(knappe) 4 Sterne ⭐⭐⭐⭐
Ich wollte dieses Buch wirklich lieben. Als ich erfahren habe, dass der Protagonist gehörlos ist, musste ich das Buch SOFORT haben.
Der Einstieg fiel mir auch noch relativ leicht, auch wenn ich schon ab dem ersten Kapitel von der Länge genervt war. Es kann nicht sein, dass die Kapitel in einem New Adult (!) Buch ca. 40 Seiten umfassen. Das. ist. zu. viel.
Zum Glück war der Schreibstil sehr flüssig und gut zu lesen, weshalb ich doch überraschend gut durch die Seiten kam.
Außerdem hat mich Drew sowieso vom ersten Moment an mit seinem Charme verzaubert. Ich finde es toll, dass er gehörlos ist. Seit Ewigkeiten wollte ich mal wieder ein Buch mit dieser Thematik lesen. Und ich bin Drew sofort verfallen. Seine ehrliche, humorvolle und absolut freundliche Art war einfach umwerfend und absolut Bookboyfriend-Material.
Drew war wirklich toll, July nicht.
Anfangs hatte ich noch keine allzu großen Probleme mit ihr. Aber je mehr ich gelesen habe, desto unsympathischer wurde sie mir. Sie war zickig und stur. Sie war abweisend zu Drew, ohne es ihm zu erklären. Jeder Mensch mit Anstand hätte ihm gesagt, wieso die beiden nicht zusammen sein können, aber nein – July macht da ein Riesendrama draus und anstatt den Mund aufzumachen, lässt sie ihn einfach stehen und rennt weg.
Sie war ständig nur auf sich und ihre Träume fixiert, hat Drew bewusst verletzt und wollte ihm bewusst Schaden zu fügen und hat mehr als nur fragwürdige Entscheidungen getroffen. Deshalb bin ich am Ende zu dem Schluss gekommen, dass July Drew nicht verdient. Sie verdient ihn nicht. Ende. Punkt. Aus.
Sie hat ihn von sich gestoßen, ignoriert, furchtbar reagiert, als er ihr seine Liebe gestanden hat, ihr eigenes Wohl stets über seines gestellt und hat lieber an das gedacht, was sie verloren hat, anstatt eine unterstützende Freundin für ihn zu sein.
Die Textnachrichten zwischen den beiden waren wirklich süß und haben das ganze Buch aufgelockert, aber leider hat das nicht gereicht, weshalb ich mir zum Ende hin wirklich gewünscht habe, dass Drew ihr nicht verzeiht und dass die beiden nicht zusammenkommen. So weit hat July mich also gebracht.
Aber es war sowieso alles andere viel wichtiger als die eigentliche Liebesgeschichte der beiden. Ein Großteil wurde von dem Gerede über Bo und Joshua, und Penny und Kyle eingenommen. Das wurde so oft thematisiert, dass ich gedacht habe, ich würde eine Liebesgeschichte über Bo und Joshua lesen. Und ganz ehrlich? DIE Liebesgeschichte würde ich wirklich gerne lesen, sie hat sehr viel Potenzial. Nur zwischendurch gabs auch mal was über July und Drew.
Der Rest wurde fast gänzlich von dem Familiendrama eingenommen. Ich mag es, wenn New Adult Bücher noch andere Handlungsstränge haben und sich nicht jede Seite um das Paar dreht, aber in diesem Buch war das leider einfach zu viel. Es hätte vielleicht etwas weniger sein können, dann wäre es gut gewesen. Denn an sich mochte ich das Drama. Zum Ende hin wurde es noch mal richtig spannend und wäre es vorher mehr um Drew und July gegangen, hätte es mir womöglich besser gefallen. Aber so sind die beiden in dem ganzen anderen Drama einfach untergegangen.
Was mir definitiv gefehlt hat war die Thematik rund um Drews Gehörlosigkeit. Ich hätte gerne mehr darüber und generell über Gebärdensprache etc. gelesen. Vor allem, da das der Hauptgrund war, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Generell ist Drews Vergangenheit ziemlich blass geblieben. Seine Eltern wirkten mehr wie Geister, über die man redet, aber von denen man nicht weiß, ob sie wirklich da sind. Irgendwie sind sie ein Mysterium geblieben. Gerne hätte ich auch mehr über Drews Glauben gewusst. Diese Thematik wurde angeschnitten, aber nie richtig thematisiert, weshalb man nur mit halben Tatsachen zurückgeblieben ist. Wahrscheinlich wäre eine wechselnde Perspektive besser gewesen.
Und warum kriegt das Buch trotzdem vier Sterne? Tja, gute Frage. Mein Gefühl sagt mir das.
Ich mochte das Drama dennoch, ich fand Drew toll und ich mochte auch Bo, Joshua, Haley und Mateo. Gut, July war furchtbar und Penny mag ich ehrlichgesagt auch nicht (ach, und Kyle natürlich auch nicht, aber den ignorieren wir mal).
Aber das Buch konnte mich trotzdem gut unterhalten.
Deshalb habe ich auch sehr gemischte Gefühle, was dieses Buch angeht. Einerseits war es leider nicht das, was ich erhofft hatte. Gleichzeitig ist es auch nicht so, dass ich gar nichts bekommen habe. Es war nur nicht das, was ich mir gewünscht hatte.
Beim Ende bin ich genauso zwiegespalten. Ich mochte es zwar, dass das letzte Kapitel noch relativ offen ist, hätte mir aber trotzdem gerne gewünscht, die Aussprache der beiden ausführlich lesen zu können. Der Epilog war auch unbefriedigend. Man erfährt, wie es mit den beiden weitergeht und das zweite Buch rund um Haley und Mateo wurde auch angeteasert, aber alles in einem hätte ich mir mehr erhofft.
Trotzdem werde ich Band Zwei wahrscheinlich noch lesen.
Insgesamt weiß ich wirklich nicht, wie ich das Buch zusammenfassen und die vier Sterne rechtfertigen soll. Das Buch war leider nicht das, was ich mir erhofft hatte. Mit der Protagonistin hatte ich große Schwierigkeiten, die anderen Charaktere mochte ich aber. Das Ende hätte ich mir gerne anders gewünscht und die Liebesgeschichte hätte mehr im Vordergrund stehen müssen, genauso wie Drews Gehörlosigkeit. Trotzdem konnte mich das, was im Vordergrund stand, gut unterhalten und die Spannung, die aufkam, konnte mich auch mitreißen.
Halten wir fest: Ich bin zwiegespalten und weißt ehrlichgesagt nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Darum bleibt meine Rezension jetzt leider so durcheinander. Zumindest kommt sie mir durcheinander vor.