Elise Downing ist an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie nicht sein wollte. Ihr Traumjob beschert ihr nicht das Leben, von dem sie geträumt hat und ihr Traumprinz entpuppt sich als Frosch. Am liebsten würde sie davonlaufen und genau das macht sie auch: nämlich einmal um Großbritannien herum. Das ist schon für trainierte Ultraläufer ehrgeiziges Unternehmen. Aber 8000 Kilometer, ohne jegliche Erfahrung oder Navigationskenntnisse zu laufen, ist ein mehr als gewagtes Unternehmen.
Elise ist sich bewusst, wie verrückt ihr Plan ist. Das wissen auch ihre Familie und Freunde, aber sie stehen bedingungslos hinter ihr. Auch als sie bei Läufern, die schon ähnliche Unternehmungen hinter sich haben, um Rat fragt, bekommt sie nur Unterstützung. Alle haben keinen Zweifel, dass Elise es schaffen wird. Alle bis auf eine- Elise selbst.
Sie kommt sich manchmal wie eine Betrügerin vor. Ihre Pläne, im Zelt zu übernachten, schiebt sie schnell beiseite. Das liegt zum einen daran, dass sie im Winter startet, was selbst für begeisterte Camper nicht die bevorzugte Jahreszeit ist. Der andere Grund ist, dass Elise von Anfang an von Unterkunft zu Unterkunft von ihren Gastgebern förmlich weitergereicht wird. Später kommen noch die sozialen Medien dazu, die Elise und ihren Lauf immer bekannter machen und ihr so mehr und mehr Möglichkeiten bringen.
Aber die sozialen Medien machen es ihr auch manchmal schwer. Dort wird sie als Heldin gefeiert, dabei fühlt sie sich manchmal nicht einmal wie eine echte Läuferin. Elise macht für ihr Empfinden zu viele Fehler: Anfängerfehler und auch solche, die sie wider besseres Wissen macht. Aber sie steht dazu und erzählt über jeden einzelnen sehr humorvoll, auch wenn es sich sicherlich nicht so angefühlt hat.
Ich muss gestehen, dass ich Elises Plan für zu groß für sie hielt. Aber gerade das macht ihre Geschichte für mich aus. Sie macht ihre Reise für sich selbst und nicht für ihr Publikum. Das überlässt sie anderen und auch da gibt es eine charmante Geschichte von einem Treffen mit Sean Conway, den ich für seine Unternehmungen sehr bewundere, der aber auch immer sein Publikum bedienen will und deshalb schon mal den gleichen Hügel dreimal hochradelt, damit es gut aussieht.
Elise Downing zeigt, dass es manchmal nur eine Idee braucht, so verrückt sie auch sein mag. Alles andere kommt dann zwar nicht von selbst, aber auf dem Weg.