7 bekannte Autoren des Gay Romance Genres entführen dich mit ihren sommerlich leichten Geschichten an die verschiedensten Orte der Welt. Ihre queeren Protagonisten reisen zu traumhaften Sandstränden, zocken in Amerikas High Society Städten oder kühlen sich in Norwegen ab, wenn es zu heiß hergeht. Manche lassen es auch in Deutschland krachen, steppen durchs Ferienlager oder zelten in den Bergen. Beim Kennenlernen fremder Kulturen und Sitten erleben sie witzige Abenteuer oder finden sich in unverhofft prickelnden Begegnungen wieder. Wo auch immer die Sommerreise Die Settings versprechen gute Laune, die Charaktere sind einfach zum Verlieben und natürlich hat jede Story ein schönes Happy End!
Mit Geschichten Akira Arenth Màili Cavanagh Jay Bèlier Lilith Dandelion Madison Clark Kyo Anejan und J.K.Rigson
Um ehrlich zu sein, lese ich nicht allzu oft Anthologien. Meist interessiert mich nur die Geschichte eines bestimmten Autoren/einer bestimmten Autorin und der Rest ist nicht so meins. Aber ich dachte, ich gebe der Anthologie doch mal eine Chance, weil ich mitbekommen habe, wie viel Herzblut Akira Arenth in diese Sammlung gesteckt hat und wie viel geschredderte Nerven es gekostet hat, um das Buch schlussendlich zu veröffentlichen. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, einmal völlig unvoreingenommen "neue" Autoren/Autorinnen kennenzulernen und sich ein Bild über ihre Schreibweisen zu machen. Ganz nach dem Motto: Geschmäcker sind verschieden, ist hier einiges zusammengetragen worden:
Story 1 – Akira Arenth: Griechische Sitten
Akira ist mein deutscher Lieblingsautor (bzw. Lieblings-Autorenduo). Normalerweise hebe ich mir Dinge, die ich am liebsten mag für den Schluss auf, aber die Geschichte musste ich sofort lesen, als das Buch rauskam. :D Und ich wurde nicht enttäuscht. Akira entführt uns nach Griechenland, wo wir Canaio und Leon (gut gereift aus Friendzone, zwischen Eifersucht und DIY) im Urlaub „beobachten“ dürfen. Neben einigen Schmunzlern gibt es jede Menge heiße Szenen und absolutes Urlaubsfeeling. Für mich auf jeden Fall 5/5 Sterne.
Story 2 - Valerie le Fiery & Frank Böhm:Der Pinkie und der Brainie
Pinkie und Brainie sind die Spitznamen der beiden Protagonisten, die bereits eine Weile zusammen sind und gemeinsam Urlaub machen. Mir hat die Grundidee bzw. die Moral an der Geschichte gefallen – nämlich, seinen Partner so zu lieben wie er ist, ihn als Person zu sehen und nicht nur die menschliche Hülle. Ihn aber auch zu unterstützen, wenn er sich unwohl in seiner Haut fühlt und ihn anzutreiben, sich auf gesunde Weise seinen Idealen anzunähern. Die Umsetzung fand ich persönlich nicht so gelungen. Der Schreibstil war nicht meins. Die Charaktere verfielen oft in ewig lange Monologe ohne jegliche Unterbrechung, was ich als einen sehr unnatürlichen Gesprächsverlauf empfand. Ich glaube, teils sollte es auch humorvoll sein, allerdings hat es meinen Humor dabei nicht ganz getroffen. Aber vielleicht ist es ja für jemand anderen etwas. Von mir gibt es 3/5 Sterne.
Story 3 - Robin Lang: Ich werde keine Wassermelone tragen
Dirty Dancing lässt grüßen... zumindest laut eigener Aussage der Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich den Film nie gesehen habe, da es mich einfach nicht interessiert hat. Die Geschichte fand ich trotzdem sehr schön. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen. Ganz typisch Urlaubsromanze geht es zwischen Johann und Frank natürlich recht flott zur Sache, aber es kam mir dabei nicht überstürzt vor – war also genau richtig. Ich denke, würde ich den Film kennen, hätte ich vielleicht noch mehr Easter Eggs verstanden, aber auch so fand ich die Geschichte sehr unterhaltsam. 5/5 Sterne
Story 4 - Màili Cavanagh: So schön kann Kälte sein
Lukas und Mark sind schon länger ein Paar – man erfährt in der Kurzgeschichte sogar, wie sie zusammengekommen sind, es ist also nicht nur eine Momentaufnahme, sondern sie zeigt wichtige Meilensteine in der Beziehung der beiden. Einer davon ist der Urlaub in Pyramiden, um Marks Traum zu erfüllen und die Nordlichter zu sehen. Ich fand die Idee toll, in einem Sommerbuch etwas unterzubringen, was vielleicht nicht sofort nach "Sommer" schreit, da die beiden in die Kälte reisen. Die beiden erleben jedenfalls ein sehr süßes Happy End. Stilistisch hat es mir nicht ganz so gut gefallen wie andere Geschichten der Anthologie, aber es war trotzdem sehr gut. 4,5/5 Sterne
Story 5 - Jay Bèlier: San Blas - Expedition zum Mittelpunkt der Erde
Jules Vernes lässt grüßen. Die Geschichte nimmt uns zusammen mit Johnatan nach San Blas, wo er Kasuju trifft, mit dem er sich seltsam verbunden fühlt. Um Kasujus Stamm zu retten, begeben sich beide zum Mittelpunkt der Erde, um sich dem Seelenfresser zu stellen... Ich liebe Fantasy, daher habe ich mich anfangs sehr gefreut, diese Geschichte zu lesen. Allerdings ging mir alles etwas rasch. Der Chara wird geschubst und plötzlich ist er im Mittelpunkt der Erde, dann stellt ich heraus, dass die beiden Protas sich kennen und ihre Väter ebenfalls... Und es kommt zudem ein Rudel Schlangen vor, die ich unfreiwillig komisch fand. (Immer diese fiesen Schlangengangs, die anderen Menschen das Leben schwer machen...) Ich denke, die Geschichte hätte mehr Raum benötigt, um besser wachsen zu können und auch den Charakteren eine bessere Möglichkeit zur Entwicklung zu bieten. Dass die beiden plötzlich urverliebt sind ineinander sind, obwohl Johnatan 2 Minuten vorher gar nichts mehr von Kasujus Existenz wusste, habe ich nicht abgekauft. In Ansätzen fand ich es aber gut. 3/5 Sterne
Story 6 - Lilith Dandelion: Matua träumt
Marc Mauerleger möchte keinen Pauschalurlaub, er will in Papeete Tahiti das Leben der Eingeborenen kennenlernen. So nimmt ihn sein Bootsführer Matua kurzerhand mit in seine Siedlung, wo Marc seine Familie kennenlernt, von der Uroma seinen Segen erhält und Matua ihm eine sehr erotische Geschichte über außerirdische Götter erzählt. Es ging so einiges in dieser Geschichte ab und ich denke, für Leute, die sich für Anthropologie interessieren, ist die Geschichte genau die richtige. Ich fand den Inhalt sehr interessant, konnte mich mit dem Schreibstil jedoch nicht so ganz anfreunden. Hier dominieren oft kurze Hauptsätze, die den Lesefluss hektisch und stakkatohaft machen. (Nicht die ganze Zeit über, aber es kam durchaus vor.) Aber das ist reine Geschmackssache. 4/5 Sterne, da ich die Geschichte durchaus interessant fand. Ich denke aber, ein längeres Buch der Autorin würde ich nicht lesen.
Story 7 - Madison Clark: Ausflug mit Folgen
Erzengel Luzifer hat sich auf die Erde geschlichen um mal ein bisschen Urlaub zu machen. Dort trifft er auf den Blinden Shay, von dem er unglaublich fasziniert ist. Die beiden beginnen eine Romanze, bis Shay plötzlich verschwindet... Ich muss sagen, dass es nicht wirklich eine Sommergeschichte war. Es spielte zwar im Sommer und die beiden hatten eine Sommerromanze, aber es hätte genausogut in einer anderen Jahreszeit spielen können, es hätte eigentlich nichts an der Geschichte geändert. Trotzdem hat mir die Story sehr gefallen und auch der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Definitiv eins meiner Highlights. 5/5 Sterne!
Story 8 - Kyo Anejan: Nichtschwimmerblues
Ardian ist Nichtschwimmer, wovon allerdings niemand etwas ahnt. So bleibt er am Strand sitzen, während seine Freunde das kühle Nass genießen. Er hat ja einen guten Ausblick auf den kleinen Hai namens Kyle, der als Rettungsschwimmer in einem Hai-T-Shirt fleißig Leben rettet. Doch dass er das Shirt als Rüstung trägt, passt nicht allen... Eine mitnehmende Geschichte, die wie ich finde jedoch mehr Platz zur Reife bräuchte und an der Stelle noch nicht vorbei sein sollte. Dazu sind noch zu viele Fragen offen. Was ist mit Kyle passiert? Wird Ardian jemals schwimmen lernen? Wird er über seinen Schatten springen und es seinen Freunden beibringen? Wird Kyle es ihm beibringen? Wird denn was aus den beiden als Freunde? Und romantisch? Kriegen die Schlägertypen ihre gerechte Strafe? Natürlich ist es immer noch eine Kurzgeschichte, aber hier fehlt mir auf jeden Fall etwas und es fühlte sich nicht so ganz rund an. 3,5/5 Sterne.
Story 9 - Louisa C. Kamps: Blumenkohl
Das mit dem "rund anfühlen" hat diese Geschichte dafür umso besser geschafft. Auch wenn ich jetzt eine Weile keinen Blumenkohl mehr essen kann, ohne an gewisse Dinge zu denken, fand ich diese Geschichte von vorne bis hinten gelungen. Carsten macht mit seinem langjährigen Freund Schluss – man ist sofort in ihrem Streit – sehr gelungener Einstieg. Und trifft auf seinem Trip nach Mallorca auf Henning, der ein wenig geheimnisvoll und sehr charmant ist. Auf jedenfall ist er ein guter Zuhörer und die beiden freunden sich innerhalb weniger Tage an, ehe es zu mehr kommt. Ich fand diese Entwicklung sehr natürlich, es fühlte sich keineswegs zu schnell an (auch wenn die Trennung noch nicht lange her war, hatte Carsten ja schon vor langer Zeit innerlich Schluss gemacht...) und ich fand Henning charakterlich einfach wundervoll. Ich finde es toll, wenn Charaktere wirklich kommunizieren und auch mal fragen "Darf ich das? Wie wünschst du dir das?". Das ist so erwachsen. ;D Auch das Ende fand ich total gelungen, da es auf eine vorherige Szene hinweist und der Kreis sich so schließt. Perfekt! 5/5 Sterne. Eine meiner Lieblinge aus dem Buch.
Story 10 – J.K.Rigson: Plan B
Hier verbringen wir Zeit mit Stinke-Rolf und Nörgel-Flo, die mit ihren beiden Muttis dank Corinna Zelturlaub machen müssen und sich dabei näherkommen. Und das, obwohl Flo den Rolf eigentlich gaaaar nicht leiden kann. Plan B bereitet der Anthologie mit viel Humor einen krönenden Abschluss. J.K. Rigson hat bereits für das Buch "Tales of the f*cked 2: Real Contemporary Gay Romance (Tales of the fucked - schwule Geschichten aus dem Rotlichtviertel)" mit Akira Arenth zusammengearbeitet – un was soll man sagen? Die Stile passern sehr gut zusammen. Um ehrlich zu sein hatte ich beim Lesen einige Akira Arenth-Vibes bei der Wortwahl und beim Humor. Das einzige, was ich schade fand, was, dass auch diese Story sehr offen endet und würde gerne wissen, wie es mit den beiden weitergeht. So kam es mir etwas so vor, als wäre das Papier plötzlich alle gewesen... Aber da ich den Rest so witzig finde, bekommt sie trotzdem 5/5 Sterne von mir.
So, wenn ich aus allen Sternen die Quersumme bilde, komme ich auf 4,3 /5 Sterne, möchte hier aber großzügig sein und dem Buch die volle Punktzahl geben, da mir ein Großteil der Geschichten gut bis sehr gut gefallen hat und das bis auf 1-2 Sachen eher an persönlichen Präferenzen lag. Jeder sollte sich hier sein eigenes Bild machen und der Anthologie diesen Sommer eine Chance geben.