Zeitweise sehr anstrengend, aber sonst eigentlich sehr gut
In „Die Farben“ der Schönheit geht es um die junge Chemiestudentin Sophia, die sich auf eine Affäre mit ihrem Dozenten einlässt und ungewollt schwanger wird. Als ihre Eltern dies herausfinden, verstoßen sie sie, ihre einzige Tochter, und Sophia flüchtet kurzer Hand zu ihrer besten Freundin Henny, Tänzerin in einem Berliner Nachtclubetablissement. Als diese die Chance bekommt, in Paris gemeinsam mit Josephine Baker aufzutreten, entschließt sich Sophia, ihre Freundin zu begleiten, damit sie und ihr ungeborenes Kind in der französischen Hauptstadt neu anfangen können. Doch es kommt alles ganz anders, als sie und Henny es sich ausgemalt haben…
Der Klappentext gibt noch weitere Informationen, aber da dort auch Dinge gelistet sind, die erst ab Seite 300 geschehen, belasse ich es dabei, da ich es nicht mag, wenn dort bereits so weit vorausgeschaut wird.
Das Cover und den Titel finde ich sehr ansprechend und passend gestaltet. Der Untertitel gibt bereits einen ersten Hinweis darauf, was in dem Roman eines der Hauptthemen sein wird. Das Rosa finde ich auch sehr schön gewählt, wobei es Helena wahrscheinlich hassen würde :D
Corinna Bomann hat einen sehr angenehmen Schreibstil und das finde ich gerade bei historischen Romanen, die auch gerne mal 1000 Seiten umfassen sehr wichtig. Die Beschreibungen waren für mich sehr lebhaft und ich konnte mir alle Orte vor meinem inneren Auge vorstellen.
Die Handlung beginnt im Jahre 1926 und dort liefen natürlich viele Dinge anders als heute. Ich denke, dass heutzutage eine ungeplante Schwangerschaft an vielen Orten nicht mehr so ein großes Problem ist, wie es das bei Sophia war, wofür ich als junge Frau sehr dankbar bin. Dementsprechend hatte ich aber auch manchmal etwas Probleme mit unseren Protagonist:innen, da ich sehr viel aufgeklärter und emanzipierter aufgewachsen bin und daher gewisse Dinge auch nicht immer so gut nachvollziehen konnte.
Sophia mochte ich eigentlich gerne. Sie ist eine kluge, zielstrebige Frau, der die Liebe zum Verhängnis wurde. Über den Dozenten will ich hier gar nichts schreiben, um ehrlich zu sein, habe ich seinen Namen auch schon wieder vergessen, aber da ich kein gutes Haar an ihm lassen würde, lasse ich ihn einfach ganz außen vor.
In den meisten Situationen habe ich mit Sophia mitgefiebert oder mitgelitten, oft habe ich sie auch für ihre Stärke bewundert. Ab und zu fand ich ihre leichte Dickköpfigkeit dann aber doch auch etwas anstrengend.
Henny war für mich ein schwieriger Charakter. Anfangs ist sie Sophia eine gute Freundin, doch dann wird sie zunehmend egoistischer und rücksichtsloser, was einer Schwangeren gegenüber nicht mehr gerechtfertigt war.
Ray fand ich hingegen total klasse: Ehrlich, offen und lustig.
Helena Rubinstein fand ich sehr beeindruckend, manchmal etwas harsch, aber doch immer gut zu Sophia. Im Gegensatz zur Elisabeth Arden wusste ich bei ihr allerdings nicht, dass sie eine historische Persönlichkeit ist, das hat mir dann noch besser gefallen. Ich bin bei historischen Romanen immer Fan davon, wenn fiktive Charaktere in real historische Kontexte gesetzt werden, sodass diese theoretisch auch damals hätten leben können.
Abgesehen davon, dass ich ab und an ein wenig genervt war, habe ich noch zwei weitere Kritikpunkte, die letztendlich dafür verantwortlich waren, dass ich das Buch mit vier Sternen bewertet habe: 1. Die Liebesgeschichte. Ich mochte den Love-Interest einfach nicht und noch weniger sein Verhalten gegenüber Sophia. Ich hoffe, dass sie in den Folgebänden auf jemand anderes treffen wird. 2. Das Ende. Kurz vor Schluss gab es noch eine Wendung, mit der ich einerseits nicht gerechnet habe und die ich andererseits auch nicht so toll finde, da ich befürchte, dass sich so der Fokus verschieben wird, dabei fand ich den gerade interessant und hoffe, weiterhin über die Pionirinnen der Kosmetik zu erfahren.
Fazit: Ein gelungener Auftakt mit ein paar Längen, der viel verspricht und Lust auf die Folgebände macht.
4/5