Ich war grundsätzlich skeptisch ob ich wirklich Lust auf dieses Buch habe, da ich so viele Bücher zu einer ähnlichen Thematik gelesen habe (Unterdrückung weiblich gelesener Menschen, Minoritäten, etc.) aber dieses Buch hat mich positiv überrascht, in jeder Hinsicht.
Immer noch absolut unvorstellbar ist für mich, wie Menschen, die von unseren herrschenden Strukturen so benachteiligt sind, so ruhig, strukturiert und sachlich an die Sache rangehen können. Diese Stärke beeindruckt mich immer wieder und hat meinen vollsten Respekt.
Und so arbeitet sich Şeyda Kurt sehr strukturiert und nachvollziehbar zu jeder Wurzel der behandelten Probleme vor. Ich habe viele neue Aspekte unserer Strukturen kennen gelernt bzw. mit anderen Augen gesehen, weil ich vieles, was das Thema Liebe angeht - und wie Monogamie/Liebe auch in diese Strukturen hineingewoben sind - zuvor noch nicht ganz mit denselben Augen gesehen bzw. durchschaut habe. In absolut jedem Kapitel werden so viele Teilaspekte zu dem jeweiligen Topic aufgedeckt, dass ich sehr oft pausieren, innehalten und darüber nachdenken musste. Das Buch war wirklich ein wunderschöner und bereichernder Zeitvertreib.
Şeyda Kurt ist dabei immer wertfrei, das möchte ich auch betonen. Sie schreibt, dass manche Wege nicht für alle der richtige Weg sind, das auch für sie nicht alles was sie probiert und gesehen/geglaubt hat funktioniert hat, es ist also kein Vortrag über "richtig lieben". Es ist einfach nur Aufklärung darüber, was Liebe mit Politik am Hut hat und macht einen sehr oft nachdenklich, ob man die eigenen Entscheidungen bezüglich der eigenen Lebensweise auch wirklich alle selbst trifft (spoiler alert: eeeeeher nicht.)
Es ist auch für Menschen, die gewisse Einstellungen in dem Buch gar nicht vertreten absolut interessant zu lesen, ich kann es uneingeschränkt jedem empfehlen.
Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass ich dieses Buch im Audioformat gelesen habe und die Autorinnenlesung ganz großartig fand. Ich freue mich schon sehr zu sehen, was wir von Şeyda Kurt in den kommenden Jahren noch lesen dürfen.