Ein dringend notwendiger Weckruf von Deutschlands bekanntestem Philosophen
In den Jahren 2020 und 2021, der Zeit der Covid-19-Pandemie, ereignete sich ein bemerkenswertes Schauspiel. Während der weitaus größte Teil der Menschen Empathie mit den Schwachen und besonders Gefährdeten zeigte, entpflichtete sich eine Minderheit davon und rebellierte gegen die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit aller Bürger. Für Richard David Precht ein Anlass, darüber nachzudenken, was eigentlich die Pflicht des Fürsorge- und Vorsorgestaates gegenüber seinen Bürgern ist und was die Pflicht seiner Bürger. Was schulden wir dem Staat und was sind die Rechte der Anderen auf uns? Die Frage führt ein Dilemma vor Augen: Auf der einen Seite sind wir darauf konditioniert, egoistische Konsumenten zu sein. Und auf der anderen Seite braucht der Staat zu seinem Funktionieren genau das Gegenteil, nämlich solidarische Staatsbürger. Könnte es da nicht hilfreich sein, das Pflichtgefühl der Bürger in der liberalen Demokratie durch zwei Pflichtjahre zu stärken? Eines nach dem Schulabschluss und eines beim Eintritt in die Rente, um allen Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich selbst in der Pflicht gegenüber dem Staat und auch gegenüber anderen zu erfahren?
Eine recht interessante Abhandlung über die Erwartungen an den Staat und was Staatsbürgertum beinhaltet.
Denn was bedeuten Gemeinschaft und Sozialverantwortung in einer Gesellschaft, die sich langsam aber sicher von einer Leistungsgesellschaft in eine Erfolgsgesellschaft verwandelt? Wenn Aufstiegsmöglichkeiten versiegen und jeder durch Konsumwirtschaft erzogen wird, nur sein eigenes Vorteil zu sehen? Erst dann wird das Klima unter den Menschen deutlich rauer und Gegenwehr gegen den Staat und seine Vertreter (Polizei, Feuerwehr) immer wahrscheinlicher.
Der Bürger ist nicht mehr Bürger, sondern Kunde, und der Staat - wie eine Pizzaservice - soll liefern! Und falls nicht, schlechte Bewertung öffentlich machen und Kündigung der Sozialkontrakt!(Querdenker, Corona-Gegener)
Ein Stern Abzug weil in Kapitel 1, Precht seinen Hass auf die Dummheit der Querdenkerszene voll auflaufen lässt. Man bekommt den Eindruck, dass das Buch deshalb geschrieben wurde: Um Prechts Wut auf die Menschen, die während der Pandemie keinen Abstand gehalten haben und partout keine Masken tragen wollten, ein Ventil zu geben.
Ab Kapitel 3 wird es aber weniger emotional und mehr eine philosophische "Betrachtung," was das Buch ungemein gut tut.
Fulminates Essay über Pflichtethik und die Gründe für einen missverstandenen "Widerstand" gegen die Corona- Maßnahmen. Precht zeigt, wie überbordender Konsumismus und das Abrücken von einer Leistungs- hin zu einer Erfolgsgesellschaft, die notwendig das EGO ins Zentrum der Anerkennung wie der (Selbst-)Bewunderung stellt, Entsolidarisierung nach sich ziehen. Während der liberale Sozialstaat seine Pflicht zu positiver "Biopolitik" (Foucault), also zu einem an der Kantischen Ethik orientierten Schutz eines jeden individuellen Lebens nachkommt, vertreten seine leerdenkenden Gegner eine andere Art von Biopolitik, die erklärt, warum sie widerstandslos an der Seite von Nazis mitlaufen. Sie teilen vielleicht nicht deren Äußeres und Gestus, sind aber wie diese davon überzeugt, dass der "Auslese" sowohl in wirtschaftlicher (Konkurrenz) als auch in gesundheitlicher Hinsicht Priorität vor solidarischem Miteinander einzuräumen wäre. Precht mach auf den Widerspruch aufmerksam, der darin besteht, dass der liberale Sozialstaat seine Grundlagen nicht schaffen, sondern nur voraussetzen kann. Das meint, dass ein gewisses Maß an Solidarität und Übereinstimmung mit Verfassungsgrundsätzen notwendig ist, da allenfalls aus dem libertären Staat eine Diktatur werden muss. Was aber tun, wenn die Gemeinwohlorientierung (Pflicht!) ab- und der (Wirtschafts-) Egoismus zunehmen? Am Ende des Essays wiederholt Precht altbekannte Vorschläge zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zu einem sozialen Pflichtjahr sowohl für Schulabgänger als auch für Menschen, die in die Rente eintreten. Zweifellos eine originelle Idee, deren juristische und Akzeptanzprobleme sie allerdings ins Reich der Utopie verweisen. Utopien sind notwendig und nicht an sich zu kritisieren, aber hier liegen sie nicht wirklich ausgearbeitet vor. Aus diesem Grund halte ich den Text, der ansonsten Wohlbekanntes in Prechtscher Zuspitzung enthält und also durchaus lesenswert ist, nicht für ganz gelungen. Schade sowieso, dass ihn wieder nur Leute lesen werden, die der Autor eh nicht überzeugen muss. Aber das ist die allgemeine Schwäche intellektueller Aufklärung. Was tun?
Er hat schon gute Ansätze, aber ich verstehe diesen Mann einfach nicht. Ich würde allerdings gerne (I think!?), denn es ist schon faszinierend, wie man zu diesen eigentlich weltbewegenden Erkenntnissen kommt, und es dabei wiederum schafft so viel privilegierte und seltsame Weltansichten in die Ausführungen einzubringen.
Precht ist 50% toll und 50% absoluter Vollcringe. Irgendwie ein Mysterium.
Anlässlich der Corona-Pandemie analysiert Precht das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern. Er stellt die Entwicklung des Staatsverständnisses seit der Neuzeit dar, und leitet ab, dass der Staat in einem bestimmten Ausmaß das Recht hat, die Freiheiten seiner Bürger einzuschränken. Diesen historischen Überblick fand ich sehr interessant, und er hat meinen Blick auf die Rolle des Staates in der Gesellschaft durchaus verändert.
Ich habe aus dem Buch mitgenommen, dass liberale Gesellschaften für ihr Funktionieren auf das aktive Engagement ihrer Bürger angewiesen sind, letztere aber aus verschiedenen Gründen immer weniger dazu bereit sind. Mich hat das Buch dazu angeregt, darüber nachzudenken, was ich eigentlich selber für die Gesellschaft tue.
Ein lesenswertes Buch, zumal die Themen Pflicht und Verzicht vor dem Hintergrund von Ressourcenmangel und Klimawandel in Zukunft wohl noch wichtiger sein werden. Nur 4 Sterne, weil der Umfang des Buches recht knapp ist und einige Punkte noch ausführlicher dargestellt und mit Beispielen hätten vertieft werden können.
"Ein Land, in dem der Individualismus nur noch in Form des Egoismus auftritt, wird brüchig und instabil."
Ich glaube, etwas Ähnliches schon beim Buch "Jäger, Hirten, Kritiker" über Herrn Precht geschrieben zu haben: Ich war mal ein großer Fan. Ich fand seine frühen Bücher ("Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?") gut als kurzweilige Einführungen in die Philosophie. Und ich habe auch begeistert Beifall geklatscht dafür, dass er den Elfenbeinturm verlassen hat und versucht, die Philosophie durch Diskussionen, Fernsehsendungen etc. in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Aber argumentativ begeistert er mich immer weniger. Die letzten Bücher - und auch dieses - sind von deutlicher Negativität, so dass ich mich schon bei dem Gedanken ertappt habe, ob da jemand alt wird und daher immer öfter davon erzählt, dass früher alles besser war. War es nicht, ganz sicher. Natürlich kann man auf die Corona-Situation schauen und sich über die Verantwortungslosen aufregen, für die schon das Tragen einer Maske zu viel der Rücksichtnahme ist. Aber man könnte auch feststellen, dass ein überwältigender Teil der Bevölkerung die Einschränkungen des letzten Jahres mit großer Geduld und trotz teilweise erheblichen persönlichen Folgen mitgetragen hat.
Was ich auch nicht gut fand, war die Unterstellung, dass Teilnehmer an Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung einfach aus mangelnder Empathie für ihre Mitmenschen maximale Freiheitsforderungen stellen. Nun will ich nicht leugnen, dass es solche Leute gibt und dass manche von ihnen auch recht laut sind, aber bei vielen Demonstranten habe ich im Gegenteil den Eindruck, dass sie sogar WEGEN ihrer Empathie dabei sind: Weil sie Mitmenschen - Kinder, Jugendliche, Selbständige, Menschen in Frauenhäusern, Pflegeheimen oder mit psychischen Erkrankungen - haben leiden sehen und einen Aufschrei "So könnt ihr die doch nicht behandeln" wagen wollten. Natürlich haben diese Menschen nicht alle Philosophie studiert (noch so ein ärgerliches Argument: Wer keine entsprechende Ausbildung hat, möge sich doch bitte kein eigenes Weltbild zusammenbauen), und so mancher tappt auch in die üblichen Fallen des intuitiven Denkens. Aber den Egoismus, den Precht ihnen hier unterstellt, kann ich in vielen Fällen nicht erkennen.
Auch sonst fand ich die Argumentation immer wieder zweifelhaft. So erklärt der Autor, dass man in Deutschland ja dem Denken Kants verhaftet sei und dass so etwas wie der Utilitarismus eher den Angelsachsen vorbehalten sei - als sei das ein Argument für die Gesinnungs- und gegen die Verantwortungsethik! Zumal ich bezweifle, dass die Aussage überhaupt stimmt. Zwar entspricht sie sicherlich dem aktuellen geisteswissenschaftlichen Mainstream, aber ich denke nicht, dass der Großteil der Deutschen das genauso sieht.
Und auf die eigentliche Frage - welche Pflichten haben wir denn jetzt genau gegenüber dem Staat? - bietet das Buch auch keine wirkliche Antwort. Gerade der Teil, wo es wirklich schwierig wird (der Güterabwägung nämlich), wird einfach ausgespart, stattdessen wird dann das Thema gewechselt.
Gegen Ende kommt der Autor so zunehmend von Hölzchen auf Stöckchen. Im vorletzten Kapitel wird der Kapitalismus zum Alleinschuldigen für die aktuellen gesellschaftlichen Probleme erklärt, was zumindest nicht unumstritten ist und daher deutlich besser begründet werden müsste (wahlweise ist es ja derzeit auch der Liberalismus, das Internet, der Postmaterialismus, der Konstruktivismus oder was weiß ich). Und im letzten Kapitel wiederholt der Autor seine Thesen zum sozialen Pflichtjahr für junge Erwachsene und Rentner, denen ich zwar durchaus positiv gegenüberstehe, bei denen ich aber nicht glaube, dass sie die im ersten Teil des Buches geschilderten Probleme wirklich lösen würden.
Zusammenfassend enthält das Buch zwar viele Ideen und Denkanstöße, wirkt auf mich aber an vielen Stellen nicht überzeugend begründet. Dafür wird es aber mit umso größerer Überzeugung geschrieben. Vom Aushängeschild der deutschen Philosophie hätte ich mir da mehr erhofft.
no, na, net... Precht-typisch - wie immer sehr scharfsinnig beobachtet und zu Papier gebracht. Ich finde seinen Vorschlag mit den beiden sozialen Pflichtjahren (nach Schulabschluss und mit Eintritt in die Rente) sehr interessant. Es wäre schön wenn mehr Menschen dieses Buch lesen würden. Vor allem auch außerhalb seiner Blase, an die es meiner Meinung nach auch gerichtet sein sollte. Für alle Precht-Kenner und Welt-interessierten Leser bietet es, bis auf ein paar "Ja genau" und "ganz meiner Meinung", leider nicht viel Neues.
Dass sich auch irgendwann die deutschen Denker:innen via Buch zu dem Thema Corona zu Wort melden, war abzusehen. Nachdem der Soziologe Bruno Latour und der Philosoph Slavoj Žižek bereits letztes Jahr Texte zu Corona veröffentlicht haben, hat nun auch der deutsche Philosoph Richard David Precht mit seinem Buch „Von der Pflicht: Eine Betrachtung“ einen Beitrag dazu geleistet.
Ausgangspunkt für Prechts Betrachtung der Frage nach der Pflicht, ist die Corona-Pandemie. Damit verbunden sind die Fragen: Welche Pflichten haben Bürger:innen gegenüber dem Staat und welche Pflichten muss der Staat gegenüber den Bürger:innen erfüllen. Als Beispiel wählt er das Grundgesetz. Der erste Artikel lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Precht erläutert, dass der Staat Grundrechte gegeneinander abwiegt, um Leben zu schützen. Das Recht auf Leben steht nicht über dem der Würde, aber ist es nicht die vitale Basis aller Rechte? So sollen die Bürger:innen im Gegenzug die Kontaktbeschränkungen hinnehmen ,um Menschen das Leben zu retten. Weiter argumentiert Precht, dass ein fehlender sozialer Zusammenhalt unter den Menschen die Spaltung in der Bevölkerung nur verstärkt. Sein Vorschlag: Eine Gesellschaftspflicht für Jung und Alt. Menschen frisch in der Rente und Schüler:innen nach dem Abschluss, sollen verpflichtend ein soziales Jahr absolvieren. In Prechts Vorstellung helfen die jungen Menschen den älteren und umgekehrt. So wäre beiden Gruppen geholfen und die Kompetenz der sozialen Empathie würde gestärkt werden.
Die obligatorische Kritik am bestehenden Kapitalismus darf bei einem Buch über die Gegenwart nicht fehlen. Precht bespricht in seinem Buch die Probleme unseres kapitalistischen Systems und versucht ein Umdenken zu erreichen. Gleichzeitig fordert er wiederholt das bedingungslose Grundeinkommen.
„Von der Pflicht“ ist ein durchaus guter und wichtiger Beitrag zur aktuellen Debatte. Es liefert Anstöße, über die es sich loht genauer nachzudenken, besonders das vermeintlich fehlende soziale Bewusstsein, aber auch die Idee der Gesellschaftspflicht.
This is an excellent, well researched, well founded and very well explained observation of the phenomenon of objections to and in part violent protest against the restrictions placed on society by the government in an effort to protect the public from the disastrous Covid-19 pandemic. I can recommend it to everyone, on both sides of the argument.
Ich habe fast alle seine Bücher gelesen und das war sein vielleicht schlechtestes ! Ich habe mir mehr davon versprochen. Die 2 sozialen Pflicht Jahre sind das einzige was bei mir hängen geblieben ist :/ schade ich hoffe sein nächstes Buch wird wieder besser
Bis auf wenige Nuancen bin ich auf gleicher Linie mit dem Autor. Es ist immer angenehm zu lesen, wenn andere die eigenen Gedanken in bessere Worte packen. Dafür ist Richard David Precht meist gut zu gebrauchen. Schade nur, dass das Buch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von denjenigen gelesen wird, die es eigentlich müssten. Erst auf den letzten 20 Seiten präsentiert er sein Konzept vom sozialen Pflicht-bzw Gesellschaftsjahr. Ich finde es gut und umso besser, dass er es nicht zum zentralen Thema gemacht hat, obwohl ich auch hier mit ihm auf einer Linie bin.
Der Inhalt dieses Buches wirkt wie ein Text, der innerhalb von 1-3 Tagen bei schlechter Laune runter geschrieben wurde und ohne anschließende Revision in den Druck gegeben wurde.
Von einer Beobachtung kann hier kaum die Rede sein, es sind eher wirklich sehr subjektive Eindrücke. Subjektiv, da die Quellenlage erschreckend schlecht ist (Menge als auch Qualität der Quellen). Es ist keine klare Struktur erkennbar. Precht reproduziert Rassismus (Bsp. “arabische Finsterlinge” sic!) und Klassismus (Bsp. “Hartz-IV-Karriere”). Punkte werden in den Raum gestellt und nicht näher erläutert (Bsp.: aufstellen der These das Menschen durch den Gebrauch von digitalen Medien unfreier werden, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dieser Punkt wird nicht weiter ausgeführt und es wird auch nicht deutlich, wie sich dies in die Pflichten der Bürger:innen einen “Für- und Vorsorgestaates”, um es in den Worten von sprecht zu sagen, einfügt). Das Buch wird damit abgeschlossen, dass Precht für seinen Vorschlag eines “Gesellschaftsjahres” plädiert und sich der Kritik stellt, welche anscheinend öffentlich daran geübt wurde. Finde ich stilistisch schwierig, da hier natürlich keine Debatte stattfinden kann, wenn er nur Gegenargumente entkräften will, ohne sich jeglicher Kritik wirklich anzunehmen. Das Buch wird dann abgeschlossen mit einem Satz der im Sinn das Gleiche ist wie “Wenn ihr meine Idee doof findet, dann überlegt euch doch was besseres!”. Auch hier wird wieder nicht deutlich, wie dies im Zusammenhang zum eigentlichen Thema des Buches steht.
Dieses Buch wirkt eher wie eine Spielwiese für alles, was Precht unbedingt mal sagen wollte, was wage mit dem Thema von gesellschaftlichen Pflichten und Solidarität zu tun hat. Jedoch ohne Struktur oder Tiefe. Dabei kommt kein neuer oder kreativer Gedanke, auch seine Kapitalismuskritik, welche er sich nicht traut als solche zu benennen, geht nicht über die hinaus, welche man auch am Küchentisch einer PoWi WG hören würde.
Auch sprachlich ist das Buch wirklich eine Tragödie. Während das erste Drittel von Hochgestochenheit trotzt, verliert er dann wohl selbst den Spaß an seinen unnötig komplexen Schachtelsätzen und kommt wieder auf den Boden. Einfach lächerlich, wenn ein Buch so wirkt als hätte ein 16 jähriger das Bedürfnis seinen kompletten Wortschatz zur Schau zu stellen. Hier ein bisschen französisch, da bisschen Wortneuschaffung, dann noch unendliche lange Ausführungen, die keinen Mehrwert schaffen.
Man will Precht ‘ne Chance geben und verstehen, wieso dieser Mann sich für so wichtig und intelligent hält. Aber ciao ich checks nicht. Das war so einfach auseinander zu nehmen, wieso dieses Buch einfach Schmarrn ist. Schade, weil viele seiner Thesen echt interessant und gesellschaftlich sicher relevant waren. Halt doof, wenn man gleichzeitig so unsauber und anspruchslos schreibt.
Nach den letzten Aussagen des Autors über die Impfung hätte ich das Buch nicht mehr gekauft, aber nun stand es im Regal. Ich habe wenig neues mitgenommen und fand auch den Aufbau nicht immer schlüssig. Mir hat an einigen Stellen eine Erklärung des Gedankenganges oder eine Vertiefung gefehlt. Andere Rezensionen nutzen das Wort "polemisch", ja, das beschreibt es bezogen auf manche Stellen im Buch gut.
Die kleinen Exkurse in die Pflichtethik sind ja noch halbwegs interessant, aber leider auch sehr kurzweilig. Meist werden sie durch die nächste unausgereifte Idee unterbrochen, die nun auf 1-2 Seiten in meist platter Polemik dargelegt wird. Das ist sehr traurig, denn das sprunghafte Beschreiben, dass sich streckenweise wie der Twitter-Feed eines Chihuahua auf Crack liest, lenkt vom unglaublich wichtigen zentralen Argument des Buchs ab - nämlich das Rechte und Pflichten sowohl auf Seiten des Staates als auch auf Seiten seiner Bürger für ein gängiges Zusammenleben unabdingbar sind und dass sich die Balance dieser immer wieder situationsbedingt verändert und neu ausgehandelt werden muss. Um dieses Argument zu machen, muss man aber nicht das gesamte liberale, linke und rechte politische Spektrum mit hanebüchenden Vergleichen durch den Dreck ziehen. Damit begibt sich Precht viel mehr in die Ecke der “Das wird man ja wohl mal sagen dürfen”-Fraktion, als ihm lieb sein kann, wo es doch eben diese ist, die er zu kritisieren sucht. Ich mag Precht in vielen seiner Auftritte, aber seine Bücher spar ich mir wohl lieber. Ein langsames Medium verdient nicht die gleiche Behandlung wie Fernsehen oder Internet.
Richard David Precht zeigt anhand der Corona-Pandemie, dass nicht nur der Staat Rechte und Pflichten uns gegenüber hat. Auch wir haben Pflichten, die dem Staat und dem Allgemeinwohl zugute kommen.
Wie sehr dieses Pflichtgefühl in den letzten Jahrzehnten allerdings abgenommen hat verdeutlicht sich in der Pandemie. Querdenker-Demos, Vorwürfe der Diktatur und Freiheitsberaubung und Empörung ohne Gleichen. Diese Dinge prägen die Medien, auch wenn nur ein geringer Teil der Bevölkerung solche Denkweisen pflegt und zeigt. Precht erläutert, warum es wichtig ist, dass der Staat beispielsweise das Freiheitsrecht einschränkt:
Während Precht diese Abwägung rechtfertigt, kritisiert er aber auch viele Punkte.
Das sind zum einen die "weitreichenden Maßnahmen" und Verantwortlichkeit "für den Schutz menschlichen Lebens" in der Pandemie. Während Epidemiologen wie nie zuvor im Fokus der Medien und Beratung stehen, wird auf Wissenschaftler des Klimawandels weiterhin kaum gehört. Zurecht fragt Precht daher, warum bei "ebenfalls kollektiv bedrohlichen Risiken" keine solche Maßnahmen ergriffen werden?
Zum anderen bringt er Vorschläge wie seinen Vorschlag zur Einführung von zwei sozialen Jahren unter. Eines nach der Schule und eines vor Rentenbeginn. So würden soziale Berufe möglicherweise attraktiver, auf jeden Fall aber ein Eindruck bei den Menschen erweckt und den Branchen mit viel Unterstützung geholfen. Die Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst sieht er weiterhin kritisch. Denn: Menschen, die in der Pflege, in Krankenhäusern, bei Ärzten usw. arbeiten, finden sich wahrscheinlich selten auf Querdenker-Demos.
"Grundrechte können nur dann ausgelebt werden, wenn der Staat das Seine dafür tut, ein solches Ausleben auch zu ermöglichen."
Spannende Gedankengänge, logische Argumentationen und lösungsorientierte Vorschläge prägen Richard David Prechts "Von der Pflicht". Während der Staat den Rahmen für ein Leben mit gesundheitlicher, finanzieller und rechtlicher Sicherheit bietet, fordert er auch einige Pflichten von seinen Bürgern.
Diese Pflicht ruft Precht sehr deutlich ins Bewusstsein. Ohne belehrend zu wirken bewirkt das Buch eine Reflexion seiner eigenen Denkweise. Vieles spricht er auch in den omnipräsenten Medienauftritten an. Die Ausführungen im Buch ersetzen diese Einblicke allerdings nicht.
Eine Empfehlung für die Zeit während und nach der Pandemie!
Ich würde dieses kurze Buch bloß zögerlich einer Freundin empfehlen.
Leider wird durch die ganze Schrift hinweg sarkastisch und zynisch über Querdenker hergezogen. Ja, es gehört sich Teile dieser Bewegung zu kritisieren, zumindest die extremen unter ihnen, aber nur um Precht's Tiraden zu lesen habe ich mir dieses Buch nicht gekauft. Dass extreme Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker den Schuss nicht gehört haben ist klar, aber auf die wirklich schwierige Frage, wie weit die Pflicht geht und wo vielleicht Freiheiten und Pflichten aufeinander stoßen geht Precht nicht wirklich ein. Wer sich eine Diskussion über Verhältnismäßigeit erhofft, geht leider leer aus.
Dennoch nennt Precht einige interessante Ideen aus der Staats- und Moralphilosophie. Erklären tut er sie leider kaum, offenbar setzt er vorraus, dass der/die Leser*in bereits informiert ist? Er erwähnt die Entstehung der Grundrechte, die Ideen des Liberalismus zur Freiheit von staatlicher Gewalt und Willkür (die sich hauptsächlich auf die persönliche Entfaltung und den Besitz beziehen) und geht dann über zu der Entwicklung des Wohlfahrtsstaates, der nun durch Gesundheitspolitik wieder Einfluss auf die Körper der Bürger nimmt. Die Analysen von Foucault zur "Biopolitik" sind hier wirklich interessant (Kapitel 2).
Auch interessant ist die Diskussion, inwiefern ein Staat vielleicht in der Pflicht gegenüber seinen Bürgern steht in die indivuduelle Freiheit einzugreifen, um die Schwachen zu schützen. Was ist menschenwürdig und stehen sich Solidarität und Freiheit gegenseitig im Weg (Kapitel 3)?
Daraufhin beklagt sich Precht über den Verfall von Tugenden, über eine Entfremdung und Empathielolsigkeit der Bürger, die er auf das kapitalistische Wirtschaftssystem zurück führt. Die Menschen würden sich vom Staat versorgen lassen, aber ihre eigenen Pflichten nicht wahrnehmen wollen (Kapitel 5). Deshalb schlägt er in Kapitel 6 zwei Pflichtjahre vor: Eines für Schulabgänger und eines für fitte Renter. Für meinen Geschmack zu viel von sich-beschweren, aber dennoch ein paar interessante Ideen!
Eine interessante Betrachtungsweise, in welchem Verhältnis Pflicht und Verantwortung von Staat und auch Bürgern stehen, mit direktem Bezug auf das Handeln in der Corona Krise.
Precht beschreibt ein schwindendes Pflichtbewusstsein und mögliche Gründe dafür. Am Ende des Buches schlägt er vor, man könne dieser Entwicklung mit der Einführung zweier sozialer Pflichtjahre entgegenwirken (eines für Schulabsolventen und eines für Rentner). Ob man die Analyse teilt oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden, aber eine Auseinandersetzung mit der Frage, wo man seine eigene Verantwortung in der Gesellschaft sieht, ist sicherlich nicht verkehrt.
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Mir gefällt die Zugänglichkeit, mit der Precht komplexe philosophische, politikwissenschaftliche und soziologische Theorien aufbereitet. Seine Argumentation folgt sinnvoll und gut verknüpft aufeinander, es hat tatsächlich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Am Ende schlägt er verpflichtende soziale Jahre für alle Bürger*innen in der Jugend und zu Beginn der Rente vor, ein spannendes Konzept über das sich sicher einige Gedanken machen lässt. An einigen Punkten fand ich hier seine Argumentation leider nicht vollständig überzeugend.
Der letzte Precht ist noch nicht ganz trocken, schon kommt der nächste, doch Philosophen haben immer eine Meinung und das ist gut so.
Für viele auch umstritten, mag jeder für sich selbst beurteilen, doch die Frage zu stellen, welche Pflichten ein Bürger in Deutschland heute noch hat und was zum Teil erwartet wird, ist in dem Essay gut ausgearbeitet. Wie kommt es zu den „Querdenkern“ und wer macht unter deren Deckmantel alles mit.
Ich habe schon lange kein Buch mehr von solch gesellschaftlicher Relevanz gelesen. Precht konnte mir Standpunkte näher bringen, die ich aus meiner studentischen, privilegierten Warte noch niemals in Betracht gezogen habe. Dass der Staat mir mehr schuldet als ich ihm, war immer meine unterbewusste Annahme gewesen. Jetzt bin ich dazu angehalten, diesen unreflektierten Gedanken zu hinterfragen.
Ein schnell lesbarer und leicht verdaulicher, wenn auch dadurch nicht weniger interessanter Essay in Buchform. Precht beschreibt den bedauerlichen Nebeneffekt der freien Demokratie, nämlich dass sich in ihr aufgrund der herrschenden Freiheit auf Dauer die Menschen abgewöhnen, sich dem Gemeinwohl verpflichtet zu fühlen. Eine schöne Analyse zum momentanen Ausnahmezustand - ich fürchte nur, dass diejenigen, die dieses Buch am dringendsten bräuchten, es niemals lesen werden.
Der auf dem Cover abgebildete, rote Faden fehlt mir teilweise, bzw. Precht holt sehr weit aus. Hierbei sind sowohl seine Kritik an den Covidioten als auch sein Vorschlag zu zwei Pflichtjahren logisch und wünschenswert.
Höchst interessante Erklärung wie die heutigen, modernen Staatsformen ohne Pflichtbewusstsein der Bürger:innen nicht funktionieren können und wie die Wirtschaft durch das Fördern des individuellen Vorteils dieses Pflichtbewusstsein für die Gesellschaft langsam aber konsequent auflöst.
Eigentlich schönes Buch über Rechte und Pflichten. Leider schwingt im letzten Drittel ein Teil der Zeit schlechte und unbegründete linksidiologische Kapitalismuskritik mit. Diese Mindert leider das Buch massiv.
Überraschend neu ist die Denkweise Richard David Prechts nicht, aber so scharfsinnig auf den Punkt gebracht, dass man alle paar Seiten „Ja genau!“ rufen möchte. Dazu wahnsinnig treffend formuliert. Sowohl für die ehemalige Philosophie-Studentin als auch die Germanistin in mir ein Genuss.
Ein kurzes Buch über die Beziehung von einem Staat und seinen Bürgern. Es wird versucht zu erklären wieso die Bürger gleichzeitig mehr vom Staat erwarten und weniger bereit sind etwas für den Staat zu tun. Insgesamt ziemlich interessant und Gedanken anregend, allerdings auch ziemlich kurz.