Jump to ratings and reviews
Rate this book

Wer wird überleben?: Die Zukunft von Natur und Mensch

Rate this book
Longlist für den NDR Sachbuchpreis 2021 Wir stehen vor einem historischen Wendepunkt in unserem Verhältnis zur Mit der Coronapandemie sind zum ersten Mal die Auswirkungen der Arten- und Biodiversitätskrise für uns als Spezies Mensch größer als die globalen Folgen des Klimawandels. Lange schon haben Artenschutzexperten gewarnt, dass ein solches Virus durch den ausrottenden Handel mit Wildtieren entstehen wird. Haben wir diese Wucht, den kommenden Wandel noch im Griff? Lothar Frenz hat bei Expeditionen – etwa in den Regenwald Amazoniens, nach Indonesien und Afrika – viele Aspekte des Artensterbens und der Biodiversitätskrise erlebt. Eindrucksvoll zeigt er auf, wie vielschichtig die Probleme sind, die wir in den nächsten Jahren lösen mü Wie soll unsere Erde aussehen? Bietet sie genug Platz für die ständig wachsende Menschheit und alle anderen Lebewesen? Wer soll, wer darf mit uns hier leben – und wer nicht? Welchen Planeten wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Dieser durchaus moralischen Frage müssen wir uns stellen. Ökologie aber kennt keine Moral, sagt Frenz, nur Folgen – und die betreffen das gesamte Ökosystem der Erde. Wir müssen also Kriterien entwickeln, um die Überlebensfrage zu entscheiden, die auch längst an uns gestellt ist. Wir brauchen ein neues Selbstbild, damit der Lebensraum Erde für uns Menschen weiterhin eine gute Zukunft bietet.

390 pages, Kindle Edition

Published April 20, 2021

4 people are currently reading
45 people want to read

About the author

Lothar Frenz

11 books
Lothar Frenz (1964) estudió Biología en la Universidad Johannes Gutenberg de Maguncia, donde también realizó un curso de posgrado de Periodismo. Desde 1991 trabaja como periodista independiente. Es redactor de la revista Geo, en la que escribe con regularidad, y es autor de numerosos guiones para Löwenzahn, una serie cultural infantil de la televisión alemana.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
5 (31%)
4 stars
10 (62%)
3 stars
0 (0%)
2 stars
1 (6%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for nettebuecherkiste.
685 reviews178 followers
March 16, 2023
Ich hatte zunächst den Titel des Buchs zu wörtlich genommen. Es geht weniger um eine Prognose, welche Arten die Zerstörung ihres Lebensraumes und die menschengemachte Klimakatastrophe überleben werden, sondern darum, warum es so wichtig ist, die Biodiversität und damit möglichst viele Arten, inklusive solcher, die wir nicht besonders mögen, zu retten. Das gilt auch für Parasiten. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die ich aus diesem Buch mitnehme, welch ungeahnte Rollen die verschiedenen Arten, selbst die schauderhaftesten Ergebnisse der Evolution, wie etwa der Guineawurm oder der früher auch bei uns verbreitete Spulwurm spielen. Es wird diskutiert, wie wir die Rettung bewerkstelligen können, mit welchen Schwierigkeiten dies verbunden ist (Stichwort Triage) und ob eine eingeschränkte Nutzung sinnvoller wäre als ein Totalschutz. Ein sehr interessantes und wichtiges Buch. Vor allem die Sache mit den Würmern ist faszinierend.
Profile Image for Klaus Mattes.
712 reviews11 followers
June 2, 2025
Rat, für die's noch nicht gekauft haben: Den oben gezeigten Verlagstext bitte erst einmal beiseite lassen! Dann die einzige Review, die's vor mir hier gab, gerade bei der Ich-Botschaft mal sorgfältig lesen! Nettebuecherkiste hat das Buch zwar doch noch gefallen, aber kaufen und lesen wollte er ein anderes! Er hatte sich was über eine globale Biokatastrophe, eine Art Armageddon des Artensterbens, das wohl mit der Klimaerwärmung zu tun hätte, vorgestellt. Und das ist nicht nur ihm unterlaufen, sondern es liegt daran, dass ein Verlag seinen Sachbuch-Autoren für den Gebrauch eines Titel erwärmt hat, der dem Leser anderes zu versprechen scheint (!, dieser Aspekt ist wichtig: Man hat es angeblich nie so gemeint, wie es nachher leider verstanden worden ist), als ihm der Inhalt nun liefert. Das liegt daran, dass Stimmungen, auch „Neugierden“ in der medialen Öffentlichkeit sich in Veränderungsprozessen befinden, Sachbücher oft aber ihren jahrelangen Vorlauf haben. Besonders, wie hier, wenn einer allerlei Reportage-Szenen zusammenklebt, die er sich in 20 Jahren voller Reisen in exotische Biotope angeeignet hatte.

Was man sehen müsste, bevor man das hier liest, ist, dass dieser Lothar Frenz kein politisch denkender Mensch ist, kein Klimaaktivist, kein Weltuntergangswarner, wie es in ihren späten Jahren Host Stern oder Hoimar von Ditfurth wurden. Vielmehr ist dieser Biologe mit Aufbaustudium Journalismus, jahrelanger Mitarbeiter des GEO-Magazins und der Jugendredaktion des ZDFs, ein legitimer Erbe von Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann. Er will vor allem „fast Unglaubliches“ anbringen, von dem man noch nie hörte, an dem man jetzt aber sieht, wie „gut überlegt“ der Kosmos zusammengebaut ist. Ums kindliche Staunen ist ihm zu tun, sein Panoptikum will er. Was dazu führt, dass alles abwechslungsreich und unterhaltend ist, alles irgendwie singulär in der Landschaft herumsteht, sich, entgegen Frenz' Manie, den Lesern vor den Kapiteln Listen mit selbstreflexiven Fragen über ihr Naturbild zu unterbreiten, eine Art Ethik für den Frieden mit der Schöpfung oder konkrete In- und Out-Listen für Individuen wie für die staatlichen Organisationen daraus aber nicht entstehen. Man liest, man wundert sich, dankt Autor und Schöpfer, vergisst es hinterher ganz schnell, wie das mit Naturkundemuseen im 19. Jahrhundert auch war.

Man muss Frenz insofern in Schutz nehmen, als es nie seine Intention war, eine Streitschrift über den „menschengemachten Artenmord“ zu schreiben. In diese Nähe rücken Marketingstrategen so ein Buch. (Aber, das bitte nicht leugnen, sie tun es!) Frenz kümmert sich nicht darum, welche vielleicht nur Null-Komma-Grad-Steigerungen in Wasser oder Schlamm die Fertilitätsraten um wie viele Prozent verändern. Oder welche chemischen Substanzen sich wo in den Nahrungsketten konzentrieren und Tod und Unfruchtbarkeit auslösen. Er fragt sich nicht, wie viele Arten insgesamt schon weg sind, ab welcher Schwelle die Interdependenz aller Lebensformen den unaufhaltsamen, unumkehrbaren Bergsturz des Aussterbens auslöst. (Für simple Gemüter: in etwa so etwas wie das Verschwinden aller Untertypen von Dinosauriern.) Lothar Frenz kümmert sich punktuell um gar nicht so verbreitete Arten an abgelegenen Orten. Kleine Vögel sterben auf kleinen Inseln vor Neuseeland aus, wenn vorher nicht gelingt, eine Art Iltis zu töten, die der Mensch dort absichtlich hingebracht hatte, um gefräßige Insekten oder Kröten zu töten.

Ja, etliche Arten sind ausgestorben, dennoch kann man sie vielleicht zurückholen. (Das ist doch interessant. Okay, ist es, enthält aber keinen Ausweg aus der Generalkrise des gegenwärtigen Artensterbens.) Nämlich, erklärt uns Frenz, es gibt mehrere Archive mit aus dem ewigen Eis geborgenem Gen-Material. Man könnte es schaffen, dass Mammuts wieder auferstehen. (Oder Elefanten und Nashörner überleben, weil ihnen keine Stoßzähne mehr wachsen.) (Und eine Idee, die er dann mehrfach entwickelt: Riesige Schutzgebiete könnten ausgewiesen und mit Guides geschützt werden, die auf diese Art Arbeit und Brot hätten, also nicht mehr mit Landwirtschaft Arten ausrotten. Mit anderen Worten: Der Fotosafari-Tourismus der Reichen rettet die Tierarten. Er zeigt das anhand einer extrem behörnten Bergziege in Mittelasien, die man für exorbitante Summen nun auch wieder schießen darf.)

So ist man im Nordosten von Sibirien dabei, eine Art Zwischending zwischen Pferd und Antilope zurückzuholen, für die man geklonte Tiere mit Zootieren kreuzt, in deren Genpool man Teile der verlorenen DNA aufgespürt hat. Und in diesem Fall ist das nicht nur „Nice to have“, sondern dimmt den globalen Klimawandel tatsächlich um ein Teenie-weenie-Bizzele herunter. Der neue arktische Tundrabewohner trampelt den Tiefschnee weg, um ans Gras darunter zu kommen. Dann zieht er weiter, jetzt liegt der Boden offen, friert viel tiefer runter ein, so, wie das früher war, neuerdings nicht mehr, wegen dem Klimawandel, der Methan, das wesentlich gefährlichere Klimagas (im Vergleich zu CO2) aus der Erde „taut“.

Oder Vögel auf Bali, der überbevölkerten Insel. Dort hat sich, vom Internet befördert, eine Art Massenwahn des Geldverdienens mittels Singvogel-Gesangswettbewerben eingespielt, sodass in den Wäldern fast keine Singvögel mehr sind. Und sie jetzt auch auf den benachbarten Inseln ausgerottet werden. Was erst mal nicht so schlimm scheint, aber, indem die Vögel nicht mehr fressen und koten, werden gewisse andere Arten nicht länger im Zaum gehalten, gewisse sonstige Arten nicht bestäubt. Letztlich verarmt der gesamte Dschungel.

Womit Frenz bei einem seiner Lieblingsthemen wäre: dem Umbau ganzer Landschaften durch das Verschwinden oder die Rückkehr von, vor allem, großen Säugetieren. Es geht hier um Bären, Wölfe, Löwen, Elefanten, Nashörner, Büffel, Antilopen, Hirsche. Frenz zeigt, dass die herrliche Yellowstone-Natur nicht so urwüchsig war, wie man damals dachte, als man beschloss, sie zu bewahren, dafür den ersten Nationalpark der USA schuf. Vorher hatten die Menschen Bären und Wölfe abgeknallt, die ihre Landwirtschaft gefährdeten. Mit der Rückkehr der Großräuber erfahren Hirsche verbuschte Regionen als Panikzonen und meiden sie. Dadurch kommen bestimmte Pflanzen wieder hoch, die die Hirsche ansonsten gefressen oder zertrampelt hätten. Letztlich gibt es heute mehr Arten als vor 100 Jahren. Die größeren Fische in den Bächen haben die Bären allerdings reduziert, aber gerade darum hat die Zahl der kleinen und der Schalentiere sich erholt.

Wirklich heikel wird die Frage „Wer wird überleben?“ bei der vom Kollegen hier bereits erwähnten Sache mit den Guineawürmern im afrikanischen Savannengürtel. Nachdem man sich ab den 1950-er Jahren der globalen Ausrottung der Pocken-Viren (mittels Schutzimpfungen) gewidmet hatte (und ab den 1970-ern Vollzug melden konnte), machte die UN sich ab den 1960-ern an die Ausrottung dieser Würmer. Dabei haben wir es - Frenz' Lieblingseffekt: „Gell, das habt ihr nie gehört, ist aber faszinierend!“ - mit keinem Virus zu tun, sondern einem Wurm, der sich, fast einen halben Meter lang werdend, durchs Innere menschlicher Körper frisst, „Alien“ sozusagen, bevor er eines Tages seinen Kopf durch die Haut streckt! Damit man ihn so lange nicht merkt, hat ihn die Schöpfung mit der Gabe versehen, Opioide abzugeben, er betäubt lokal, wo er sich gerade aufhält. Doch die Reproduktion funktioniert nur, wenn er zu einem winzigen Parasiten im Inneren eines Fusskrebschens wird. Er zwingt die Menschen mit roten Beulen an ihren Gliedmaßen, dann auch mit grausigen Schmerzen und Hitzegefühlen, Erleichterung im Wasser zu suchen. Im Wasser brechen die Mini-Aliens durch die Haut, lassen sich von den Krebsen, die sie später wieder umbringen, auffressen. Was tut man da? Man klärt die Menschen auf, dass sie sich mittels einem Tage dauernden Prozess ihre Würmer sehr langsam aus der Haut drehen lassen (um ein Hölzchen herum) – und dass sie dem Schmerz nicht zum Wasser folgen.

Wie gesagt, ich gebe meinem Kollegen ja Recht, interessant ist es. Wir sind hier übrigens auch nah bei dem Rossetäuschertrick der Titelvergabe. Worauf Frenz nämlich raus will, ist: „Wer darf überleben?“ Der Mensch hat die Macht und die Verantwortung Spezies zurückzuholen, überleben zu lassen, indem er ihre Feinde tötet – oder eben auch nicht, indem er sie vernichtet. Da aber alles mit allem zusammenhängt, hat auch dieses seine Konsequenzen. Wenn die Bauern am Wurm krankten, konnten sie nicht mehr arbeiten und ihre Kinder verhungerten. Wenn sie dauerhaft bei Kräften und Gesundheit bleiben, wird die Landwirtschaft sich ausweiten, die Savanne samt dem Artenkosmos geht unter. Wen will man überleben lassen? (Klar, dass der Autor das nicht beantwortet.)

Der Trick der Verlagswerbung ist, statt „Wer darf überleben?“ „Wer wird überleben?“ zu schreiben, dem Ganzen einen Dreh zum Final Countdown zu geben, den Lothar Frenz, unser Heinz Sielmann, in dieser Form nie gemeint hatte.

Wir stehen vor einem historischen Wendepunkt in unserem Verhältnis zur Natur: Mit der Coronapandemie sind zum ersten Mal die Auswirkungen der Arten- und Biodiversitätskrise für uns als Spezies Mensch größer als die globalen Folgen des Klimawandels.


Mag sein, hat aber mit dem, was im Buch dann wirklich vorkommt, praktisch nichts zu tun.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.