Die Museumsangestellte Rubi wird aus ihrem unaufgeregten Leben gerissen, als sie zufällig zur Komplizin der Umweltaktivistin Iana wird. Die zwei unterschiedlichen Charaktere machen auf das Massensterben von Amphibien aufmerksam und überschreiten dabei die Grenzen der Legalität ebenso wie Rubis Komfortzone. Was Rubi dabei erfährt, facht einen ungekannten Zorn in ihr an, der sie zu weiteren Aktionen antreibt. »Entlarvung« ist DER Roman unserer Gegenwart, in der Klimagerechtigkeit und Umweltschutz stärker ins Bewusstsein drängen. »Entlarvung« zeigt die Innensicht einer persönlichen wie auch politischen Entwicklung, die nicht weniger fordert als das Abwenden der Klimakatastrophe und das Hinterfragen dessen, was wir sind und sein wollen. Als Leser*in wird man zur Sympathisantin dieser Entfesselung aus festgefahrenen Strukturen. Aus dem inneren Aufbruch wird ein äußerer Ausbruch mit allen Ambivalenzen und Fragen, mit der Euphorie und der Verzweiflung, die der Aktivismus mit sich bringt. »Entlarvung« ist ein Roman über die Illusion einer funktionierenden Welt, über das Bild von uns selbst und die Masken der anderen, über die Ignoranz gegenüber der menschengemachten Naturkatastrophe, über eine Entwicklung, die uns auf die eine oder andere Art umbringen wird – es sei denn, wir bezwingen die Illusion.
Ich finds schon ein bisschen legendär. Das Buch geht um den Politisierungsprozess der Hauptfigur. Sie begegnet per Zufall einer Aktivistin, diese löst ein Informationsdomino in ihr aus. Statt ihre komplette Zeit mit Lohnarbeit im Museum zu füllen, setzt Rubi sich jetzt mit dem System in dem sie lebt auseinander und merkt nach und nach, dass da einiges schief läuft. Sie durchläuft verschiedene Phasen der Politisierung, wobei Verzweiflung, Wut aber auch Triumph bei Aktionen maßgebend sind. Die Emotionen werden ziemlich gut dargestellt finde ich. Ihre Verzweiflung über den doch so offensichtlich anstehenden Zusammenbruch des Ökosystems kann sie mit viel zu wenigen Menschen teilen und trifft stattdessen immer wieder nur auf Unverständnis. Szenen spielen sich in einer Waldbesetzung, auf dem Wagenplatz oder in einem kurzerhand besetzten Schlachthaus ab. Diese Orte wurden ganz gut beschrieben fand ich, ich hatte richtig ausgemalte Bilder im Kopf. Das Ende fand ich intense, die letzten Seiten sind ein bisschen nass geweint :') Ich glaub es wäre cool gewesen das Buch früher gelesen zu haben, weil es Potential hat, einem in einer anfänglichen Politisierungsphase, durch das Nachvollziehen von den geschilderten Zuständen, aufzuzeigen, dass man mit Überforderungsgefühlen gegenüber der Gesamtscheiße, nicht so alleine ist, wie man manchmal vielleicht denken mag.
Thematik super wichtig und gut. Alternative Lebensformen werden berücksichtigt, auch toll. Es ist geschrieben, wie Menschen bei einem Plenum reden würden. Nicht total hochgestochen und akademisch, aber genug Wörter und Redewendungen, als das man es leider echt nicht als niederschwellig bezeichnen kann. Tolle Idee aber leider nicht alle, und vor allem nicht alle aus der Szene, mitgedacht.