Es tut mir leid, ich musste das Buch abbrechen - umso trauriger, weil sich in ein paar Szenen (meist in Zusammenhang mit den Katzen) zeigt, wie schön es hätte sein können. Fluff, hinplätschernde Urlaubslektüre, wenig Konflikt, Schwelgen in romantischen Italienfantasien hat alles seine Berechtigung und hat mich weit genug dran bleiben lassen.
Aber da sind zum einen die handwerklichen Schwächen: Fast jede Szene beginnt mit Protagonistin, die irgendwo sitzt und sich daran erinnert, was gerade Interessantes passiert ist. So viel Plusquamperfekt, so viele Rückblicke, keine Szene darf einfach mal ausspielen und uns mitfühlen lassen - verschenktes Potential. Das ist sogar noch frustrierender als die Perspektivbrüche oder die Tatsache, dass wir bei jeder einzelnen Figur sofort in einem Infodump die Lebensgeschichte und Motivation vorgekaut bekommen.
Zum anderen sind da die Klischees und schädliche Tropes. Es ist so, als ob die Geschichte ausdrücklich jeden einzelnen Punkt auf der Liste abhaken wollte, was ich hasse. Da ist die Frau, die nach Beziehungen zu untreuen (französischen) Männern geschworen hat, sich nie mehr zu verlieben. Die burschikose Freundin. Der charmante Italiener. Das ist ja noch harmlos. Aber dann diese fiesen Spitzen: Der Orthopäde, der Kommentare zum Gewicht seiner Patientin macht und die das so verinnerlicht. Die unentschlossene Studentin, die von einem Fach zum nächsten hüpft und ihren Lebensweg sucht - und inmitten der witzig gestalteten Erzählung wird erwähnt dass die ein Fach wechselt weil der Professor ihr nachstellt. Soll das ein Witz sein? Kritik? Es wird nicht weiter verfolgt, sie kommentiert es nicht, kein Gedanke daran, den Typen anzuzeigen, der das Machtgefälle derart verbrecherisch ausnutzt. Eingerahmt in Fluff, ist dieser Moment völlig fehl am Platze.
Und dann kam das Kapitel mit dem arroganten, vorurteilsbehafteten, kettenrauchenden Journalisten. Unabhängig davon, dass schon die Redaktionskonferenz wenig mit der Realität und mehr mit überzeichneten Filmen zu tun hatte (was ich als ehemalige Journalistin ganz gut einschätzen kann), ist es völlig unglaubwürdig, dass ein Lokaljournalist im bunten und diversen Köln ein Mindset hat wie auf dem letzten Dorf. Selbst wenn er Vorurteile gegen queere Menschen haben sollte, muss er Erfahrungen mit ihnen gemacht haben. Aber er telefoniert mit dem Café "Fräulein Paula" und als ein Mann rangeht, stellt er sich gleich Conchita Wurst vor. Als ob Cafés nicht beliebige Namen haben könnten. Einem Arschloch mit Vorurteilen gegen trans Menschen zu folgen, hat für mich den Fluff endgültig kaputt gemacht. Die Geschichte war von Anfang an nicht interessant genug für mich, um diese ganzen Schwächen weiter hinzunehmen. Wenn man eine respektvolle Story über jemanden schreiben will, der seine Vorurteile überwindet und sich bessert - super! Aber nicht in so einem Rahmen.
Ich habe übrigens noch den Epilog gelesen und es ist genau das eingetreten, was ich befürchtet habe: natürlich ist es ausgerechnet das Arschloch, das am Ende die Loveinterest der Frau wird, die der Liebe abschwor. Noch einen Punkt auf meiner Hassliste abgecheckt.
Die Autorin sagt im Nachwort, sie habe das Buch in einer Zeit geschrieben, in der es ihr nicht so gut ging, und ihre Figuren hätten ihr immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Das freut mich und ich habe diese Möglichkeit, Freude zu bereiten, erahnt. Aber leider nicht für mich.