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Entkommen

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Frei und spielerisch, tänzelnd poetisch und voll eigenwilliger Joshua Groß ist auf verstörende Art gegenwärtig und macht sich auf den Weg zu einer tiefen, zu einer wahrhaften Erzählung. Sprachbewusst und ernsthaft, voller Humor und mit der geschliffenen Präzision schräger Bilder entwirft Joshua Groß ein literarisches Spiegelkabinett. Nürnberg, Elektroluchs oder Bergamo sind die ganz realen Ausgangspunkte kaleidoskopischer Welten und Geschichten, die immer wieder verblüffende Wendungen Der Wrestler Alchemist Teaz verschwindet, verschickt aber noch weiterhin bedeutsame Nachrichten, die rätselhafte Professorin Kemander entdeckt ihre Faszination für einen uralten Baum, und auch Jellyfish P aus Flexen in Miami schreibt sich mit seinem Twitterfeed in diese Geschichten ein. Die Rapper A$AP Rocky und Lil Wayne treten auf, Werner Herzog und Maggie Nelson werden befragt, Donna Haraway und Marcus Steinweg geben Rat und spenden Trost. Mit ihnen denkt Joshua, der zugleich Autor, Erzähler und Figur ist, notiert und erfindet. So entstehen Erzählungen und Essays, die in einer unbändigen Lust an der Gegenwart einen ganz eigenen Sinn für Realität gegen Selbstaufgabe, gegen Heuchelei – und für ein unbedingtes Schreiben, vorangetrieben von Humor und Tiefgang, bis zur Entgrenzung.

272 pages, Kindle Edition

Published March 18, 2021

3 people are currently reading
97 people want to read

About the author

Joshua Groß

17 books32 followers
Joshua Groß, 1989 in Grünsberg geboren, studierte Politikwissenschaft, Ökonomie und Ethik der Textkulturen. 2018 war er zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur nach Klagenfurt eingeladen und 2019 erhielt er den Anna Seghers-Preis. Er ist einer der Herausgeber der Anthologie "Mindstate Malibu".

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for lautesbrot.
73 reviews46 followers
January 29, 2024
„Der Hustle von Karl May war verankert in seiner Fantasie, im Fernweh; sein Bekenntnis ging so weit, dass er das Beschriebene für das Erlebte ausgab, die Selbst-stilisierung für Tatsächlichkeit; und irgendwie hatte er die Abenteuer auch erlebt, weil wir alle sie nacherleben können. Niemand hat gesagt, dass die Fantasie weniger echt ist als die Tatsächlich-keiten, niemand hat gesagt, dass die Fantasie keine Tatsächlichkeit ist. Niemand hat gesagt, dass ein Tipico-Wettschein mehr zählt als die Liebe zu Nscho-tschi, oder dass sich die Einsamkeit in Neukölln unterscheidet von der Einsamkeit in einem Wilden Westen, der so nie existierte.

Joshua Groß hat viel zu erzählen. Von Fantasiestädten mit Bewohnern, die symbiotische Beziehungen zu Tieren haben, aus denen sich Superkräfte entwickeln bis hin zu Bootrennen. Dabei werden immer wieder metaphysische Beobachtungen und Gedanken mitgeteilt, genauso aber auch Rapverse von Lil Wayne und Co sowie andere popkulturelle Referenzen.

Bis zum ersten Drittel des Buches war ich doch sehr begeistert. Der Rewe-Essay hat es mir besonders angetan. Kritisiert werden die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen die Zustände zwar absurd dargestellt werden, doch es trifft doch einen wahren Kern. Ein Supermarkt-Besuch ist ein surrealer, reizüberfluteter Akt, der seine eigene Welt erzeugt und doch Teil der Realität ist.

Doch muss ich zugeben, dass ich ab dem zweiten Drittel mich zunehmend fragte, was ich hier eigentlich lese. Ich lasse hier Joshua Groß‘ „Entkommen“ selbst sprechen, um darzustellen, wie ich mich bei der Lektüre fühlte:

„Ich versuche, die Bilder halbwegs schlüssig aufeinander folgen zu lassen. Allermeistens entgleiten sie mir oder lassen sich nicht so festhalten, wie es ihnen zusteht. Das ist okay, wenn auch manchmal frustrierend.“

Es werden Welten, Gedanken, Konzepte formuliert und dann verflüchtigen diese sich in den meisten Fällen wieder sofort. Dies mag in einzelnen Essays funktionieren, wie sie vorher auch in Zeitungen schon publiziert worden sind. Doch in einem Band liest es sich doch eher wie ein Fiebertraum, in welchem die Gesamtkomposition wenig Sinn ergibt und man sich doch nach einem Anhaltspunkt sehnt, der auch bestehen bleibt. Es werden zu viele Themen angesprochen und diese dann schnell wieder verworfen. Innerhalb eines Essays hätte ich mir gerne einen gewissen Fokus gewünscht, der auch inhaltlich gut bearbeitet wird wie beispielweise der „Ich in Rewe“-Essay, der wirklich heraussticht.

Nun bin ich mir mit der Gesamtbewertung unsicher. Joshua Groß teilt dem Leser interessante Gedanken mit, doch fehlt es an Fokus, um diese Gedanken wirklich ausreifen zu lassen und greifbar zu machen. Ich werde mich noch an seinen Roman „Prana Extrem“ versuchen. Sonst gebe ich es auf.
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,059 followers
April 1, 2021
"Entkommen" ist eine Sammlung oder, wie Joshua Groß es wohl eher nennen würde, Compilation von 21 Texten, von denen 17 allerdings bereits zuvor in Literaturmagazinen etc. veröffentlicht wurden. Wie bereits in Flexen in Miami betreibt der Autor meist Gegenwartsanalyse, indem er Realität und Digitlität ineinander kollabieren lässt und dann 12 Pfund Popkultur hinterher wirft - und das ist häufig verdammt amüsant, wenn man ein Herz für weirde, experimentelle Texte hat.

Hintereinander weglesen empfiehlt sich hier eher nicht, dafür ist das alles zu dicht und zu wild, aber wer in Ruhe nach den Satzperlen in den Texten stöbert, wird entlohnt. Beispiel gefällig? Bitteschön: "REWE ist eine Anormalität, die offenbar nicht wahrgenommen wird und die sich um uns herum materialisiert, auf eine Weise, die unanzweifelbar zu sein scheint; wie Baudrillard schreibt: "Die positive Kristallisation, diese Aufhebung des Zweifels bezüglich der realen, zwangsläufig realen Welt bleibt völlig rätselhaft. Das wirft die ganze Frage nach der Intelligenz des Bösen auf."" Weltschmerz in extra-strange, what's not to love.

Mehr über das Buch gibt's in unserer neuen Podcast-Folge!
Profile Image for Totarota.
113 reviews9 followers
January 15, 2024
Joshua Groß zu lesen macht einfach Spaß. Er nimmt die Realität, stellt sie auf den Kopf und streut dann Glitzer darüber.
Profile Image for Mina.
190 reviews23 followers
October 7, 2023
In “Entkommen” versammelt Joshua Groß 21 Texte, die sich schwer zusammenfassen oder einordnen lassen. Irgendwo zwischen essayistischer Autofiktion und dystopischer Fantastik untersucht Joshua Groß die Weirdness unserer Gegenwart und Existenz und bei einzelnen Sätzen könnte ich mich während des Lesens wirklich niederknien, weil er damit entweder genau einen Nerv bei mir trifft oder mir ein Portal in neue Gedankenwelten eröffnet.
Andererseits fragte ich mich auch ab und zu, was zur Hölle ich hier eigentlich gerade lese und an manchen Stellen hat sich der Sinn für mich so sehr hinter abstrakten und abstrusen Gedankengängen versteckt, dass ich zweifelte, ob ich das hier überhaupt gern lese und ob es mir an Durchlässigkeit fehlt, um das Geschriebene aufnehmen zu können.

Man kann sich bei Joshua Groß sicher sein, dass man regelmäßig überrascht wird mit komischen und seltsamen Ideen, die ihre Fühler bis auf den Grund unseres Daseins ausstrecken wollen - oder kompletter Nonsense sind. Ich mag es, wie eine ganze Bandbreite an Referenzen - von Lil Wayne bis Thomas Bernhard - eingestreut wird und sich aus ein paar Lines weitere Assoziationen und ganze Texte entwickeln. Für mich ist Joshua Groß gut dosiert eine unermessliche Bereicherung und inzwischen Stammautor in meinem Bücherregal.
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