FLÜGEL-ANHALT, Margot: „Einfach abgefahren. Wie ich mit 65 Jahren und einem alten Benz 18.000 Kilometer durch 15 Länder reiste“, Berlin 2024
Nachdem ich das Buch von Frau Flügel-Anhalt über ihre Fahrt mit dem Fahrrad vom Ursprung der Donau bis zur Mündung ins Schwarze Meer gelesen habe, habe ich mir auch ihre zwei anderen Reisebücher besorgt. Sie ist ja eine „Wiederholungstäterin“. Immer wieder sucht sie neue Abenteuer. Zuerst mit einem Motorrad, dann mit einem alten Auto und im Falle der Donauradwegreise mit einem gebrauchten eBike. Sie findet, sie habe eben das Reise-Gen. „Der amerikanische Evolutionsbiologe Justin Garcia behauptet, dass jeder fünfte Mensch dieses Gen in sich trägt. Das Gen soll seine Träger veranlassen, größere Risken einzugehen, als die übrige Bevölkerung, um neue Umgebungen zu erforschen.“ (Seite 17)
Im vorliegenden Buch schildert sie die Fahrt mit einem 24 Jahre alten Mercedes Benz nach Südost-Asien.
Die einzelnen Kapitel des Buches sind kurz. Zuerst schildert sie die Tage der Vorbereitung. Dabei stellt sie fest, dass „der größte Fehler, den man bei einer Reise machen kann nicht aufzubrechen“ (Seite 12) sei. und dann folgt ein Reisetagebuch, wo der jeweils abgelaufene Tag geschildert wird. So „fährt man“ mit der Autorin jede Strecke geistig mit. Sie ist eine Frau, die das Abenteuer sucht und mit dem auch umgehen kann.
Sie kämpft auf dieser Fahrt oft mit der Bürokratie, der Verwaltung eines Landes und ihren Einreisebestimmungen. Mehrmals muss sie auf die Genehmigung eines Visums an der Grenze warten. So in der Türkei und an der pakistanischen Seite.
Das alte Auto stellt sich als ideal für eine Reise in diese Länder heraus. Es hat noch keine elektronisch. Ein analoges Auto, an dem auch einfache Mechaniker kaputte Teile reparieren können. Oft ist es nur eine provisorische Reparatur. Wenn der Außenspiegel von einem vorbeifahrenden LKW abgebrochen wird und mit einem Klebeband befestigt wird. Oder wenn die Bremsen versagen und das Problem an einem Vorderrad liegt, wird diese Bremse abgeschaltet und Frau Flügel-Anhalt fährt mit drei Bremsen weiter. Irgendwie bringt sie aber das Auto nach 18.000 Reisekilometern an ihr Ziel in Luang Prabang in Laos, wo sie dann das Auto mit fast 400.000 Kilometern einer lokalen Bibliothek schenkt.
Immer wieder fliegt ihr Filmteam nach, um die Reise auch filmisch zu dokumentieren. Wenn sie allein unterwegs ist, übernimmt sie diese Dokumentation.
Dass Frau Flügel-Anhalt so positiv allen Ereignissen gegenübersteht, zeigt sie auch mit einem Gebet, das sie auf der Reise zur Meditation mitführt und ich möchte es hier wiedergeben:
„Ich genese. Mein Körper heilt. Ich vertraue. Ich lasse den Dingen ihren Lauf. Ich habe Vertrauen in mich und das Leben. Ich lege alle meine Ängste in die göttliche Energie und bitte sie, für meine Bedürfnisse zu sorgen. Ich ziehe aus jeder Erfahrung so viel als möglich heraus. Ich habe alles in mir, damit es gelingt. Und mir gelingt alles. Ich habe Vertrauen in meine gegenwärtige Situation, denn Gott, der Geist der Weisheit und Liebe ist in mir, um mich zu führen und zu unterstützen. Alles wird jetzt gut und göttlich für mich. Ich finde die ideale Lösung für meine Situation.“ (Seite 27)
Es ist ein Reisetagebuch, bei dem fast jeder Tag der Reise – im Oktober ist sie weggefahren und im Jänner wieder heimgekommen – beschrieben wird. So wird auch die Spannung für den Leser aufrechterhalten: „Wird sie es schaffen?“
So wie es einen ausführlichen Vorspann zur Reise mit der Beschreibung aller Vorbereitungen gibt, findet sich in einem Nachspann des Buches die Aufarbeitung des Erlebten.