Künstliche Intelligenz und Empathie. Vom Leben mit Emotionserkennung, Sexrobotern & Co: [Was bedeutet das alles?] (Reclams Universal-Bibliothek – [Was bedeutet das alles?])
Emotionale künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Künstliche Systeme sollen mitfühlend sein und Empathie in uns auslösen. Doch wie erkennen und verarbeiten künstliche Systeme menschliche Emotionen? Können sie echte Gefühle und Empathie empfinden? Führt die Entwicklung schmerzempfindlicher Roboter in der Biorobotik zur Auflösung der Grenze hin zu biologischen Organismen? Haben wir auch moralische Pflichten gegenüber Robotern, die unser Mitgefühl rühren? Und was ist von Roboterliebe und Sexrobotern zu halten?Die Expertin für Maschinenethik Catrin Misselhorn diskutiert die ethischen und technischen Aspekte dieser Fragen an anschaulichen Beispielen aus der Praxis und gibt einen Überblick über neue Tendenzen der emotionalen Künstlichen Intelligenz, sozialen Robotik und Biorobotik.
Ein Glossar/Stichwortverzeichnis wäre aufgrund der Vielzahl an Fachbegriffen, besonders in den letzteren Kapiteln, wünschenswert gewesen.
Im vorderen Teil des Buchs wird relativ objektiv der aktuelle Stand und Entwicklungen geschildert, gegen Ende sind manche Gedankengänge etwas schnell und nicht immer komplett nachvollziehbar erklärt bzw. können aufgrund fehlender Studien o.Ä. nicht untermauert werden.
Trotzdem kann ich das Buch aufgrund der Aktualität, welche bei diesem Thema aufgrund der schnellen Fortschritte wichtig ist, für die nächsten 1-2 Jahre als guten Überblick über die Entwicklung "menschenähnlicher" KI empfehlen.
In „Künstliche Intelligenz und Empathie“ fragt Catrin Misselhorn, ob Systeme zur Emotionserkennung, digitale Gefährten und Sexroboter unser emotionales Leben tatsächlich verbessern können – oder es nur bequemer machen. Emotionale KI verspricht Verständnis ohne Urteil: Sie hört unermüdlich zu, erkennt Stimmungsmuster und bietet Nähe ohne die Risiken menschlicher Beziehungen. Quantitativ mag das Einsamkeit lindern, doch qualitativ bleibt der Gewinn fraglich. Denn die KI simuliert Empathie, ohne eigene Erfahrung von Verlust, Scheitern oder Hoffnung zu besitzen. Sie reagiert korrekt, aber nicht existenziell. Die zentrale Frage lautet, ob emotionale Tiefe aus der bloßen Qualität eines Ergebnisses entsteht – oder aus gemeinsam erlebter Erfahrung. Zugleich wird deutlich, dass emotionale KI weniger eine technische als eine moralische Herausforderung darstellt. Maschinen, die Schmerz empfinden oder überzeugend simulieren, können unser ethisches Sensorium erweitern, indem sie unsere Fähigkeit zu Rücksicht und Mitgefühl testen. Gleichzeitig birgt die Nutzung von KI als Ersatz für menschliche Beziehungen das Risiko, dass das emotionale Leben verarmt, da Erfahrungen und Tiefe auf algorithmische Effizienz reduziert werden. Eine echte qualitative Verbesserung entsteht nur, wenn KI als Werkzeug dient, um menschliche Empathie zu reflektieren und zu üben, nicht um sie zu ersetzen.
Spannende Diskussion des Themas, die auch für fachfremde Personen geeignet ist. Vom Schreibstil hat es mich stark an Philosophie-Texte aus der Uni erinnert - relativ viele Fachbegriffe (die aber auch erklärt werden) und man muss aufmerksam lesen um mitzukommen, aber das Buch ist es sowas von wert!
Catrin Misselhorn beleuchtet in diesem prägnanten und auf positive Weise kompakten Werk zentrale Aspekte, die sich bereits aus dem Titel erschließen lassen. Sie thematisiert dabei nicht nur die allgemeinen Voraussetzungen für Empathie, sondern auch die zu erwartenden Wechselwirkungen zwischen der Wahrnehmung empathiefähiger Maschinen und den Menschen, die mit ihnen interagieren (werden). Mit klarem und präzisem Schreibstil gibt die Autorin einen fundierten Überblick über den aktuellen Stand von Technik und Forschung.
Was jedoch als gut recherchierter, faktenbasierter Text beginnt, verliert gegen Ende merklich an Qualität. Die letzten Kapitel erwecken in vielerlei Hinsicht den Eindruck, dass persönliche Ansichten der Autorin "noch schnell" eingebracht werden sollten – auf Kosten von Sorgfalt und Stringenz.
Letztlich leidet das Gesamtwerk unter der Integration dieser Überlegungen, die durch eine nebulöse Argumentation den Gesamteindruck merklich schwächen.