3.5 Punkte
Grundsätzlich fand ich die Erzählung sehr interessant. Etliche Länder / Gegenden, die Peter Wensierski beschrieben hat, die die beiden StudentenJens und Marie bereist haben, kenne ich tatsächlich auch. Daher reizte mich das Buch sehr. Von den Reisen hätte ich mir mehr Reisebericht, mehr Emotionen aus den Tagebüchern gewünscht. Im Buch handelt es sich um eine Aneinanderreihung der Ereignisse des Reiseverlaufs. Natürlich kann der Autor die Emotionen nicht weitergeben, die Jens und Marie empfunden haben, während der Reise. Nichtsdestotrotz weiß ich, wie schwer es war, der DDR und von dort aus der Enge zu entfliehen. Jens und Marie ist es gelungen in die Weite der Mongolei zu gelangen und in China einzureisen. Später ist Jens über Hongkong nach Deutschland gekommen.
Ich möchte kurz aus dem Buch zitieren
Seite 144 …. Jens: Viele Leute bei uns zu Hause sind so eng in ihrem Denken, nicht nur in Leipzig. Darum bin ich gern jetzt so gern hier.
Galsan (in Ulan Bator) Lebendig sein heißt, in Bewegung zu sein, und wenn deine Welt eingezäunt ist, dann liegt es nahe, dass du diese Grenzen überwinden willst.
Galsan erzählte von der Zeit, als er mit 18 Jahren am Berliner Ostbahnhof angekommen war. Was mir zuerst auffiel, alles wahr genormt und geregelt. Die Bäume waren geschnitten, die Straßen und Plätze, die Häuser, alles, was ich mit den Augen sah, hatte geometrische Form. Mir fehlte das Runde, das Fließende. Und so schien mir auch das Leben vorgeformt, ausgeschildert und gestempelt. Die ersten Vokabeln, die ich lernte, standen groß auf den Schildern, sie hießen „nicht“ und „verboten“
… Auf Seite 152 auch gab Galsan Jens und Marie folgende Worte mit auf den Weg. …. Ich wollte auch immer das Ende der Welt sehen und ritt mit dem Pferd bis zu ihrem Rand, der die Erde vom Himmel trennt. Aber jedes Mal, wenn ich dort angekommen war, sah ich, dass es einen anderen Rand der Erde, einen neuen Horizont gab, den ich erreichen wollte. Im Laufe der Zeit merkte ich, in jedem von uns liegt, gleichzeitig eine große, innere Welt brach, genau wie die äußere, die uns umgibt. So lebt diese Sehnsucht, weiter und weiter zu kommen, immer in mir.
Darum verstehe ich euch gut. Ich wünsche euch Glück auf all euren Wegen.
Von Ulan Bator und Galsan und seiner Familie sind sie weiter gereist.
Zum Schluss war auch noch ein Satz, den ich sehr berührend fand. Marie sitzt zu Hause nach der langen Reise in Berlin und fand ein Buch von Stefan Zweig
Sie erinnerte sich an seine Zeilen und schrieb an. Jens…
Er hat recht. In den langen Tagen, den langen Nächten der Reise habe ich im Umgang mit dieser anderen Art von Menschen mehr gelernt, von den Kräften und Spannungen, die unsere Welt bewegen, als aus 100 Büchern. Die Distanz von der Heimat verändert das Innere Maß . Manches, dass mich früher über Gebühr beschäftigt hat, beginnt sich mit meiner Rückkehr klein an zu fühlen, und unser Land, ja Europa, sehe ich längst nicht mehr als die ewige Achse unserer Erde.
Diese Zitate sind Zeilen aus den Tagebüchern von den beiden, die mich mehr bewegt haben als die Reise-Erzählung selber.
Fazit:
Dennoch finde ich, das Buch hat vier Punkte verdient, weil es einfach noch mal die Sicht öffnet von vor, nunmehr über 30 Jahren. DDR Zeiten, geschlossene Welten, Eiserner Vorhang m! Man darf den Mut nicht verlieren, muss zuversichtlich bleiben, offen für die Welt, für die bunten Menschen.
Ich stand mit den beiden auf der chinesischen Mauer war in Peking, tanzte im Park Tai Chi. Gut nachvollziehen konnte ich, was Jens empfand, als er die bunte, enge und laute Stadt Hongkong das erste Mal erreicht hat.
Ein inspirierendes Buch die Welt zu entdecken und sich einlassen und mutig zu sein seine Wünsche und Träume zu erfüllen.