Gedankendrehmoment
Es könnte auf der Bühne aufgeführt werden und ist vielleicht auch dafür bestimmt. An einem 20. Juli ist der letzte Schultag der Abiturklasse. Fünf Abiturienten treffen sich am Abend. Gerade wurde in ihrem Bundesland gewählt und eine rechtspopulistische Partei hat gewonnen, allerdings dem kleineren Koalitionspartner den Ministerpräsidentenposten überlassen. In ihrem Geschichtsunterricht haben sie viel über den Nationalsozialismus diskutiert. Und an diesem Abend, zu dem sie auch den Geschichtslehrer eingeladen haben, geht es darum, ob man etwas hätte verhindern können, wenn Hitler rechtzeitig, zum Beispiel 1931, einem Attentat zum Opfer gefallen wäre.
Auf nur 90 Seiten entwickelt der Autor ein Gedankenspiel, dass Fragen letztlich nicht abschließend beantworten kann. Können wir überhaupt aus der Geschichte lernen? Wenn man die heutige Lage in der Welt betrachtet, meint man, eher nicht. Es stellt sich aber nicht nur die Frage nach dem Lernen, sondern ob man es selbst besser machen würde. Ab wann wäre man bereit Widerstand zu leisten? Wäre es dann möglicherweise zu spät? Oder würde man es eher lassen, weil man meint, dass man zu viel zu verlieren hat? Und wie weit sind wir heute schon, infiltriert von Populisten und ihrer Art die Sprache zu verdrehen?
Manchmal schaudert es einen bei der Lektüre dieses kleinen Büchleins. Die Demokratie ist nicht selbstverständlich und eine Art des Wiederstandes ist sicherlich, wählen zu gehen. Aus dem Wissen von dem, was danach geschah, kann man sich natürlich wünschen, Hitler wäre besser umgebracht worden, bevor er so viel Schaden mit seinen unsäglichen Taten anrichten konnte. Aber man weiß es ja nicht vorher und genau da beginnen die Gedanken zu kreisen. Wenn in den Medien nachliest, die man als vertrauenswürdig erachtet, denkt man schon, wie leben in einer seltsamen Zeit und wir graben uns noch selbst das Grab. Da bewarb es wohl einer echten Anstrengung, um unsere Demokratie und unsere Freiheit zu erhalten. Vielleicht muss gerade das aus der Vergangenheit und auch aus der Gegenwart gelernt werden: Die Demokratie ist nicht selbstverständlich und unsere Lebenswirklichkeit auch nicht. Wenn wir unsere Freiheit behalten wollen, müssen wir was dafür tun.
4,5 Sterne