Die Linke in Italien hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Revolte um 1968 dauerte dort sehr viel länger als anderswo, Studierende und Arbeiter*innen rebellierten gemeinsam, und es entstand eine breite und unüberhörbare feministische Bewegung. Zugleich wurde der Partito Comunista Italiano (PCI) die mit Abstand größte kommunistische Partei Westeuropas. Links vom PCI kämpften revolutionäre Organisationen wie Lotta Continua, die Roten Brigaden und andere bewaffnete Gruppen. Es folgten die Auflösung des PCI, kommunistische Neugründungsversuche und außerparlamentarische Massenmobilisierungen, besonders spektakulär 2001 in Genua. Heute steht die Linke vor der Aufgabe, ein Comeback der Rechten zu verhindern, zugleich aber im Bündnis mit den immer noch starken sozialen Bewegungen eine politische Trendwende einzuleiten. Jens Renner rekonstruiert die Geschichte der Linken in Italien seit dem Ende des 19. Jahrhunderts: eine Geschichte großer Aufbrüche, historischer Niederlagen und mutiger Neuanfänge – in der Hoffnung, dass die italienischen Kampferfahrungen auch anderswo reflektiert und genutzt werden.
Gibt einen guten Einblick in das Thema. Betrachtet wird die Zeit von der Gründung der Nation bis zum Beginn der Corona-Pandemie. Der erwartungsgemäß interessanteste Teil ist der von der Zeit der Fabrikräte Ende der 1910er bis zu den Parteineugründungsversuchen die Mitte der '70er. Danach gibt's Zusammenbruch, Selbstzerstörung, größtenteils Zerfaserung der Linken (also wie in allen anderen imperialistischen Ländern auch).
Wie schon Renners Buch über die 68er-Bewegung leidet das ganze am mangelnden ökonomischen Fundament. Hier und da werden fallende Löhne erwähnt, aber zumindest eine kursorische Besprechung der Krise des Fordismus und dessen Ablösung durch den Neoliberalismus und wie eben dies die Bewegungen beeinflusste, findet sich nicht. Glaub', die meisten wird's eh nicht stören.
Also insgesamt gutes Buch. Sympathisch auch, dass er immer wieder auf die Karl-Heinz Dellwo Bände zurückgreift.