Schon 2018 hat sich die Bodybuilderin und Fitness-Influencerin Sophia Thies aus der Öffentlichkeit und den Social Media zurückgezogen. Vorausgegangen waren dem Rückzug Probleme mit ihrem Körper, ihrem Verhältnis zu Essen, in den Social Media aufgebauter Druck, Hass und Bewertungen, die auf ihr Gewicht und ihren Körper sowie ihre zahlreichen Diäten Bezug nahmen. In ihrem autobiographischen Buch „Come back stronger“ räumt sie mit Gerüchten über sich und ihre Situation auf, erzählt schonungslos ehrlich von ihren Ängsten, ihrer Essstörung, ihrer Körperwahrnehmung und vielem mehr und nimmt den*die Leser*in mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen ihres Leben bis hin zu einem absoluten Tiefpunkt , an dem schließlich ihr Heilungsprozess beginnt, durch den sie endlich zu sich selbst finden sollte.
Wer das Buch lies, hört gewissermaßen Sophia selbst sprechen, da der Schreibstil den Sprachgebrauch aufnimmt, den man aus ihren Youtube Videos kennt. Er ist locker, immer sehr umgangssprachlich und bezieht auch Emojis mit ein, die dem gesamten Text eine große Authentizität verleihen. Leider wahrt der Text keine Einheitlichkeit im Umgang mit gegenderten Ausdrücken. Hier hätte ein*e Lektor*in stärker eingreifen müssen.
Die eigenen Erfahrungen mit den Themen Essstörung, Bodybuilding, Diäten, Erwartungsdruck, emotionales Essen und vieles mehr bleiben nicht einfach isoliert und unkommentiert stehen, sondern werden durch Expert*innen, Ärzt*innen und Therapeut*innen ergänzt, allerdings als Einschübe, die das Layout und den Lesefluss stören, weil sie den Satz unterbrechen, zum Blättern zwingen und dabei doch nur das jeweilige Thema oberflächlich berühren, ohne darüber hinaus Neues zu bieten. Ferner lassen Layout und Qualität des Buches zu wünschen übrig: Die Schrift ist wirklich winzig, und gerade in den Expertenabschnitten war das Lesen der Texte wirklich sehr anstrengenden, außerdem ist die Qualität des Umschlages nicht gerade die Beste. Schon nach 50 Seiten waren Leserillen entstanden, obwohl ich das Buch sehr sorgfältig behandelt habe.
Diesen Mängeln zum Trotz will ich positiv hervorheben, dass Sophia Thiel so offen mit ihren Gefühlen umgeht und die Leser*innen an ihrem Leben, den positiven und den negativen Momenten teilhaben lässt. Was ihre persönlichen Beziehungen angeht, ist die Autorin sehr zurückhaltend. Diese Diskretion kann ich sehr gut nachvollziehen: Nach ihren negativen Erfahrungen und Erlebnissen hat sie ein gutes Recht darauf, nicht alles mit der Öffentlichkeit teilen zu wollen. Fragen am Ende des Buches sollen schließlich der*die Leser*in zur Selbstreflexion anregen.
Das Buch kann auf jeden Fall denjenigen etwas bieten, die Fans von Sophia Thiel sind und wissen wollen, wie es ihr in den letzten Jahren erging, und was sie alles durch machen musste. Diese Gruppe, die sich Erklärungen wünscht für die Höhen und Tiefen im Leben von Sophia Thiel und ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit. Ich persönlich konnte dem Buch dagegen nicht allzu viel abgewinnen. Ob die Ausführungen Menschen helfen, die selber an einer Essstörung leiden, kann und mag ich nicht beurteilen. Doch Sophia Thiel zeigt mit ihrem Text immerhin, dass man nicht alleine ist mit diesen Problemen. Es zeigt allen Betroffenen, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Gleichzeitig warnt Sophia Thiels Schicksal aber auch vor einem allzu sorglosen Umgang mit den sozialen Medien. Die Reaktionen in den Netzwerken können ein Menschenleben ruinieren. Nicht allen ist es wie Sophia Thiel vergönnt, aus tiefen Lebenskrisen gestärkt hervorzugehen.