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Fern von hier

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Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Die radikale poetische Kraft ihrer Sprache macht sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20.Jahrhunderts.

Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihre Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt. Sie sind von hoher poetischer Präzision, jede Figur «in Einzelanfertigung». Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer wunderbaren hintergründigen Komik.

Diese Ausgabe vereinigt erstmals alle in Buchform publizierten und einige der in Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Erzählungen Adelheid Duvanels in einem Band, der dieser grossartigen Autorin wieder den Platz in der Schweizer Literatur einräumt, der ihr gebührt.

540 pages, Hardcover

Published May 1, 2021

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About the author

Adelheid Duvanel

17 books8 followers

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Bogdan.
134 reviews83 followers
Currently reading
May 5, 2025
Die Prosaliebhaber würden sagen, dass diese Mikrogeschichten besser seien als die besten Gedichte, und die Gedichtliebhaber würden – im besten Fall – sagen, dass die einen ebenso gut seien wie die anderen. Oder sie würden schweigen.

Aber ernsthafter: Adelheid Duvanel gehört zu den sehr wenigen Schriftstellern, die solche Unterscheidungen – zwischen „Prosa“ und „Gedicht“ – lächerlich erscheinen lassen, weil sie sie in ihren Werken auf so großartige und organische Weise vermischt und überschreitet.

Fremdheit aller Art ist ein gemeinsames Thema dieser Blitzgeschichten: die Fremdheit der Menschen (jeder ist ein anderer), die Fremdheit des Seins als Ex-istenz, des Daseins als ein „Fern von hier“.

Mit nur den notwendigsten, knappen Worten ruft Duvanel diese alltägliche und zugleich unheimliche Fremdheit aus ihrer kalten und dünnen Schale hervor – wie hier:

Jeden Tag spaziere ich mit meiner Hündin, die auf die genau gleiche Weise hinkt wie ich (ich bin mir des lächerlichen Anblicks bewusst), durch das Vorstadtquartier; wenn ich stehen bleibe, verhält auch das Tier den Schritt und blickt zu mir auf. Auf einem dieser Spaziergänge geschah es, dass ich zum Dichter wurde: Am Straßenrand stand ein Auto, das der Frost vielleicht unsichtbar machen wollte, denn es schien in ein weißes, dünnes Seidenpapier verpackt. Auch der Himmel, der zwischen den weißen Dächern baumelte, war weiß. Als ich das Auto beinah erreicht hatte, sah ich, dass der Finger eines Kindes es mit Buchstaben, mit einem Wort zurückholen wollte aus dem Versteck, es zugleich verwandelte, ihm seine Bedeutung als Auto, die durch die weiße Verkleidung schon in Frage gestellt war, noch einmal und mit Nachdruck wegnahm. Auf der Kühlerhaube stand etwas geschrieben, ein Wort, das mein Interesse weckte; nahe vorbeigehend, entzifferte ich: ZORN. Ich war erregt, eigenartig aufgewühlt, als teile mir das nackte Gesicht einer weiß verhüllten Braut etwas mit, als läse ich in ihrer Miene eine Botschaft, die mit ihrer Eigenschaft als Braut nicht in Zusammenhang stand. Seit jenem Augenblick frage ich mich, ob nicht Worte über der großen Leere, über dem Abgrund, in den mein Leben ge­­­fallen ist, eine neue Welt schaffen können. Ich schreibe nun Tag und Nacht Wörter, male mit ihrem Klang die Fluten des Himmels, die einen tollwütigen Fisch vor mein Fenster treiben; ich baue Türme und Brücken, lasse die Sonne mit blitzendem Besen die Schatten aus den Schluchten kehren und schüttle den Kopf, wenn der Wind, den ich beschreibe, wie ein Vagabund in einem Winkel alte Zeitungen liest; hastig, mit lachhafter Neugier, blättert er um.
Profile Image for yellowdog.
850 reviews
June 7, 2021
Kurzprosa

Sämtliche Erzählungen. Das bedeutet fast 800 Seiten, die man selbstverständlich nicht von vorne bis hinten komplett durchliest sondern erst einmal eine Auswahl trifft. Es ist ein Buch für nicht nur ein paar Stunden, durch das man eine originelle Schweizer Autorin kennen lernt. Adelheid Duvanel lebte von 1936 bis 1996.
Das Buch enthält außerdem ein Essays zur Poetik Adelheid Duvanels.

Die Erzählungen sind überaus eigen und originell.
Es sind alles kurze Erzählungen, oft nur eine oder einige Seiten lang. Ist doch einmal eine länger, wie z.B. die letzte Story „Jan“ ist diese in sich noch mehrfach unterteilt.

Schon mit der ersten Geschichte „Der Dichter“ wird eine bildhafte Sprache deutlich. Da spaziert der Protagonist mit seiner Hündin, die auf genau die gleiche weise hinkt wie er, durch die Vorstadt.
Häslein in der Grube zeigt ein 15jährigs Mädchen, das Häslein genannt wird, und so hoppelt sie durch die Straßen.
Ein krankes Mädchen wird Meerschweinchen genannt und trägt tatsächlich gewisse Züge dieses Tieres, wie eine hochgezogene Lippe und Schnüffeln.
Besonders gelungen halte ich die Geschichten, die von Kindern oder jungen Frauen erzählt, die sozial im Abseits stehen (Catalina, Taddea, Sabel, Das Kind, Katja, und andere).

Immer ist der Schmerz der ausgegrenzten Figuren erkennbar und als Leser kann man sich dem nicht entziehen.

Man muss dem Verlag dankbar für diese Leistung mit diesem Buch sein. Es ermöglicht eine große Entdeckung und die Begegnung mit einer außergewöhnlichen Autorin.
Profile Image for Janik.
61 reviews4 followers
February 26, 2025
Drei Jahre lang Geschichten von Menschen "die sich nicht an das Hiersein gewöhnen können" gelesen. Irgendwie ein irrsinniges Unterfangen (250 Kurzgeschichten, knapp 800 Seiten). Aber dann ist man drin in diesem Duvanel'schen Milieu und es lässt einen auch nicht mehr los. Vielleicht nie mehr (man erlaube mir den Pathos).

Anyway, highly recommended.

Kleine Kostprobe:
"Dieselbe Welt, die den einen vor sachliche Entscheidungen stellt und ihn hilfsbereit lächelnd bei der Hand nimmt, den andern in finster brodelnde Probleme drückt und ihm den schweren Nagelschuh aufs Genick setzt, zeigte sich Evi mit fremdem Gesicht in weiten, nebeldurchzogenen Fernen."
Profile Image for doris.
17 reviews
June 11, 2024
drei Punkte für die tristen deprimierenden Themen, Vier Punkte für die poetische Sprache
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Profile Image for MeneerJanssen.
27 reviews4 followers
February 6, 2024
ZKV's van een geweldige schrijfster: als ze op haar best is een mengeling van Robert Walser en Elfriede Jellinek. Schrijft zinnen als:" ihre Lippen verzogen sich zu einem schlauen Laecheln, so das ihr Gesicht sich einer sich oeffnenden Ledertasche glich".
Iets voor uitgeverij Koppernik?
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

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