Noah Clines Job ist es, Menschenleben zu beenden. Er ist jedoch kein Auftragskiller, sondern Abschalter bei der regierungseigenen Krankenversicherung. Seit der Lebensepidemie Ende des 21. Jahrhunderts haben Menschen eine Lebenserwartung von 140 Jahren. Doch fallen laufend junge und alte Personen auf unerklärliche Weise ins Koma. Und diese müssen, wenn kein Angehöriger für sie bezahlen kann, abgeschaltet werden.
Eines Tages entdeckt Noah etwas, das er besser nicht gesehen hätte. Eine grausame Wahrheit, die er ans Licht bringen will. Dazu schließt er einen Pakt mit einer Künstlichen Intelligenz, die allerdings nicht die einzige KI an seiner Seite ist.
Eine leidlich spannende Geschichte über eine Welt, in der Menschen durch einen Virus eine Lebenserwartung von 140 Jahren haben, wobei aber viele Menschen als Nebenwirkung des Virus irgendwann ins Koma fallen und wenn ihre finanziellen Ressourcen ausgeschöpft sind von dafür speziell ausgebildeten Personen “abgeschaltet” - also getötet - werden. Beherrscht wird die Welt letztlich von der regierungseigenen Krankenversicherung. Der Protagonist arbeitet bei dieser Versicherung als “Abschalter”, er entdeckt etwas und versucht, diese Entdeckung gegen Widerstände ans Licht zu bringen. Dabei entwickelt sich eine Familiengeschichte, in die auch seine Frau, seine Schwester und seine Eltern verwickelt sind, ohnehin scheint seine Familie das Zentrum der Welt zu sein. Parallel wird das Entstehen einer Künstlichen Intelligenz geschildert, eben des namensgebenden “Passepartout”, dessen “Logfiles” einen interessanten Teil des Romans ausmachen. Hier schildert Passepartout ses (nicht “seine” oder “ihre”) Gedanken. Das Buch gendert ein wenig, die KI versteht sich weder als männlich noch als weiblich. Es werden also wohldosiert neue Personalpronomen (ser, ses, sem, sen) eingesetzt, für die KI und noch an anderen Stellen. Dies geschieht aber unaufdringlich und beim ersten Mal dachte ich schon, ich hätte mich verlesen. In einem Anhang (einem “Spickzettel”) wird das zugehörige Konzept erklärt und ich fand dies gelungen und nicht so störend wie andere Methoden. Ein Glossar erklärt außerdem einen Schwung neuer oder neu definierter Begriffe der Welt.
Vor allem der Weltenbau in diesem Buch hat mich nicht wirklich überzeugt: nach den vielen Logfiles der KI spielt es im Jahre 2197, was man aber kaum glauben mag, denn dafür wirkt die Welt zu sehr wie heute. Mir kam alles zu zentriert auf die Familie vor, die größere politische Lage wird nicht geschildert, ich habe keine Ahnung in welchem Land das Buch spielt und ob die Welt überall so aussieht. Ich denke, das Buch hätte etwas gestrafft werden sollen und auch die KI-Logfiles nervten auf die Dauer ein wenig mit ihren “ping”, “Open Database Connection”, “Close Database Connection”, das sich alles über Seiten hinzieht und sich für mich so gar nicht nach 2197 las. Ich bin nicht sicher, ob ich die Fortsetzung lesen werde.
Das Thema und auch die Ideen für den Plot sind ansich prima, aber dann doch leider nicht superknackig ausgeführt. Besonders der Schluss dümpelt einfach immer so weiter vor sich hin ohne wirklich ein Höhepunkt zu sein. Schade