Eine Frau erwacht ohne Gedächtnis in einem unbekannten Wald. Sie weiß nicht wer sie ist und woher sie kommt. Ihre einzige Gesellschaft ist ein wenig hilfreicher, sprechender Schimpanse. Sie trifft auf bizarre Pflanzen, die versuchen mit ihr zu kommunizieren und merkwürdige Wesen, welche sie verfolgen. Gefährliche Begegnungen nehmen ihr fast den Mut in die Geheimnisse dieses Waldes vorzudringen, doch sie ist fest entschlossen das Rätsel dieser beängstigenden Welt zu ergründen. Sie will Antworten auf die Fragen wer sie ist, wo sie sich befindet und wer für ihr Schicksal Verantwortung trägt.
Das Buch ist für mich eine der Entdeckungen aus dem Erscheinungsjahr 2020: Es ist Science Fiction, verrät dies aber weder durch Titel, Titelbild (ich wurde gefragt: "Seit wann interessierst du dich für Blumen?") und auch nicht in der Handlung der ersten Hälfte (bis auf ganz zarte Andeutungen). Der Aufbau erinnerte mich an Sameena Jehanzebs "Was Preema nicht weiss", denn auch hier wacht die Hauptfigur in einer seltsamen Welt auf, die sie nicht versteht und muss nach und nach das Geheimnis ihrer Umgebung ergründen. Sorry, mehr geht gerade nicht, ich werde später noch mehr schreiben.
Dieses Buch versteht es unglaublich gut, zu faszinieren und Fragen aufkommen zu lassen. Die Welt und Ausgangslage ist sehr eigen und kreativ und ich habe schnell einen wirklich bildlichen Eindruck davon gewonnen. Bei Protagonisten, dir ihr Gedächtnis verloren haben, kann es schnell passieren, dass sie kaum Persönlichkeit haben, aber Lilian strahlt geradezu vor Charakter. Die kindliche Neugier und der Optimismus, die ihr zu eigen sind, machen sie nicht nur unglaublich liebenswert sondern auch zu einem tollen Gegenbeispiel zum typischen SF-Protagonisten. Die verschiedenen Lebewesen und die lockere Herangehensweise machen den Roman noch einmal extra besonders. Da ich total von der Erkundung des Waldes und dem dahinterstehenden Mysterium mitgerissen war, hatte ich ein bisschen Angst, dass das Ende dem nicht gerecht wird, aber, auch wenn die Antworten nicht so gut waren wie das Rätsel selber, war es doch recht stimmig. Insgesamt eine große Empfehlung.
Das ist ein früher Roman von Sven Haupt und wieder wird man in eine Geschichte reingeworfen, wie man sie noch nie gelesen hat. Es ist ein quasi-klassisches Märchen und gleichzeitig eine SF-Geschichte der ungewöhnlichsten Art. Es geht um nichts weniger als um den Kampf zwischen Gut und Böse, in einer geostationären Raumstation, die von künstlicher Intelligenz verwaltet wird, die offensichtlich gerade durchdreht. Wir treffen darin menschliche Pflanzen, sprechende Bäume und einen „Schwarm“ und finden Antworten auf Fragen, die wir uns wahrscheinlich vorher noch nie gestellt haben. Aber von vorn: Vor den Augen eines uralten Affen wird die junge Frau Lilian aus einer Blüte geboren. Sie hat keine Geschlechtsmerkmale und grünes Blut. Der Affe George wird ihr Lotse in dem kilometergroßen Baum, auf dem beide leben? Ein Mentor wie die Figuren aus Hinter dem Horizont? Jedenfalls erklärt George Lilian missgelaunt, gelangweilt und unendlich zynisch ihre neue Lebenswelt... Während "Die Sprache der Blumen" in der ersten Hälfte des Buches unheimlich bunt und exotisch ist, ein fulminantes Märchen eben, wird das Buch in der zweiten Hälfte dann philosophischer, technischer – mehr die Richtung SF. Fehlerhafter Code wird uns gezeigt als Gravitationsverwerfungen entlang der Baumpfade, die sogar zu Verkrümmungen der Raumzeit führen. Verschlüsselte Archive der irdischen Geschichte tauchen auf und Raumarchen, die zur Besiedlung des galaktischen Raums vorgesehen waren, im Krieg mit dem Bösen aber eine andere Aufgabe bekamen. Und: was ist diese „Böse“ eigentlich, von dem Sven Haupt da schreibt? Ein Sven Haupt, der mir wiederum viel Spaß gemacht hat !
Buch gefällt. Es gibt wenig Deus-Ex-Machina Momente in denen Umstände lediglich mit einer KI oder Ähnlichem erklärt werden, um Logiklücken zu überwinden. Stattdessen bewegt sich die Geschichte in einem überschaubaren Ereignisraum (keine hundert verschiedene Alienrassen und dutzende Planeten) und besitzt eine in sich geschlossene Logik. Diese Kombination bereitet selbst einem Science-Fiction fernen Leser wie mir Freude.
Die Grundidee war neu und kreativ, zugegeben. Umgesetzt war es aus meiner Sicht eher so mäßig. Dass sich alle Wesen menschlich verhalten, hat sich für mich nach einer vertanen Chance angefühlt. Sprachlich war es außerdem etwas steif hier und da.
Es ist wirklich klassische Science-Fiction mit einer großen Portion Fantasy-Stil (sprechende Bäume, fliegende Blumen). Leider fand ich den Stil der Hauptfiguren etwas niedlich.