Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Kandidatin

Rate this book
Ein Land am Abgrund. Eine Gesellschaft zwischen Hoffnung und Hass. Und eine muslimische Frau auf dem Weg zur Macht.

Deutschland in ungefähr dreißig Jahren, kurz vor der nächsten Bundestagswahl. Die aussichtsreichste Kandidatin für den Posten an der Regierungsspitze ist Sabah Hussein. Feministin, Muslimin, Einwandererin, Mitglied der Ökologischen Partei. Aber nicht alle wollen sie gewinnen sehen und arbeiten mit allen Mitteln daran, Sabah Husseins Wahl zu vereiteln, während die Gesellschaft immer weiter auseinander bricht.

Der Bestsellerautor, Grimme-Preisträger und Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber legt nach seinen erfolgreichen Sachbüchern mit Die Kandidatin einen rasanten und dramatischen Roman vor, nach dessen Lektüre man anders in die Zukunft schaut.

208 pages, Hardcover

First published January 1, 2021

7 people are currently reading
129 people want to read

About the author

Constantin Schreiber

23 books6 followers
Constantin Schreiber is a German journalist, news anchor, nonfiction author, and writer. Since January 2017, he has been working for ARD-aktuell and moderates editions of the Tagesschau, the Nachtmagazin and news in the Tagesthemen.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
17 (5%)
4 stars
51 (17%)
3 stars
101 (34%)
2 stars
70 (23%)
1 star
58 (19%)
Displaying 1 - 30 of 44 reviews
68 reviews3 followers
June 14, 2021
Hasserfüllte Roman-Brandschrift gegen die Grünen* und linken Aktivismus, garniert mit unterschwelliger Sympathie für rechten Terrorismus. Geschrieben von einem Tagesschausprecher als Beitrag zum Bundeswahlkampf 2021.

Der Roman beginnt wenig subtil in der nahen Zukunft:

"Wollt ihr absolute Diversität?", schreit ein junger Mann mit Vielfaltsmerkmalen ins Megaphon. "Ja!", skandiert die Menge, klatsch und jubelt."

Diversität-orientierte Weltanschauungen und Nationalsozialismus werden hier auf einer Ebene gesetzt. Und der Rest des Romans baut darauf weiter auf. Jeder panische Fiebertraums eines Grünen-Hassers aus dem Internet wird hier Realität. Der Grad der Diskriminierung wird in den Perso eingetragen, Quoten für muslimische, schwarze, queere Menschen in allen Berufen. Social Media wird nach kleinsten ideologischen Fehltritten durchsucht. Weiße Menschen sollen ihren Job an Schwarze und Muslime abgeben.
In Berlin ist jede Wand von Graffitis bedeckt, Ratten, Müll, Drogen und Obdachlosigkeit überall. Viele Menschen tragen nur noch eine geschlechterneutrale Einheitskleidung, die einem Kaftan ähnlich aussieht. In allen Lebensbereichen soll gegenderte Sprache verwendet werden. Statt Polizei wachen nun Variationen von islamischen Friedensrichter über die Einhaltung des Gesetzes. Deutsche Schulen werden Erdogan gewidmet und DITIB wurde zu einer deutschen Behörde. Die Bibel wird geschlechterneutral veröffentlicht. Der Islam darf nur noch Friedensreligion genannt werden und jede Kritik wird abgeschmettert. In Kirchen finden Erotikmessen statt. Durch Deckelung ist der Wohnungsmarkt zerstört. Die Kosten der Diversität fressen das Gesundheitswesen auf, so dass viele Menschen auf "Endstationen" nur noch mit Schmerzmittel versorgt werden. Der Anti-Rassismus-Soli für Weiße (Dschizya ...) wird am Ende gefordert. Migranten sollen im Osten angesiedelt werden.

Dazu passend vertritt die muslimische Protagonistin und ihr innerparteilicher Block nur aus machtpolitischem Kalkül queere und feministische Ansätze. Ihren politischem Aufstieg verdankt sie ihrem Geschlecht und Glauben und sie wird angetrieben von einem gekränkten Ego und sucht sich Menschen, die sie leicht manipulieren kann.

Eine menschliche, komplexere, entschuldigende Beschreibung schafft Schreiber (in Ansätzen) nur bei den Gegenspielern. Die Attentäterin auf die Kandidatin, die sich noch Sorgen um die Mutter macht und die nicht fremdregiert werden will. Die frustriert ist über eine Welt, in der nicht mehr Leistung zählt sondern Manipulation, Hautfarbe, Religion, Sexualität. Die verräterische Assistentin, deren universitären Karriere durch einen einzigen Fehltritt in den Social Medias zerstört wurde, trotz bester Leistungen. Ein Kurator, der nach China ausgewandert ist, wo noch die alten westlichen Kulturgüter einen Wert haben und die Mittelschicht boomt, während er im Westen nur noch Dekadenz, Selbstaufgabe und Verfall sieht.

Die rechten Organisationen bleiben inhaltlich sehr blass. Wollen eine eigene Volksgemeinschaft gründen und bauen ein Netzwerk für einen Putsch auf, jedoch mehr als phantastische Spielerei denn als umsetzbare Realität. Das alles wird im Roman nicht mal ausgespielt, sondern nur an einer Stelle zusammenfassend berichtet. Wenn das überhaupt eine Kritik an Rechten ist, dann eine Kritik am sprachlichen Stil und an der Handlungsfähigkeit und ansonsten vielleicht eine große weiße Wand für die eigene Projektion. Mich wundert schon fast, dass der Widerstandsparagraph des Grundgesetzes nicht genannt wurde.

Die Kandidatin ist ein absolut plumper Roman, ohne Tiefgang und sprachliches Können. Ohne Feingefühl oder interessante Gedanken. Der Roman verwechselt reale linke Ideen, Vorstellungen und Weltanschauungen mit dem rechten Zerrbild auf Twitter, SpiegelOnline und andere Social-Media-Plattformen. Eine Anhäufung von Strohmann-Argumenten. Er ignoriert, verharmlost und bagatellisiert rechte Ideologie. Gleichzeitig ist der Roman fern vom literarischen Können von Michel Houellebecq. So schwierig Houellebecq auch ist, so viel man ihm auch unterstellen kann, so versucht sich Houellebecq zumindest an einer tieferen psychologischen Betrachtung und macht auch sich selbst und andere "alte weiße Männer" dabei zum Subjekt seiner literarischen Untersuchung und welchen Reiz ein Islamismus auch auf ihn/sie haben könnte. Es hätte auch andere Wege gegeben, den Roman zumindest interessanter und vielschichtiger zu machen. Den Extremismus auf ein realistisches Niveau bringen und dann Fokus auf Randfälle, wie z. B. arme weiße Menschen. Oder eine innerliche Zerrissenheit der Protagonistin zwischen konservativem Glauben ihrer Familie und Feminismus, Queerness und Diversität und die verschiedenen Gruppierungen, die versuchen Einfluss auf sie zu nehmen. Oder eine große ideologische Spaltung zwischen den verschiedenen Bundesländern.

Was genau Schreiber getrieben hat, diesen Roman zu schreiben, weiß ich nicht. Wenn jedoch solche hetzenden Werke von bekannten (öffentlich-rechtlichen) Nachrichtensprechern kommen, so verheißt dies sicher nichts gutes für die politische Stabilität und für den kommenden Wahlkampf.



*Ja, Schreiber sagt gar nicht "Die Grünen", sondern spricht von der Ökologischen Partei. Aber die Chiffren in Die Kandidatin sind eindeutig zu durchschauen und den eigentlichen deutschen Parteien einfach namentlich und inhaltlich einfach zuordbar.
Profile Image for Pierre Wessel.
10 reviews
June 6, 2021
Ich bin verwirrt. Wenn es das Ziel war Stereotypen entgegenzutreten, weiss ich nicht ob es gelungen ist. Wenn das Ziel fernab von politischen Absichten war, einen einfachen hypothetischen Wahlkampf in einen Roman zu verwandeln, ist das zwar gelungen, jedoch bleibt die Frage des Sinnes. So viele verwirrende Elemente, so viele Perspektiven und Unstimmigkeiten. Am besten finde ich die Szene, in der die muslimische Protagonistin darauf besteht, dass Christen ihren Gott stets dreifach gendern, während sie solche Diskussionen gegenüber dem Islam vehement ablehnt.

Fast wirkt es Stellenweise so als wolle der Autor seine Protagonistin als inkonsequent und dämlich aufzeigen, was angesichts seines akademischen Werdeganges fraglich ist. Sollte es aber so sein, dass er in dieser sensiblen Diskussion ein bewusst negatives Bild der Protagonistin zeichnet, ist dies keineswegs verboten, jedoch relativ geschmacklos.
Profile Image for Jin.
848 reviews148 followers
May 7, 2021
Eine Muslimin, die auf dem Weg zur Bundeskanzlerin ist und dabei nicht nur gegen die Rassenfeindlichkeit, sondern auch gegen Frauenhass, Neid und Zorn kämpfen muss. Das Buch las sich super schnell und hat mich sofort mitgerissen. Ich könnte mir das Buch auch gut als Schullektüre vorstellen, weil es viele verschiedene Perspektiven und Charaktere aufzeigt. Es gibt genug Positionen und Aspekte (auch politische), die man in einer Runde gut diskutieren könnte. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft und fühlt sich trotzdem so real an als könnte es auch jetzt direkt heute passieren.
An sich fand ich das Buch nicht schlecht, aber ausgerechnet Sabah Hussein fand ich als Charakter nicht tiefsinnig genug. Man lernt sie zwar kennen, aber sie hatte keine hervorstechende Persönlichkeit und kein Charisma. Da fand ich eher die anderen Charaktere wie Jette, Richterin Hatoum oder Asli Basoglu viel interessanter. Jedenfalls war es ein rundum unterhaltsames, gelungenes Buch, wo ich viel mehr Potential sehe.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Jasmin.
47 reviews3 followers
June 7, 2021
In einer fiktiven Zukunft steht Sabah Hussein kurz vor der Wahl zur Kanzlerin. Constantin Schreiber beschreibt die Welt, wie wir sie heute kennen, überspitzt aber in vielen Bereichen sehr. Er denkt die Themen Social Media, Diskriminierung von Minderheiten bzw. deren Integration, Rassismus und Spaltung der Gesellschaft bis aufs extremste Maß weiter. Seine Ideen einer Welt in ungefähr 30 Jahren fand ich wirklich interessant. Ich kann mir das Buch sehr gut als Schullektüre vorstellen. Für einen gelungenen Roman fehlte es mir aber an Tiefe. Ein Kapitel folgt ziellos dem anderen, man lernt die Charaktere kaum kennen, viele Fragen bleiben offen. Daher nur 3 Sterne.
Profile Image for Wandaviolett.
472 reviews66 followers
March 3, 2023
Kurzmeinung: Muss man eigentlich gelesen haben! Macht ausserdem Spaß!
Herrliche Persiflage auf Multi-Kulti. Ja, man muss den Roman als Satire lesen - aber in Satire steckt natürlich immer ein wahrer Kern. Ein Kern, der ziemlich bitter schmeckt.

Constantin Schreiber überträgt Houellebecqs „Unterwerfung“ auf deutsche Verhältnisse, er ist freilich nicht philosophisch unterwegs, sondern rein satirisch. Und in Deutschland herrscht (noch) Frauenpower, denn Sabah Hussein ist auf dem Weg, die erste muslimische Kanzlerin zu werden. Das Klima in Deutschland ist Multi-Kulti, Diversity und der Kampf um Political Correctness. Ein bisschen erinnert „Die Kandidatin“ auch an Orwells 1984, denn es gibt eine Gesinnungsüberprüfung.
Mit der Political Correctness ist das so eine Sache, was gestern noch in Ordnung war, geht heute gar nicht mehr und die Meinungspolizei der Social Media ist hinter allen her, die abweichend denken oder schreiben. Meinungsfreiheit? Ja, natürlich, aber doch nur für eine Seite. Wenn die andere Seite aufmuckt, wird sie als islamophob, homophob und was das Wörterbuch an „Phobem“ sonst noch so hergibt, beschimpft. Auch das ist keine Dystophie, sondern längst traurige Realität.

Der Kommentar:
Constantin Schreiber nimmt viele ins Fanatische laufende Richtungen unseres öffentlichen Lebens aufs Korn. Wie er Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verwendet und entfremdet, erkennt man, sofern man sich auch nur einen Funken für Politik interessiert: das macht riesigen Spaß.
Mit leichter Hand zeigt er auf, was passieren könnte, wenn eine Seite, meist eine Minderheit, nicht nur auf ihre Benachteiligung/en aufmerksam macht, sondern sie als politisches Druckmittel benutzt, die Mehrheit zu bevormunden und zeigt, wie man sich in der Opferrolle suhlen kann, nur, um alle anderen mundtot zu machen. Zugegeben, das ist nicht mehr so spaßig, weil in dieser Satire mehr als ein Körnchen Wahrheit liegt. In Constantin Schreibers „Die Kandidatin“ ist das Unwort, nicht mehr das N-Wort. Das K-Wort ist jetzt verpönt. Wer in einer politischen Debatte, das Wort „Kopftuch“ in den Mund nimmt, hat schon verloren.
Ist das eigentlich originell? Ich finde schon. Ich habe oft gelacht. Aber letztlich beschreibt der Autor ja nur, was in den Anfängen bereits erkennbar ist, wenn man denn hinschaut.

Fazit: Politische Satire vom Feinsten.

Kategorie: Satire.
Verlag: Hoffmann & Campe, 2021/2022
Profile Image for Floor Jan.
50 reviews
July 17, 2023
Als ik 0 sterren zou kunnen geven zou ik het doen. Wat een vreselijk boek. Ondoordacht, opervlakkig, polariserend en partijdig.
Als lezer heb je het gevoel dat de schrijver niks begrijpt van politiek en motivatie achter veranderingen van de laatste 20 jaar.
Profile Image for Scythe Rowan.
593 reviews4 followers
September 10, 2022
Das Buch habe ich nach etwa der Hälfte abgebrochen, da es mir irgendwann zu absurd wurde. Auf der einen Seite haben wir fremdenfeindliche Rechte, die ihre Länder von der Welt abschotten wollten, auf der anderen Seite haben wir Linke, die sich selbst stellenweise rechter Rhetorik bedienen ("Wollt ihr die totale Diversität?" "Immigrant Supremacy!"). Ich hätte mir ein mehr differenziertes Bild von diesen politischen Strömungen gewünscht, anstatt hier ein Paradebeispiel für die Hufeisentheorie abzuliefern.

Sabah fand ich stellenweise nervig. An sich war ihr Werdegang schon interessant, aber ein wenig war sie mir etwas zu undifferenziert- sie weist Kritik an ihren Diversitätsplänen (Warum muss man den christlichen Gott in einem Lied als "He/she/they" beschreiben, damit sich niemand zurückgelassen fühlt, während sie das gleiche nicht bei Allah fordert? Und warum fordert sie nicht, dass andere, ebenso erfolgreiche Länder auch für mehr Diversität sorgen?) etwas zu schnell als "Islamophob" und "Rassistisch" zurück, anstatt sich zu erklären.

Der absurdeste Moment des Buches war übrigens der Moment, in dem eine deutsche Schule nach Erdoğan benannt wurde, obwohl er einer der letzten Menschen ist, die man so ehren sollte.
Profile Image for Karai Khan.
82 reviews2 followers
June 14, 2021
Constantin Schreiber ist ein Meister des Raunens und in dieser Hinsicht würdiger Nachfolger des Dauerrauners Scholl-Latour. Der Vergleich passt auch hinsichtlich des beruflichen Hintergrunds, nur dass Scholl-Latour seine selektive Wahrnehmung nie in Romanform gegossen hat.
Schreibers Agenda, vor der kulturellen Überformung durch den Islam zu warnen, bleibt auch in seinem Roman unverkennbar. Und auch in seinem Roman gilt wieder: Sein Mittel bleibt der Holzschnitt. Die Charaktere sind vorhersehbar und wenig differenziert - um nicht zu sagen: klischeehaft - und Deutschland fest im Griff des Kulturkampfes. Mal wieder geht das Abendland unter. Einen Vorteil hat der Roman immerhin: Als Gedankenspiel ist das nicht ganz ohne Reiz. Erkenntnisgewinn bringt das freilich keinen und wahrscheinlich muss man über die Privilegien eines weißen, nicht muslimisch gelesenen Mannes verfügen, um das Buch nicht mit Karacho in die Ecke zu schleudern.
5 reviews
September 24, 2021
Reine Panikmache vor linksgrüner Politik durch die Nutzung verschiedenster rechtsextremer Vorurteile und die Überspitzung linksgrüner Ideen
Profile Image for Lena.
2 reviews1 follower
January 13, 2022
Hatte sehr den Frau von einem Mann geschrieben vibe. Zumindest in den ersten 50 Seiten, durch die ich mich noch gequält habe
Profile Image for Moritz.
13 reviews15 followers
June 28, 2021
Deutschland in ca. 30 Jahren. Sabah Hussein, Mitglied der "Ökologischen Partei" und Geflüchtete aus dem Libanon, kandidiert bei den bevorstehenden Bundestagswahlen für das Amt der Bundeskanzlerin.

Bereits zu Beginn des Romans findet der Leser eine nachhaltig veränderte Gesellschaft vor: So gehören neben Diversity-Quoten (geregelt durch das "Vielfaltsförderungsgesetz") auch massive Zuwanderungraten und eine veränderte Medienlandschaft zum gesellschaftlichen Bild. Der Deutsche Staat hat sich völlig der linken Identitätspolitik verschrieben. Nur die Ewiggestrigen (vor allem "alte weiße Männer") können sich trotz staatlicher Bemühungen nicht für die links-grüne Politik begeistern.

Auch wenn das Werk von Constantin Schreiber sicherlich kein sprachliches Meisterwerk ist, fühlte ich mich während der Lektüre stets gut unterhalten. Schreiber spricht in seinem dystopischen Roman zahlreiche Themen an, so etwa auch die Beziehungen zu China und Russland. Es ist spannend geschrieben und kann zügig runtergelesen werden.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
May 23, 2021
Deutschland in naher Zukunft. Die Bundestagswahl steht an und größte Chancen auf den Sieg hat die Ökologische Partei. Nicht jedoch, weil die Klimakrise sich weiter verschärft hat, sondern wegen der Spitzenkandidatin Sabah Hussein. Sie repräsentiert das neue, diverse Deutschland: eingewanderte Muslimin, Feministin und Ikone der Minderheiten, die das Land radikal verändern will. Doch es gibt auch Strömungen gegen sie, all jene, die Jahrhunderte lang privilegiert waren und nun wegen neuer Gesetze plötzlich auf der anderen Seite stehen. Nicht nur die alten weißen Männer, auch die deutschen Frauen, die ohne Vielfältigkeitsmerkmal keine Chance mehr haben. Es bleibt ihnen die radikale Abschottung oder der Kampf gegen die omnipräsente Kanzlerkandidatin, der man scheinbar auch alle Fehltritte verzeiht.

Constantin Schreiber ist Tagesschau-Sprecher und gilt als Nahost Experte, dessen Sachbücher bereits Bestseller wurden und der für seine Talkshow „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ den Grimme Preis erhielt. Er setzt sich für den interkulturellen Austausch ein, weshalb es nicht verwundert, dass er in seinem ersten Roman „Die Kandidatin“ den Finger in genau diese Wunde legt. Seine Protagonistin polarisiert und verkörpert vieles von dem, was weite Teile der aktuellen Twitter-Bubble als Hass-Objekt Nummer 1 ansieht. Dass ausgerechnet so eine Figur die besten Aussichten auf den mächtigsten Posten im Land haben soll, muss Widerstand hervorrufen.

„Sie selbst ist Sinnbild dieser Spaltung, einer Polarisierung, die keine Kompromisse zulässt. Entweder man ist für Sabah Hussein und für all das, wofür sie steht, Weltoffenheit, Diversität, Anitkapitalismus, Feminismus, Antirassismus. Oder man ist dagegen.“

Zwei zentrale Aspekte treibt Schreiber in seinem Roman auf die Spitze: zum einen natürlich die Figur Sabah Hussein, zum anderen das neue Deutschland. Progressiv ist nur, wer geschlechterneutrale Kleidung trägt, die alle Körperformen kaschiert, die Regierung hat eine Matrix erlassen, mittels derer für jeden Bürger sein Diskriminierungsgrad errechnet und im Ausweis vermerkt wird, neue Bezeichnungen, Steuern und Quotenregelungen sollen die vorhandenen Privilegien abschaffen. Der klassische Journalismus hat ausgedient, Blogger und YouTuber versorgen ihre Zielgruppen schon mit vorgefertigten Meinungen. Die Deutschlandflagge wird zunehmend durch die Diversitätsfahne, die Nationalhymne durch einen Toleranzsong ersetzt. So manches kommt einem da durchaus bekannt vor, nur ist das Land nun schon einen Schritt weiter.

Sabah Hussein hat schnell verstanden, wie sie sich inszenieren muss, wie sie ihre Gefolgschaft mobilisieren und nach und nach im Politzirkel aufsteigen kann. Sie zeigt sie richtige Haltung, Betroffenheit, wenn jemand nicht-inklusive Sprache verwendet und macht sich durch Omnipräsenz in sozialen Medien mit passenden Bildern zur Ikone der Benachteiligten. Weder ihre Cartier Uhr, noch die teuren Urlaube und die Straftaten ihres Bruders können der praktizierenden Muslimin etwas anhaben. Das perfekte Bild in der Öffentlichkeit wird jedoch für den Leser bisweilen aufgebrochen, sie scheint eine zweite Agenda zu haben, genau jene, die ihre Gegner ihr unterstellen und die sie beharrlich leugnet. So lange sie nicht wirklich an der Macht ist, spielt sie das notwendige Spiel mit, dann wird sie jedoch die Spielregeln neu bestimmen.

Der Roman ist politisch und aktuell, jedoch schwer zu greifen in seiner Absicht. Es wirkt vieles überzogen und absurd, womit man sich schon die Frage stellt, inwieweit aktuelle Tendenzen zu beispielsweise inklusiver Sprache nicht schon fast parodiert werden. Auch ist die Protagonistin in vielerlei Hinsicht eher stereotyp und die noch leisen Nebentöne scheinen die Angst vor der muslimischen Unterwanderung eher noch zu befeuern als jetzt schon vorhandene Gräben zu verringern.

Die Geschichte provoziert – eines meiner Highlights: die Präsident-Erdogan-Schule, die dem türkischen Diktator huldigt – aber sie bleibt hinter anderen verstörenden Romanen, die auf gesellschaftliche und politische Fehlentwicklungen anspielen – Huxleys „1984“, Houellebecqs „Unterwerfung“ – deutlich zurück. Nichtsdestotrotz unterhaltsam zu lesen und durchaus ein interessantes Gedankenexperiment.
Profile Image for DajaMeep.
94 reviews
September 4, 2023
Hier wird der Fokus auf Gerechtigkeit, Diversität, Chancengleichheit und alltogether Fortschrittlichkeit gelegt - aber so schäbig, dass ich es Schreibers Darstellungen verachte. Für mich kommt eine Angst vor der "Übernahme unseres Landes" durch, und eine Verhöhnung von Inklusion und angestrebter Gleichstellung.
Manche werden Schreibers Roman vielleicht als Überspitzung / Übertreibung der aktuellen Bewegung zu Diversity und Inklusion beschreiben, aber für mich ist das keine Überspitzung mehr und geht deutlich zu weit.
Es gibt viele Spitzen, die hier und da verstreut im Buch rumlungern, die ich deutlich unangenehm fand. Als Beispiel dafür das Vielfaltsförderungsgesetz, das meiner Meinung nach geschmacklos und übertrieben ist. Aber auch vieles anderes.

Und unabhängig davon ist auch der Plot sehr flach, mit einem vorhersehbaren Twist, aus irgendwelchen doofen an den Haaren herbeigezogenen Gründen - hier wirkte es, als solle das Buch einfach schnell beendet werden, da die erforderliche Seitenzahl erreicht wurde.
Profile Image for Wiebke.
4 reviews
October 20, 2021
Selten habe ich mich durch ein so kurzes Buch quälen müssen. Hier stimmt einfach gar nichts. Die Idee ist interessant, aber in ihrer Ausführung so plump und oberflächlich, dass ich kaum fassen kann, dass dieses Buch überhaupt verlegt wurde. Die Sprache ist anspruchslos, das Gendern innerhalb der dafür vorgesehenen Charaktere inkonsequent, es gibt viele Wiederholungen. „Unausgegoren“ ist noch das netteste, was mir zu diesem Buch einfällt.
Profile Image for Daniel.
522 reviews68 followers
November 13, 2021
Kein wirklich gutes Buch, Hr. Schreiber war sich scheinbar nicht sicher, welche Art Buch er schreiben wollte. Böse PC-Links grüne Sprachpolizei Dystopie, Klischee Anti-Islambuch (und das obwohl er schon Bücher über den Islam geschrieben hat) oder einen Kritik am Umgang mit rechtsradikalen Strukturen. Alles unausgegoren, nur angedacht und auf 200 Seiten gedruckt.
Das war leider gar nichts und ich verstehe die Kritik an dem Buch nun vollkommen
Profile Image for Danny Marcalo.
542 reviews22 followers
June 14, 2021
Misslungene Satire, die nach unten tritt. Arrogant.
13 reviews
April 20, 2025
Nicht-Empfehlung.
Düstere Dystopie aus der Sicht einer linken Muslima, geschrieben von einem wohl konservativen Mann, der alle Klischees und Befürchtungen der rechten Szene in ein Buch packt und vorgibt zu wissen, was eine feministisch-gläubige Frau denkt und dabei vor keiner Absurdität halt macht. für mich einfach nur unglaubwürdig, aber weckt in mir die Sorge, dass es wirklich Menschen gibt, die das für realistisch halten und dadurch Hass geschürt wird.
36 reviews
July 18, 2025
Ich mag Constantin Schreiber als Nachrichtensprecher. Aber in dem Buch beschreibt er eine sehr düstere politische Zukunft. Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll...
Profile Image for Spikeybär.
114 reviews3 followers
May 15, 2025
Not funny enough for satire, not serious enough for dystopia. Schreiber attempts to emulate Houellebecq's scandal work but unfortunately lacks the writing skills and subtext even for controversial provocation.
Profile Image for Jochen Werner.
24 reviews1 follower
November 19, 2021
Ein deutscher Houellebecq wäre der Nachrichtensprecher Constantin Schreiber gerne, aber leider kann er nicht für zehn Pfennig schreiben und zwischen dem offensichtlichen Vorbild UNTERWERFUNG und Schreibers Debüt DIE KANDIDATIN liegen intellektuell wie poetisch ungefähr acht Galaxien. Was bleibt ist eine zugegeben manchmal ziemlich lustige, aber auch ungeheuer platte Gesellschaftssatire aus gemäßigter Alt.Right-Perspektive. Dass sie nur wenige Wochen nach der von einem kleinen Westentaschenskandälchen begleiteten Veröffentlichung direkt in meiner Büchertauschbox entsorgt wurde, legt nahe, dass der Vorbesitzer das ähnlich sah.
80 reviews
Read
February 14, 2022
Schlechte Rezensionen da rassistisch angehaucht
Schlecht geschrieben
Seiten 20-26 fehlten im Buch
Daher nicht weiter mit beschäftigt
Dabei klang der Grundgedanke so gut
Profile Image for Sarah A..
86 reviews16 followers
April 7, 2025
Wenn Literatur Angst schürt statt Dialog zu fördern…

Constantin Schreibers Die Kandidatin erzählt von einer Zukunft, in der eine muslimische Frau Bundeskanzlerin wird – und Deutschland sich daraufhin in eine düstere, autoritäre Gesellschaft verwandelt. Klingt nach Dystopie? Leider klingt es eher nach einer Projektion tiefsitzender Ängste und Vorurteile, die in diesem Roman literarisch ausgeschlachtet werden.

Als Leserin bleibt mir oft nur ein Kopfschütteln – und irgendwann Wut und Fassungslosigkeit!

Migrationsgrad, Diversitätsausweis, Fördermittel und Arbeitsstellen nach Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung?
Der Roman entwirft eine Gesellschaft, in der auf dem Personalausweis der “Migrationsgrad” oder “Diversitätsgrad” vermerkt ist. Fördermittel und Arbeitsstellen werden je nach Herkunft, Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung vergeben. Das ist nicht nur absurd, sondern erinnert fatal an rassistische Klassifikationssysteme totalitärer Regime. Und statt zu warnen, spielt der Roman mit genau diesen Vorstellungen – als ob so eine Realität eine logische Folge muslimischer Regierungsführung wäre.
Versteht mich nicht falsch, es wäre schön wenn alle die gleiche Behandlung bekämen, zb das gleiche Gehalt, für Mann und Frau bei der gleichen Position. Aber im Buch wird das soooo übertrieben, dass andere dadurch benachteiligt werden.

Islam = Extremismus? Schon wieder?
Was besonders schmerzt: Die Kanzlerin ist keine “normale” muslimische Frau aus der Mitte der Gesellschaft. Nein – sie hat eine Vergangenheit in einer dubiosen Organisation im Libanon, ist einem Prediger gefolgt, der komische Islam-Anschauung hat, die es so selten gibt (natürlich existieren TikTok false prophets) Warum? Warum kann in der deutschen Literatur ein muslimischer Charakter nicht einfach mal ein ganz normaler Mensch sein? Eine bürgerliche Muslima, die ihren Glauben lebt, sich engagiert, die Realität kennt und verbessern will? Warum müssen wir entweder radikal, Terrorist, unterdrückt oder vom Glauben abgefallen sein, damit man uns überhaupt erzählen darf?

Diese Reduktion ist eine literarische Gewalt. Sie nutzt unsere Identität, um eure Ängste zu bedienen – statt Menschen zu zeigen, die so vielfältig, klug, friedlich und aktiv sind wie die Muslime, denen ich täglich begegne.

Muslime werden politisch aktiv – und das ist gut so.
Es wäre so wichtig, gerade jetzt, eine Geschichte zu erzählen, in der Muslime politisch aktiv werden. In der unsere Stimmen gehört werden – nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung. Es gibt viele Muslime, die sich politisch auch ehrenamtlich engagieren, die in Parteien aktiv sind, die sich für Gerechtigkeit, Bildung und Frieden einsetzen. Und ja: Sie lieben ihren Glauben. Und genau das ist der Punkt – wir brauchen keine Islamhasser, die uns repräsentieren. Wir brauchen Repräsentant*innen, die uns mit Würde zeigen.

Freiheit – aber nur für die einen?
In Schreibers Welt scheint es nur zwei Optionen zu geben: Entweder werden Muslime unterdrückt, oder sie unterdrücken die anderen. Warum? Warum können wir nicht alle in Freiheit leben – ohne Angst, ohne Kontrolle, ohne Einschränkung? Die Einzigen, die eingeschränkt gehören, sind Faschisten und Nazis. Aber hier werden Muslime als potenzielle Tyrannen dargestellt. Das ist brandgefährlich – gerade in Zeiten, in denen antimuslimischer Rassismus zunimmt.

Fazit:
Die Kandidatin ist kein aufrüttelnder Gesellschaftsroman – es ist ein Spiegelbild tiefsitzender Vorurteile, verpackt als politische Fiktion. Anstatt eine Brücke zu bauen, wird hier gezielt ein Keil zwischen Menschen getrieben.

Als muslim reader sage ich: Wir verdienen es, in Literatur als ganze Menschen gesehen zu werden – nicht als Projektionsfläche für Ängste. Bücher wie dieses verfehlen nicht nur die Realität, sie machen das Zusammenleben schwerer.
Displaying 1 - 30 of 44 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.