Wenn der Bruder oder die beste Freundin plötzlich an vermeintliche Verschwörungstheorien glauben, führt das oft zu Auseinandersetzungen und Beziehungskrisen. Viele haben das Gefühl, den anderen nicht mehr zu erreichen und gegen eine Wand zu reden. Konflikte in Familien, Partnerschaften oder Freundschaften spitzen sich zu und manchmal werden Kontakte sogar abgebrochen. Oft besteht auf beiden Seiten der Wunsch, den anderen von der eigenen Meinung oder vermeintlichen Wahrheit zu überzeugen. Wenn die innersten Überzeugungen angegriffen werden, lässt das keinen kalt. Dieses Buch vermittelt Strategien, wie Sie mit solchen Konfliktsituationen lösungsorientiert umgehen können. Es verhilft zu einem besseren Verständnis für diejenigen, die an Verschwörungsmythen glauben. Denn verstehen, weshalb jemand solchen Überzeugungen anhängt, ist ein erster Schritt, um diesem Menschen mit einer veränderten Haltung zu begegnen.
Was kann man tun, wenn sich der beste Freund als Anhänger von Attila Hildmann entpuppt? Auf diese Frage hat das Buch „Alles Spinner oder was? Wie sie mit Verschwörungsgläubigen gelassener umgehen“ von Sarah Pohl und Isabella Dichtel einige Antworten parat.
Im ersten Teil geht es um den Begriff der Verschwörungstheorie, deren Entstehung und Charakteristik. Im zweiten Teil geht es dann um Verschwörungsgläubige und deren Beweggründe, um dann im dritten Teil den Umgang mit diesen zu erarbeiten.
Während die ersten beiden Teile eher theoretischer Natur sind, um die Hintergründe für Verschwörungstheorien und die psychologischen Faktoren zu verstehen, wird das Buch dann im dritten Teil sehr konkret. Teil 1 fand ich sehr spannend, wohingegen ich den zweiten Teil mit den Kategorisierungen der verschiedenen Typen von Verschwörungsgläubigen eher bedingt informativ fand. Dafür schaffen es die Autorinnen im letzten Teil absolut wertvolle Informationen preiszugeben.
Gerade der dritte Teil, der sich mit den Möglichkeiten der Konfliktlösung befasst, ist auf alle Konfliktsituationen anwendbar, nicht bloß im Streit mit Verschwörungstheoretikern. Basierend auf der gewaltfreien Kommunikation werden Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Leitfäden und konkrete Beispiele für eine bessere Diskussions- und Streitkultur geboten.
Ich habe wirklich selten einen Ratgeber in der Hand gehalten, der derart wertvolle und konkrete Vorschläge bereithält und kann ihn deshalb jedem wärmstens empfehlen, der an seiner Konfliktfähigkeit arbeiten will – auch ganz unabhängig vom Umgang mit Verschwörungstheoretikern.