Igor Levit schlägt mit seinem Klavierspiel Publikum und Musikwelt in den Bann. Doch sein Wirken geht weit über die Musi hinaus: Er erhebt seine Stimme für Demokratie und gegen Unrecht, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenhass. Was treibt ihn an? Woher rühren seine Energie, seine Vehemenz und seine Ungeduld - und wo möchte er hin?
"Hauskonzert" ist ein wunderbares Portrait eines interessanten und vielseitigen Künstlers. Igor Levit ist ein begabter Pianist, doch es reicht ihm nicht nur dafür zu stehen. Ihn bewegen auch viele andere Themen, vor allem politische und gesellschaftliche. Er ist Immigrant und Jude und hat so am eigenen Leib Fremdenhass und Diskriminierung erfahren und er will das nicht hinnehmen. Er steht auf. Er nutzt seine Bühne um seine Meinung kundzutun. Das gefällt nicht allen, aber Igor ist das egal. Es ist schließlich seine Bühne. Ich finde dieses Buch ist ein schönes Portrait eines Menschens. Es beschreibt die Liebe zur Musik ganz großartig, sodass mein Klassik-Fan-Herz höher schlug, es zeigt aber auch den Menschen dahinter. Offen und ehrlich. Hier wird keine stumpfe Biographie abgearbeitet, man bekommt Einblick in Igors Gedanken, seine Unruhe, seine Leidenschaft. Und so ist auch der Aufbau, zwischen Geschichten über seinen Werdegang springt man in die Gespräche zwischen Autor und Künstler, direkt rein in aktuelles Weltgeschehen. Igor ist Aktivist und er verzweifelt manchmal an der Welt und an seinem unendlichen Tatendrang und seine Rastlosigkeit, diemanchmal auch einfach müde machen. Und ich glaube viele, die sich mit wachsender Verzweiflung den Hass in unserer Gesellschaft ansehen, können das nachvollziehen.
Von klassischer Musik verstehe ich ungefähr so viel wie von Quantenphysik, also gar nichts! Ich kann durchaus beurteilen, ob mir ein Stück gefällt oder nicht, aber die hohe Komplexität hinter einem klassischen Musikstück war mir vor der Lektüre des Buches „Hauskonzert“ von Igor Levit und Florian Zinnecker nicht im Geringsten bewusst. Dass Igor Levit ein Pianist ist, wusste ich schon, auch, dass er ein sehr guter Pianist ist, aber nicht wie gut!
„Hauskonzert“ beginnt noch vor der Corona-Pandemie. Zinnecker und Levit wollten ein Buch zusammenschreiben, doch dass es ein paar Monate nach ihrem ersten Treffen keine Konzerte mehr gegeben werden, konnte keiner ahnen. Seit März 2020 gab der Künstler aufgrund der Pandemie "Hauskonzerte" über Twitter und Instagram, die live aus seiner Berliner Wohnung gestreamt wurden.
Das Buch legt seinen Fokus aber nicht nur auf den Musiker Levit, sondern auch auf den politischen Levit. Dieser setzt sich seit Jahren öffentlich für die Demokratie und Klimaschutz und gegen Rassismus, Antisemitismus und Menschenhass ein. In kurzen episodenhaften Dialogen wird so nach und nach der Mensch hinter dem Klavier ergründet. In nicht chronologischer Erzählweise erfahren wir etwas über die Kindheit Levits bis hin zu den besagten Hauskonzerten im Jahr 2020.
„Hauskonzert“ ist eine Mischung aus Biografie, Interview, Beitrag zur aktuellen Debatte und Musik in geschriebener Form. Das Buch ist wirklich etwas ganz besonderes und zählt jetzt schon zu meinen Highlights des Jahres. Auch wenn mir die klassische Musik nicht so am Herzen liegt wie es andere Musik tut und ich das Buch vorrangig aus politischem Interesse an der Person Levit gelesen habe, muss ich zugeben, dass mich die intensiven Beschreibungen von Levits Musik dazu bewegt haben, mich genauer mit klassischer Musik zu befassen.
Igor Levit, der erfolgreiche Pianist, ist ein extrovertierter Mensch, der sich engagiert. Er steht den Grünen nahe, spricht gegen Antisemitisus, gegen Ausgrenzung, unterstützt Fridays for Future. Er äußert sich auch öffentlich, z.B. in einer Talkshow. Für manche Rechte ist er ein rotes Tuch, es gibt auch Morddrohungen.
Der Autor Florian Zinnecker nähert sich dem Thema vorsichtig. Man spürt die Schwierigkeit dem gerecht zu werden, aber mit der Zeit findet er seinen Schreibfluß.
Eigentlich ist Hauskonzert mehr e als klassische Biografie, obwohl natürlich die Stationen seiner Karriere, die auch nicht ohne Schwierigkeiten war, geschildert wird. Zum Teil ist es auch ein politisches Sachbuch.
Dieses Buch wird Igor Levit weitere Aufmerksamkeit bescheren, die er auch verdient und es lohnt sich auch, seine Musik zu hören.
„Ich habe in dieser Zeit – vielleicht zum ersten Mal überhaupt – gespürt, dass ich kein Fake bin. Dass ich nicht nur so tue, als ob. Ich habe mir zum ersten Mal selbst geglaubt, dass ich Pianist bin.“ (Buch, S. 219)
Wer ist dieser Mann, dieser Künstler, der eine Pandemie und den Ausfall aller Konzertaufführungen gebraucht hat, um über einen simplen Stream auf Twitter durch „Hauskonzerte“ zu erkennen wer er ist und was er wirklich kann?
Diese Antwort versucht uns Florian Zinnecker mit seinem Buch zu geben. Er nimmt uns mit zu Gesprächen, die er mit Igor Levit führte und wir begleiten ihn literarisch zu Konzerten, die Igor gab, als dieses Buchprojekt startete bis hin zum Pandemieausbruch und der Stille, die sich plötzlich von einem Tag auf den anderen über den gesamten Kulturbereich legte.
Dies ist keine typische Biografie, wie auch der Lebenslauf der Hauptperson nicht wirklich typisch ist. Denn Igor Levit ist ein Genie am Klavier, der die Musikstücke, bevor er in die Tasten haut, zigmal vorher in seinem Kopf spielt. Mit drei Jahren hat er von sich aus angefangen die gehörte Musik am Klavier nachzuspielen und seitdem nicht mehr aufgehört.
Pianist zu sein ist eine einsame Berufung. Das Lernern, Erlernen, Üben, Varieren usw. passiert einsam und allein am Flügel. Deshalb ist das Publikum so enorm wichtig. Denn Igor spielt für die Zuhörer*innen. Sie will er begeistern, mitnehmen auf diese musikalische Reise.
„Ich lerne ein neues Stück zuerst immer ohne Klavier aus den Noten. Ich trage es mit mir herum im Kopf, manchmal dauert das ewig, Monate. Man muss es doch kennen, bevor man es spielt. Wenn ich mich dann hinsetze und es zum ersten Mal spiele, ist es nicht das erste Mal.“ (Buch, S. 29)
Doch bis Igor Levit der heute überall bekannte und gefeierte Pianist wurde, hat es lange Zeit gedauert. Mit Igors Mutter Elena unterhält sich Zinnecker über Igors Kindheit, denn Igor selbst kann nicht sich nicht richtig an diese Zeit erinnern. Er lebt im hier und jetzt.
Es hat mir großen Spaß gemacht zu lesen, wie aus einem unsicheren Jungen, der noch nicht genug Selbstwertgefühl hatte zu sich und zu seinem Können zu stehen und der oft abgewiesen wurde, der Igor von heute geworden ist, der mittlerweile genau weiß was er meint und will. Er hat zu seinem „ICH“ gefunden.
Dabei bekommen Leser*innen Einblicke in die „Bubble“ der klassischen Musik, die oftmals auch grausam ist. Eifersucht und Neid, Intriegen und Vetternwirtschaft herrschen auch hier vor. Es war naiv von mir zu glauben, dass das in diesem Milieu anders wäre.
Igor Levit ist nicht nur Pianist, ein Genie am Klavier. Er ist gleichzeitig ein Mensch mit unterschiedlichen Interessen, unter anderem auch an der Gesellschaft und der gegewärtigen Politik. Er entdeckte Twitter für sich, Gott sei Dank, denn da bin ich zum ersten Mal auf ihn aufmerksam geworden, als er das erste titelgebende Hauskonzert gespielt hat. Für mich war es ein ganz besonderes Lockdown-Erlebnis aus dem letzten Jahr!
Auf Twitter äußert(e) sich Igor Levit auch politisch, was ihn über kurz oder lang in verschiedene Timelines spülte, auch die der Rechten. Dies veränderte wieder einiges in seinem Leben, denn von nun an erhielt er Morddrohungen. Dies war für mich sehr schwer zu lesen, denn es zeigte mal wieder, WIE sehr mittlerweile unsere Gesellschaft verroht ist.
Florian Zinnecker hat uns mit seinem Buch den Musiker, Künstler und Mensch Igor Levit näher gebracht. Die Biografie war sehr interessant und kurzweilig zu lesen. Keine trocken aneinandergereihten Zahlen und Daten und kein permanenter musischer Fachjargon, den nur Klavierbegeisterte und -kenner verstehen. Es hat mir sehr große Freude gemacht in den Kopf eines Musikgenies zu blicken und zu merken, wie anders, wie unterschiedlich man Musik verstehen und wahrnehmen kann. Manchmal war mir die Biografie thematisch und zeitlich etwas zu durcheinander und gegen Ende war ein bisschen die Luft für mich raus. Dennoch ist dies ein sehr herausragendes und sehr lesenswertes Buch und ich hoffe sehr, dass Igor Levit noch lange denjenigen, die zuhören wollen, etwas zu geben hat!
„Zum ersten Mal war mir klar, warum ich das mache, rational und emotional. Ich habe zum ersten Mal nicht das Gefühl, ich müsse liefern – ich hatte etwas zu geben.“ (Buch, S. 220)
Fazit Eine sehr gelungene Biografie über den Ausnahmemusiker und Mensch Igor Levit, der hoffentlich noch lange „hungrig“ ist auf Neues, damit auch ich einmal in den Genuss komme, ihn in Hamburg in der Elbphilharmonie erleben zu können.
Diese außergewöhnliche Biografie ist so viel mehr als nur die Lebensgeschichte eines Pianisten. Man lernt einen besonderen Menschen kennen, von dem man vieles lernen kann.
Der breiten Masse ist Igor Levit während des Corona-Lockdowns 2020 ein Begriff geworden, als er auf Twitter nicht nur als „einfacher“ Nutzer unterwegs war, sondern seine häuslichen Klavierkonzerte publik machte und sich zudem deutlicher als (Menschenrechts)Aktivist positionierte, der, selbst jüdischer Herkunft, vor Allem klar gegen Antisemitismus Stellung bezog und nach wie vor bezieht. Leider war kurz nach Erscheinen dieses biografischen Sachbuchs die Situation nicht nur in den sozialen Medien eskaliert, so dass Levit sich kurzzeitig zurückzog und vor diesem Hintergrund, dass sein Engagement ihn zu erdrücken drohte bzw. besser und weniger sächlich ausgedrückt: dass es aufgrund seines Engagements Gewaltdrohungen gegen ihn gab, war „Hauskonzert“ für mich zunächst schwierig zu lesen. Da war letztlich das Buchende bezeichnend, indem Levit erklärt, dass es häufig ein merkwürdiger Konsens zu sein scheint, dass Ruhm einen Menschen zu einer emotionslosen Angriffsfläche mache, die man eben nicht mehr als menschliches Wesen, das diese Angriffe zugrunderichten können, anerkennen müsse.
Generell würde ich „Hauskonzert“ nun übrigens nicht unbedingt als Biografie bezeichnen; ich habe das Buch mehr als fragmentarischen Feuilletonartikel empfunden, Florian Zinnecker als Protokollant aufgefasst und Igor Levit hier eher als Beobachtungsobjekt gesehen – zumindest hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, dass Levit, der als Mitautor angeführt ist, tatsächlich direkt zur Autorenschaft beigetragen hat. Die einzelnen Absätze sind (zumindest in der gedruckten Ausgabe) durch Leerzeilen voneinander getrennt, was mich bis zuletzt leicht irritiert hat: zum Einen hat das meinen fragmentarischen Eindruck definitiv verstärkt, aber zum Anderen habe ich mich gefragt, ob man diesen Stakkato-Stil nur gewählt hat, um das Buch künstlich zu strecken.
„Hauskonzert“ ist definitiv keine klassische Künstlerbiografie, von klein auf bis ins Groß hinein: Hauptsächlich von 2020 ausgehend, wird mal dahin, mal dorthin zurückgeblickt und dabei doch auch die Gegenwart in Szene gesetzt, überlegt, was noch kommen kann, was kommen wird. Meines Empfindens läuft in „Hauskonzert“ alles darauf hinaus, Igor Levit als einen ruhelosen Menschen darzustellen, dessen Gedanken nie stillstehen und dem bewusst ist, dass das Leben ihm keinesfalls Zeit genug für all das, was er anstrebt, lassen wird, ohne dass er irgendetwas hintenan stellen will. Überraschend fand ich, dass er zudem hier nicht als „Wunderkind“ deklariert wird; man kennt es von anderen schlagzeilenträchtigen Instrumentalisten, die stets nur betonen, dass ihre Kindheit nur vom Üben und mindestens einer strengen Hand geprägt war; in „Hauskonzert“ wird zwar nicht außen vor gelassen, dass auch Levit bereits als kleiner Bub mit dem Klavierspiel begonnen hat, aber hier scheint mehr Verblüffung durch, dass er es quasi einfach in den Fingern hatte und die Profis reihenweise damit überraschen konnte, selbst die schwierigsten Sonaten auf Anhieb aus dem Effeff spielen zu können. Dass das Klavierspiel sein Leben deutlich mehr als zunächst spürbar geprägt hat, kam für mich vor Allem in Zusammenhang mit der Pandemie zum Vorschein, als aufgrund des weitgehend stillgelegten Kulturbetriebs auch sein Leben einen entsprechenden Stopp einlegte und er sich zwangsläufig damit befassen musste, was er ohne die Tätigkeit als Musiker wäre bzw. wie sich sein Musikerleben in den Lockdown einbinden ließe oder auch, was einen überhaupt zum Musiker macht. Ich habe hier sehr viel selbstreflektierende innere Zerrissenheit herausgelesen; bedauerlich fand ich, dass sein Aktivismus eher oberflächlich angesprochen wurde: wer Levit bei Twitter erlebt, dürfte seine Aussagen als sehr viel eindrücklicher erleben als die im Buch enthaltenen Schilderungen, aber wie gesagt: mir ist von der Erzählstimme her prinzipiell zu wenig Igor Levit durchgekommen.
Insgesamt bin ich mir auch unschlüssig, ob und wem ich dieses Buch empfehlen würde: für mich als jemand, der Levit auch aufmerksam auf Twitter verfolgt, war es nun interessant zu lesen, wenn auch weder spannend noch dass es hier irgendwelche großartigen Überraschungen gegeben hätte. Wer sich regelmäßig im Feuilletonteil der Zeitung tummelt, wird bestimmt mitunter auch Freude am Lesen von „Hauskonzert“ empfinden. Wer Levit allerdings gar nicht kennt, den wird „Hauskonzert“ wahrscheinlich auch weitaus weniger neugierig auf ihn machen als beispielsweise der Besuch eines seiner Konzerte.
Das "Hauskonzert" entzieht sich eigentlich von vornherein einer Bewertung, denn wem stünde es zu, den Inhalt eines Lebens, die Ziele, Wünsche, Träume, den Alltag eines anderen Menschen zu bewerten? Und all diese Faktoren spielen nun einmal ungefragt und unumstößlich in die Leseerfahrung des "Hauskonzerts" hinein.
So paradox es klingt, aber versucht man den Menschen Igor Levit aus dem Buch herauszuhalten, so bekommt man im Wesentlichen das, was das "Hauskonzert" leistet: einen eindringlichen Einblick in den Künstler, den Pianisten Igor Levit, in die faszinierend, wahnwitzig schwere Arbeit, die hinter der Virtuosität auf dem Klavier liegt, in die Freude am Spiel, den Willen zur Innovation. Mich hat der Ausflug in die Welt des Pianisten begeistert. Mit Erstaunen ist mir so erst wirklich bewusst geworden, dass das Klavierspiel nicht nur körperlich harte Arbeit bedeutet, sondern dass auch jede einzelne Note, jeder Takt und jede Phrase ihre Daseinsberechtigung hat und eine Interpretation verdient hat. Die Passagen, die sich der Musik widmen, waren erhellend und inspirierend.
Was man außerdem im "Hauskonzert" bekommen soll, sind Erkenntnisse die (politische) Haltung Igor Levits zu wesentlichen gesellschaftlichen Themen, wie Antisemitismus und die Flüchtlingskrise, betreffend. Auch diese werden geliefert. Allerdings werden sie nicht annähernd so überzeugend von Florian Zinnacker transportiert, wie die musikalischen Passagen. Während in den Musik-Teilen ein festes Fundament, ein starker Kontext, eine ganze Lebenswelt aufgebaut wird, ist das politische Engagement zu flüchtig, zu oberflächlich dargestellt, irgendwie wirkt es nur wie angerissen. Die wichtigen Positionen, die Igor Levit vertritt, hätten für mich einfach mehr Tiefe im "Hauskonzert" verdient. Sie im wesentlichen nur durch Auftritte in TV-Sendungen, über Twitter-Meldungen und Witze zu illustrieren, war mir einfach ein bißchen wenig - schade, da wurde Potenzial verschenkt.
Überhaupt erscheint es mir am Ende des Buches so, als ob zu wenig Igor Levit in dem Text steckt. Das Layout der Verfassernamen suggeriert, dass das "Hauskonzert" ein Buch von Igor Levit sei, assistiert von Florian Zinnacker, stattdessen ist es der Blick des Journalisten auf Igor Levit, der nur in Sequenzen, meist in Interview-Auszügen, wirklich selbst zu Wort kommt. Und so liest sich auch der Großteil des Buches wie ein sehr langer Zeitungsartikel, zu präsent ist der beobachtende journalistische Stil des Verfassers, zu starr die Einengung der Person Igor Levits auf die zwei Aspekte "musikalisch" und "politisch". Man wird so beim Lesen stets auf Distanz gehalten und kann sich nicht wirklich annähern. Zu diesem distanzierten Eindruck trägt auch die wirre Chronologie bei, die in der Zeit hin- und herspringt und mitunter fast chaotisch wirkt.
Abschließend ist das "Hauskonzert" ein sehr bereichernder Einblick in das musikalische Leben des Igor Levit, dem es aber an dem Willen zur Offenheit in anderen Bereichen schlichtweg fehlt. Bei einer Biographie muss man als Biograph und auch als beschriebenes Objekt Mut zur Enthüllung habe und dieser Mut, der fehlte mir.
In der Konzertsaison 2019/20 wird Igor Levit vom Journalisten Florian Zinnecker begleitet. Er möchte mehr über den so genannten Jahrhundertpianisten erfahren, der sich auch noch gegen Rassismus, Antisemitismus und Menschenhass jeglicher Art einsetzt. Ich möchte das hier bewusst so provokant formulieren, da das anscheinend die vorherrschende Meinung der Allgemeinheit darstellt. Das Buch lädt jedoch dazu ein hinter die Fassade des Musikers zu blicken und beschreibt den Menschen, der hinter den Konzerten, Preisen und Twitter Posts steht.
Florian Zinnecker hat es durch seinen Schreibstil geschafft, mich bereits ab dem ersten Satz von „Hauskonzert“, das am 19.04.2021 bei Hanser erschienen ist, mitzureißen. Es ist so angenehm zu lesen. Es fühlt sich an als würde man mit den beiden Männern am Tisch in diesem Café sitzen. Die Kombination aus langen, beschreibenden Sätzen und sehr kurzen. Manchmal nur ein oder zwei Worte. Grandios! Er erzählt sachlich und dennoch mit Witz. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Obwohl ich noch nie etwas von Levit und Zinnecker gehört habe, sind mir die beiden so sympathisch und ich habe bereits nach den ersten Seiten das Gefühl, sie lange zu kennen.
Die Art wie der Autor die Musik beschreibt ist atemberaubend. Ich hatte Gänsehaut. Und das, obwohl ich, im Normalfall wenig mit klassischer Musik anfangen kann. Während dem Lesen saß ich mit im Großen Saal der Elbphilharmonie und konnte die Musik förmlich hören! Lediglich mit den häufigen Zeitsprünge, bei denen mir manchmal nicht klar war, wo man sich gerade befindet, und den vielen Personen, die oft nur beiläufig vorgestellt werden, habe ich mir manchmal etwas schwergetan.
Igor Levits Reise ist natürlich beeindruckend. Das wird einem vor allem auf den ersten Seiten gezeigt. Und dennoch wird auch hier schon angedeutet, dass mehr dahintersteckt. Dass auch das Leben eines Weltklassepianisten nicht nur aus Höhen besteht. Dass auch er sich Gedanken darüber macht, wer er eigentlich ist und was er tun soll. Er ist sehr selbstkritisch, nie mit sich zufrieden und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Mir hat besonders die gelungene Komposition von Igor dem Pianisten und Igor dem Aktivisten gefallen. Denn auch als Jahrhundertpianist ist er einfach nur ein Mensch. Eben dies hebt er auch immer wieder hervor. Er ist weder ein Pianist, der sich für Politik interessiert, noch ein Aktivist, der zufällig auch sehr gut Klavier spielen kann. Beides ist tief in ihm verankert, es macht ihn aus.
Mit Begeisterung habe ich “Hauskonzert” gelesen. Florian Zinnecker schafft es, auf zugleich ernste und dennoch humorvolle Art und Weise, den Leser einen Blick hinter die Fassade von Igor Levit werfen zu lassen. Wenn es bis dahin noch nicht geschehen ist, möchte man sich unverzüglich seine Musik und vor allem seine Hauskonzerte anhören. Das Buch erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich nie hat unterkriegen lassen, der nie mit sich zufrieden war und es auch noch nicht ist. Ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht!
Beeindruckend Plan war ein Buch über Igor Levit zu schrieben, Florian Zinnecker wollte ihn ein Jahr begleiten. Zu Konzerten, Tourneen. Diese Absprache wurde Ende 2019 getroffen, als noch niemand ahnen konnte, wie sich die Welt im Folgejahr verändern würde. Statt Igor auf Tourneen in der ganzen Welt zu begleiten gab es plötzlich Lockdown und alle großen Veranstaltungen wurden verschoben oder ganz abgesagt. Somit änderte sich der Alltag, wie bei uns allen, auch für Levit sehr. Sein gesamter Lebenssinn wurde ihm als Pianist genommen. Was ist ein Pianist ohne Publikum? Sehr kurzweilig beschreibt der Autor Zinnecker wie es zu den berühmten Hauskonzerten kam. Levit öffnet sich ihm im Laufe des Jahres immer mehr. Erzählt von seiner Art sich einem neuen Stück anzunähern, von seiner Lieblingsmusik und seinem Werdegang. Einen großen Raum nimmt natürlich auch die politische Haltung Levits ein. Schließlich hält er damit auch in sozialen Medien, insbesondere Twitter, nicht hinter dem Berg. Dabei sind diese Äußerungen ganz normal, nicht extrem, entsprechen auch meinem Menschenverstand. Doch ein Pianist, der sich politisch äußert? Das findet der sehr konservative Klassikbetrieb nicht witzig. Er muss da einiges einstecken, doch Levit bleibt sich selbst treu. Zum Glück. So öffnet er vielleicht auch diese wunderbare Musik einem neuen Publikum. Levit ist Jude und bekommt auch dies immer wieder zu spüren. Ich habe in letzter Zeit häufig gelesen, dass der Antisemitismus in Deutschland wieder zunimmt, verstehen kann ich das erst nach der Lektüre dieses Buches. Vorbehalte, scheinbar zufällige Spitzen bis hin zu offenen Morddrohungen mit genauen Angaben zum Datum. Entsetzlich! Jetzt verstehe ich, warum vor der Kölner Synagoge immer ein Polizeiwagen stehen muss. Auch Igors Mutter kommt zu Wort, erzählt von seiner Kindheit, wie es anfing mit dem Klavier, wie er nicht zu stoppen war. Levit ist vielleicht für einige das Enfant Terrible des Klassikbetriebes, doch das macht ihn einfach nur menschlich. Vor allem, wenn man sein göttliches Klavierspiel schon mal live erleben durfte. Ich hoffe, dass es bald wieder möglich sein wird. Die beste Szene war für mich die Beschreibung seines Klaviermarathons. Dabei spielte er die Vexations von Satie, was über 20 Stunden dauerte. Unglaublich! Warum habe ich davon letztes Jahr nichts mitbekommen? Er nennt es seinen "künstlerischen Hungerstreik".
Nicht nur für Musikliebhaber Igor Levit gehört zu den besten Pianisten seiner Generation. Doch sein Wirken geht weit über die Musik hinaus: Er erhebt seine Stimme gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Art von Menschenhass. Er engagiert sich für den Klimaschutz und tritt für die Demokratie ein. Was treibt ihn an? Woher rührt seine Energie? Soweit der Klappentext; der Beginn der Biografie aber ist überraschend persönlich. Mir scheint , dass wird viel mehr werden , als eine klassische Biografie. Das hat mein Interesse sofort geweckt. Was treibt diesen Menschen an ? Diese spannende Frage, die mich dazu brachte , das Buch in einem Zug zu lesen. Vornweg : beeindruckend! Das Cover zeigt den Menschen Igor Levit- nicht am Klavier – sondern sozusagen das Buch einrahmend. Schon dies zeigt , dass es eben nicht nur um den Pianisten geht. Den Pianisten Levit kannte ich vor Corona-Zeiten nicht genauer .Wohl hatte ich von ihm als Musiker gehört , aber von seinen politischen Aktivitäten nicht. Unmittelbar nach der Lektüre habe ich mir mehrere seiner Musikinterpretationen angehört und war auch davon beeindruckt. Ich habe mich nun auch näher mit seinen Auftritten in den Social Medien beschäftigt; und gerade eben auf Twitter seinen Kommentar zu Robert Habecks Entscheidung zur Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock. Zum Inhalt möchte ich nichts sagen; das kann und sollte Jeder selbst lesen. Aber wichtig ist mir noch Folgendes zum Schluss : Bücher , die mir nicht nur wegen des Buches an sich ein Gewinn sind , sondern mich dazu bringen, mich auch weitergehend mit der Thematik zu beschäftigen, haben für mich immer einen besonderen Stellenwert.
Der Pianist Igor Levit begeistert viele Menschen mit seinem Klavierspiel. Doch sein Wirken geht weit über die Musik hinaus. Er erhebt seine Stimme für Demokratie und gegen Unrecht, Rassismus und jede Art von Menschenhass. Außerdem enagiert er sich für den Klimaschutz und setzt sich für die Demokratie ein. Was treibt ihn an, das alles zu tun? Der Journalist Florian Zinnecker begleitet Igor Levit durch eine Konzertsaison. Es zeigt sich, dass es das Jahr der Extreme ist. Levit erhält Morddrohungen, weil er öffentlich Partei gegen Hass im Netz ergreift. In diesem Jahr spielt Levit für Hunderttausende Hauskonzert auf Twitter und findet zu sich selbst, sowohl als Mensch als auch als Künstler.
Der Schreibstil ist flüssig. Die Absätze im Text lassen einen nur so durch die Zeilen fliegen. Mir war Igor Levit schon im letzten Jahr ein Begriff, als er jeden Abend auf Twitter ein Hauskonzert gespielt hat. Das Buch hat mir den Pianisten und Menschen Igor Levit näher gebracht. Mich hat das Buch schwer beeindruckt. Der Journalist Florian Zinnecker hat sehr einfühlsam Igor Levit dargestellt. Er erzählt von den Konzerten, die Igor Levit gegeben hat und von seiner Kindheit. Außerdem erfährt der Leser von seiner Ausbildung zum Klavierspieler und seine politische Einstellung. Das alles hat mir gezeigt, dass sich hinter dem Künstler Igor Levit auch ein Mensch verbirgt.
Ein beeindruckendes Buch über den Pianisten und Menschen Igor Levit.
Sehr flüssiger Schreibstil, stimmungsvoll beschriebene Szenen, eine gelungene Momentaufnahme. Zinnecker ist anwesend in vielen Situationen, lässt aber erzählen und erzählt nicht selbst - und durch den im besten Sinne einfachen Schreibstil wirken die Situationen und das Gesagte von alleine. Eine Weile werde ich noch über die Sinnhaftigkeit der zahlreichen Absätze nachdenken. Mich sehr gefreut hat, dass dieses Buch nicht zu überladen ist mit vor Adjektiven strotzenden Sätzen, die beschreiben, wie außergewöhnlich gut der Musiker sein Instrument beherrscht. Tell me something new - und das hat dieses Buch getan. Für mich persönlich waren besonders die Seiten über seine Lehrer/Professoren am interessantesten, daraus konnte ich viel mitnehmen. Auch positiv in Erinnerung bleibt mir Levits Ehrlichkeit bezüglich seiner Selbstzweifel - beruhigend zu wissen, dass das vielleicht immer bleiben wird. Lieblingssatz: „Ja, ich hatte bei vielen Wettbewerben gespielt (...), aber in einem der ganz finsteren Momente hat Kämmerling mir dann eben auch gesagt, dass aus mir eh nur ein Theaterkorrepetitor wird.“
Der Name Igor Levit war mir vor dem Lesen des Buches durchaus ein Begriff, aber viel wusste ich nicht. Pianist und aktiv auf Twitter fielen mir spontan ein.
Die Biographie, geschrieben von Florian Zinnecker begleitet den Künstler vom Januar 2020 bis zum Ende dieses ungewöhnlichen Jahres. Als zunächst alle Konzerte abgesagt werden, Igor seine Konzerte ins Wohnzimmer verlegte und durch die "Hauskonzerte" seine Popularität weiter ausbreitet.
Man bekommt aber auch viele Einblicke in seine Karriere, wie er nach Deutschland kam, seine Familie unterstütze, bei verschiedenen Lehrern war und auch Rückschläge hinnehmen musste. Gerade die Einblicke in die harte Schule und die Kritik mancher Lehrer fand ich sehr spannend, gaben sie mir doch Einblicke in eine mir unbekannte Welt.
Zu seinen Tätigkeiten als Aktivist kann man sagen, dass ist zumindest mein Eindruck, er kann nicht anders, er hat einen inneren Antrieb, nicht leise zu sein und ist sich durchaus bewusst, dass man damit leicht anecken kann.
Das Buch lässt sich gut lesen, hat es doch viele kurze Abschnitte und ist flüssig geschrieben. Insgesamt ein lesenswertes Buch über einen aussergewöhnlichen Menschen und Künstler.
Wenn Igor Levit dieses Buch über sich und sein Leben selbst geschrieben hätte, wäre es wohl ein anderes Buch geworden. So war es gerade der Blick Florian Zinneckers auf diesen Menschen, der so viel mehr ist als ein Pianist, der ihn dem Leser auf so besondere Weise nähergebracht hat. Florian Zinnecker schaut hinter die Fassade, stellt Zusammenhänge her, beschreibt und erklärt. Dadurch wird Igor Levit auf so spezielle Weise lebendig, wie die Musik der großen Komponisten lebendig wird, wenn Igor Levit am Klavier sitzt und sie zum Klingen bringt. Dazu ist der Erzählton Zinneckers so herrlich unverblümt, direkt und offenherzig, während ausführliche Zitate Levits auch ihn genügend teilhaben und von seinem Leben erzählen lassen. So lernt der Leser diesen großartigen Pianisten kennen, lernt, die Musik zu verstehen, aber auch Levit selbst als Menschen. Ich hatte große Freude dabei, ihn kennenzulernen.
Durch den Beitrag im ZDF Magazin Royal "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" bin ich auf Igor Levit aufmerksam geworden und habe mich gefragt: "Wer ist dieser interessante Kerl?" Passenderweise hat er noch in der Show dieses Buch promotet. Die Lektüre hat mir ausgesprochen gut gefallen. Levit ist ein herausragender Pianist aber auch ein interessanter Mensch. Sowohl die musikalischen Erzählungen als auch seine persönlichen und politischen habe ich mit Spannung gelesen und viele Stellen haben mich auch zum Nachdenken über meine eigene politische Überzeugung und den damit einhergehenden (oder eben nicht einhergehenden) Aktivismus gebracht. Ein sehr lesenswertes Buch!
Ein großartiges Buch über Musik, aber vor allem über das Menschsein, die Entscheidung sich menschlich zu verhalten, über Menschenhass, Entfremdung und so viel mehr was das Miteinander ausmacht. Über Kunst, Politik, Aktivismus. Über Entschlossenheit, Zweifel, Ego und innere Zerstreutheit. Dieses Buch hat mich verändert. Dieses Buch gibt eine Richtung an, wie kein anderes. Lest. Es. Sofort. Es ist ein Lieblingsbuch geworden. Ein Buch, von dem ich weiß, dass ich wieder und wieder lesen kann und auch möchte und es dennoch niemals langweilig wird.
Eine schöne kurzweilige Biographie, nie langweilig und auch nicht ohne Tiefe, wie es wohl bei einer Persönlichkeit wie Igor Levit auch nicht anders zu erwarten ist. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte viel Spaß dabei diese, ganz anders geschriebene Biographie zu lesen. Sie liest sich intimer, als andere Biographien die ich bisher gelesen habe. Sie führt einen abwechselnd durch die Jahre 2019/2020 und die wichtigsten Lebensabschnitte Levits. Es hat mir wirklich Spaß gemacht!
Gemeinsam mit Florian Zinnecker gibt Igor Levit in "Hauskonzert" einen Einblick in sein ungewöhnliches Leben und viele seiner Gedanken. Als "Biografie" würde ich das Buch nicht bezeichnen, es fasst eher Vergangenes und Gegenwärtiges in einem Band zusammen, der verschiedene wichtige Stationen aus Levits Leben nachzeichnet. Stilistisch war es eher nicht meine Schreibe, trotzdem war es interessant, ein wenig hinter die Kulissen dieses Künstlerlebens zu schauen.
Leider - und das war für mich doch eine große Enttäuschung - ist dieses Buch wirklich nicht sehr angenehm zu lesen.
Dabei liebe ich die Musik von Igor Levit. Er ist ohne Frage ein Jahrhundertpianist und ein großer Künstler. Ich hatte große Erwartungen an ein Buch über diesen Pianisten.
Was stört mich so sehr an ‘Hauskonzert’? Vor allem, dass es völlig chaotisch und fragmentiert geschrieben ist.
Ich höre viel klassische Musik, entweder bewusst oder auch gerne mal nebenbei, zum Beispiel wenn ich ein Buch lese. An Silvester ist immer das Zeitfenster für Beethovens 9. Sinfonie aus dem Leipziger Gewandhaus geblockt. Und trotzdem ging Igor Levit an mir vorbei, bis er mir in eine Playlist eines Musik-Streamingdienstes gespült wurde.
Für mich war dies keine gewöhnliche, typische Biografie eines Musikers. Schon alleine deshalb, weil sie nicht chronologisch erzählt wird. Leser*innen erfahren die Geschichten aus Levits Kindheit und Jugend weniger durch Levit selbst, als durch Menschen, die ihm nahe stehen, wie seine Mutter. Sie erzählt von einem Kind, das immer schon zum Klavier gestrebt hat, letztlich dann aber auch nur ein normaler Teenager mit normalen Problemen war. Das hat das Buch unter anderem für mich auch sehr nahbar gemacht. Hier wird von keinem Wunderkünstler berichtet, sondern von einem normalen Menschen, der ebenso Schwierigkeiten ausgesetzt ist.
Auch die Verzahnung zwischen Levits Musikkarriere und seinem politischen Aktionismus fand ich sehr gut gelungen. Zinnecker gelingt es, nicht nur den Igor Levit der Öffentlichkeit, sondern auch den Menschen dahinter zu zeigen, ohne dass ein Charakter dem anderen die Glaubwürdigkeit abspricht.
Für mich eindeutig ein Buch, aus dem ich sowohl Hörempfehlungen als auch Gedankenanstöße mitnehme.
Berührend, ehrlich und inspirierend. Eine wunderbare Zusammenstellung zwischen Passagen im Hier und Jetzt sich befindend und Rückblenden auf seine Biografie und sein musikalisches Wirken. Es wird ein Jahr durchlaufen, wo Gefühle und Gedanken offengelegt werden, aber auch auf das politische Engagement eingegangen wird. Zinnecker/Levit verstehen es, das Ganze miteinander zu verflechten und Raum zu geben.