Was bleibt dann? Offenbar die Forderung, dass eine 18jährige eben nicht volljährig ist und nicht eigenständig Entscheidungen treffen kann. Das ist sicher eine Überlegung wert, aber gänzlich spekulativ. Ob es Fallwickl passt oder nicht, täglich lassen sich sehr sehr junge Frauen aus unterschiedlichen Gründen auf ältere Männer ein (Verliebtheit, Reife, soziales Prestige, Interesse, Geld, Manipulation...), das ändern zu wollen, ist ein massiver Eingriff in die Rechte jeder Einzelnen. Auch sonst emotionalisiert dieses Buch seine Beispiele, wenn es inhaltlich dünn wird.
Wenger ist zu Beginn ein widerwärtiger Sexist und er bleibt dies bis zum Ende. Immer wieder kriegen wir seine frauenverachtenden Gedanken mitgeteilt. Das ist sicher ekelhaft und macht wütend. Eine Reflexion wird aber nicht angeregt, Schablonen und Schaufensterpuppen ähneln uns Lesern nun mal nicht.
Die weiteren Beispiele des Machtmissbrauch sind einige Vergewaltigungen beziehungsweise versuchte Vergewaltigungen. Auslöser für diese scheinen Alkohol, Sadismus, Gier zu sein, wobei Fallwickl auch hier nicht auf Spurensuche geht und dadurch dem Leser die einfache Lösung von Wut und Empörung anbietet und eben kein Verständnis für strukturelle Hintergründe anregt und damit nichts erklärt. Wie stark arbeitet Stuckrad-Barre da alleine auf der sprachlichen Ebene, um uns in den alltäglichen Ekelpfuhl eines Bild-Kopfes zu schicken.
Schlussendlich geht es der Autorin noch um Wengers Tochter Zoey, gerade 18 geworden (Wink, wink). Sie verliebt sich in Jonathan, der aber nur Sex will und sie als Person nicht wahrnimmt. Sicher eine interessante und für Zoey schlimme Konstellation, aber Jonathan lügt sie nicht an oder wird übergriffig. Daher bleibt auch hier - von vielen emotionalisierenden Sätzen des Liebesschmerzes - nicht viel übrig.
Um es kurz zu machen: Die Überfülle an Beispielen zeigt, dass Fallwickl wie in "Die Wut, die bleibt" heterosexuelle Männer als Übel der Welt erkannt hat und sich nicht scheut, Pappkameraden ins Rennen der Geschlechter zu schicken.
Figuren mit Erklärbärgarantie, erzählerisch in Sachen Planerfüllung nur noch von der DDR-Aufbauliteratur übertroffen.
Wer das mag, gerne. Ich bin bei diesem toxischen Feminismus raus, weil hier vor allem emotionalisiert, selten analysiert wird und weil es hannebüchen übererzählt ist. (Noch auf den finalen Seiten, wenn die Spannung knistern soll, wird ein gänzlich unnötiger Abschnitt über das Touri-Salzburg eingefügt.)
Ich beneide jeden, der das kraftvoll nennen kann; für mich ist das Anliegen zwar klar, aber auch komplett überzogen und literarisch schwach umgesetzt und eigentlich schon im Fundament nicht tragfähig: Weil Männer als Gewalttätige erkannt worden sind, sollen sie in der Literatur als gewalttätig, die Frauen als Opfer dargestellt werden, damit die Prämisse der Gewalt der Männer belegt wird.
Ja gut, aber dann kann man sich doch das Lesen von 400 eng gesetzten Seiten sparen! Gerade im Vergleich zu Toni Morrisons erzählerischer und sprachlicher Größe zuvor wird deutlich, was man aus dem Thema machen könnte.
Obwohl der Roman ein paar Jahre alt ist, ist er jetzt aktueller denn je - wie die Autorin auf Instagram schrieb: ich habe „keinen klassischen metoo-Roman geschrieben, sondern einen Roman über einen MANN, der für seine Darstellung der Ereignisse mehr Aufmerksamkeit bekommt als sämtliche Frauen, denen das wirklich alles passiert ist. Es ist ein Buch, in dem das System ad absurdum geführt und gleichzeitig entlarvt wird, denn sogar während gewisse männliche Machtstrukturen offengelegt werden, profitieren davon wieder Männer.“ Sounds familiar? Schade, dass das im Literaturbetrieb nicht für die Spiegel-Bestsellerliste reicht. Verdient wäre es allemal.
"Wir sind Rehe. Wir huschen durch die Welt mit wachsamem Blick und flinken Beinen, wir wittern die Gefahr. Sie verbirgt sich hinter einem Lächeln, hinter einer freundlichen Geste, hinter vermeintlich sanften Augen. Wir trauen der Freundlichkeit nicht, wir trauen der Sanftheit nicht. Und wenn wir gejagt und angeschossen werden, wundern wir uns nicht. Wir haben es die ganze Zeit geahnt, haben es herannahen gespürt." - Mareike Fallwickl, "Das Licht ist hier viel heller"
Maximilian Wenger hat seine besten Jahre hinter sich - er war ganz oben: Bestsellerautor, eine (bzw. mehrere) schöne Frau(en) an seiner Seite, Villa am Wolfgangsee... doch jetzt hat er nichts mehr. Seine letzten Romane sind gefloppt, seine Frau hat die Scheidung eingereicht und er versinkt in seiner kleinen, schmuddeligen Wohnung im Selbstmitleid. Dann erhält er Briefe, adressiert an seinen Vormieter. Wenger beginnt sie zu lesen, handgeschriebene Worte und in ihm keimt eine neue Idee auf...
Mareike Fallwickls Roman "Das Licht ist hier viel heller" ist bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Das Buch beginnt noch recht leicht, man weiß nicht so richtig, wo das alles hinführen soll, wie die drei Erzählstränge (Wenger, seine Tochter Zoey, die handgeschriebenen Briefe) zusammenpassen. Vor allem die Briefe konnte ich am Anfang nicht wirklich einordnen.
Nach und nach findet aber alles zusammen und es entfaltet sich eine Geschichte, die mir unglaublich nahe gegangen ist. Fallwickl schreibt ihre ganz eigene Geschichte zu #metoo, sexuellem Missbrauch und Gewalt gegen Frauen, sie findet Worte, die einfach so gut passen, dass ich nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Ich wurde wütend, ich hätte fast geweint (nicht weil ich traurig war, sondern vor Wut), ich wollte schreien. Und dabei war die Story doch eigentlich normal - das Leben, ungeschönt aufgeschrieben, die brutale Realität.
Vor allem die Briefe waren sehr hart zu lesen. Ich war angewiedert und habe mitgefühlt. Da passt auch ein anderes Zitat aus dem Buch sehr gut: "Es ist ein gutes Buch, wenn es durch all die Schichten schneidet, die man angehäuft hat, damit niemand sieht, wie nackt man in Wahrheit ist, wie allein."
Viel lässt sich da nicht mehr hinzufügen. Ach doch - die kleinen ironischen Seitenhiebe gegen die BuchbloggerInnen waren einfach köstlich.
Für mich eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe 🖤 es gibt die volle Punktzahl (5 / 5 ⭐) und ich bin froh, dass ich "Dunkelgrün fast schwarz" schon hier liegen habe.
In Mareike Fallwickls Bücher lasse ich mich am liebsten ohne großes Vorwissen fallen. Denn mit ihrem Schreibstil, Gedankengängen und Formulierungen lässt sie mich bis zur letzten Seite sowieso nicht mehr los.
In den letzten Jahren habe ich viele feministische Sachbücher verschlungen, umso erfrischender war es für mich mit „Das Licht ist hier viel heller“ wieder einen Roman in diese Richtung zu lesen.
Die Autorin arbeitet die Generationenkonflikte über Sexismus und Feminismus auf den Punkt genau heraus. Es ist super spannend zu sehen, wie Eltern und Kinder unterschiedliche Meinungen vertreten und damit unüberwindbar scheinende Abgründe in die Beziehung reißen.
Der zweite Roman wirkt etwas konstruierter und die Idee der Handlung ist schneller erkennbar, dadurch fehlt ein bisschen die Spannung und bedrohliche Atmosphäre, die den Debütroman so mitreißend und einzigartig gemacht haben, aber dennoch ist es nicht minder lesenswert.
Als ich Dunkelgrün fast schwarz rezensiert habe, habe ich noch gesagt: ein so tolles Debüt kann unmöglich noch getoppt werden. Das Licht ist hier viel heller toppt es vielleicht nicht, aber es ist genauso gut. Und ich bin wirklich überrascht, denn, wow, kann die schreiben! Es wird wieder aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Diesmal ist das Mädchen die Nette und der Mann der Arsch (den man aber trotzdem nicht ganz hassen kann). Es geht um sexuellen Missbrauch in unterschiedlichen Formen und darum, wann man eine Handlung als Missbrauch ansieht und wann nicht. Gleichzeitig ist das Ganze auch ein wenig Satire auf den Literaturbetrieb und unsere sich selbst optimierende Gesellschaft. Dunkelgrün fast schwarz hat mir insgesamt in kleines bisschen besser gefallen. Es wäre aber unfair, diesem Buch weniger als fünf Sterne zu geben, denn es ist sehr gut und hätte ich es als erstes gelesen, hätte es auch eine Topbewertung erhalten. Ich bin sehr gespannt, was wir von Mareike Fallwickl noch zu erwarten haben!
Schon vor ein paar Wochen habe ich dieses Buch gelesen und beendet. Die Rezension dazu habe ich jedoch immer wieder vor mir hergeschoben. Warum? Weil meine Meinung zu diesem Buch sehr lange ambivalent und ich mir über mein Empfinden darüber nie wirklich im klaren war. Anfangs war ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Leider war mir bereits nach einigen Seiten klar, dass die Protagonisten und die Geschichte an sich nichts für mich sind. Ich wollte es abbrechen und bin letztendlich so froh, dass ich es nicht getan habe. Die Protagonisten, besonders Wenger, waren mir bis zuletzt sehr unsympathisch. Und erst am Ende wurde mir bewusst, dass das aber genau so beabsichtigt wurde. Die Thematik, die eingangs gar nicht wirklich deutlich wurde und eher irrelevant erschien, ist unglaublich wichtig und leider immer noch hochaktuell. Motive der der Kampagne #metoo lassen sich in diesem Buch ebenfalls finden, was alleine schon für sich spricht. Es ist ein literarischer Beitrag, hochaktuell und eben bedeutend. Der Schreibstil von Mareike Fallwickl ist einzigartig, sehr besonders, humorvoll und umbewertend wertend. Es fiel mir anfangs sehr schwer, mich durch diesen doch sehr andersartigen Schreibstil in die Protagonisten hineinzufühlen, habe mich aber relativ schnell daran gewöhnt. Geschrieben wird der zeitgenössische Roman abwechselnd aus Sicht des Vaters Wenger und seiner Tochter, die aufgrund ihres Altersunterschiedes eben mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Diesen ständigen Generationskonflikt, aber auch Themen wie sexueller Missbrauch, Selbsthass und Depressionen hat Mareike Fallwickl in ihrem Roman individuell und künstlerisch integriert. Allerdings bediente sie sich bei der Wahl ihrer Protagonisten oftmals Stereotypen, die auf mich manchmal fahl und einfallslos gewirkt haben. Die gesellschaftliche Relevanz ist da, die Thematik enorm wichtig und erschreckend, allerdings manchmal etwas zu gewollt und irgendwie erzwungen. Meine Kritik lässt den Roman für mich zu keinem Highlight werden. Letztendlich punktet der Roman aber mit seiner Aktualität, Moderne und Dringlichkeit
Ich kann euch dieses Buch daher definitiv weiterempfehlen.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Die verschiedenen Erzählstimmen sind ziemlich gut gemacht & man bleibt dran, weil man wissen will, wie es weitergeht. Nach hinten raus nimmt sich die Autorin vielleicht ein bisschen viel vor, wie sie die individuelle Geschichte der Figuren mit dem großen Ganzen der #metoo Bewegung verknüpfen will, aber das Gefühl der Befreiung, das Zoey empfindet, als sie merkt, dass sie nicht allein ist, das fand ich wieder ganz überzeugend geschildert. Der Buchbranche in DE fehlt ja immer noch das großräumige Outen von sexuellen Predatoren. Aber irgendwann wird das kommen. Für das Buch gilt natürlich der Hinweis auf sexualisierte Gewalt.
Ich ringe nach Worten für meine Eindrücke zu dem neuen Buch von Mareike Fallwickl. Worte, die dem Werk gerecht werden. Es fällt mir zugegebenermaßen nicht leicht. Zum einen liegt es daran, dass der Hype so unfassbar groß war, dass es mich schier überwältigt hat, gleich zu meinen Leseeindrücken Stellung zu beziehen. Ich muss mir Zeit nehmen, über Gelesenes nachzudenken und es einzuordnen. Zum anderen rührt mein ausbleibendes Bedürfnis, darüber zu sprechen aber auch daher, dass mich das Buch leider nicht sehr viel in mir bewegte. Dabei sind die Themen, die darin besprochen werden, so unglaublich wichtig, und die Kulturreferenzen so herrlich meta, dass es der Literaturstudentin in mir die Tränen in die Augen treibt. Es ist kein schlechtes Buch, ein solches Urteil wäre vollkommen unangemessen. Mareike Fallwickl kann schreiben, daran besteht kein Zweifel, und sie weiß auch ganz genau, wovon sie schreibt. Doch diese Thematik war nicht meine, was sich wahrscheinlich mitunter auch damit begründen lässt, dass ich - klopf auf Holz - noch nie wirklich in der misslichen Lage war, von einem Mann übergriffig behandelt zu werden. In Zeiten v0n #metoo ist "Das Licht ist hier viel heller" nichtsdestotrotz ein unsagbar bedeutsames Buch mit ausgereiften Charakteren, für mich persönlich konnte es leider jedoch nicht ganz so viel tun.
4.5:) Toll geschrieben und Mareike Fallwickl hat mich wieder sehr berührt (und wütend gemacht :D). Die Seiten aus der Perspektive von Wenger sind sehr schwer auszuhalten und ich finde es schade, dass er auch die letzten bekommen hat. Ganz viel Liebe für Zoey und Spin!
Charaktere, die einem ans Herz wachsen oder auch gerade nicht und doch zum Nachdenken anregen. Die ganze Palette an Emotionen. Wie immer wunderbar geschrieben: Detailliert und bildhaft oder aber mit genau den richtigen Aussparungen der Fantasie überlassend. All das über eins der wichtigsten Themen.
Ich habe einen riesigen Stapel ungelesener Bücher. Das ist auch okay, es ist nichts, was mich stört. Im Gegenteil, manchmal bin ich ganz aufgeregt und regelrecht verzaubert bei dem Gedanken, was für Schätze in meinem Regal noch liegen könnten, um geduldig auf ihren Auftritt zu warten. Wenn man dann allerdings so einen Schatz aus dem Regal zieht, ihn liest und von der ersten Seite an innig liebt, Sätze, Absätze, ganze Seiten markiert und sie am liebsten aus dem Buch herausnehmen, sie an die Wand und in die Truhe im Inneren verschließen möchte. Diese ganz besondere Truhe, in denen die Wörter gesammelt sind, zu denen man eine innige Verbindung spürt, die einen zu verstehen scheinen, obwohl man sie doch zum ersten Mal liest, die dir dein Herz brechen und es wieder zusammensetzen, die Trost spenden und dich glücklich machen, ja dann...dann ist da doch ein bisschen Wehmut. Seit anderthalb Jahren liegt dieses Buch in meinem Regal, diese besondere Geschichte, die mich mitgerissen hat von Anfang an, die mich mit ihren vielschichtigen und hoch aktuellen Themen begeistert hat und mit ihren Figuren...Zoey, was für ein wundervoller Mensch, zu dem ich sofort eine Verbindung aufgebaut habe...Wenger, der mich mehr als einmal wütend gemacht hat, zwischendurch war da auch Mitleid, Freude und ein wenig Verständnis. Was für ein Durcheinander von Empfindungen, ein klein wenig Antiheld denn auch oft nicht wirklich unsympathisch. Eine Figur, die man so schnell nicht vergisst. "Das Licht ist hier viel heller" ist ein poetisch, wortgewaltiges wunderschönes Buch. Das Thema über Machtstrukturen, was Männern Frauen antun können ist aktueller denn je. Es geht aber auch um Beziehungen, um Empathie, um das genauer Hinschauen, um aufmerksam sein. Eine unglaubliche, berührende Geschichte, wichtig und dann sind da immer noch diese Worte, mit denen ich mich besonders verbunden gefühlt habe, als wären sie aus meinem Inneren herausgeschrieben worden, als hätte die Autorin das, was ein zu großes Gefühlschaos ist, was man nicht in Worte fassen kann eben geschafft...es aufzuschreiben und mir als Geschenk zu überreichen. Ich bin so dankbar für solche Bücher.
Ein bisschen Wehmut ist also da diesen Schatz in meinem Bücherregal so spät erst entdeckt zu haben, doch immerhin strahlt es jetzt auch in meinem Bücherregal ein bisschen heller.
Mal wieder lässt mich Mareike Fallwickl nach der Lektüre ihres Romans mit Begeisterung zurück. Ihr Debüt "Dunkelgrün fast schwarz" hat mich zwar mehr zerrüttet, mich mehr bewegt und mehr mitleiden lassen, aber betrachte ich "Das Licht ist hier viel heller" davon losgelöst, ist es immer noch so viel besser als so einige andere Bücher, die gerade auf dem Markt sind, oder unter Buchbloggern gehyped werden.
Ihr Sprache ist einzigartig. So präzise, so treffsicher, so einfallsreich und erfrischend. Ich habe mich gerne darin verloren und habe einige Sätze gleich mehrmals hintereinander gelesen und ich würde gerne diese Worte diese Sprache finden, wenn ich mal wieder nach Worten ringe und sprachlos gegenüber unserer unegrechten Welt bin.
Die Figuren sind perfekt gezeichnet und und gut aufgebaut. Sie agieren nachvollziehbar und überraschen dann noch immer wieder. Die Dialoge und Monolge sind wahrhaftig und mitreißend geschrieben, sodass man beim Weglesen erst gar nicht bemerkt, was da passiert, um dann im Nachhinein die Emotionen noch einige Seiten weiter unter der Haut zu spürt und immer wieder inehalten muss, um das Gelesene zu verabeiten.
Das Thema der #metoo Debatte war bei Erscheinen des Buches zwar noch wesentlich aktueller, ist aber nach wie vor relevant und wird hier gleich aus der Sicht von drei verschiedenen Figuren mit unterschiedlichen Geschichten beleuchtet, die ineinendergreifen und zeigen wie allgegenwärtig der Machtmissbrauch von Männern ist und wie wie es verschwiegen wird, damit nicht umgegangen wird und wie individeull jedes einzelne Erlbenis letzendlich ist, und ein einzelner Hashtag vielleicht für Aufmerksamkeit sorgt, aber diesem Thema in keinster Weise gerecht wird.
Ein Buch, das aufrüttet, das laut schreit und so viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat, genau wie das Thema selbst.
Kurzmeinung: "Das Licht ist hier viel heller" von Mareike Fallwickl ist ganz anders als ihr erster Roman, und doch erkennt man ihren Stil. Das Buch hat mir wieder gut gefallen, wenn auch auf andere Art und Weise als "Dunkelgrün fast schwarz". Es hat mich etwas weniger gefesselt, dafür mochte ich, dass es sich mit so aktuellen Themen beschäftigt. Es hat einiges in mir ausgelöst, mich wütend gemacht, hat mir aber auch ein Gefühl gegeben, verstanden zu werden. Sehr gut gefallen hat mir wieder der wundervolle Schreibstil der Autorin.
Meine Bewertung: "Das Licht ist hier viel heller" von Mareike Fallwickl hat viel in mir ausgelöst. Es hat mich wütend gemacht. Mich verzweifeln lassen an der Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Es hat mir aber auch Hoffnung gegeben, dass es einen Umschwung geben kann. Mir das Gefühl gegeben, verstanden zu werden. Mich mit anderen Frauen zu solidarisieren.
Wütend gemacht hat mich vor allem der Charakter des Maximilian Wenger. Ich hätte ihn manchmal wirklich eine reinhauen mögen und bei manchen seiner Äußerungen oder Gedanken ist mir echt die Kinnlade runtergefallen. Aber genau das zeigt auch, wie gut dieser Charakter geschrieben ist. Ich habe ihn überhaupt nicht gemocht, aber er hat so viel in mit ausgelöst. Das ist wirklich eine schriftstellerische Leistung. Und dieser Effekt wurde noch verstärkt, weil ich genau weiß, dass es viele alte, weiße Männer gibt, die genau so etwas wirklich denken.
Leicht hätte dieser Charakter als eine solche stereotype "alte weiße Mann" Figur eindimensional oder übertrieben wirken können. Doch Fallwickl schafft es, ihn als authentischen Menschen mit all seinen Schattierungen darzustellen. Zwar hat mich der Charakter wie gesagt aufgeregt, aber nicht, weil er eine schlecht gezeichnete Figur war, sondern gerade weil er in seinem Chauvinismus und Narzissmus so glaubhaft ist und an so einige Männer erinnert, die man im echten Leben (ungern) trifft.
Ein völlig anderer Charakter ist Wenger Tochter Zoey. Sie ist eine junge Frau, die ihren Platz im Leben sucht und versucht, sich von ihrer dominanten, egozentrischen, kühlen Mutter zu emanzipieren. Sie wächst in einer patriarchalen Gesellschaft auf und wird auf verschiedene Weisen mit diesem Machtgefälle konfrontiert. Diese Entwicklungen sind dabei so einfühlsam und authentisch beschrieben, überhaupt nicht übertrieben und genau deswegen so schockierend und schockierend realistisch.
Auch der Erzählton in Zoeys Kapiteln hat mir unglaublich gut gefallen. Hier zeigt sich wieder das sprachliche Talent von Fallwickl, das ich schon in ihrem ersten Roman so bewundert habe.
"Ich frage mich, ob man vielleicht tatsächlich stark wird, indem man einfach keine Schwäche zeigt. Oder ob ich mich selbst belüge." S. 224
Wir werden in dieser Geschichte mit drei sehr unterschiedlichen Erzähler*innen konfrontiert, die drei vollkommen unterschiedliche Tonarten haben. Aber alle wirken sie authentisch und der Wechsel zwischen ihnen gelingt Fallwickl sehr gut.
Die dritte Erzählperspektive neben Wenger und Zoey ist eine unbekannte Frau, die in Briefen nach und nach erzählt, was ihr passiert ist und welche Erfahrungen sie mit Männern und den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft gemacht hat. Ihr Erzählton ist der rauste, härteste. Er ist wieder ganz anders, als der von Wenger oder Zoey, aber hat mir auch sehr gefallen und die beiden anderen Perspektiven perfekt ergänzt.
"Ich wusste, man nannte es vicdim blaming, aber es nützt dir einen Scheiß, dass du den Namen dafür kennst, denn wenn sie es mit dir machen, fühlst du dich, als hätten sie dir Benzin ins Herz gegossen und ein Streichholz hinterhergeworfen." S. 281
Besonders gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Beziehungen. Vor allem die von Zoey zu ihrem Bruder Spin. Aber auch die zu den Eltern. Die so geprägt ist von Abhängigkeit, dem Wunsch, verstanden, angenommen und geliebt zu werden. Aber auch das Infrage stellen und schließlich die Emanzipation von den Eltern. Zoeys Entwicklung hat mir wirklich sehr gefallen.
Ich muss sagen, dass mir nicht alles an dem Roman gefallen hat. Manche Dialoge wirkten etwas holprig, manche feministischen Sätze oder Themen wirkten etwa zu gewollt und die Message wirkte etwas erzwungen und zu plakativ. Außerdem war es für mich persönlich etwas zu viel "tell" und zu wenig "show". Es wird viel erklärt, was mir als Leserin eh klar war.
Das alles tritt aber im Vergleich zu der gesamten Geschichte, den authentischen Charakteren und der vielen wundervollen, perfekt geschmiedeten Fallwickl-typischen Sätze in den Hintergrund.
Fazit: "Das Licht ist hier viel heller" von Mareike Fallwickl ist keine leichte und keine perfekte Geschichte, aber eine, die es sich zu lesen lohnt. Und zwar wegen der Aktualität des Themas, der authentischen Charaktere und des wundervollen, einzigartigen fallwickl'schen Schreibstils.
Das Buch ist zum Teil aus der Perspektive von Zoe geschrieben und zum Teil aus der ihres Vaters. Beide Stränge haben mich zum Teil unglaublich aufgeregt, der von Zoe, weil er manchmal schien wie ein Teenie-Roman und der von Wenger, weil der einfach ein unglaublich ekliger Typ ist und es oft keinen Spaß gemacht hat, seine Gedanken und so zu lesen. Zusammen ergeben die Perspektive aber eine spannende, empowernde Geschichte, wofür auch noch die dritte Perspektive der Briefe wichtig ist, die mir sehr gut gefallen hat.
Ein gutes Buch mit einem wirklich großartigen und abwechslungsreichen Stil, der es mich fast in einem Rutsch durchlesen ließ. Die wechselnden Perspektiven von Zoey und Wenger – ergänzt durch die eindringlichen Briefe aus Italien – halten das Interesse hoch und schaffen ein dichtes Geflecht aus Anekdoten und kleinen Geschichten um Zoeys 18. Geburtstag und Wengers neuestes Roman.
Allerdings wirkt der Erzählfluss an manchen Stellen überladen: Es passiert fast zu viel, ohne dass eine zentrale Handlung klar voranschreitet. Vor allem die zahlreichen Zeitsprünge in der Mitte reißen immer wieder aus dem Leserythmus und nehmen der Erzählung ihre thematische Schärfe. Einige Nebencharaktere sind so farblos, um eigentlich etwas über die Beziehung oder Eigenschaften der Hauptcharaktere zu schildern (Elisabeth, Liv, Barbara, Mario, Jonathan, Maja, Sebastian, Alexander, Fred, Reto, Beate…) Wenn man einmal das Beziehungsgeflecht und die familiären Missverständnisse verstanden hat, fühlen sich spätere Wiederholungen und Betonungen eher etwas ermüdend an.
Insgesamt überzeugt die Figurenzeichnung und der Sprachstil wirklich sehr, doch die brüchige Struktur und das Übermaß an Nebenfäden bremsen den Lesespaß – daher meine zurückhaltende Bewertung.
Wer vermutet, dass Mareike Fallwickl ein ähnliches Buch wie "Dunkelgrün fast schwarz" geschrieben hat, muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Ganz anders ist "Das Licht ist hier viel heller". Und das ist auch gut so! Das Buch hinterlässt kein wohliges zufriedenes Gefühl beim zuklappen. Aus mehreren Blickwinkeln wird die #metoo Debatte beleuchtet. Hierbei spielt der Frauenheld Maximilian Wenger eine maßgebliche Rolle. Inwieweit, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: ich hab mit diesem Protagonisten sehr gehadert.
Ich mochte die Beziehung zwischen Spin und Zoey sehr gerne. Die Familie Wenger an sich ist ein ziemlicher Scherbenhaufen und zwischen all dem Chaos und der Ignoranz der Eltern, ist die Beziehung der beiden Geschwister ein schöner Lichtblick.
Mit den Briefen, die zwischen den Maximilian Wenger und Zoey Wenger Kapiteln platziert sind, konnte ich anfangs wenig Anfangen, bis sie von (Zwischen)kapitel zu (Zwischen)kapitel immer mehr Klarheit gebracht haben.
Insgesamt ein sprachlich wie inhaltlich guter Roman, der seine Spuren hinterlässt, aber keine "feelgood" Lektüre ist. Deshalb kann ich ihn nicht jedem uneingeschränkt empfehlen.
Ich habe anfangs meine Schwierigkeiten mit dem Buch gehabt. Der Schreibstil war nicht schlecht, aber ich wusste nicht wo die Autorin mit der Geschichte und den Charakteren hin will. Aber nach ca. 100 trägen Seiten hat es mich gepackt! Ich konnte und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Charaktere sind soo gut gezeichnet, so menschlich, so realistisch. Und auch der Schreibstil der von Kapitel/ Charakter zu Kapitel/Charakter wechselt war einfach perfekt ausgewählt. Das Thema wurde umfangreich aufgegriffen, von sehr vielen Seiten beleuchtet und meiner Meinung nach gut umgesetzt. Der fehlende Stern war lediglich für den schwerfälligen Anfang.