Johanna Burger lebt allein mit ihren fünf Hunden in der Nähe des Dorfes Belmonte in einem einsam gelegenen Haus, der Villa Fortuna. Eines Tages taucht ein junger Amerikaner, Michael, bei ihr auf. Er behauptet, Johannas Sohn zu sein und besitzt sogar eine Geburtsurkunde, die das beweist. Als sie es dennoch abstreitet, nistet sich Michael bei ihr ein. Lange Verdrängtes steigt wieder hoch, auch die schrecklichen Geschehnisse im Entbindungsheim für »gefallene Mädchen« im Allgäu. Sie führten Johanna bis nach Belmonte, zu Gabriella Moretti, die ein ähnliches Schicksal teilt. Zwei Frauenleben zwischen dem Allgäu und den italienischen Marken, zwischen Anpassung und der Suche nach Freiheit, bestimmt von Familie, Liebe und Verrat.
Vor zwei Jahren habe ich von der Autorin Antonia Riepp ihren Roman "Belmonte" vorablesen dürfen und war begeistert. Dass daraus eine Trilogie entstehen wird, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Letztes Jahr habe ich dann "Villa Fortuna" gelesen und momentan lese ich den dritten Teil "Santo Fiore". Deshalb ist es auch an der Zeit endlich die Rezension zum Vorgänger zu posten.
Ganz so begeistern wie "Belmonte" konnte mich der zweite Band nicht, aber im Großen und Ganzen hat mir der Roman wieder gut gefallen. Vorallem hat er ein Thema, das mich immer wieder interessiert. Wir sind auch diesmal wieder in Italien. Die Deutsche Johanna Burger lebt zurückgezogen in den italienischen Bergen, wo sie ein einfaches und beschauliches, ganz der Natur verbundenes Leben führt. Gemeinsam mit ihren fünf Hunden genießt sie die Abgeschiedenheit und schützt sich mit ihrer Schrotflinte vor ungebetenen Besuchern. Doch eines Tages steht der 44-jährige Michael Doyle vor ihr. Er lässt sich nicht einschüchtern und behauptet Johanna wäre seine Mutter und die Geburtsurkunde, die er vorzeigt, würde dies beweisen. Doch Johanna streitet die Mutterschaft vehement ab, bietet ihm aber an, eine Weile zu bleiben, wenn er sich im Haus nützlich macht. Nach und nach fasst Johanna Vertrauen zu ihrem Besucher, der bald ein Auge auf Flavia wirft, die im Lebensmittelladen in Belmonte arbeitet...
Nach und nach erfährt der Leser mehr aus der Vergangenheit von Johanna. Wir gehen zurück in die Siebziger und Achziger Jahre, als Johanna als junges Mädchen ungewollt schwanger und von ihrer Mutter in ein katholisches Entbindungsheim im Allgäu geteckt wird. Diese Heime für "gefallene Mädchen" sind ein Thema, das mir immer wieder die Haare zu Berge stehen lässt. Jedes Mal bin ich einfach nur schockiert, was diese jungen Mädchen durchmachen mussten und vorallem, dass es diese Heime noch vor fünfzig oder sechzig Jahren gab. Man befindet sich nicht im Neunzehnten, sondern im Zwanzigsten Jahrhundert und oftmals lesen sich die Erzählungen wie aus einem Thriller oder Horrorroman. Auch Johanna erlebt in dieser Zeit Grausames und muss auf Druck ihrer Familie das Kind zur Adoption frei geben. Dieses traumatische Ereignis begleitet Johanna ihr ganzes Leben und verbindet sie auf schicksalshafte Weise mit Gabriella Moretti.....
Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit Johanna gehen wir zurück in die Jahre 1974-1976, sowie ins Jahr 2006. Durch Kapitelüberschriften mit Orts- und Zeitangaben kann man den einzelnen Handlungssträngen und Zeiten problemlos folgen.
Trotz des schweren Themas ist „Villa Fortuna“ ein unterhaltsamer Roman, bei dem eine feine Prise Humor die Geschichte auflockert. Zusätzlich bringt uns Antonia Riepp, in wunderbar lebendigen und sehr bildhaften Beschreibungen, die Gegend rund um Belmonte näher und lässt uns am Leben im beschaulichen Dorf und ihren temperamentvollen Bewohnern teilhaben. Sie überrascht auch mit unerwarteten Wendungen, die die Geschichte nicht vorhersehbar machen, auch wenn man nach einer bestimmten Zeitspanne denkt, man weiß wie es weitergeh wird....falsch gedacht!
Obwohl "Villa Fortuna" zur Reihe gehört hat die Autorin einen anderen Weg in ihrer Trilogie gewählt. Für ihre Nachfolgebände hat sie nicht eine Figur oder Familie gewählt, sondern erzählt die Geschichte der Region, der Landschaft und den Menschen, die dort wohnen. Irgendwie sind aber trotzdem viele miteiander bekannt oder verwandt und so trifft man immer wieder auf bekannte Figuren, die an anderer Stelle bereits erwähnt wurden oder deren Schicksal wir bereits kennen. So sind auch die beiden Romane "Belmonte" und "Villa Fortuna" extrem unterschiedlich und kann sie unabhängig voneinander lesen.
Fazit: Ein intensiver Roman, der mir gut gefallen hat und ein sehr bewegendes Thema hat. Trotzdem mochte ich den ersten Band der Trilogie lieber, auch wenn er etwas leichtere Kost war.
Habe den ersten und dritten Teil dieser Reihe letztes Jahr gelesen und dachte der Mittelteil wird nicht ganz so gut, weil es auch andere Personen ins Zentrum stellt. Aber ich wurde positiv überrascht, ich war sofort im Plot drin und wurde mit der etwas ruppigen Hauptperson schnell warm. Bis zum Schluss hält das Buch Wendungen und Überraschungen bereit, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hätte - wahrlich eine interessante Familiensaga. Habe sehr mitgefühlt mit der Hauptperson und sie hat mir sehr Leid getan, wie sie von ihrer Mutter behandelt wurde und diese nicht einmal Einsicht gezeigt hat.