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Weiße Finsternis

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Zwei Freunde unterwegs im ewigen Eis, mit ihrem Leben aufeinander angewiesen – Roald Amundsen schickt sie, um Nachrichten von der Maud zu übermitteln. Doch was sie eigentlich verbindet, ist der Wettlauf um Liv, die Frau ihrer Herzen, von der sie glauben, dass sie in Tromsø mit ihren beiden Kindern auf sie wartet.
„Weiße Finsternis“ verwebt hundert Jahre nach Amundsens großer Polarexpedition den historischen Fall der beiden verschollenen Seeleute Peter Tessem und Paul Knutsen mit einer verhängnisvollen Dreiecksbeziehung und der Geschichte einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war, zu einem packenden literarischen Abenteuerroman.

304 pages, Hardcover

First published March 15, 2021

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Florian Wacker

9 books1 follower

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for NiWa.
562 reviews9 followers
December 14, 2025
Es ist ein Kampf um's Überleben und um eine Liebe. Es ist die wahre Geschichte zweier Seeleute der Amundsen-Expedition von 1919, deren Verbleib bis heute ein Rätsel ist.

1919 steckt die Amundsen-Expedition mit ihrem Schiff der "Maud" im ewigen Eis fest. Peter und Paul erhalten den Auftrag, Dokumente und Briefe in Sicherheit zu bringen und begeben sich dafür auf eine schier endlos erscheinende Reise unter gefährlichsten Bedingungen. Hinzu kommen Verrat, Rivalität und die Sehnsucht nach Anerkennung, die beide Männer bis ans Ende treibt.

Während sie im ewigen Eis um ihr Leben kämpfen und eine Nachricht der Maud überbringen sollen, sind sie von einem weitaus persönlicheren Anliegen gefordert: Die Liebe zu Liv, die Frau, die sie beide begehren und die fernab in Tromsø mit ihren Kindern auf eine ungewisse Zukunft wartet.

Florian Wackers Roman "Weiße Finsternis" basiert auf einer wahren Begebenheit und verbindet den historischen Fall der verschollenen Seefahrer Peter Tessem und Paul Knutsen mit einer fiktiven, aber tiefgehenden Dreiecksgeschichte. Die beiden Männer werden von Roald Amundsen losgeschickt, um Nachrichten von der "Maud" zu überbringen. Ihre Beziehung ist nicht nur von gegenseitiger Abhängigkeit in der lebensfeindlichen Arktis geprägt, sondern auch von der Rivalität um eine Frau: Liv.

Paul und Peter sind faszinierend herausgearbeitet. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein: Der eine ist ein Abenteurer, stets auf der Suche nach neuen Ufern, rastlos und ohne festen Anker. Der andere hingegen ist tief verwurzelt, kein geborener Entdecker, und sieht mit Neid auf das, was sein Freund erlebt. Trotz dieser Gegensätze sind die beiden seit Kindheitstagen untrennbar miteinander verbunden. Genauso wie mit Liv, die im norwegischen Hafen die Stellung hält. Besonders gelungen ist die Darstellung, wie sehr Liv in die Rolle der Wartenden gedrängt wird. Während die Männer in eisigen Gefilden unterwegs sind, ist es eigentlich sie, die sich als Entdeckerin sieht. Eine eigene Expedition bleibt ihr als Frau verwehrt. Sie verharrt im Dasein als Hüterin von Haus, Herd und Kindern.

Der Roman ist komplex aufgebaut, mit wechselnden Perspektiven, Zeitebenen sowie Briefen und Notizen, die nach und nach die Ereignisse enthüllen. Die fiktiven Elemente ergänzen die historischen Lücken auf überzeugende Weise. Zu Beginn erfordert dies Konzentration, doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer wird die Struktur. Einzig eine Karte zur geografischen Orientierung hätte hilfreich sein können, da die räumliche Verortung oft schwierig war. Zudem hat mir ein Epilog mit weiterführenden historischen Fakten gefehlt, um das Gesamtbild abzurunden.

Der Erzählstil bleibt distanziert und sachlich, was einerseits die Authentizität unterstreicht, andererseits dazu führt, dass die Charaktere weniger nahbar wirken. Die Figuren sind hervorragend gezeichnet. Man kann sich in diese hineinversetzen, aber es wird kaum eine emotionale Bindung aufgebaut. In der zweiten Hälfte des Romans verstärkt sich der Eindruck, dass gerade diese Distanziertheit die Glaubwürdigkeit erhöht. Ich denke, dass es sich genauso vor mehr als hundert Jahren zugetragen haben könnte.

Zudem beschreibt Wacker die schwierigen Bedingungen der Reise und bezieht sich auf historisch überlieferte bzw. vermutete Zwischenhalte der beiden Männer. Die Umgebung ist eiskalt und lebensgefährlich. Die wenige Vegetation und Tierwelt verdeutlichen die Kargheit und die rohe Naturgewalt, der sie ausgesetzt sind. Das Unbehagen steigt, sobald ein Schlittenhund unpässlich wirkt. Meiner Meinung ist es unglaublich, was Reisende im Eis heutzutage leisten und was sich diese, sozusagen, Pioniere, damals abverlangt haben.

Ebenso eindringlich geht der Autor auf Livs eher tristen Alltag in Norwegen ein. Er veranschaulicht die bescheidene Landschaft, den schmucklosen Ort und das einfache Leben, welches auf den Grundfesten von gefügiger Genügsamkeit und roher Abenteuerlust steht.

Das Ende des Romans lässt einen etwas ratlos zurück, was allerdings auf die ungeklärten Ereignisse aus der Vergangenheit zurückzuführen ist. Dieser Eindruck schmälert das Gesamtwerk nicht. "Weiße Finsternis" bietet eine spannende Geschichte und regt dazu an, selbstzuständig zu den historischen Fakten zu recherchieren. Es ist ein packender, literarischer Abenteuerroman, der auf jeden Fall nachhallt.
Profile Image for Anja Nicolaus.
277 reviews7 followers
July 3, 2021
Ich hatte anfänglich etwas Mühe, in die Geschichte reinzukommen, doch das Ausharren hat sich gelohnt: wunderbare Stimmungsaufnahmen, eine sich langsam entfaltende Dreiecksgeschichte und die schrittweise Auflösung des Geheimnisses um das Verschwinden zweier Seeleute der Amundsen-Expedition, kurzweilig erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln.
Profile Image for yexxo.
917 reviews28 followers
June 6, 2021
Anfang September 1918 befinden sich die norwegischen Seeleute Peter Tessem und Paul Knutsen an Bord der Maud, dem neuen Expeditionsschiff von Roald Amundsen, der sich damit durchs Packeis Richtung Nordpol treiben lassen will. Doch bereits kurz nach der Abfahrt steckt die Maud an der nördlichsten Festlandstelle der Erde im Eis fest und es dauert ein Jahr, bis sie Mitte September 1919 ihre Reise fortsetzen kann – allerdings ohne die beiden Seeleute. Tessem hat gesundheitliche Probleme, weshalb er zurückkehren will und Knutsen soll ihn begleiten. Als die Maud ihre Reise wieder aufnimmt, machen sich die beiden Männer westwärts auf nach Dikson, 1000 km entlang der vereisten Küste.
Da man bis zum folgenden Sommer keine Nachricht von den Beiden hat, startet im August 1920 eine Rettungsexpedition, die jedoch frühzeitig in Dikson endet – schweres Eis erlaubt kein Durchkommen weiter nach Osten. Erst neun Monate später, im Mai 1921, macht sich eine norwegisch-sowjetische Gruppe mit Rentieren und Schlitten auf den Weg.

Vom Weg der beiden Seeleute, ihrer gemeinsamen Vergangenheit sowie der Suche nach den Beiden auf dem Landweg wird abwechselnd in den Kapiteln erzählt. Während Letzteres aufgrund entsprechender Unterlagen ziemlich genau belegt ist, entspringt der Rest der Geschichte der Phantasie des Autors. Doch dieser ‚Rest‘ wirkt so authentisch und überzeugend wie das tatsächlich Geschehene, so dass man während des Lesens nicht daran zweifelt, dass sich tatsächlich Alles so zugetragen haben könnte. Insbesondere die Beschreibungen des Rückweges der beiden Männer nach Dikson mit den erbarmungslosen Bedingungen von Kälte und kaum passierbarer Landschaft tragen dazu bei wie auch die geschilderten Gedanken und Gefühle von Tessem, der durch seine gesundheitlichen Probleme noch zusätzlich beeinträchtigt war.

Vermutlich um die Verbundenheit der Männer deutlicher zu machen und durch eine Art Konkurrenzsituation mehr Dramatik aufzubauen, wird auch ihr gemeinsames vergangenes Leben erzählt, das eng verknüpft ist mit dem Leben der gleichaltrigen Liv. Eine verschworene Dreiergemeinschaft bildeten sie, was mit zunehmendem Alter immer schwieriger wurde. Auch Livs Sicht ist ein eigener Erzählstrang gewidmet – vielleicht um die Spannung zwischen den beiden Männern noch deutlicher darzustellen.

Meiner Meinung nach hätte die Geschichte auch ohne die Darstellung dieser privaten Beziehung (die in der Realität nicht existierte) sehr gut funktioniert, denn der Überlebenskampf von Tessem und Knutsen wie auch die Suchexpedition sind so gut und packend erzählt, dass dies völlig ausgereicht hätte. Abenteuer pur!

Mich hat die Lektüre so fasziniert, dass ich mich auf die Suche nach den beiden Protagonisten gemacht habe und tatsächlich fündig geworden bin: Peter Tessem https://frammuseum.no/polar-history/e... und Paul Knutsen https://frammuseum.no/polar-history/e... – so hat man sogar noch ein Bild der Beiden vor Augen.
Profile Image for Tanja Heldberg.
11 reviews
December 3, 2021
Roald Amundsens Schiff steckt im Polarmeer fest, er schickt zwei seiner norwegischen Seeleute mitten im arktischen Winter über das Eis, um in der nächsten Station Nachrichten zu überbringen. Sie kommen dort niemals an. Auch die Suche nach ihnen bringt sie nicht lebendig zurück. Das Buch springt in der Perspektive zwischen den um ihr Leben kämpfenden befreundeten Norwegern, ihrer gemeinsamen Liebe Liv in Tromsø und den Männern aus dem Suchtrupp hin und her. Der Überlebenswille und die Hoffnungslosigkeit sind überzeugend und intensiv beschrieben.
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