Gabriele Winker ist seit vielen Jahren eine der wichtigsten Vordenker:innen und Aktivist:innen für eine Care-Revolution und auch für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. In ihrem neuen Buch hat sie nun die zwei großen Krisen unserer Zeit zusammengedacht: Die Care-Krise, also die ungelöste Frage, wie Fürsorgebeziehungen so gestaltet werden können, dass sie ein gutes Leben für alle ermöglichen, und den Klimanotstand. Beides folgt nämlich ihrer Analyse nach derselben Logik, deren Grundlage ist, dass sowohl die private häusliche Fürsorgearbeit (die vor allen Dingen von Frauen geleistet wird) als auch die Ressourcen der Natur sozusagen als unbegrenzt vorhandene und verfügbare Güter betrachtet werden, die man einfach ausbeuten und benutzen kann. Heute leben wir jedoch in einer Zeit, wo diese beiden pseudo-„natürlichen" Ressourcen an ihr Ende kommen: Dank der Frauenbewegung wird die weibliche Gratisarbeit nicht mehr ohne Wenn und Aber geleistet, und auch die natürlichen Ressourcen der Erde drohen zu versiegen. Winkers Analyse zufolge ist der Kapitalismus von seiner inneren Struktur her nicht in der Lage, dieses Problem zu lösen. In ihren ersten beiden Kapiteln stellt sie diese Gefährdung der Sorgearbeit beziehungsweise den Klimanotstand genauer dar. Im dritten Kapitel geht es dann um die Frage, warum dieser innere Widerspruch des Kapitalismus sich nicht von selbst auflösen, sondern im Gegenteil immer weiter zuspitzen wird. In den weiteren Kapiteln beschreibt sie dann, wie wir Menschen damit umgehen (können), wie zum Beispiel schon jetzt Einzelne oder auch Gruppen versuchen, etwas zu tun – vom Versuch, sich selbst anzupassen und flexibler zu werden, bis hin zu gemeinsam organisierten Initiativen, die strukturell etwas verändern möchten. Sie beschreibt die Care-Revolution als eine wichtige Transformations-Strategie und gibt am Ende Ausblicke, was man nun machen muss. Dazu gehört etwa eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, ein Bedingungsloses Grundeinkommen, die demokratische Gestaltung aller Lebensbereiche und einiges mehr. Winker verbindet in dem Buch auf die ihr eigene pragmatische Weise kleine Schritte in der Realpolitik – Initiativen, Genossenschaften, Kooperativen und so weiter, aber auch persönliche Versuche – mit einer größeren Vision, mit einem „System Change“. Das Buch hat insofern das Zeug zu einem Grundlagenwerk. Auch für Menschen, die sich schon länger mit diesem Themenkomplex beschäftigen, ist es ein Gewinn, zumal es viele aktuelle Zahlen enthält.