In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist in den Kultur- und Sozialwissenschaften eine bemerkenswerte Neuorientierung und Akzentverschiebung zu beobachten: Materialitäten werden zunehmend thematisiert und neu konzeptualisiert. Gemeinsam ist den sogenannten Neuen Materialismen die Überzeugung, dass der »linguistic turn« oder primär semiotisch verfahrende Ansätze unzureichend sind, um das komplexe und dynamische Zusammenspiel von Bedeutungsprozessen und materiellen Gefügen zu erfassen. Der Einführungsband bietet erstmals einen Überblick über zentrale Debattenstränge dieser Forschungsperspektive. Er stellt wichtige Vertreter_innen wie Jane Bennett, Karen Barad, Rosi Braidotti und Donna Haraway vor und zeigt das Innovationspotenzial dieses Forschungsgebiets ebenso auf wie analytische Inkonsistenzen und konzeptuelle Leerstellen.
Sehr gutes Überblickswerk, super in den neuen Materialismus einleitend! Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass die Theorien eher getrennt voneinander thematisiert werden, obwohl sie (meiner Meinung nach) intraaktiv aufeinander einwirken und verwoben sind.
Ich war etwas überrascht über die Vielzahl der Ansätze. Und man merkt, so viel Materialfülle in einem kleinen Buch einen Preis hat: Die Sprache ist nicht gerade einfach, ein "vorbildlicher" Nominalstil gewissermaßen bis hin zum philosophisch-materialistischen Buzzword-Bingo. Wer damit klar kommt, kann hier einige Anregungen bekommen. Gut und hilfreich fand ich jeweils die kritische Auseinandersetzung mit den Themen, dadurch bekommt man nochmal ein etwas besseres Verständnis.