Johanna Adorján hat unsere Gegenwart in einen Roman gegossen.
Johanna Adorján entwirft mit »Ciao« eine Gesellschaftssatire, die extrem komisch ist und gleichzeitig ernsthaft gegenwärtig. Ist der Untergang des alten weißen Mannes beschlossene Sache oder sollte man mit dieser Spezies doch gnädig sein?
Hans Benedek, einst ein gefragter Feuilletonist, hat seinen Bedeutungsverlust selbst noch gar nicht realisiert. Er wähnt sich weiterhin als Mann von beträchtlichem Einfluss, glaubt, dass alle Welt die Ohren spitzt, wenn er einen Gedanken formuliert. Aber die Zeichen mehren sich, dass sich etwas verändert hat. Seine ständigen Affären mit Praktikantinnen sind nicht mehr so unbeschwert wie noch vor einigen Jahren. Seine Tochter beschimpft ihn als Mörder, da er immer noch Bacon zum Frühstück isst. Als seine Frau ihn auf die Idee bringt, ein Portrait über die gefragteste junge Feministin des Landes zu schreiben, wittert Hans seine Chance. Doch die Begegnung mit ihr wird Hans in einen Abgrund von bisher ungekannter Tiefe stürzen.
Ein Roman über Menschen, über die die Zeit hinweggegangen ist. Über Leute von gestern im heutigen Leben. Übers Älterwerden. Und ein bisschen auch über die Liebe.
Johanna Adorján, born in 1971 in Stockholm, studied theatre and opera directing. She has worked as an editor and freelance author for various newspapers and magazines. Since 2001 she has been an editor of the culture section of the Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in Berlin. She has written theatre pieces, as well as a screenplay that has been filmed by Ed Herzog. An Exclusive Love is her first book.
Johanna Adorján versucht, der Debatte um Wokeness und alte weiße Männer die Leichtigkeit zurückzugeben: In diesem Buch übertreiben es alle Seiten - also wie im wahren Leben. Protagonist Hans Benedek, seines Zeichens Edelfeder im Feuilleton einer angesehenen Zeitung, hat den Anschluss an die aktuellen Debatten verloren, was er sich natürlich nicht eingestehen will. Vielmehr will er sich und der Welt beweisen, dass er weiß, wo der Zeitgeist-Hammer hängt, indem er ein Portrait einer Internet-Feministin, Autorin und Outrage-Queen verfasst - das muss ja schief gehen.
Wer jetzt denkt, diese Satire sei eine Verteidigung der Woke-Kultur und weise die alten weißen Männer in die Schranken, der hat echt den Schuss nicht gehört: Adorján lacht über den wohlfeilen Internet-Feminismus, sie stellt die narzisstische Skrupellosigkeit so mancher Social Justice-Warrior aus, aber das alle, ohne die zahlreichen Verfehlungen und generelle Lächerlichkeit mancher alter weißer Männer, die sich mit Praktikantinnen einlassen und ihre Fähigkeiten überschätzen, klein zu reden. Die Atomisierung der Gesellschaft in immer kleine Gruppen mit spezifischen Partikularinteressen wird zur Farce. Leser*innen fragen sich: Wer profitiert hier, außer den Egos einzelner?
Und mit diesem Ansatz gelingt es der Autorin ganz gewiss, den Finger in die Wunde zu legen: Wenn wir vorankommen wollen, müssen größere Zusammenhänge im Blick bleiben. Das ist alles sehr amüsant, aber nicht wahnsinnig subtil. Aber um ein paar Stunden auf Niveau unterhalten zu werden, ist das genau das richtige Buch.
Johanna Adorján hat ein etwas anderes Buch über den alten weißen Mann geschrieben, das mich eingangs ob seiner Bissigkeit und Demaskierung sehr amüsiert, dann irritiert, anschließend ein bisschen geärgert – weil ich plötzlich Mitleid mit dem alternden Protagonisten bekommen habe – und letztendlich aber ziemlich begeistert hat. Sie teilt nämlich sehr gerecht nicht nur ordentlich gegen diese mittlerweile etwas in Verruf gekommene männliche Spezies aus, die auf ihren Privilegien zu beharren und diese mit teilweise unlauteren Mitteln zu verteidigen weiß, sondern sie nimmt sich auch des Problems an, dass manche modernen, für berechtigte Anliegen kämpfenden Frauen, man nennt sie auch oft Social Justice Warrior (auf Deutsch Soziale-Gerechtigkeits-Krieger) in ihren angewandten Methoden mitunter so zu weit gehen, dass sie sich damit genauso wie ihre Kontrahenten total ins Unrecht setzen.
Da ich mich als schon fast alte weiße Frau und Feministin alten Stils ja nicht mehr ganz so mit der Szene auskenne, hatte ich die Chance und das Vergnügen, hierzu mit einer jüngeren Lesefreundin Meike zu diskutieren, die mich auch ordentlich mit Hintergrundmaterial in Form von Links versorgt hat. Sie meinte wie immer pointiert und knackig:
„Sich gegen den alten weißen Mann undifferenziert zu äußern ist der ultimative Trend des derzeitigen Schmalspur-Feminismus-Diskurses. Laaaangweilig! Demontage des Patriarchats? Ja, aber bitte auf Niveau. Da bin ich ganz bei Adorján!“
Diese Aussage kann ich total unterschreiben, denn dass der absolut notwendige und legitime Kampf um Frauenrechte mittlerweile hin und wieder durch falsche Methoden in eine Richtung geht, die mitunter wirklich moralisch nicht mehr zulässig ist, habe ich schon öfter am Rande mitbekommen, was mir zwar Unbehagen verursachte, aber was ich für Einzelfälle hielt. Dass hier eine größere Bewegung entstanden ist, die sich meiner Meinung nach in die total verkehrte Richtung verrannt hat, war mir lange nicht bewusst. Diesen Aspekt hat die Autorin aber sehr klug in ihren Roman eingebaut.
Hans Benedek, gefragter, einflussreicher Feuilletonist, dessen bissige Feder bisher allseits geschätzt wurde, ist unser männlicher Prototyp des alten weißen Mannes. Er ist glücklich mit seiner begabten Frau Henriette verheiratet, die für ihn eine vielversprechende Karriere als Schriftstellerin aufgegeben hat und als Ehefrau und Mutter ausschließlich dafür lebt, ihre Familie unterstützt und ihrem Mann den Rücken freigehalten zu haben. Henriette ist eine typische Supporterin, die sich permanent unterbuttern lässt und sogar die teilweise sexistischen Stereotype der Männerwelt übernimmt und verteidigt. Die Veröffentlichung ihres ersten und einzigen Lyrikbandes, der damals in der Buchbranche einiges an Aufmerksamkeit erregte, ist auch schon so lange her, dass Henriette mittlerweile daran zweifelt, ob sie wirklich das Zeug zu einer erfolgreichen Autorin gehabt hätte.
Eines Tages möchte sich die berühmte feministische Aktivistin und Online-Influencerin Xandi Lochner mit Henriette treffen und gesteht ihr beim Lunch so nebenbei, dass sie ein großer Fan ihrer Lyrik ist. Xandi legt den Finger in eine alte Wunde Henriettes, weil sie erstens ihr Talent bestätigt und ihr indirekt vor Augen führt, dass sie dieses vergeudet hat, indem sie aufhörte zu schreiben.
Als Hans erfährt, dass sich seine Frau mit der angesagten Online-Berühmtheit getroffen hat, ist er ziemlich schnell Feuer und Flamme, ein Portrait über die gefragte Feministin zu schreiben. Der Feuilletonist ist zwar auf Grund seines Alters nicht mehr immer up to date mit den aktuellen Trends, aber um seinen Bedeutungsverlust zu verhindern, diskutiert er öfter mit einem jüngeren Bekannten, der ihn auf dem Laufenden hält. Xandi Lochner ist also eine angesagte Persönlichkeit und Hans wittert seine Chance, sich in seiner Redaktion erneut als Journalist, der am Puls der Zeit lebt, zu präsentieren. In seiner Zeitung hat sich in letzter Zeit auch einiges verändert, und so muss er seine junge Kollegin und Geliebte, die er als Mentor schon öfter unterstützt hat, mitnehmen, weil sie als Frau unbedingt als Co-Autorin in diesem Portrait fungieren soll.
Das Treffen mit Xandi Lochner wird zur Nemesis für die alten weißen Männer. Zuerst erwischt es den alternden Moderator Denninger, den die Feministin live und im Beisein von Hans dazu bringt, in seiner eigenen Show beruflichen Harakiri zu begehen. Denninger bestätigt und wiederholt sogar vor Live-Publikum ohne Not seine sexistischen Witze aus den 80er-Jahren über eine Frühstücksfernsehmoderatorin und will auch überhaupt nicht verstehen, warum das weder damals korrekt war als auch heute einfach nicht legitim ist, so etwas zu tun. Hans ist elektrisiert und begeistert, dass er diesem Ereignis als Journalist beiwohnen durfte, denn er hat erkannt, dass hier die Ära eines Sauriers zu Ende gegangen ist, ohne zu realisieren, dass es ihm selbst als Vertreter derselben Gattung auch noch an den Kragen gehen wird.
An dieser Stelle möchte ich mich fürs Spoilern entschuldigen, denn mein Lob zum Plot kann von mir leider nur durch die Schilderung einer zentralen Szene recht weit am Ende der Geschichte belegt werden. Wer sich also überraschen lassen will, möge bitte die nächsten Absätze überspringen und beim Fazit wieder einsteigen.
Am Abend beim gemütlichen Zusammensein glaubt Hans, seine Kollegin abhängen zu müssen, um das Portrait mit Xandi alleine schreiben zu können, nicht wissend, dass eigentlich er in eine perfide Falle getappt ist. Die Feministin ist eine geschickte Manipulatorin, die Hans zuerst völlig betrunken macht, ihn anschließend in eine Situation bringt, in der er sich total lächerlich macht, indem sie ihn zum lallenden Mansplainen animiert. Sie hält diese Szene filmisch fest und veröffentlicht sie auf Twitter einem riesengroßen Publikum. Sie hat Hans ganz gezielt vorgeführt und mittlerweile ist nicht einmal klar, ob sie diese Idee nicht von Anfang an verfolgt hat, als sie Henriette einlud. Jetzt könnte man sagen, dass der gute Mann ja nicht gezwungen wurde, soviel zu trinken, aber so einfach ist die Sache nicht. Xandi hat als Veganerin jeden Versuch von Hans torpediert, irgendetwas zu Essen zu bekommen. Sie wechselt mehrmals nach der Konsumation der Getränke abrupt das Lokal, weil ihr die Speisekarte kein adäquates veganes Essen bietet. Hans, der Gentleman der alten Schule folgt ihr bereitwillig und tappt in die Falle. Wer schon einmal auf nüchternen Magen zu viel getrunken hat, weiß, wie viel und wie überraschend schneller der Alkohol wirkt, wenn der Magen leer ist.
An diesem Punkt war ich der Autorin kurze Zeit ein bisschen böse, weil sie mich dazu zwang, auch noch Mitleid mit dem Protagonisten zu empfinden, da ihm gar so übel mitgespielt wurde. Dann habe ich aber realisiert, wie ausgewogen, gerecht, genial und perfide sie das Fett verteilt hat. Sie hat mich mit viel Humor überlistet, bei all der berechtigten Kritik am alten weißen Mann nicht in ungerechte Muster zu verfallen, und das ist gut so.
Denn die Antagonistin Xandi als Soziale-Gerechtigkeits-Kämpferin überschreitet mit zunehmenden Aktionen gegen die von ihr verorteten Ungerechtigkeiten am Ende völlig die Grenzen des moralisch Vertretbaren: Die erste Stufe, die Unterstützung der unterbutterten Ehefrau, ist eine recht gelinde Strategie und absolut notwendig. In ihrem Kampf auf Stufe zwei schafft es Xandi, einen alten weißen Mann dazu zu bewegen, seine Taten der Vergangenheit zu gestehen. Denninger ist selbst schuld, wenn er keine Einsicht zeigt und die Tat quasi wiederholt und aktualisiert. Auch dieses Vorführen ist durchaus legitim, denn der Betroffene hat sich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte selbst entlarvt. Was die Feministin hingegen mit dem Protagonisten Hans anstellt, ist wirklich skrupellos. Ihn besoffen machen, angraben, lächerlich machen und auch noch filmisch auf Twitter vorführen, ist unterste Schublade und vom Niveau eines üblen Pubertätsscherzes. So etwas erinnert mich frappant an die fiesen Aktionen auf Teenagerpartys, die eigentlich fast nur mit Mädchen abgezogen wurden. Zuerst betrunken machen und dann der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie sich dementsprechend verhalten. So ein Verhalten ist tatsächlich von meiner Warte aus nicht mehr moralisch akzeptabel, nicht bei Teenagern, denen man wenigstens noch jugendlichen Leichtsinn nachsagen könnte, und schon gar nicht bei Erwachsenen im Kampf um eine gerechte gesellschaftliche Agenda. Im Krieg der Geschlechter ist nämlich nicht alles erlaubt.
Dieses reale, recht moderne Problem hat die Autorin im Plot ausgezeichnet herausgearbeitet. Ihre Figuren sind tiefgründig, konsistent und glaubwürdig konzipiert, mitunter überraschen sie die Leserschaft sogar.
Fazit: Ich fand den Roman witzig, beißend ironische Kritik wird ganz fein und sehr gleichmäßig auf alle Parteien dieses gegenwärtig so aktuellen Diskurses verteilt. Ich habe mich amüsiert, wurde zum Nachdenken angeregt und habe durch die notwendige Zusatzrecherche sehr viel zu dem Thema gelernt. Herz, was willst Du mehr! Deshalb gibt es eine Leseempfehlung von mir.
Diese Geschichte fing harmlos an, sprach aktuelle, z.T. schwierige Themen locker und leichtfüßig an, nur um dann am Ende mit Unwissen und Unverständnis die nächste Klippe abzustürzen. Eigentlich gibt das Buchcover genau das wider, was in der Geschichte passiert. Hans und Henriette sind ein alterndes Paar, die bereits auf konservativem Weg im Leben Erfolg gefunden haben, bis man sich (besonders Hans) auf der Abschlussliste findet. Dabei sind diese beiden und auch andere in ihrer Umgebung bestürzt und kommen nicht mit der Änderung der Gesellschaft klar. Man nimmt jedes Fettnäpfchen mit bei Situationen um aktuelle Trends, sozialen Medien und Wandel von Geschlechterklischees. Ich musste beim Lesen öfters schmunzeln und fand die Charaktere abwechselnd lustig und abscheulich. Aber das ist wohl nur menschlich und zeigt wie überzeugend die Geschichte erzählt wurde. Ich hätte mir allerdings mehr Schärfe und Biss gewünscht. Das Ende war übrigens absolut herrlich!
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Unterhaltsame Auseinandersetzung mit der "Netzfeministen treffen auf alte weiße Männer"-Thematik, in dem fast alle schlecht wegkommen und sich das große Ego durch alles zieht. Ich reagiere oft allergisch auf Romane, die versuchen sehr 'tagesaktuell' zu sein, besonders wenn sie zynisch etwas "entlarven" wollen. In dem Buch gab es zum Glück weniger Zynismus und mehr nett-drüber-lustig-machen-Vibes. Wirklich zum Lachen das Buch zwar nicht, aber dafür liest es sich zügig und unterhält über große Strecken. Das Ende fand ich etwas schwach und den Stil stellenweise zu flapsig. Jemand schrieb es sei ein "Strandbuch", und dem würde ich zustimmen.
Hmm... Nennen wir es Strandbuch. Mit Spiegel-Bestseller Sticker auf dem Cover. Alle empfehlen das Buch, wie wild. Sie hätten seit langem nicht so gelacht beim Lesen. Ein wirklich lustiges Buch. Und so relevant, ganz schlau behandelt es den Zeitgeist. Und so weiter.
"Wenn Depression eine Farbe war, dann Berliner Grau."
Dieses Buch hat keine literarischen Ambitionen. Nicht mal das Gefühl, dass die Autorin unbedingt diese Geschichte erzählen musste, kam auf. Mehr wie ein "Wie wär's mal mit nem neuen Buch?" vom Verlag. Komplett unnötig. So viele Bücher machen es sich ganz einfach, sie haben paar Details, die scharfe Beobachtungsgabe des Autors, der Autorin vermuten lassen sollen. Aber das reicht halt nicht. Denn mit dem Gedanken "Ich schreibe jetzt mal ein Buch über die Gegenwart." wurde noch nie das Buch der Stunde geschrieben. Und immer das Thema "political correctness" und "cancel culture", immer auf dieselbe Weise, immer als Witz oder als der Untergang der Kultur gesehen. Vielleicht bin ich auch einfach nicht das richtige Publikum für dieses Buch. Vielleicht ist es nur was für mittelalte Menschen. Vielleicht finden die es scharfzüngig und kommen zum Schmunzeln. Vielleicht kommt es ihnen nicht wie so ein schlechter Fernsehfilm des Öffentlich-Rechtlichen vor. Die junge Generation wird in solchen Büchern oft so einsilbig dargestellt, als wären wir irgendwie oberflächlicher. Oder diese Bücher sind einfach generell ziemlich oberflächlich.
Ich habe das Buch vorschnell gekauft. Johanna Adorján fand ich bis jetzt immer sympathisch. Ich mag ihren Instagram-Account. Aber dieses Buch war nun wirklich nicht nötig.
Schnell lesen lässt es sich, aber doch. Unterhaltsam ist es ja auch irgendwie. Vergänglich, halt. Aber das macht Strandbücher so aus.
Viele Jahrzehnte ist es schon her, dass Henriette mit ihrem Gedichtband so etwas wie einen kleinen Erfolg feiern konnte, heute ist sie nur noch gelegentlich als Gattin von Hans Benedek in der Öffentlichkeit zu sehen, einem angesehenen Feuilletonisten und von der Kunst und Kulturszene lange umworbenen Gast auf allerlei Veranstaltungen. Umso erstaunter ist sie als Xandi Lochner, 24-jährige Feministin und Liebling aller Social-Media-Kanäle sie um ein Treffen bittet. Die Welten der beiden Frauen könnten verschiedener nicht sein und für Henriette endet der Abend in einem Desaster. Doch ihr Mann ist von der Idee, ein Portrait über die schlagfertige Jungautorin zu schreiben, begeistert, vielleicht kann er so seinen sinkenden Stern bei der Zeitung wieder etwas zum Leuchten bringen. Zwar kann er mit den modernen Ideen der Frauen wenig anfangen, er fühlt sich inzwischen geradezu verfolgt und gehasst, aber das verhindert ja keinen erfolgreichen Artikel und sein Charme wirkt doch auch immer noch gut, wie all seine Affären mit den Praktikantinnen eindrucksvoll belegen.
Johanna Adorján greift das Thema der Stunde auf: der tobende Geschlechterkampf im Kulturbetrieb. Auf der einen Seite gut situierte und etablierte ältere Herren, die jahrzehntelang gönnerhaft ihre Position ausgenutzt haben, auf der anderen junge, unerschrockene Frauen, die sich nicht mehr so einfach in die zweite Reihe schieben lassen und die Gegebenheiten hinterfragen. Die Autorin verfällt jedoch nicht dem wütenden Duktus, der häufig diese Debatte begleitet, sondern findet einen humorvollen Ton für ihre Geschichte, die auch den Protagonisten nicht gänzlich demontiert. Benedek ist kein selbstsüchtiges Monster, viel mehr ist er überfordert und blickt orientierungslos in die Welt.
Es sind nicht nur die Frauen, die Benedek Kopfzerbrechen bereiten. Auch die Tatsache, dass sich seine Zeitung weg vom Papier hin zum online Journalismus verlagert, irritiert ihn. Dort kann ja auch jeder schreiben, was er will, nicht mehr er ist als Feuilletonist plötzlich der Königsmacher, der mit wohlwollenden Kritiken Karrieren befördert und eine entsprechende Behandlung erwartet. Dass sich die Zeiten geändert haben, spürt er an seinem Arbeitsplatz deutlich, insbesondere die Einsparungen, unter denen die ganze Branche leidet, treffen ihn hart.
Seine Tochter versteht er schon lange nicht mehr und mit Henriette hat er auch kaum mehr was zu teilen, dafür hat er ja Niki, aktuelle Praktikantin und Geliebte, die er ärgerlicherweise zu seinem Treffen mit Xandi Lochner nehmen muss und mit der er absurderweise gemeinsam den Artikel verfassen soll. Obwohl er beobachtet, wie Xandi eine Größe des Showgeschäfts vor seinen Augen vom Thron stößt, ist er nicht gewarnt und wähnt sich mit seinem erprobten Charme in Sicherheit. Mit dem Twitter Shitstorm, der dem Abend folgt, ist er restlos überfordert, er hat doch gar nichts falsch gemacht, er war doch nur nett und zuvorkommend?
Das Drama um den gealterten Journalisten nimmt unterhaltsam die ganze Medienbrache in den Fokus, nicht nur die Geschlechterfrage, sondern auch inhaltsleere Social-Media-Kanäle und Kunstveranstaltungen, bei denen es nicht um Kunst, sondern nur um das Sehen und Gesehenwerden geht, werden pointiert zugespitzt. Die oft etwas verbissene Diskussion um den „alten weißen Mann“ bereichert Adorján um Benedeks Perspektive, er will ja eigentlich modern sein, aber die Welt überfordert ihn und dass er am Ende nicht mehr über eine junge Frau schreiben darf, führt die Frage, wer überhaupt wen übersetzen darf, noch ein Stück weiter ad absurdum.
Eine bissige Gesellschaftssatire, die als Sommerroman funktioniert, obwohl sie eine nicht zu verachtende Tiefe hat.
Nett, aber belanglos, nicht mal wirklich satirisch. Adorjáns journalistische Texte sind um Längen origineller und bereichernder – unter anderem sprachlich: In Ciao “flucht” allen Ernstes jemand “wie ein Droschkenkutscher” (hat Adorján evtl. eine Wette verloren?). Wirklich charmant fand ich, dass sie die Rezeption ihrer Roman-Fingerübung (spielt in der Kulturredaktion einer großen Tageszeitung) in der eigenen Branche vorweg nimmt: Sie lässt einen Redakteur auftauchen, der ebenfalls einen Roman veröffentlicht hat – und die Hauptfigur, Redakteur im Feuilleton, hat den Roman des Kollegen zwar nicht gelesen, verbreitet aber, er finde ihn super. (Tatsächlich war Ciao grundlos rundum in den Feuilletons empfohlen worden, das hatte mich zur Lektüre verführt.)
Hmm, ich bin etwas unschlüssig, was ich genau von diesem Buch halten soll. Auf der einen Seite ist es gut geschrieben, durchaus witzig und steckt voller schlauer Beobachtungen, auf der anderen Seite ist die Story irgendwie anders als ich vom Klappentext her erwartet habe (das ist für sich genommen natürlich nicht schlecht, aber ich hatte glaube ich eher etwas mehr Diskurs und etwas weniger Slapstick erwartet :D) und die Hauptcharaktere sind mir zum Großteil so unsympathisch, dass auch tragische Hintergrundgeschichten das nicht aufwiegen konnten und mir ihr Schicksal etwas egal war. Das sorgt dann leider dafür, dass das Ende für mich nicht wirklich funktioniert.
Nette Unterhaltung, die aber alle wirklich ernsten Fragen ausspart. Zeugt von Mitgefühl für die „alten weißen Männer“ und zeigt die Absurdität der heute typischen Twitter-Empörungen. Insofern vielleicht doch ganz lehrreich.
Etwas enttäuschend waren die Figuren - die blieben mir alle zu „blutleer“ und motivationslos. Sie treiben, bis auf wenige Ausnahmen, in ihrer Typenhaftigkeit mehr so dahin.
Könnte tatsächlich das schlechteste Buch sein, das ich je gelesen hab. Besteht zu 90 Prozent aus aus dem Kontext gerissenen Seitenfüllern, da es die inhaltslose Story es nicht auf die 200 Seiten schafft. Jede/r einzelne Charakter*in schafft es tatsächlich eindeutige Stereotypen zu erfüllen ohne eine Hauch von Überraschung. Fast beeindrucken wie man es geschafft hat einen Verlag davon zu überzeugen so etwas tatsächlich zu drucken.
4,5 * für die erste Hälfte, 3 für die zweite Hälfte, freundlich und kaufmännisch aufgerundet. ;)
Schade, dass dieses tiefgreifende Buch, das erst ein Gefühl für Diskriminierung und Selbstermächtigung, Lebensstile und Beziehungsarten vermittelt, plötzlich ins gefühlt Skurrile abdriftet.
2,5 Sterne Es liest sich leicht und ist stellenweise ganz unterhaltsam, aber es bedient sich an vielen Klischees, die teilweise überspitzt sind und zieht sich irgendwann doch. Bisschen schade, weil der Anfang wirklich gut war.
Über den Hochmut vor dem Fall, über einen Ahnungslosen und Unbelehrbaren, der auf die harte (und für die Lesrein sehr lustige) Tour beginnt, zu begreifen, dass die Welt sich ändert. Sehr lesenswert und als Geschenk für den Mann an der Seite als freundliche Bildungslektüre perfekt geeignet.
Mich hat das Cover neugierig gemacht, weil ich Geschichten mag, die ernste Themen humorig umsetzen, ohne dabei aber klamaukig zu werden – und dieses Cover hat mich glauben lassen, dass ich mit diesem Buch genau das bekomme. Es gab tatsächlich auch Situationen, in denen ich schmunzeln musste, trotzdem hat mich die Geschichte nicht richtig packen können.
Im Mittelpunkt steht Hans Benedek, ein alternder Feuilletonist, der verzweifelt versucht, den Anschluss an aktuelle Themen nicht zu verlieren – und so macht er sich in ihm bekannter Manier daran, ein Portrait über die junge Feministin Xandi Lochner zu schreiben. Aber nach alter Manier klappt das halt nicht mehr…
Der Einstieg in die Geschichte ist gut gelungen – da steht aber auch noch Henriette im Mittelpunkt, Ehefrau des gefragten Journalisten Hans, die als erste die junge Feministin kennenlernt. Erst später kommt ihr Mann Hans dann ins Spiel, und leider tritt Henriette sehr in den Hintergrund, denn gerade sie mochte ich sehr gerne. Ihre Figur ist großartig gezeichnet, sehr authentisch, voller Ecken und Kanten und Zweifel und dadurch auch sehr sympathisch. Ganz anders ihr Ehemann, der zwar auch gut gestaltet ist, aber bei weitem nicht so sympathisch mit seinem Frauenbild und seinen Einstellungen gegenüber den Dingen und Menschen. Dass er damit auf die Nase fällt (was das Cover wunderbar darstellt), ahnt man schon früh – und es gab tatsächlich einige Situationen, die mich mal haben schmunzeln, aber auch die Augen rollen lassen. Insofern ist der alternde einst erfolgreiche Hans als Figur sehr gut gelungen.
Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen, immer wieder ertappte ich mich dabei, mit den eigenen Gedanken beim Hören des Hörbuchs abzuschweifen. Dabei ist der Schreibstil angenehm – auch ohne Dialoge. Die aber hätten die Geschichte vielleicht etwas lebendiger gemacht, dafür aber gibt es viele Einblicke sowohl in die Arbeit einer Zeitungsredaktion, aber auch in die Gedankenwelt des Protagonisten, der sich mit seinem sich ändernden Umfeld nicht so recht abfinden kann. Ich hatte mir von der Geschichte viel mehr versprochen, insbesondere auch Biss, Ironie und Witz – daran fehlt es der Autorin beileibe nicht, sie hat es aber leider nur knapp dosiert eingesetzt.
Gelesen wird die Geschichte von der Autorin selber – da war ich positiv überrascht, denn meine Erfahrung ist: wer schreiben kann, muss deshalb nicht auch vorlesen können. Aber sie hat mich eines besseren belehrt, und ich mochte ihre klare Stimme sehr; vor allem zu den Szenen mit Xandi und Henriette passte sie super.
Kurzweiliges Lesevergnügen, wobei ich mich die ganze Zeit frage, ob Adorján sich den alten weißen Mann und dessen Kampf mit der Bedeutungslosigkeit satirisch vorgenommen hat, oder die woke Linke. Wahrscheinlich irgendwie beides.
Regt an vielen Ecken zum Denken und Reflektieren an und das durch einem Schreibstil, der das Lesen einfach macht. Absolut empfehlenswert für alle, die eine leichte Lektüre mit vielen Andeutungen auf aktuelle Themen suchen.
Eine großartige und witzige Beobachtung unserer Zeit und des Kulturbetriebs! Teilt in alle Richtungen aus, aber schon sehr gegen alt(ernd)e weiße Männer.
Selbstironie und Verblendung im Zeitalter des Internets. Leichte, aktuelle Kost, fröhlich serviert. ausführlicher und begründeter auf: https://read2write.org/johanna-adorja...
Der Roman „Ciao“ von Johanna Adorján wandelt auf Messers Schneide zwischen Kulturkritik, politischen Aktivismus, zwischen Journalismus und Literatur, zwischen virtueller und manifester Realität, und dabei scheint er mir nur eines sein zu wollen: Unterhaltung, eine gute Zeit, ein fröhliches Geplänkel, eine vergnügliche Lektüre bieten zu möchten, und dies gelingt ihm meines Erachtens ganz formidabel.
Es geht um Henriette und Hans Benedek. Sie, eine ehemalige Dichterin, er, ein Kulturkritiker in der Berliner Zeitung „Die Zeitung“, und es geht um Xandia Lochner, eine Social-Media-Aktivistin und um die Macht der sozialen Medien. Xandia mag die Gedichte von Henriette und bittet deshalb um ein Treffen. Das Treffen verläuft schräg, und sowohl Henriette wie Xandia verlieren das Interesse aneinander. Hans dagegen wittert eine Chance, hier beginnt der zweite Teil des Romans, sein Image aufzupolieren, und plant eine Porträtserie rund um die Internetprominente „Xandia“. Ab diesem Moment jedoch geht wirklich alles für ihn schief.
Statt jedoch die ProtagonistInnen auflaufen zu lassen, diese oder jene Seite zu diffamieren, gelingt dem Roman von Adorján das Kunststück mit Schwung, Selbsthumor, mit Augenzwinkern über ernste Themen zu räsonieren, ohne plakativ, zynisch, politisch zu werden. In erster Linie handelt es sich um eine Charakterstudie, um das Stolpern, Irren und Wirren zwischen allen Stühlen, um das Bemühen, Blamieren, Akzeptieren des Veraltetseins, um Orientierungsversuche eines Planlosen ohne Aggressivität oder kommunikative Gewalt.
„Er [Hans] hoffte, dass es noch nicht schmierig rüberkam, wenn er darauf vorschlug, sich zu duzen. Nie fühlte er sich älter als in den Momenten, in denen eine Anfang Zwanzigjährige im Redaktionsflur zu ihm sagte: »Können Sie mir mit dem Drucker helfen, Herr Benedek, da ist irgendwie Papierstau.«“
Im Gegensatz zu Henriette kann Hans sein Älterwerden nicht akzeptieren und seine Traumata auch nicht überwinden. Statt diese Schwächen jedoch gegen ihn auszuspielen, was ein Leichtes gewesen wäre, entscheidet sich Adorján für Humor, und was herauskommt, ist ein wunderbarer Slapstick durch den Alltag eines Kulturredakteurs im Zeitalter von Twitter. An manchen Stellen ähnelt „Ciao“ sehr an Douglas Adams, an dessen feinen Humor, an die langsame, freundliche Art, auf die Welt zu blicken, beispielsweise in dem Buch „Die letzten ihrer Art“. In diesem Sinne mag „Ciao“ beinahe eine zoologische Studie ohne Ranküne, ohne Auftrag, oder Agenda sein. Mehr eine sehr geduldig beobachtete Beschreibung von Selbstverleugnung, Ignoranz, und Flucht auf allen Seiten des Kulturgeschehens.
„Der Weg auf den Heiligenberg stieg steil an, er [Hans] war völlig aus der Puste. Unbegreiflich, dass ihm als Kind nie aufgefallen war, wie dörflich es hier war, dachte er, eigentlich wie in den Bergen. An den Hängen wuchs Wein, auf dem Gehweg trat man alle paar Meter in matschige Pflaumen, er war an mehreren Gärten vorbeigekommen, in denen Hühner gehalten wurden.“
Wer fröhliche Literatur mag, eine sehr nette Urlaubslektüre, wer sich gerne zum Schmunzeln und Lachen hinreißen lässt, sich und alle ein wenig weniger ernstnehmen möchte, dem sei dieser wunderbare Roman ans Herz gelegt. Ich habe selten so oft und so gerne herzlich gelacht, ohne die Empathie und die Freundlichkeit für die herumstolpernden ProtagonistInnen zu verlieren. Die heitere Gelassenheit von Johanna Adorján erinnert an britischen Humor und Höflichkeit, vergleichbar mit „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Laurence Sterne und „Echos Kammern“ von Iris Hanika.
Es ist schon sehr sehr lange her, dass Henriette ihren Gedichtband veröffentlicht hat und mit ihm so etwas, wie einen kleinen Erfolg zu verzeichnen hatte. Inzwischen ist sie die Ehefrau von Hans Benedek, an dessen Seite in der Öffentlichkeit zu sehen und die Mutter von Emma. Umso überraschter ist sie als ausgerechnet Xandi Lochner um ein Treffen bittet. Denn Xandi Lochner ist nicht irgendwer, die 24-jährige ist Feministen und Liebling alles Social-Media-Kanäle. Alle reißen sich um sie. Sie ist der Star der Stunde. Für Henriette endet der gemeinsame Abend mit Xandi in einer Katastrophe, doch Henriettes Mann Hans wittert seine Stunde. Als Journalist plant er ein Portrait über die Jungautorin Xandi Lochner zu schreiben die so schlagfertig ist. Sein Plan: ein donnerndes Portrait zu schreiben, dass seinem sinkenden Stern in der Redaktion zu neuem Schwung verhilft und so wieder Star der Zeitung zu werden. Immerhin ist es ja Charmant, Charismatisch und gut ja vielleicht nicht mehr ganz so gut aussehend, aber doch noch immer attraktiv genug für seine zahlreichen Affären.
Mit ihrem Roman greift Johanna Adorján das Thema der Stunde auf- den tobenden Geschlechterkampf (im Kulturbetrieb). Auf der einen Seite die alten weißen Männer die sich ihrer Position sicher sind und denken, dass das was schon immer funktioniert hat auch heute noch funktioniert. Auf der anderen Seite jedoch die jungen und unerschrockenen Frauen, die anprangern, mahnen und laut werden. Die zeigen und sagen, wenn ihnen etwas nicht passt und die die Macht haben zu denunzieren und zu verändern. Hervorragen ist, dass die Autorin bei ihrer Darstellung dieses Machtkampfes nicht in einen wütenden Duktus verfällt, sondern durch Argumentation und ihren besonderen Ton nicht jeden männlichen Protagonisten gänzlich demontiert. Denn, nicht jeder Mann oder in diesem Beispiel Hans Benedek, sind egoistisch und selbstsüchtige Monster. Oftmals sind sie einfach nur Opfer der Zeit, die den Wandel nicht sehen oder gesehen haben und so hoffnungs- und orientierungslos durch die Welt irren.
Es handelt sich um eine Gesellschaftssatire, die die Probleme unserer Zeit aufdecken und zum nach und umdenken bewegen soll. Leider schlägt die Geschichte dabei, meiner Meinung nach, etwas über die Stränge. Sie ist zu viel, zu spitz und auch nicht lustig. Sie ist anstrengend. Auf Krampf wird versucht, lustig zu sein, anzuprangern und zu demontieren.
Mir hat die Geschichte nicht gefallen, aber vielleicht bin ich auch die falsche Person für dieses Buch und kann einfach nicht so gut über dieses ernste Thema lachen
In 'Ciao' von Johanna Adorján geht es um Hans Benedek, der lange Jahre als Journalist arbeitet. Um zu beweisen, dass er bei all den Änderungen noch die Zeichen der Zeit erkennt, will er ein Portrait über die Feministin Xandi Lochner schreiben. Doch kann ein alter, weißer Mann ein Portrait über eine junge, hippe Feministin schreiben?
Humorvoll, voller Sarkasmus und schonungslos legt die Autorin in so ziemlich jedes aktuelle Thema unserer Zeit den Finger in die Wunde. Die Geschichte, die wirklich unterhaltsam beginnt hat für mich am Ende ein wenig an Fahrt verloren. Dennoch finde ich den Humor, mit dem Johanna Adorján ihre Gesellschaftskritik einpackt, so einzigartig gut, dass das Buch unfassbar schnell ausgelesen war.
Für mich ist 'Ciao' ein lesenswertes, kurzweiliges, aber dennoch in die Tiefe gehendes Buch, was ich nur empfehlen kann!
I forgot my backpack with my holiday books. Luckily, there is a great little bookshop close by (I'm in Ahrenshoop). In another lucky streak, there were two books lately that I wanted to buy/read but didn't, because I have so many other books waiting for me at home. Those two books were Heinz Strunk's new one and precisely this one, first and foremost because I really enjoy Johanna Adorjan's weekly SZ magazine column, as well as her interviews, articles, and her Instagram feed. Hmm, I guess I'm a fan.
So anyway, I bought both books and read this one in a day and a bit at the beach. It's a quick and fun read and very much of this moment. Afterwards I ended up thinking: good thing I'm not on Twitter and man, things are complicated.
Dieses Buch hat mich nachdenklich gestimmt. Ich habe mir schon früher Gedanken zum Umgang vom "weissen, alten Mann" mit den aktuellen "Social Justice" - Themen gemacht. Dieses Buch liefert keine Antworten dazu. Es stellt eher noch viel mehr Fragen.
Die Charakter im Buch sind menschlich so wie du und ich. Sie sind bewusst so gewählt, da die Autorin weiss, dass ihre Zielgruppe sich mit diesen Charaktern identifizieren muss, damit dieses Buch, diese Geschichte funktionieren kann. Dabei sollen wir, die Leser, uns auch in diesen Charaktern sehen und uns Fragen über uns selbst stellen.
Ich will in keiner Form etwas Negatives über dieses Buch sagen, auch wenn diese Aussage mit der 2-Sterne-Bewertung komisch wirkt. Diese zwei Sterne kamen zustande, da ich mit den falschen Erwartungen in die Lektüre eingetaucht bin. Ich wollte, dass dieses Buch die langersehnten Antworten auf die Streitfragen unseres Generationengrabens gibt. Wie sollen wir, die Jungen, die Welt so gestalten, dass unsere älteren Mitmenschen sie auch noch mitgestalten können, ohne dass es zum stocken kommt? Wie sollen die älteren Mitmenschen den schnellen Wandel der Gesellschaft mitverfolgen? Wie können sie noch leben ohne als Rassist*in, Sexist*in oder homophobe Person abgestempelt zu werden?
Wenn dieses Buch etwas ganz klar vor Augen führt, dann wie heftig z.T. die Cancel-Culture auf Twitter sein kann und wie Political correctness mehr Schaden als Nutzen bringt.
Dieses Buch ist auch für alle selbsternannten Social Justice Warriors auf Twitter. Es ist kein Angriff, sondern eine Erinnerung an die Menschlichkeit der "Gegnerseite" (a.k.a. Die 'Boomer', die nicht so schnell mitkommen, wie die Warriors selber). Es soll daran erinnern, dass man auch manchmal erklären muss und das der*die vermeintliche Gegner*in vielleicht einfach auch nur ein*e unaufgeklärte*r Supporter*in ist.
Falls diese Rezension nichts gebracht hat, sorry not sorry aber auf jeden Fall das Buch lesen. Bitte.