Drei Frauen auf einem Hof – im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt.
Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben.
Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Namibia aufbricht …
Lisbeth, Marlies und Joanna - drei Frauen, drei Generationen, drei verschiedene Lebensvorstellungen, die auf dem Bethches-Hof aufeinander treffen. Lisbeth ist Bäuerin durch und durch, seit ihrer Jugend führt sie den Hof, musste schon früh Verantwortung übernehmen und glaubt an Traditionen und Beständigkeit. Als ihr Sohn Marlies als Schwiegertochter mit nach Hause bringt, ist Liesbeth entsetzt. Marlies möchte sich nicht still einfinden, sie möchte Traktor fahren, jagen gehen und in einem Kaufhaus arbeiten. Bei den beiden Frauen treffen Welten aufeinander - und sie fechten jahrelang stille Kämpfe miteinander aus. Auf Tochter und Enkelin Joanna projizieren beide ihre Wünsche und Hoffnungen - doch diese ergreift die Flucht, nach Afrika, weg vom Bethches-Hof...
Ute Mank errichtet mit "Wildtriebe" ein für mich sehr authentisches Bild des Dorflebens über verschiedene Generationen und Zeiten hinweg. Sie beschreibt gekonnt die gesellschaftlichen Zwänge und Konventionen, die Traditionen, an denen die eine Generation festhalten, aus denen die andere aber wiederum unbedingt ausbrechen möchte. Häufig sehr bedrückend lesen sich die Fetzen aus dem Leben von Lisbeth, Marlies und Joanna, sehr schonungslos geht die Autorin mit den Wünschen und Nöten der Protagonistinnen um.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Lisbeth und Marlies. Es wird sehr wenig geredet in diesem Buch - was auch ein großes Thema ist. Denn den Charakteren fehlen die Worte, um über Gefühle oder das eigene Wollen zu sprechen, vieles wird verschwiegen, lieber wird gelästert oder der Groll tief in sich hinein gefressen. Die Autorin nutzt sehr häufig Ellipsen als Stilmittel - für meinen Geschmack vielleicht sogar etwas zu oft. Mit Verben wird sehr sparsam umgegangen, was aber auch diese Sprachlosigkeit wieder aufgreift.
Lisbeth und Marlies sind Ute Mank in meinen Augen sehr gut gelungen. Ich habe vieles in ihnen entdecken können, was ich selbst schon erlebt habe. Auch das Landleben an sich wurde sehr greifbar und anschaulich beschrieben - was ich total gerne mag. Mit wem ich mich hingegen gar nicht identifizieren konnte, war Joanna. Hier hat es sich die Autorin dann finde ich doch etwas zu einfach gemacht: Ein Sabbatical in Afrika, danach Studium der europäischen Ethnologie und Soziologie und natürlich der weite Stoffhosen und Tuch im Haar Look - das war mir dann doch ein bisschen zu viel Klischee.
Ich habe mich mit "Wildtriebe" nicht immer wohl gefühlt, obwohl ich es fesselnd fand und es nahezu in einem Rutsch durchgelesen habe. Es war sprachlich einfach nicht ganz meins, dazu kam die Enttäuschung über die jüngste Figur Joanna. Trotzdem möchte ich das Buch allen empfehlen, die gerne Romane lesen, die auf dem Land spielen. Denn dieses Motiv wurde doch sehr gut bedient im Buch.
Noch eine kleine Anmerkung: Afrika ist kein Land. Im Buch wird mehrfach von Lisbeth in etwa die Aussage getroffen, Joanna wäre im "Land" Afrika. Das ist mir sehr unangenehm aufgefallen. Ich weiß nicht, ob die Autorin hier diese Kluft zwischen den Generationen noch mehr herausarbeiten wollte und deshalb eine solch falsche Angabe macht, ich kann dem aber jedenfalls nicht viel abgewinnen.
Cover und Klappentext Die Gestaltung des Buches gefällt mir unheimlich gut. Auch der Klappentext repräsentiert den Inhalt des Buches sehr gut.
Inhalt und Eindruck Es geht um einen Hof und dessen Frauen. Lisbeth ist die Schwiegermutter von Marlies und die Großmutter von Marlies Tochter Joanna. Wir verfolgen die Frauen grob geschätzte 20 / 25 Jahre lang und es fällt auf, dass zwischen Lisbeth und Marlies ein tiefer Graben entstanden ist, der mit der Zeit eher immer tiefer wird. Es fehlt beiden an Verständnis und Empathie. Besonders tief wird der Graben zusätzlich durch den sozialen Druck von außen. Verhalten und Ziele werden intensiv auf die Meinung anderer ausgerichtet und tatsächlich auch fest geprägt. Offenheit, Anerkennung, Selbstbestimmung geschweige denn Innovation oder gar Harmonie sind fehl am Platz. Und es geht zumeist um Kleinigkeiten. Furchtbar! Aber auch aus Kleinigkeiten kann etwas Schwerwiegendes werden. Trotzdem furchtbar!
Die mir suggerierte Grundstimmung ist angespannt und schwer auszuhalten. Selbst offensichtlich freudige Ereignisse werden von Wehmut oder auch Eifersucht und dem Gefühl begleitet, nicht dazuzugehören.
Schreibstil An der sachlichen und emotionslosen Erzählweise muss ich leider negative Kritik äußern. Ich bin mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Der Satzbau war teilweise sehr ungewöhnlich, stilistisch keine herausragende Leistung. Der Schreibstil war eher ruppig und störte den Lesefluss. Es gab etliche „Sätze“ mit nur ein bis drei Wörtern, teils fehlten Wörter für einen aussagekräftigen Satz oder auch Satzzeichen.
Figuren Die Charaktere blieben aufgrund des emotionslosen Schreibstils distanziert, Verständnis für die Figuren konnte ich auch nicht aufbringen: Wieso wagt eine Mutter ihre Tochter nicht zu fragen, was genau ihr gewähltes Studienfach ist und welche Berufsaussichten sie hat? An diesem Beispiel merkt man schon, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Ich möchte hier nichts verraten, von daher lasse ich meine Kritik einfach mal so im Raum stehen. Was ich abschließend sagen kann ist, dass mir das Miteinander unter den Figuren einfach zu oberflächlich erschien. Die fehlende Kommunikation und Missverständnisse machen es nicht besser.
Dass die Autorin übrigens stetig die Perspektiven geändert hat, wirkte sich gewinnbringend auf die Geschichte aus, was mir sehr gefallen hat.
Fazit Das Buch beschreibt eine ziemlich verkorkste Familie voller Wildtriebe!
Ich würde mich in dieser Familie nicht wohlfühlen, wahrscheinlich noch nicht mal als Gast. Einige Verbindungen sind halt toxisch und niemandem ist geholfen, so etwas aufrechtzuerhalten, Familie hin oder her.
Insgesamt betrachtet, regt das Buch definitiv zum Nachdenken an. Es ist kein schlechtes Buch, aber es hat mir auch nicht immer Spaß gemacht, es zu lesen. Von daher gibt es eine neutrale Bewertung von drei Sternen.
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Vielen Dank an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
Als Elisabeths Brüder im Zweiten Weltkrieg sterben, wird von ihr als Hoferbin erwartet, mit einer passenden Ehe die Fortführung des Bethches-Hofes in Hausen/Hessen zu sichern. Karl ist selbst Hoferbe, „heiratet ein“ und verzichtet aus Liebe zu „Lisbeth“ zugunsten seines jüngeren Bruders auf den elterlichen Hof. Bereits als der gemeinsame Sohn Konrad seinen Eltern Marlies vorstellt, scheint die junge Textilverkäuferin den Ansprüchen nicht zu genügen. Sie stammt zwar vom Land, aber nicht vom Bauernhof, und eine geschminkte und dauergewellte Frau hat der Bethches-Hof zuvor noch nicht zu Gesicht bekommen. Marlies willigt bedingungslos ein, mit Lisbeth und Karl in einen gemeinsamen Haushalt zu ziehen; denn sie hatte zuhause gelernt, es ihrer Mutter immer recht zu machen. Während es Karl gelingt, mit viel Geduld Veränderungen im elterlichen Betrieb durchzusetzen, bleibt Marlies unter Lisbeths Fuchtel das ewige Lehrmädchen ohne eigenen Verantwortungsbereich, das Lisbeths Ansprüchen nie genügen wird. Für eine Bauerntochter ist Lisbeth verblüffend auf die Rolle der Ehefrau fixiert, man erlebt sie als Leser kaum in Fachgesprächen mit Mann und Sohn über die Zukunft des Hofs. Erst als Enkeltochter Joanna geboren wird und Marlies nach ein paar Jahren wieder in ihrem Beruf arbeitet, bessert sich das Verhältnis der beiden Frauen. Marlies wagt jedoch keine größeren Schritte in die Selbstständigkeit aus Angst, Joanna dann an Lisbeth zu verlieren.
Marlies und K onrad sind in den 50er Jahren geboren. Als sie sich in den 70ern kennenlernen, befindet sich die Landwirtschaft in Deutschland unter der Knute einer Strukturkrise. Nicht jeder Bauer findet überhaupt eine Frau, Knechte oder Landarbeiter sind ebenso rar, so dass der letzte Knecht Alfred auf dem Bethches-Hof als Symbol für eine aussterbende Welt stehen kann. In den 70ern brachten junge Bäuerinnen Vermögen mit in die Ehe, wollten auf dem Grundstück eine eigene Geschäftsidee verwirklichen oder bestanden auf einer eigenen Küche im Haus, die sie selbst bezahlten. Marlies tut nichts davon, sie erleidet die Situation und fühlt sich von Karl unverstanden, der das Problem zwischen Mutter und Ehefrau herunterspielt. Schließlich gefährdet das Aussitzen von Konflikten das wirtschaftliche Überleben des Hofs.
Als mit Joanna die dritte Frauengeneration auf dem Hof erwachsen wird und nach dem Abitur nach Afrika reist, scheint die junge Frau fortgehen zu müssen, um zurückkehren zu können, etwas, das ihrem Vater ebenfalls gut gestanden hätte.
Mit Bauernkindern wie Konrad bin ich gemeinsam zur Schule gegangen. An deren Küchentischen wurden dieselben Probleme gewälzt wie Ute Mank sie hier beschreibt. Wer übernimmt den Hof, wie lange können die Eltern noch mitarbeiten, können die Nachfolger den Hof wirklich allein bewirtschaften, welches zweite Standbein bringt die junge Bäuerin ein ... Im Roman habe ich viele vertraute Szenen erlebt, in den Details fein beobachtet. Den großen Küchentisch für 20 Personen, auf dem auch die Mahlzeiten für Großfamilien vorbereitet werden konnten, den Abschied vom letzten Knecht, die Sorgen in der Strukturkrise in Form von Butter- und Milchbergen in der EU. Ich habe mich allerdings gefragt, wo die Autorin Lisbeths extrem starre Einstellungen aufgetan hat. Circa in den 30ern geboren, handelt sie, als hätte es die Kriegsjahre nicht gegeben, in denen Frauen allein mit jugendlichen Kindern die Höfe bewirtschafteten. Lisbeth wirkt auf mich wie eine 20 Jahre ältere Frau. Offenbar habe ich selbst nur die fortschrittlich denkenden Altbauersleute erlebt, die überzeugt davon waren, dass 2 Frauen in einer Küche Unglück ins Haus bringen.
Insgesamt ein atmosphärisch gelungener Roman, dessen Figuren ich in ihrer Unbeweglichkeit zu klischeehaft fand.
In "Wildtriebe" erzählt Ute Mank eine Geschichte dreier Generationen, die gemeinsam auf einem Bauernhof leben. So unterschiedlich die drei Protagonistinnen auch waren, konnte ich mich trotzdem mit jeder von ihnen identifizieren. Dieses Buch zeichnet ein authentisches Bild des deutschen Landlebens und ich habe, unter anderem auch wegen des hervorragenden Schreibstils, jede Seite genossen.
Lisbeth, Marlies und Joanna - drei Frauen aus drei Generationen, die verschiedenen nicht sein könnten. Die Geschichte spielt auf einem Hof, welcher schon seit Jahren von Lisbeth geführt wird. Neben ihrer Familie ist der Hof das wichtigste für sie, weshalb sie nicht verstehen kann, warum ihre Schwiegertochter Marlies lieber in einem Kaufhaus, als auf dem Hof arbeiten möchte. Als diese außerdem einen Jagd- und Traktorführerschein macht, versteht Lisbeth die Welt nicht mehr. Früher wäre sowas für Frauen nicht infrage gekommen. Die beiden haben Schwierigkeiten auf einen Nenner zu kommen. Durch ihre Liebe zu Tochter und Enkelin Joanna müssen sie jedoch dennoch an einem Strang ziehen. Joanna hat allerdings nochmal eine ganz andere Vorstellung von ihrer Zukunft. Nach dem Abi geht diese erst einmal nach Namibia.
Character (5/10): Die Charaktere in diesem Buch zu bewerten ist für mich gar nicht mal so leicht gewesen. Einerseits war es für mich sehr spannend einen Einblick in die Denkweisen von drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen zu bekommen, andererseits war es aber auch seltsam, mit genau dieser konfrontiert zu werden, da sowohl Lisbeths als auch Marlies Lebensrealität sehr fern von meiner eigenen ist. Mir hat so ein bisschen gefehlt mich damit identifizieren zu können.
Atmosphere (4/10): Bei der Atmosphäre war das tatsächlich ähnlich. Man hat sich irgendwie sehr gut in die Geschichte reinfühlen können, allerdings fand ich persönlich die Stimmung sehr bedrückend und unangenehm.
Writing Style (5/10): Auch der Schreibstil war jetzt nicht so, dass man sich in der Geschichte richtig wohlgefühlt hat. Wobei ich auch nicht denke, dass das der Anspruch war. Es soll einfach eine Lebensrealität zeigen, die heutzutage vielleicht gar nicht mehr so gängig ist bzw. zumindest nicht für Menschen, die in einer größeren Stadt groß geworden sind.
Plot (3/10): Die Handlung konnte mich leider nicht wirklich abholen. Einerseits schätze ich an dem Buch, dass sehr gut auf subtile Weise Feminismus eingebunden wurde. Es wurde sehr gut deutlich, wie sich mit jeder neuen Generation die Rolle der Frau verändert, was ich sehr schön finde. Andererseits war aber auch ein großer Fokus auf dem Alltag auf einem solchen Hof, was mich persönlich nicht so wirklich abholen konnte. Ich fand, dass sich die Autorin auch manchmal ein bisschen zu sehr in Details verloren hat, die der Geschichte nicht wirklich etwas beigetragen haben.
Intrigue (1/10): Packend war für mich "Wildtriebe" bedauerlicherweise gar nicht. Ich fand es sehr langatmig, was sehr viel heißen will, wenn das Buch weniger als 300 Seiten hat.
Logic (4/10): Hierzu habe ich gar nicht mal so viel zu sagen. Diesen Punkt mache ich meist von den restlichen Punkten abhängig, außer es passt gar nicht zu dem, was abgebildet wurde.
Enjoyment (2/10): Traurigerweise hatte ich an dem Buch nicht so wirklich viel Spaß. Ich fand wie gesagt einiges daran auf jeden Fall auch gut und es hat mich teilweise auch zum Nachdenken angeregt, aber im Großen und Ganzen war es leider einfach nicht so mein Fall. Vielleicht bin ich da auch einfach die falsche Zielgruppe für. Wie bereits erwähnt konnte ich mich ja auch nur schwer mit den Protagonistinnen identifizieren.
Fazit (3,4/10): Von diesem Buch würde ich euch per se nicht abraten, obwohl es von mir nicht die höchste Bewertung erhalten hat. Es kommt hier meiner Meinung nach wirklich sehr auf euren Geschmack an. Ich finde nicht, dass es ein schlechtes Buch ist, es ist einfach nur nicht meins gewesen. Und dennoch konnten mich einige Aspekte durchaus begeistern. Wenn ihr also gerne einen Einblick in eine wahrscheinlich andere Lebensrealität bekommt und auch mit einer eher angespannteren Stimmung klarkommt, dann könnte das Buch euch durchaus gefallen!
Covertext: Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt. Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben. Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element. Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Uganda aufbricht...
„Wildtriebe“ von Ute Mank ist ein großartiger Roman der den Wandel der Zeit und besonders den Wille nach Eigenständigkeit der Frauen betont.
Die Großbäuerin Lisbeth lebt für ihren Hof. Ihre Brüder sind im Krieg gefallen und so hatte schon früh festgestandenen, dass sie den Hof übernehme wird. Sie geht stillschweigend ihren Pflichten nach. Mit der Heirat ihres Sohnes Konrad kommt seine Frau Marlies an den Hof. Schon bei der ersten Begegnung hat Lisbeth in Marlies nicht die Bauersfrau gesehen die sie sich für ihren Sohn wünscht. Marlies ist dann auch nicht dazu bereit ihr Leben nur Haus und Hof zu widmen. Sie verspricht sich mehr vom Leben. Marlies möchte in der Stadt in einem großen Kaufhaus arbeiten. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Die werden aber nicht mit Worten ausgetragen sondern eher mit fehlenden Worten. Auch als Marlies ihre Tochter Joanna zur Welt bringt ändert sich nichts in dem Verhältnis der beiden Frauen.
Ute Mank vermittelt ihren LeserInnen gekonnt den Konflikt zwischen den Generationen. Sie erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Lisbeth und Marlies. Das bringt den LeserInnen beide Frauen näher. Ich konnte beide Seiten sehr gut verstehen. Lisbeth ist vom alten Schlag. Sie stellt nichts in Frage, hadert nicht mit ihrem Leben. Stillschweigend erfüllt sie ihre Pflicht. Mit ihr erfahren die LeserInnen viel über das Landleben in der Zeit ab dem 2. Weltkrieg. Die ganzen Veränderungen und Verordnungen die das Leben als Bauer nicht unbedingt einfach machen.
Marlies bring den LeserInnen die Veränderungen noch einmal näher. Sie möchte nicht den ganzen Tag auf dem Hof arbeiten. Sie nimmt eine Arbeit in der Stadt an. Den Hof überlässt sie Lisbeth und Konrad. Auch als ihre Tochter Joanna geboren wird hat sie eine völlig andere Auffassung von Kindererziehung wie Lisbeth. Auch Marlies konnte ich gut verstehen. Sie kämpft für das eigenständige Leben einer Frau. Erkämpft sich das Recht zu arbeiten und einen Taktohrführerschein zu machen. Alles Dinge die Lisbeth so gar nicht verstehen kann. Oft dachte ich, setzt euch an einen Tisch und redet miteinander. Aber es herrschte meist das große Schweigen.
Mit Joanna kommt die 3. Generation ins Haus. Sie wird einmal ein noch freieres Leben führen wollen.
Ute Mank findet genau die richtige Sprache für die Geschichte. Ihre Szenebeschreibungen kann man sich gut vorstellen. Viel wird durch Schweigen und durch Gesten ausgedrückt. Da es zwischen den Frauen nur wenig Gesprächsstoff gibt. Auch die Atmosphäre wird gut vermittelt. Das Leben im kleinen Dorf. Dass, was denken die Leute.
„Wildtriebe“ ist ein Roman der auf leisen Sohlen daherkommt. Die Geschichte bietet eine intensive Reise durch die Zeit und veranschaulicht die Generationskonflikten zu denen es unweigerlich kommen muss.
Ruhig erzählt die Autorin die Geschichte um einen Hof und das Leben der Frauen dort. Es geht um Generationen und deren Dynamik zusammen. Wie wundervoll, aber doch anstrengend, ein Leben in der Landwirtschaft ist. So wichtig Familie auch ist, sie bringt Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Ansichten, Träume die an die nächste Generation weitergegeben wird, ob diese sie will oder nicht. Es geht um Streitigkeiten bei denen niemand mehr weiß warum sie überhaupt begonnen haben. Kleinigkeiten die uns trennen. Aber es geht auch um den großen Zusammenhalt. Es geht auch darum wie es ist einen Platz in einer neuen Familie zu finden. Und darum sich selbst zu verwirklichen. Diese Geschichte kommt mehr oder weniger ohne jegliche Spannungskurve aus. Genau deshalb ist sie ein wenig wie das echte Leben. Genau so, oder zumindest so ähnlich, hat es sich sicherlich in den letzten Jahren auf vielen Höfen zugetragen. Langsam stirbt das altbekannte aus. Die Jungen kämpfen für die Freiheit. Die Alten für die Tradition. Und beide müssen einen Kompromiss finden. Auch wenn ich eine Weile lang vergeblich auf die Spannung gewartet habe, habe ich das Buch sehr genossen. Es ist sehr ehrlich und sehr realistisch. Genau das macht es aus. Zudem findet die Autorin wirklich wundervolle Worte für Emotionen. Und auch optisch finde ich das Buch ein richtig toller Hingucker.
Ich habe Urlaub auf einem Bauernhof gemacht. Ermöglicht haben es mir drei Frauen. Großbäuerin Lisbeth kennt nichts Schöneres, als selbständig auf einem Bauernhof zu arbeiten. Der *Bethches-Hof* ist ihr ganzer Lebensinhalt. Eine anständige Ehe und Kinder gehören selbstverständlich dazu. Sie ist mit ihrem Sohn Konrad gesegnet, der den Hof mit der gleichen Leidenschaft weiter führt.
Marlies heiratet Konrad und versucht der Lisbeth zu genügen. Das ist gar nicht so einfach, da Marlies ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Im Kaufhaus weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, einen Traktor fahren, auf die Jagd gehen und dann ein Kind bekommen, wenn sie dazu bereit ist. Mit ihrer Tochter Joanna (ohne h) steigt sie ein bisschen in der Achtung der Großbäuerin. Lisbeth liebt das Mädchen. Sie ist sehr traurig, als Joana nach dem Abitur nach Uganda reist.
Meine Meinung
Der Betches-Hof und drei Powerfrauen
Auf einem Bauernhof muss man schwer arbeiten. Mit dem ersten Hahnenschrei aufstehen und stets präsent sein. Dass das für Marlies schwer ist, kann ich gut verstehen. Vor allem eine Chefin wie Lisbeth, die nichts anderes kennt und liebt als ihren Hof, ist manchmal schwer zu ertragen. Dennoch hat mir dieser Arbeits- und Lebensrythmus sehr gut gefallen. Alles wird schwer mit eigenen Händen erarbeitet. Die Menschen sind eins mit der Natur und absolut zufrieden. In diese Idylle passt eine moderne Frau wie Marlies erst mal nicht hinein. Mit all ihren Ecken und Kanten ist mir Lisbeth sehr sympathisch. Trotz ihrer Strenge zeigt sie sehr viel Herz. Das merkt man besonders bei ihrer Enkelin und den Tieren auf dem Hof. Marlies zeigt sehr wenig Gefühle. In vielen Situationen fehlt es ihr an Empathie. Besonders ihrer Tochter gegenüber hat mir ihr Verhalten gar nicht gefallen.
Der ursprüngliche Bauernhof weicht immer mehr der Modernisierung. Hatte früher jede Kuh einen Namen, so stehen sie jetzt in großer Zahl namenlos in einem Stall. Auf eine Wiese werden sie nicht mehr geführt. Sie sind zu Milchmaschen mutiert. Das Leben auf dem Bauernhof wird immer schwieriger. Verliert ihren ursprünglichen Charme.
Ich habe diese stille Geschichte sehr gerne gelesen. Fand es schade, dass Marlies und Lisbeth nicht offen miteinander geredet haben. Ich hatte eigentlich schon das Gefühl, dass die beiden Frauen sich mögen. Lisbeth hätte Marlies ruhig mal sagen können, wie gut sie sich bei der Hofarbeit macht. Auch Marlies zeigte zu wenig Wertschätzung für die alte Dame. Keine wollte (konnte) die andere verstehen. Lisbeth scherte sich einfach zu viel um das Gerede der Dorfbewohner. Marlies setzte beharrlich ihre eigenen Interessen durch. Dafür schämte sich Lisbeth oftmals. Was sollen die Leute nur von einer Schwiegertochter denken, die außerhalb vom *Bethches-Hof* Geld verdient? Jagen geht und nach nur einem Kind keine weiteren Enkelkinder in Aussicht stellt?
Joana wächst glücklich auf dem Bauernhof auf. Mit ihrer Oma lernt sie das Landleben lieben und schätzen. Dennoch geht sie nach dem Abitur ihre eigenen Wege. Von ihrer Mutter wird sie schwer enttäuscht. Joana gibt ihrer Mutter einen guten Rat, der für Marlies wegweisend sein wird.
Mich hat der Verlauf der Geschichte ein bisschen melancholisch gemacht. Mir wieder mal vor Augen geführt, wie unser übertriebener Konsum alles kaputt gemacht hat. Viele Bauern zu spät bemerkt haben, dass die Modernisierung nicht nur Erleichterung bei schweren Arbeiten bringt. Ich habe mich wieder an die Weihnachtsbutter erinnert, die es um einiges günstiger zu kaufen gab. Die Geschichte dazu stimmte mich sehr traurig.
Ja, es gab auch Männer auf dem Hof. Die stehen aber nicht im Fokos der Geschichte. Auf dem *Bethches-Hof* haben die Frauen das Sagen! Punkt!
Fazit
Mein Urlaub auf dem *Bethches-Hof* ist nun beendet. Beim Lesen hatte ich wirklich das Gefühl, ein paar Gänge runterzufahren. Drei Frauen gehen ihren Weg nach ihrer eigenen Vorstellung. Keine kann (möchte) es von der anderen verstehen. Aber gerade Lisbeth zeigt am Ende sehr viel Verständnis und Herz.
Der traurige Niedergang eines idyllischen Bauernhofs stimmt traurig. Ach, und eh ich es vergesse: Für alle die Geheimnisse lieben … Lisbeth hat ein ganz Großes!
Vielen herzlichen Dank Ute Mank. Ich hatte wunderschöne Lesestunden. Würde jetzt gerne Urlaub auf einem ursprünglichen Bauernhof machen.
Ein Hof, drei Generationen von Frauen. Lisbeth, die den Hof geerbt hat und mit ihrem Mann Karl weitergeführt hat. Marlies, die Konrad, den Sohn der beiden geheiratet hat. Und Joanna, die Tochter der beiden. Lisbeth möchte einfach, das alles so weitergeht wie bisher, wohingegen Marlies nie Bauerin werden wollte. Und Joanna will die Welt sehen, nachdem sie die Schule beendet hat.
Ich muss sagen, ich bin mit dem Buch gar nicht warm geworden. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der Frauen erzählt. Ich konnte eigentlich sowohl Lisbeth als auch Marlies gut verstehen. Allerdings fand ich die Sprachlosigkeit zwischen den beiden schlimm. Sie leben lange Jahre unter einem Dach und schaffen es nicht, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Marlies träumt irgendwie immer von einem anderen Leben schafft es aber nicht ihre Wünsche auch laut auszusprechen oder auch nur zu Ende zu denken. Joanna tritt in der ersten Hälfte des Buches nur als Kind auf. Irgendwie hat mich das Geschehen rund um die Frauen dann auch nicht mehr interessiert.
Der Schreibstil war an sich nicht schlecht und ich hatte durchaus auch das Gefühl, dass die Geschichte stimmig ist, trotzdem blieben mir die Protagonisten zu fremd.
Besonders gut gefallen hat mir das Cover, das ist wirklich schön.
Aber alles in allem kann ich das Buch nicht so richtig empfehlen, für mich war es einfach nichts.
Lisbeth ist auf dem Bethches-Hof großgeworden. Als ihre beiden Brüder im Krieg fallen, übernimmt sie den Hof der Eltern. Damit ist sie eine der wenigen Frauen, bei der von Anfang an klar war, dass man sie nicht zu sich holen, sondern nur auf deren Hof einheiraten konnte. Eines Tages findet sich dieser Mann: Karl. Zusammen mit ihm kümmert sie sich um den Hof, die Tiere und Felder. Mit der Zeit kommen Veränderungen: Moderne Maschinen, moderne Geräte, Spezialisierung. Doch die Trachtenkleidung behält Lisbeth bei und ihren Fleiß. Und nicht zuletzt auch ihre Genügsamkeit: „Nie hatte Lisbeth Sehnsucht verspürt, irgendwo anders zu sein.“
Als Frau von Lisbeths einzigem Sohn, Konrad, kommt Marlies auf den Hof. Und sie hat ganz andere Vorstellungen vom Leben und ihrer Rolle als Frau und Schwiegertochter. Sie möchte nicht nur auf dem Hof helfen, sondern auch in einem Kaufhaus als Verkäuferin arbeiten. Da sie nicht weiß, ob sie Mutter werden möchte, nimmt sie die Pille. Nur durch Zufall wird sie schwanger und bekommt ihr einziges Kind: Joanna. Zeitlebens lässt sie sich in keine vorgefärtigten Formen drücken. Sie macht als einzige Frau in der Gegend einen Jagdschein, sie geht arbeiten, macht ihren Führerschein und verlässt den Hof, als sie ihre Aufgabe als Mutter für abgeschlossen hält. „Es war bloß ein Anfang. Von was, wusste sie nicht. Aber es war vielleicht auch nicht so wichtig.“
Joanna, die auf dem Bethches Hof aufwächst, liebt Tiere, interessiert sich für die Landwirtschaft und hilft gerne auf dem Hof mit. Doch auch die Bildung kommt nicht zu kurz, weil Marlies viel daran liegt. Doch mit achtzehn entscheidet sie sich für ein Jahr nach Afrika zu gehen. Als sie zurückkommt, fängt sie ein Studium an. Als sie unerwartet schwanger wird, entscheidet sie sich entgegen der Ratschläge ihrer Mutter, dafür, das Kind zu behalten und ohne Vater großzuziehen.
„Wildtriebe“ ist ein schöner, atmosphärischer Roman. Anhand dreier Generationen werden uns drei unterschiedliche Lebensmodelle dargestellt. Wir sehen eine Frau, die der Tradition verbunden ist, die eine bestimmte Aufgabe übernimmt, ohne sie zu hinterfragen, und diese bis an ihr Lebensende gewissenhaft ausführt. Dann sehen wir eine weitere Frau, die in einer Zeit aufwächst, in der die Frau nach mehr Selbstbestimmung verlangt, die arbeiten geht und selbst über ihr Sexualleben entscheidet. Und wir sehen eine dritte Frau, die ganz alleine entscheiden kann, was sie in und mit ihrem Leben machen möchte, die ins Ausland geht, dann studiert und ganz selbstverständlich ein Kind als alleinerziehende Mutter großziehen kann. Abwechselnd schlüpfen wir in Lisbeths und Marlies Innenleben. Oftmals bekommen wir bestimmte Ereignisse und Situationen von beiden Seiten geschildert, sodass wir problemlos beide Sichtweisen nachvollziehen können. Und wir beurteilen nicht. Denn Ute Mank ist es gelungen zwei Frauensichtweisen, zwei Innenleben so direkt und unverfälscht einzufangen, dass überhaupt kein Platz für Bewertungen und Urteile bleibt. Kann man denn überhaupt eine dieser drei Frauen in irgendeiner Form verurteilen?
Mit viel Menschenkenntnis und Feingefühl zeichnet die Autorin ein authentisches Bild einer Familie über Jahrzehnte hinweg. Auch viel Spezialwissen zum Leben auf dem Land wird weitergegeben. Ich kann den Roman „Wildtriebe“ jedem nur aufs wärmste ans Herz legen. Seit langem habe ich keinen Roman gelesen, der so viel Tiefgang mit einer derartigen Leichtigkeit verbindet, dass weder Verstand noch Gefühl zu kurz kommt. Einen Roman, der so mühelos und doch so kontemplativ daherkommt.
„Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt.
Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben.
Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Namibia aufbricht …“
„Wildtriebe“ von Ute Mank - ein extrem leises und dennoch gewaltiges Buch mit besonderen Protagonisten, die einen einnehmen, wenn man die Dornen vorher abstreift.
Wildtriebe muss man radikal bei Rosen bekämpfen. Warum? Die Hauptpflanze setzt enorm viel Energie dort hinein, Blüten werden nur spärlich gebildet, Krankheiten können sich schneller breit machen und der generelle Rest wird weniger „ernährt“. Kurzum: Wildtriebe gehören abgetrennt/abgerissen….und das nicht nur an Rosen. Wobei deren Dornen es einen manchmal sowieso schon nicht leicht machen.
Was hat das alles mit dem Buch zu tun? Eine ganze Menge! Dieser kleine botanische Ausflug spiegelt im Detail auch die Protagonisten wieder. Lisbeth ist der Hauptpunkt/ die Hauptschlagader auf dem Hof und es ist ihr das Wichtigste, das es alles rund läuft - der Ton, der für die „Dame“ hier gewählt wurde, war perfekt getroffen und hätte besser nicht sein können! Mit Schwiegertochter Marlies entsteht aber eine neue Generation im Haus, ein Wildtrieb wenn man so will, und nun ist es an Lisbeth, diesen entweder zu akzeptieren oder zu „entfernen“. Als Marlies dann noch Tochter Joanna das Leben schenkt, werden es viele Wildtriebe und ein gewisser Kampf der Frauen entpuppt sich leise aber manchmal auch mit einem lauten Knall. Die Parts, die Mank hier anspricht, sind genial aus der Realität gegriffen und beleuchten auf leisen Sohlen und feinem Sinn drei Damen mit völlig unterschiedlichen Lebensansichten, Lebensweisen und Zukunftsvorstellungen. Schnell wird deutlich, welcher Konflikt sich hier auftut und wie weit er gehen könnte, wenn der Anstand sich nicht einschalten würde.
Ute Mank hat hiermit ein extrem feines Gespür bewiesen Menschen zu beobachten und ihre „Unarten“ einzufangen und einen fein abgestimmten Roman mit noch ruhigerer Note verfasst, der beim „genießen“ des Inhalts explodiert, wie ein großes Feuerwerk - großartig von der ersten bis zur letzten Seite! 5 von 5 Sterne!
Ich habe mich sehr über den Titel "Wildtriebe" von Ute Mank gefreut, welchen ich vom dtv Verlag über Netgalley als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle dafür, es versteht sich dabei von selbst, dass meine Meinung zum Buch in keiner Weise beeinflusst wird. Es handelt sich hierbei um den Debütroman der Autorin, auf welchen ich besonders durch das hübsche Cover neugierig wurde.
In der Geschichte begleitet der Leser drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, die Großbäuerin Lisbeth, ihre Schwiegertochter Marlies und deren spätere Tochter Joanna, die zur Enkelin von Lisbeth wird. Alle Frauen haben unterschiedliche Ansichten zum Leben und es ist nicht immer einfach, auf einen Nenner zu kommen. Und doch hält sie alle etwas zusammen...
Ute Mank schreibt ihren Roman aus unterschiedlichen Sichtweisen in der dritten Person im Präteritum, was mir vor allem Marlies näher bringt. Mit Lisbeth habe ich es anfangs wirklich schwer, finde ich die Großbäuerin einfach sehr sehr unsympathisch, auch wenn sie vielleicht einen weichen Kern hat. Die arme Marlies hat es wirklich nicht leicht mit ihr und ich kann mich in verschiedenen Situationen gut in sie hinein versetzen. Sie legt aber auch einige Unsicherheiten an den Tag, was sie einfach auch total angreifbar macht. Etwas schade finde ich es, dass Joanna hier nicht "zu Wort" kommt, ich hätte mir auch noch Kapitel aus ihrer Sicht gewünscht, man erfährt nur nebensächlich mehr von ihr.
Die Konflikte der verschiedenen Generationen finde ich gelungen dargestellt, auch wenn ein Hauptgrund für sie die fehlende Kommunikation ist. Es handelt sich hierbei quasi um ein Negativbeispiel, wie man eben nicht miteinander umgehen und leben sollte. So ist der Roman irgendwie auch lehrreich und interessant, er geht auch auf spannende Themen, wie das Frau-sein, Mutter-sein und Co ein. Gelungen finde ich, dass auch auf den entsprechenden Erwartungsdruck eingegangen wird und auch ein selbstbestimmtes Leben zum Thema wird.
Die Erzählweise der Geschichte ist sehr ruhig und trägt mich nach und nach durch das Werk. Der ein oder andere Spannungsmoment hätte hier sicher nicht geschadet, da die Handlung meist eher vor sich hin plätschert. So einen richtigen Konsens bzw. Mehrwert gab es für mich jetzt nicht.
Von dem Roman "Wildtriebe" habe ich mir mehr Tiefe erhofft und hätte mir gewünscht, mich den verschiedenen Protagonisten verbundener zu fühlen. Die Geschichte hebt sich nicht wirklich von Anderen ab, unterhält aber gut, wenn man auf ein ruhiges Familiendrama und ein Setting auf dem Hofe steht. Ich vergebe eine bedingte Lese- und Kaufempfehlung und 3 Sterne ***
"Wildtriebe" ist sprachlich wie inhaltlich ein Highlight für mich. Mit einem feinen Sinn für menschliche Gefühle und Bedürfnisse, skizziert Ute Mank die Porträts dreier Frauen unterschiedlicher Generationen und der Konflikte, die durch ihr Zusammenleben entstehen.
Lisbeth ist mit Leib und Seele Bäuerin. Vielleicht, weil sie nichts anderes kennt, vielleicht, weil sie in diese Liebe hineingewachsen ist. So wie ihre Mutter, ihre Großmutter und die Frauen davor. Während sich die Welt um sie herum verändert, scheint Lisbeth gleich zu bleiben. Ist beständig in ihrem Handeln und Denken. Der Hof steht für sie an erster Stelle, Kinder zu bekommen, die diesen Hof weiterführen an zweiter.
Als ihr Sohn Konrad die Marlies mit auf den Hof bringt, ist Lisbeth erstmal zuversichtlich, trotz dass Marlies arbeiten geht und die Fingernägel färbt. Wenn sie erstmal auf dem Hof ist, wird sie schon lernen, was dort zu tun ist und wird den Hof genau so lieben, wie Lisbeth und Konrad.
Doch Marlies trägt den Wunsch nach Unabhängigkeit in sich. Eine eigene Arbeitstelle, Haushalt nach ihren Vorstellungen, kein Kind, das Frauen an den Herd bindet. Um ihrem Bedürfnis nach Freiheit nachzukommen, macht sie einen Jagdschein und verschwindet nachts im Wald. Durchatmen, zur Ruhe kommen, allein sein. Als sie schwanger wird, freut sich das ganze Dorf und ganz besonders Lisbeth. Sicher wird eine Bäuerin geboren werden. Marlies ist nur eingeschränkt erfreut. Einschränkungen und Meinungen über Marlies und ihr Kind scheinen zuzunehmen.
Dass Joanna zu einer selbstbewussten jungen Frau heranwächst, hat sich Marlies immer gewünscht, dass sie so sehr ihren eigenen Weg geht und eine Distanz zwischen Mutter und Tochter schafft, das hat sie nicht gewollt.
Die Wege der drei Frauen sind wie eine Kette. Jedes Glied ist mit einem anderen verknüpft. Handlungen rufen Aktionen hervor, die nicht unbedingt geplant, aber doch für mich als Leserin nachvollziehbar sind. In den meisten der selbstgemachten Probleme, ist mangelnde Kommunikation der Grund der Ursache. Nicht selten wünsche ich mir, dass Lisbeth und Marlies mehr miteinander sprechen, denn ich glaube, dass sich so manches Missverständnis geklärt hätte und das ein anderes Verständnis füreinander gewachsen wäre. Aus der Realität weiß ich, dass es eben schwierig ist zu benennen, was im Inneren brodelt, was für dunkle Nächte und unter den Blicken der Nachbarn für ein ungutes Gefühl im Bauch sorgt.
Gerade für die Generation der Frauen in Lisbeths Alter ist es schwierig. Sie haben nicht gelernt eigene Bedürfnisse zu haben, und schon gar nicht, diese anzusprechen. Dass danach Frauen auf die Bildfläche treten, die sich auf unterschiedlichen Wegen erste Freiheiten erkämpfen, die plötzlich gesehen werden wollen, statt zu funktionieren, rüttelt an den Grundfesten dessen, was für die vorangegangene Generation auch Sicherheit bot.
Ich könnte noch ewig weiter darüber reden, was Ute Mank in ihrem Roman so gut darstellt. Ich selbst komme von einem Bauernhof, in dem mehrere Generationen unter einem Dach lebten und Missverständnisse und Generationenkonflikte Verletzungen zufügten. Ein Wiedererkennen, dass den Roman für mich zu einer sehr spannenden Lektüre werden lies, die durch eine klare Sprache, kurze Sätze und eine gewisse damit einhergehende Poesie perfekt abgestimmt wurde.
Marlies heiratet in den Betchen-Hof ein und hat nicht vor sich dem alten Generationendruck und dem Landleben zu beugen. Lisbeth ihre Schwiegermutter tut sich ebenfalls schwer mit der neuen Schwiegertochter, die so gar nicht nach ihren Wünschen ist. Was sollen denn die Leute denken? Denn für Lisbeth ist der Hof und die Arbeit alles. Die beiden tragen still ihre Kämpfe aus und nur Marlies Tochter Joanna die ihren ganz eigenen Kopf hat, scheint die beiden in gewisser Weise zu verbinden. Der Schreib- und Erzählstil bei dieser Geschichte ist recht nüchtern und schnörkellos gehalten. Es gibt immer wieder Absätze und Perspektivenwechsel zwischen den beiden Frauen. Auf den ersten Blick wirkt es sehr schwerfällig und lieblos, doch nach ein paar Seiten merkt man wie der Stil sich der Geschichte anpasst. Denn das schlichte, ohne viel Schnick-Schnack passt zum Landleben von damals und vor allem zum Generationenkonflikt der hier geschildert wird. Lisbeth lebt für den Hof und das Landleben, ihr ist vor allem wichtig, dass die Leute gut über sie und ihre Familie reden und denken. Marlies hingegen ist das egal und versucht zunehmend aus dem Konstrukt auszubrechen, in dem sie z.B. einen Jagdschein macht. Sie tut sich zunehmend schwer sich einzufügen. Zwischen den beiden besteht ein riesengroßer Graben voller Sprachlosigkeit der wirklich greifbar ist. Während des Lesens wurde ich immer wütender auf Marlies und hatte immer mehr Sympathien für Lisbeth. Sie ist in meinen Augen ein wenig offener mit dem Konflikt umgegangen als Marlies, obwohl auch sie ein ordentliches Päckchen zu tragen hat. Die unterschiedlichen Welten der beiden werden sehr gut dargestellt und eine gewisse Wehmut und Reue der beiden, ist zwischen den Zeilen deutlich spürbar. Der Wandel der Zeit wird in dieser Geschichte so wunderbar aufgezeigt, dass ich es tatsächlich nicht aus der Hand legen konnte. Gerade Joannas Rolle in der Geschichte ist noch einmal eine ganz besondere. Es ist unaufgeregt und ohne großen Spannungsbogen, aber das braucht es auch nicht. Die Erzählung lebt zwischen den Zeilen und von den Emotionen die es im Leser weckt und davon wie es zum Nachdenken anregt. Das Ende passt perfekt und hat mich mit einem Bauch voller Gefühle zurückgelassen. Das Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Eine Geschichte über drei Frauen, die die Familie verbindet und gleichzeitig doch wieder trennt. Wirklich vielschichtig und tiefgründig und deshalb verdiente 5 von 5 Sternen.
Ute Mank ist eine Frau mit Tatendrang und immer noch „die aus der Stadt“, obwohl sie seit über 30 Jahren im Dorf lebt, aber halt eingeheiratet. Genau dieser Umstand und wie die älteren Dorfbewohner über die Jahre ihre Normen und Ansprüche wie jemand zu sein hat selbstverständlich vor sich her tragen, hat Ute Mank sicher zu ihrem guten Debüt inspiriert. Aber nur eine Spekulation meinerseits. ‚Wildtriebe‘ ist zwar mit einem harmonisch altmodischen Cover versehen, aber darin brodelt es gewaltig und daher passt das Äußere dann doch zum Inhalt. Denn auf dem bäuerlichen Bethches-Hof, auf dem jeder mit anpackt und das selbstverständlich ist um die Last zu teilen, zieht eine Schwiegertochter, Marlies, ein, die das anders sieht. Konrad, der Erbe des Hofes hat sich aus der Sicht seiner Mutter, Lisbeth, mit dieser Frau keinen Gefallen getan. Marlies will sich der Hofordnung nicht unterordnen, nicht nach Lisbeth Regime leben und einen eigenen Beruf außerhalb des bäuerlichen Betriebs ergreifen. Eigene Entscheidungen treffen und selbstbestimmt Leben. Um den Generationenkonflikt komplett zu machen, wird Marlies ungewollt schwanger und das Kind Joanna, die dritte Frau und Generation steht zwischen den Stühlen und ist zugleich das verbindende Element von Mutter und Großmutter. Und hat nochmals andere Ideen sich zu verwirklichen. Ute Mank schafft es sehr gekonnt mit leiden Tönen die drei Generation mit ihren Konflikten zu zeichnen, die entstehen, wenn Lebensentwürfe aufeinandertreffen, wenn Modernität nicht mit Tradition vereinbar ist und wenn Individualität wichtiger wird als Familie. Gebettet ist das in die geschichtliche Veränderung, denn die drei Generationen wachsen jeweils in anderen Verhältnissen auf, andere Voraussetzung und natürlich auch sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Selbstverwirklichung als Frauen. Die kriegserlebende Großmutter, die Mutter im Wirtschaftswunder und das Enkelkind in der Postmodernen. Mich hat der Roman berührt, erinnert an die eigene bäuerliche Großmutter, tief ergriffen und mich ein wenig sensitiver zurückgelassen, dass die Prägung nicht einfach wegwischbar ist und immer ein Teil der Persönlichkeit bleibt – ob mit oder ohne Einsicht. Lesenswert – lasst euch nicht vom Cover irritieren! ;0)
Der Generationenroman „Wildtriebe“ von Ute Mank ist im Juli 2021 in der dtv Verlagsgesellschaft erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 288 Seiten.
Drei Generationen von Frauen leben auf dem Bethches-Hof: Lisbeth, die alte Großbäuerin, Marlies, die Schwiegertochter, und Joanna, die Enkelin von Lisbeth und Tochter von Marlies. Diese drei Frauen treffen mit ihren unterschiedlichen Angewohnheiten, Lebenseinstellungen und Ansichten, Werten und Vorstellungen aufeinander, reiben sich aneinander und leben letztendlich Seite an Seite miteinander.
Ute Mank gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren feinfühligen und fesselnden Schreibstil in den Bann zu ziehen. Ich als Leserin fühlte ab der ersten Seite sowohl was die Höhen als auch die Tiefen von Lisbeth, Marlies und Joanna anbelangt mit und konnte mich gut in die Protagonistinnen hineinversetzen und ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen. Alle drei Frauen sind starke Charaktere und ich habe es sehr genossen in deren Gedanken einzutauchen. Die Gedanken eröffnen zwar dem Leser die jeweilige Welt der drei Personen, aber leider öffnen sie sich nicht genügend untereinander in der Geschichte, indem sie ihre Gedanken aussprechen, sich ihrem gegenüber öffnen. Und so bleibt das ungesagte Wort auch oft zwischen Marlies, Lisbeth und Joanna stehen und erzeugt eine große Distanz untereinander und oft eine bedrückende Atmosphäre für den Leser. Aber genau so war früher das Leben auf dem Land: die Schwiegertochter hatte sich unterzuordnen und die Älteren hatten das Sagen und so kam es eben auch oft zu Konflikten und Zwistigkeiten bis dann eine Generation die andere ablöste. Über Gefühle wurde nicht bzw. wenig gesprochen und es galt, seiner Arbeit nachzugehen.
Besonders gefallen hat mir, das Ute Mank so authentisch und auch tiefgründig vom Leben auf dem Land erzählt hat und manches habe ich selbst schon so miterlebt bzw. anderweitig erzählt bekommen. Dies hat für mich eine ganz persönliche Nähe mit den Figuren in ihrem Buch erzeugt.
Fazit: Ein eindrücklicher und authentischer Roman mit drei starken Protagonistinnen im Spannungsfeld von Tradition und Moderne.
Eine schöne manchmal, traurige und sehr realistisch erzählte Geschichte..
In dem Buch geht es um verschiedene Generationen auf einem Hof. Die älteste Generation ist Lisbeth und ihr Mann Karl.. Lisbeth hatte den Hof von ihrer Familie geerbt weil ihre beiden Brüder im Krieg gefallen waren Karl dessen Familie selbst einen grossen Hof hatte hat sich aber dazu entschlossen lisbett zu heiraten und zu ihr zu kommen was für die damalige Zeit ungewöhnlich war.. Lisbeth war ihr Leben lang stolz auf den Hof hat immer gern und hart gearbeitet.. nur das Kinder kriegen wollte nicht so recht klappen. Weswegen Lisbeth und Karl einen Jungen nämlich Konrad zu sich genommen hatten.. sie haben es Konrad auf lebzeit nicht verraten. Konrad hat es sich in Marlies verliebt.. und bald heirateten sie.. Generation im Dorf wartet ihr mal darauf dass Marlies schwanger wurde aber diese hatte immer andere Pläne mit ihrem Leben.. sie wollte wie die moderne Frau arbeiten wurde dann aber trotz Einnahme der Pille schwanger mit ihrer Tochter Joanna. Im Laufe der Jahre wurde das Leben auf dem Hof immer schwerer es gab neue Bestimmungen dass nur noch bestimmte Mengen an Milch produziert werden dürfen so musste der Hof sogar strafzahlungen leisten was alle fast in den Ruin getrieben hätte.. Joanna würde immer älter entwickelte ihren eigenen Kopf ging für ein Jahr nach Afrika mit 19 bevor sie dann ihr Studium anfing.. den Hof übernehmen kann für sie nie in Frage.. mein hatte sie mit den konventionellen dorfleben nicht viel am Hut. Dann wurde Joanna schwanger, mutter Marlies riet ihr zu Abtreibung.. Joanna sollte doch was auf ihrem Leben machen.. nicht so wie sie wegen einem Kind gebunden sein.. ihr grossmutter Lisbeth dagegen freute sich sehr über kleinen Nachwuchs auf dem Hof weil doch auch ihr Karl erst vor kurzem an Folgen eines Schlaganfalls verstorben war. Das Buch Ende, damit das Joanna ihre Mutter sagt, dass sie nicht bleiben müsse. Mal liest nimm das erst als Angriff auf und dann aber als eine Chance sie verlässt. Den Hof nimmt sich zum ersten Mal eine eigene Wohnung und geht ihren eigenen Vorstellungen nach.
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Bei diesem Roman ist mir sofort das wunderschöne Cover ins Auge gestochen und auch der Klappentext verspricht eine aufregende Geschichte. Der Debütroman der Autorin Ute Mank ist etwas ganz besonderes. Der Inhalt: Alle alten Höfe hatten einen Namen. Er ging auf die Vorfahren zurück, auf deren Namen, Berufe oder Eigenschaften. Der Hausname war wichtiger als der amtliche Nachname. Denn er gab allen Auskunft darüber, wer man war. Aber viel mehr noch sagte er einem, wie man zu sein hatte. Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Bethches-Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos das Leben einer Bäuerin führen will. Die beiden ungleichen Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Eigenglich werden jedoch viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist das ein verbindendes Element – Joanna, Marlies‘ Tochter und Lisbeths Enkelin, die ihren ganz eigenen Weg geht.. Dies ist wirklich ein sehr außergewöhnlicher Debütroman, der Schreibstil der Autorin ist etwas anders, als das was ich bisher gelesen habe und trotzdem habe ich mich vom ersten Augenblick mit der Lektüre wohlgefühlt. Wenn ich die Augen schließe, läuft das Gelesene wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich sehe den Bethches-Hof mit all seinen Traditionen und die enge Verbindung der alten Bäuerin zu ihrem Land und Leben. Ich hatte immer das Gefühl, dass zwei unterschiedliche Welten aufeinanderprallen. Marlies wollte sich nicht so in das alte Schema einfügen und hat versucht ihren eigenen Weg zu gehen. Und ihre Tochter Joanne wollte dem Ganzen direkt entfliehen. Drei Generationen unter einem Dach, immer im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit. Wirklich ein ganz toller Roman, der auch zum Nachdenken anregt. Eine tolle Lektüre – ein Lesevergnügen der Extraklasse. Ich vergebe sehr gerne 5 Sterne und freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin
Es geht um drei Generationen und das Leben auf dem Land. Auf einem Hof steht Arbeit an erster Stelle. Joanna reist nach Afrika, weil sie in Uganda Freiwilligendienst leisten möchte. Ihre Mutter Marlies will sich nicht den Pflichten des Bauernhofs unterordnen. Die alte Bäuerin Lisbeth gibt das Kommando vor, immer nur zum Wohle des Hofs. Sie hat auch ein Geheimnis. Ihr Sohn Konrad will von seiner Frau Marlies 7 Kinder und wäre auch noch mit 5 einverstanden. Dann gibt es die ersten Streitereien, weil Marlies nur 1Kind möchte. Den Traktor Führerschein und in den Schießverein will sie.
Das Leben der drei Protagonisten verhält sich fast so ähnlich wie der Titel des Buches aussagt. Es wird viele gedacht aber nichts wirklich ausgesprochen. Erst mit der Schwangerschaft von Joanna ändert es sich etwas. Nur Mutter und Tochter haben ein engstirniges Verhältnis. Joanna vertraut sich zuerst der Bäuerin Lisbeth an, was wiederum ihre Mutter wütend macht. Ich fand es sehr berührend wie Lisbeth und Joanna miteinander harmonierten. Und Lisbeth bricht ihr Geheimnis, sie hat keine Angst mehr vor dem Getratsche im Dorf. Das hat mir gefallen.
Konrad und Marlies verstehen sich immer weniger, ich hab schon bei den ersten Diskrepanzen gemerkt was sich da entwickelt zum Ende hin. Mit zunehmendem Alter wird auch die alte Bäuerin ausgeglichener, aber mit der Mutter ihrer Enkelin wird sie sich nie anfreunden.
In Frau Manks Schreibstil bildet man sich schließlich die Worte ein, die nie gesagt wurden. An manchen Stellen fand ich es sehr betrüblich. Gefühle kommen selten vor, ich frage mich, war dass das wirkliche Leben in der Landwirtschaft zur damaligen Zeit. Die heutige Generation genießt mit Sicherheit sehr viel mehr Freiheiten.
Das Buch hat mir gefallen, die Charaktere wurden realistisch dargestellt. Empfehle das Buch gerne weiter. Es regt zum Nachdenken an.
Das Buch hat ein wunderschönes Cover. Sowohl optisch als auch haptisch sehr ansprechend. Mit seinem Klappentext über drei Frauen, aus drei Generationen, auf einem Hof, hat es mich richtig neugierig gemacht. Und genau diese unterschiedlichen Generationen mit ihren jeweiligen Ansichten, Vorstellungen und Werten, mach die Story sehr überzeugend.
Als Lisbeths Sohn seine Auserwählte Marlies mit auf den Betcheshof bringt, ist für Lisbeth nichts mehr so wie es vorher war. Sie kann Marlies einfach nicht verstehen. Statt sich wie eine traditionelle Bäuerin zu verhalten, will Marlies arbeiten gehen. In einem Kaufhaus! Auch macht Marlies einfach alles anders als Lisbeth. Marlies hingegen, will sich von ihrer Schwiegermutter nicht in ein altbackenes Schema pressen lassen. Für sie bedeutet Freiheit, arbeiten gehen zu können und eigenes Geld zu verdienen. Nichts kann sie Lisbeth recht machen. Und will es eigentlich auch gar nicht. Als dann Marlies Tochter Johanna für ein Jahr nach Afrika reisen will, fehlt sowohl bei Marlies als auch bei Lisbeth jegliches Verständnis.
Ute Mank erzählt eine berührende Geschichte über die Vorstellung vom Leben, die in jeder Generation eine andere ist. Wenn dann auch noch das Verständnis für sein Gegenüber fehlt, treffen Welten aufeinander. Erwartungen finden keine Erfüllung. Statt dessen entstehen viele Konflikte, denen fehlende Kommunikation sein übriges gibt.
Ich fand die unterschiedlichen Vorstellungen der drei Frauen ganz wunder- und nachvollziehbar offen gelegt. Marlies war mir dabei, mit so einigen Parallelen, am nächsten. Der Schreibstil von Ute Mank ist anders, war für mich aber flüssig und gut lesbar.
Mir hat die Geschichte über die unterschiedlichen Lebensvorstellungen sehr gut gefallen und mich oft zum Nachdenken angeregt. Für mich ein vier Sterne Buch.
Ich muss ehrlich zugeben: nach ein paar Seiten habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt das richtige Zielpublikum bin und die Handlung mich in irgendeiner Weise tangiert. Das Setting - ländlich, Bauernhof; die Thematik - Menschen, die ohne Kommunikation untereinander einfach ihre Arbeit erledigen und sich einsam und unverstanden fühlen. Irgendwann habe ich allerdings nicht mehr darüber nachgedacht, war in der Story drin und habe mich in die Gedankenwelt der Frauen fallen lassen. Da gibt es Lisbeth, die Bäuerin des Hofes, die fest in Traditionen verankert ist, nicht viel hinterfragt und so lebt, wie viele Frauen vor ihr. Und ihre Schwiegertochter Marlies, die als Teenager die ersten Hippies bewunderte und als Nichtbäuerin auf den Hof kommt, sich bevormundet fühlt und nicht angenommen - heimatlos auf einmal. Zuletzt kommt die dritte Generation dazu, Joanna, Marlies Tochter und Lisbeths Enkeltochter, die sich keinen Zwängen unterwirft und, geboren in einer modernen Zeit, ganz andere Wege für sich und dem Miteinander findet. Das Buch hat stellenweise heftig geschmerzt, weil all die ungesagten Dinge so viel Platz einnehmen und die Protagonistinnen so sehr leiden: unter den Missverständnissen, dem nicht anerkannt werden, der inneren Einsamkeit. Man schwankt zwischen Mitgefühl und Verständnislosigkeit - sieht sich mal der einen, dann wieder der anderen verbunden. Ute Mank hat eine schlichte Sprache gewählt, die gut zum bäuerlichen Ambiente passt und auch unterstreicht, dass wir es hauptsächlich mit Gedanken zu tun haben, unausgesprochene Dinge, oftmals nicht zu Ende gedachte Sätze. Letztlich fand ich das Buch sehr eindringlich und einnehmend und es hat mich sehr oft zum Nachdenken gebracht.
Ute Mank nimmt den Lesenden an die Hand und zeigt die andere Seite des Landlebens. Weg von den glücklichen Kühen, den fröhlichen Kindern auf dem Hof und der harmonischen Großfamilie hin zu einer Familie, die kaum miteinander spricht und über ihre Gefühle schon gar nicht. Vieles wird allein ausgefochten, tief in sich hineingefressen und ein großer Schutzwall um sich herum aufgebaut. Bloß keine Schwäche zeigen, was werden die Nachbarn dazu sagen?
Obwohl die Frauen im gleichen Boot sitzen, obwohl sie es wissen, ändern sie nichts. Sie unterstützen sich nicht wirklich, stärken sich nicht den Rücken, sondern tragen selbst untereinander kleine Machtkämpfe aus.
Die Autorin beschreibt das Landleben so genau, so detailliert, dass man das Gefühl bekommt im Haus der Familie am Küchentisch zu sitzen. Ich bin kein Dorfkind, kenne aber das Kleinstadtleben, welches sich leider in manchen Situationen nicht so stark vom Dorfleben unterscheidet. Beklemmend, phasenweise befremdlich und traurig empfand ich so manchen Gedanken von den Protagonistinnen.
Obwohl die Geschichte ein sehr gutes Bild vom Dorfleben gezeichnet hat, konnte es mich trotzdem nicht so richtig packen. Der Schreibstil und die Erzählweise waren für mich zu zäh, zu langatmig. Es fehlte mir etwas die Dynamik (vielleicht war die Langsamkeit auch gewollt) und die Spannung.
Trotzdem, wer ein Buch über das Landleben und den Kampf um die eigene Verwirklichung lesen will, sollte das Buch mal zur Hand nehmen.
Drei Generationen auf einem Bauernhof: Lisbeth ist die Erbin des hochangesehenen Bethches-Hofs in einem kleinen Fachwerk-Dorf in Hessen. Sie ist Patriarchin durch und durch, diszipliniert, organisiert und von früh bis spät arbeitend, immer darauf bedacht, was die Anderen, die Nachbarn, über sie sagen könnten. Wenn sie durchs Dorf geht, trägt sie ihre Nase hoch.
Als Lisbeths Sohn heiratet und die moderne Marlies zu ihnen auf den Hof zieht, erhofft sie sich Unterstützung von der Schwiegertochter. Marlies jedoch möchte weder eine Kinderschar gebären, noch ihre Arbeit im Modehaus aufgeben. Es brodelt und der Konflikt nimmt seinen Lauf. Das keiner über Probleme und Gefühle in der Großfamilie spricht, macht es nicht einfacher. Als das langersehnte Enkelkind Joanna endlich geboren wird, nehmen die Unstimmigkeiten mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Kindererziehung noch zu.
Ute Mank lässt uns in ihrem Debütroman an dem Alltagsleben mit Traditionen in einer Bauernfamilie teilhaben. Sie beschreibt wunderbar wie sich der Hof mit jeder Generation verändert. Dadurch, dass Lisbeth und Marlies im Wechsel erzählen, hadert oder leidet man mit ihnen.
Es ist einerseits ein Roman über einen Generationskonflikt und die fortschreitende Industrialisierung, als auch die Rollenveränderung der Frau, in ihrem Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit. Das Buch Wildtriebe von Ute Mank regt zum Nachdenken an. Eine Leseempfehlung von mir! 4½ Sterne
Zum Buch: Marlies heiratet in den Bethches Hof ein. Dieser wird von der Hoferbin Lisbeth und ihrem Mann geführt. Als später noch Joanna, das Enkelkind von Lisbeth, kommt waren es drei Frauen, drei Generationen die aufeinandertreffen. Lisbeth ganz traditionell, Marlies gefangen in der Emanzipation und zu letzt Joanna, die einen ganz anderen Weg geht.
Meine Meinung: Ich mag das Cover sehr gerne, das florale. Und ich war unglaublich neugierig auf die Geschichte und bin vielleicht mit falschen Erwartungen an das Buch zum Lesen gekommen. Kurzum, es konnte mich nicht erreichen. Ich fand es zwar sehr interessant und hatte auch einige Erinnerungen an meine Kindheit, als wir noch sie Milch auf die Hof abholten. Aber alles in allem konnte mich die Geschichte einfach nicht erreichen. Ich empfand es eher wie eine Art Biografie von Lisbeth. Erinnerungen nahtlos aneinander gereiht. Auch haben mich die deutlich fehlenden Kapitel oder wenigstens Absätze (ich las das eBook) verwirrt, ich wusste dann manchmal nicht von wem gerade die Rede ist, ob Marlies oder Lisbeth. Irgendwie kam bei mir das ganze nicht so richtig an. Ich hatte mir was anderes erhofft und auch erwartet. Es konnte mich einfach nicht überzeugen, mir fehlte die Geschichte in dem Buch, ich wusste bis zum Ende nicht, worauf es eigentlich hinausläuft.
Ruhige Geschichte mit tiefen Einblicken in die Gedankenwelt der Protagonistinnen
In ihrem Roman „Wildtriebe“ erzählt die Autorin Ute Mank, die Geschichte zweier Frauen welche stellvertretend für ihre jeweilige Generation stehen könnten. Ihre Erzählung ist dabei ruhig und legt den Fokus auf die inneren Gefühlswelten der Figuren. Erstaunlicherweise passiert an sich gar nicht so viel in der Geschichte, dennoch konnte mich die Erzählung fesseln, da man als Leserin sehr nah an den beiden Hauptcharakteren Lisbeth und Marlies dran ist. Weitere Figuren, insbesondere die Männer, bleiben im Gegensatz dazu allerdings blass. Die Konflikte, Gedankengänge und auch das Leben auf dem Bauernhof waren für mich sehr authentisch beschrieben. Hier wurde nichts beschönigt, insbesondere unterschiedliche Generationskonflikte wurden gelungen herausgearbeitet. Der Schreibstil las sich, nach einer kurzen Eingewöhnung, flüssig und leicht. Besonders gerne mochte ich dabei die anschaulich beschriebene Szenerie, sowie die Erklärung zum Titel. Die Grundstimmung des Buchs ist eher getragen, da es nur wenige fröhliche Passagen gab. Einen lockeren Unterhaltungsroman findet man hier also definitiv nicht. Für mich war am Ende aber alles so stimmig, dass ich gerne 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung vergebe!
Drei Frauengenerationen unter dem Dach eines Bauernhofes. Wie war das damals vor 50 Jahren, wie vor 30 Jahren und wie heute? Jede der drei Frauen hat ihre eigene Beziehung zu diesem Leben, zu diesem Ort. Die einen sind dort glücklich und zu Hause, die anderen sind nie wirklich angekommen.
Schon auf den ersten Seiten hatte ich mich in das Buch verliebt. Mir gefiel der Schreibstil unheimlich gut und auch die ständig wechselnden Perspektiven zwischen Marlies und Lisbeth (Joanna spielt erst gegen Ende des Buches eine größere Rolle). Beides starke und beeindruckende Frauen, die es miteinander wirklich nicht leicht haben. Und eigentlich macht keine etwas falsch – es sind eben zwei Generationen von Frauen. Und gerade für Frauen, hat sich in dem Erzählzeitraum so viel verändert, dass die eine Generation die andere oft nicht mehr versteht.
Ich habe mich in dem Buch durchweg wohlgefühlt und fand das Ende sehr passend und stimmig. Für mich eine klare Leseempfehlung für Leser, die auch mal gerne ruhige Geschichten mögen.
Ganz besonders beeindruckend fand ich hier die Covergestaltung. Motiv, Farbe und Haptik – hier stimmt einfach alles. Und bei mir lag sogar noch ein ganz besonderes Lesezeichen bei. Man kann es einpflanzen und dann wachsen Blumen daraus.
Auf dem Betchen-Hof leben drei Generationen Frauen zusammen. Lisbeth, ihre Schwiegertochter Marlies und ihre Enkeltochter Joanna. Während für Lisbeth der Hof immer an erster Stelle stand ist es bei ihrer Schwiegertochter schon anders, Marlies geht arbeiten. Aber ganz schlimm trifft Lisbeth die Entscheidung von Joanna, die nach ihrem Abitur nach Uganda geht ...
Drei Generationen, der Frauen, drei Leben. Ein Buch, welches meiner Meinung nach auch Generationen lesen sollten. Denn irgendwo kann ich jede Frau verstehen und dann auch wieder nicht. Wie viel leichter wäre es, wenn sie miteinander reden würden. Eine ganz tolle, berührende Geschichte über die verschiedenen Generationen über deren Wünsche und auch über ihre Enttäuschungen. Sehr einfühlsam erzählt. Ein flüssig zu lesender Schreibstil macht es einfach, die Geschichte ist tiefgründig und trotzdem leicht zu lesen. Mir hat es sehr gefallen und ich denke wirklich, gerade die jüngste Generation kann vielleicht die ältere nach dem Buch besser verstehen. Und andersrum genauso. Tolle Unterhaltung, absolut empfehlenswert.