Ein modernes Großstadtabenteuer - Ganovenstück und Lovestory zugleich
Für Beverly Kaczmarek läuft es überhaupt nicht. Eigentlich ist sie nach Berlin gekommen, um im großen Stil Museen und Juweliere auszuräumen, doch so richtig wollen ihre Pläne nicht zünden. Denn während ihre Brüder Fabergé-Eier aus der St. Petersburger Eremitage entwenden und es damit in die internationale Presse schaffen, ärgert sich über ihre mittelmäßige Ausbeute. Also beschließt sie einen Coup zu landen, der an Logistik und Tollkühnheit neue Standards setzen wird, und etwas wirklich Großes zu die Quadriga auf dem Brandenburger Tor.
Michel Decar beschwört mit Verve und Tempo eine Welt, in der Diebstahl die einzige Möglichkeit geworden ist, zu bekommen, was einem zusteht. Mit stilistischer Leichtigkeit erzählt er von einer Gegenwart, in der die Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit neu gezogen werden müssen. Eine Ganoven-Saga voll schräger Figuren.
Ein Schauspiel voll bunter Charaktere und skurriler Realitäten. Wunderbar zu lesen. Schon lange brachte mich kein Buch mehr so zum Lachen. Der Decar-Effekt setzte genau wie bei Tausend deutsche Diskotheken nach den ersten Zeilen ein.
Wenn man Beverly Kaczmarek nach ihrem Beruf fragen würde, käme als Antwort wahrscheinlich Meisterdiebin, obwohl sie sich dessen nach ihrem letzten Coup nicht mehr so sicher ist. Ist ja auch schwierig, in einer Familie zu reüssieren, in der sie immer mit ihren weitaus erfolgreicheren Brüdern konkurrieren muss. Die haben es drauf, klauen so hochpreisige Objekte wie Fabergé-Eier aus der Eremitage in St. Petersburg und machen sich dann noch lustig über ihre kleine Schwester, die es noch nicht einmal schafft, ihre Beute verlustfrei zu transportieren. Hat sie doch eine der beiden erbeuteten Wegwood-Vasen ihres letzten Bruchs fallen lassen. Jetzt will sie es sich und den anderen beweisen und plant den Supercoup. Die Quadriga vom Brandenburger Tor, die soll es sein.
Michel Decar war für mich ein unbekannter Autor, und so wusste nicht, worauf ich mich mit seinem neuen Roman einlassen würde. Und der Start war in der Tat holprig. Ich habe mich zu Beginn mehrmals gefragt, ob ich wirklich die Story einer durchgeknallten Räuberschwester lesen will, die einen unmöglichen Coup plant. Aber je weiter die Story fortschritt, umso mehr war ich von dem ungewöhnlichen Stil und der rotzigen Sprache angetan.
Wir finden hier Versatzstücke unterschiedlicher Genre: Ein guter Schuss Pulp und Trash, eine Prise Familiengeschichte, etwas Krimi, jede Menge Situationskomik, Ironie und schräge Kommentare über Gott und die Welt, aber auch verborgene Anspielungen auf den Status Quo der Gesellschaft. Hier werden gekonnt Klischees eingesetzt und ausgehebelt und jede Menge Typen aufgefahren, die im Gedächtnis bleiben werden. Ob das nun Dragan, der anarchistische Wetterterrorist oder die neben der Spur laufende Museumsdirektorin ist, jede/r ist für sich ein Unikat und passt wie die Faust auf’s Auge zu dieser Story, die einfach nur gute Laune macht. Lesen!
Herrlich. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem jeder einzelne Satz unerwartet ist und wie eine Süßigkeit auf der Zunge zergeht. Ich habe so oft laut aufgelacht, mir besonders gewitzte Sätze aufgeschrieben und ganze Seiten von vorne gelesen, weil sie mir so gut gefallen haben. 10/10, ich glaube, das ist mein neues Lieblingsbuch.
Das ist Pulp Fiction vom Feinsten: Beverley Kaczmarek, Spross eines Ganovenclans aus Opole, will es ihrer Familie endlich mal beweisen. Sie hat genug davon, als das angeblich unfähige Nesthäkchen belächelt zu werden. Gerade können sich ihre älteren Brüder dank des Diebstahls zweier Fabergé Eier im Ruhm sonnen - da muss Beverley noch eins drauf setzen. Das ist ganz klar eine Frage des Diebesehre! Ihr Coup soll ihr endlich den verdienten Respekt der Familie verschaffen, womöglich gar einen Artikel im internationalen Fachmagazin der Branche, dem Heist Journal! Einfacher Kunstraub ist nichts für Beverley: Sie will die Quadriga vom Brandenburger Tor klauen - und auch mit den logistischen Herausforderungen fertig werden. Immerhin: wie ist so eine Beute wegzuschaffen?
In "Die Kobra von Kreuzberg" bedient sich Michel Decars eines wunderbar schrägen und trashigen Humors und rasanten Tempos. Durch das ganze Buch zieht sich ein wunderbarer Hauch von Anarchie, mit Seitenhieben auf die bürgerliche, man könnte auch sagen spießige Welt der Gesetzestreuen. Klischees werden liebevoll ausgespielt - nicht nur kommen die Kaczmareks aus Polen, es wimmelt nur so von Referenzen an Balkan und Zentralasien, selbst der Kommissar, der sich an Beverleys Spuren heftet, kommt aus Ungarn. Und mit Wetteranarchisten Dragan findet Beverley nicht nur einen Partner in crime, sondern noch viel mehr.
Zwischen Slivovitz und Wodka, illegalen Wettbüros und internationalem Kunstraub wird so ziemlich alles aufgeboten. Dass die Männer des Kaczmarek-Clans allesamt in Trainingsanzügen auftauchen - man hört beim Lesen förmlich das Rascheln von Nylonstoff, sieht lange Koteletten und hört das Rattern von Ladas - gehört da nur zum Spiel mit den Klischees. Bandwurmsätze voller bildhafter Ausschmückungen a la Raymond Chandler mögen an die Serie noir erinnern, hier aber ist alles bevorzugt neongrell mit einer Note Berliner Schmuddelecke. Beverley erinnert an eine kriminelle Pippi Langstrumpf, die Autoritäten in Frage stellt, ihr Ding durchzieht und sich nichts gefallen lässt.
Schon allein der witzigen Dialoge und Beverleys Gedankengängen wegen lohnt sich die Lektüre der "Kobra von Kreuzberg". Bis zu den kleinsten Nebenfiguren wird genüsslich alles auf die Spitze getrieben. Ziemlich klar, dass Michel Decar beim Schreiben eine Menge Spaß hatte. Mir ging es beim Lesen ebenso.
To one-up her brothers and annoy the world, the protagonist decides to steal the Quadriga from the Brandenburger Tor in Berlin.
This is very, very, very characterdriven. Could appeal potentially to reader of Ottessa Moshfegh in that this also is about a young-ish weird woman who does her own thing. Most of this novel feel slice of life, but from the point of view of a full time criminal who gets by enough to be able to do crime for fun.
Very weird, but sadly not my kind of weird. Will pass it on and see what others say.
Warnings are probably incomplete because I waited too long with updating GR.
Ein sehr unterhaltsamer kurzer Roman, mit viel Humor, Sprachwitz und Fantasie geschrieben. Verbindet lokale, fantastische und thrillerartige Elemente zu eine ungewöhnlichen Mischung. Wenn man sich darauf einlässt, macht das Buch extrem viel Spaß. Wenn man es einem Genre zuordnen will, dann kann man es vielleicht als eine Persiflage auf die Edelgangstergeschichten wie "Ocean's Eleven", "Topkapi" oder "Der Clou/The Sting" sehen.
eigentlich hatte ich nach dem Klappentext sehr große Hoffnung in die Story, aber leider gefiel mir der Schreibstil überhaupt nicht und auch die Protagonistin ist 0 sympathisch/nachvollziehbar/etc. klare nicht-Empfehlung!
Mich hat das Buch nicht gepackt. Seitenlanges abschweifen (in witzige, anektdotische Geschichten, Sätze, etc.) haben keinen Platz für Tiefe gelassen. Vielleicht eher etwas für Berliner, die mehr lokale Bezogenheit haben. Für mich keine Empfehlung
Habe es direkt nach Nolte gelesen und sehr gemocht! Die Figuren sind toll! Allerdings so viel schon wieder vergessen, dass ich es noch mal lesen müsste. Toller Berlin-Roman, sehr witzig und ziemlich irre!
Sehr abstrus. Teils sehr lustig, aber auch oft einfach nur eine Aneinanderreihung von Absurditäten. Spielt in meinem Kiez, das machte es etwas interessanter.
Kurzweilig, unterhaltsam und ein Sprüchefeuerwerk von Antihelden der Berliner Unterwelt, die sich über nationales Recht hinwegsetzen, die Privilegien Europas auskosten und sich dabei die Welt zu eigen machen.
Popkulturell, ohne besondere Tiefe oder hohen Anspruch.
Auf dem schwarzen Cover sehen wir die Köpfe zweier Menschen mit Masken, darüber den Namen des Autors Michel Decar, zwischen den beiden den Titel "Die Kobra von Kreuzberg".
Beverly Kaczmarek hat nicht das große Glück. Sie liest in der Zeitung, dass ihre Brüder wieder mal einen Coup gelandet haben, nämlich Fabergé-Eier aus der St. Petersburger Eremitage entwendeten, und sie? Sie schafft es gerade mal, zwei wirklich wertvolle Vasen zu stehlen. Deren vorheriger Besitzer gehört zur Berliner Unterwelt und weiß allerdings schnell, wer ihm diese gemopst hat. So ein Pech, dass sie ihn für ihren großen Plan benötigt. Er verlangt nun im Gegenzug einen weiteren Raubzug. -
Allerdings muss sie auf jeden Fall ihren Plan umsetzen, damit sie von ihrer Familie endlich anerkannt wird. Sie findet die Hilfe des Wetteranarchisten Dragan Vivovic, der zu ihr steht. - Ob es klappt, die Quadriga vom Brandenburger Tor zu stehlen, muss der geneigte Leser selbst herausfinden.
Michel Decar versteht es, mit leichten Worten von Ort zu Ort, von Person zu Person, von Handlung zu Handlung zu springen - und wir begleiten ihn dabei. Er hat einen hervorragenden Humor, den er seinen beiden Hauptprotagonisten auf den Leib schreibt. Es macht Spaß, die Situationskomik dieses Romans zu erleben. Besonders viel Freude machte es das überraschende Ende.
Eine herzerfrischende Krimiparodie, die ich sehr gerne gelesen habe.
Der Roman "Die Kobra von Kreuzberg" erschien im März 2021 im Verlag Ullstein.